Originaltitel: Far from Heaven
USA 2002
Julianne Moore
Dennis Quaid
Dennis Haysbert
Regie: Todd Haynes
Verleih: Concorde
1957 in einer Provinzstadt an der neuenglischen Küste. Die Whitakers gelten als Musterbürger und Vorzeigeehepaar: Frank (Dennis Quaid) versorgt die Gemeinde mit den ersten Fernsehgeräten, Cathy (Julianne Moore) spielt auf gesellschaftlicher Ebene die beliebte Gastgeberin. Doch der Schein trügt: Hinter den Kulissen gibt sich die sexuell vernachlässigte Cathy dem attraktiven Gärtner hin, während Frank in einschlägiger Szene seine heimliche Homosexualität auslebt.
Todd Haynes ("Velvet Goldmine") erweist Altmeister Douglas Sirk ("Was der Himmel erlaubt") eine Referenz mit diesem stilistisch makellosen und hervorragend gespielten Melodram in detailgenauem Ambiente der 50er Jahre.

Zu den großen Siegern der diesjährigen Filmfestspiele von Venedig gehörte, neben "The Magdalene Sisters" von Peter Mullan und "Oasis" von Lee Chang-dong, Todd Haynes' "Far from Heaven". Julianne Moore gewann als beste Hauptdarstellerin einen Coppa Volpi, während Kameramann Ed Lachman ("Erin Brockovich") für seinen "außergewöhnlichen individuellen Beitrag" geehrt wurde. Großartig besetzt, traumwandlerisch sicher inszeniert und in allen technischen Belangen makellos gehandhabt, dürfte dem - noch zu findenden - deutschen Verleih dieses stimmigen Melodrams mit entsprechenden Marketing-Maßnahmen ein solides bis gutes Geschäft sicher sein.
In seinem Nachfolgefilm zu "Velvet Goldmine" (1998) besetzt Todd Haynes Julianne Moore ("Boogie Nights", "Hannibal") als geplagte, wohlsituierte Hausfrau, was sogleich Erinnerungen an deren erste Zusammenarbeit bei "Safe" weckt. Doch die Cathy Whitaker aus "Far from Heaven" hat nichts gemein mit der gestressten, in Los Angeles wohnenden Carol White aus seinem Indie-Hit von 1995. Wie schon der Titel vermuten lässt, ist Haynes' jüngster Kino-Streich vielmehr eine Hommage an Douglas Sirks Vorzeige-Melodram "Was der Himmel erlaubt" (1955), wobei Moore in die Rolle von Jane Wyman und Dennis Haysbert in die von Rock Hudson schlüpft. Schauplatz der Handlung: Hartford, Connecticut. Das Jahr: 1957. Die Whitakers, Papa Frank (Dennis Quaid), Mama Cathy und die beiden Kinder, führen ein scheinbar glückliches Leben - Dienstmädchen Sybil (Viola Davis) und der farbige Gärtner Raymond (Dennis Haysbert) inklusive. Frank ist Chef der örtlichen Vertretung des Fernsehgeräteherstellers Magnatech TV, seine stets lächelnde, perfekt frisierte und gekleidete Gattin - Rotschopf Moore als platinblonder Lana-Turner-Klon - Mittelpunkt des Gesellschaftslebens der Kleinstadt. Doch die Idylle trügt, hinter der gutbürgerlichen Fassade tun sich Abgründe auf. Die frustrierte, sexuell vernachlässigte Cathy verfällt zusehends dem Charme ihres wortgewandten, einfühlsamen Gärtners, während Frank seine Homosexualität in einschlägigen Clubs auslebt und seinem geordneten Zuhause immer öfter fern bleibt...
Eine "einfache, unterhaltsame Liebesgeschichte" wollte er erzählen, behauptet Regisseur und Autor Haynes, der das Buch speziell für Moore geschrieben hat. Das war jedoch nicht so leicht, denn die Tabus der Fünfziger haben heute durchaus noch ihre Gültigkeit. Versteckt zwar, aber immerhin. Und so kam der Filmemacher darauf, seine Geschichte im scheinbar antiseptischen, von ihm geliebten "Sirk-Land" anzusiedeln, jenem Land, von dem Rainer Werner Fassbinder schon schrieb, dass es "einem das Gehirn öffnet". Das Thema Rassismus - der begehrenswerte Gärtner ist ein Schwarzer - stammt aus Sirks "Solange es Menschen gibt" (1958), der klar gegliederte Set aus den aufwändigen Studioproduktionen der fünfziger Jahre. Das Treppenhaus bildet das Zentrum des Anwesens, um es herum spielen sich die großen und kleinen Katastrophen ab. Hier beginnt Cathys gesellschaftlicher Abstieg, hier verfällt Frank zusehends dem Alkohol - und am Ende des Films sind drei Leben zerstört.
Das makellose Außen, saubere Häuser, blankpolierte Autos, blütenweiße Handschuhe, herbstliche Blätter, stehen im harten Kontrast zum zerstörten Innen. Der Schein zählt, nicht das Sein - vor lauter Lächeln hätte ihr das Gesicht abends immer weh getan, erinnert sich Julianne Moore. Und so gilt es, bei diesem makellos fotografierten, stupend ausgestatteten, mit sicherer Hand inszenierten und vorzüglich gespielten Film hinter die Bilder zu schauen, um die Wahrheit zu sehen. Die kalte Rationalität von "Safe" mischt sich hier mit dem camp von "Velvet Goldmine". Herz und Hirn werden gleichermaßen angesprochen und gleichzeitig dem klassischen Hollywood-Kino Tribut gezollt. Todd Haynes spielt nun in der A-Liga, jetzt müssen nur noch die Zuschauer mitspielen. geh.
So eine doppelte Oscar-Nominierung kurbelt die Karriere an: Sobald Julianne Moore mit Pierce Brosnan "Laws of Attraction" abgedreht hat, wird sie für einen Mystery-Thriller vor der Kamera stehen.
"The Forgotten" wird das unheimliche Werk heißen. Moore spielt Telly Paretta, die nicht über den Tod ihres 8-jährigen Sohnes hinwegkommt.
Einen noch größeren Schock erleidet sie allerdings, als ihr Therapeut ihr eine verstörende Eröffnung macht: Sie habe nie einen Sohn gehabt und sich die Erinnerungen an 8 gemeinsame Jahre nur eingebildet. Als Telly jedoch eine andere Patientin des Therapeuten erzählt, dass dieser ihr die selbe Diagnose gestellt hat, wird sie misstrauisch. Damit beginnt die Suche nach einer beängstigenden Wahrheit.
Nach "Laws of Attraction", einer Romantikkomödie, die Julianne Moore als Scheidungsanwältin an der Seite von Pierce Brosnan zeigt, ist "Forgotten" innerhalb kurzer Zeit das zweite Großprojekt für die rothaarige Amerikanerin: Allein das Drehbuch war Joe Roth, dem Chef der Revolution Studios, eine siebenstellige Summe in Dollars wert.
Aber auch Moores Marktwert dürfte sich nach den zwei Oscarnominierungen für "The Hours" und "Dem Himmel so fern" gewaltig gesteigert haben. Roth ist voll des Lobes für seine Hauptdarstellerin:
"Ich war schon immer ein großer Fan von Julianne. Sie ist eine bemerkenswerte Schauspielerin und sie bringt die perfekte Mischung von Entschlossenheit und Verletzlichkeit für die Rolle mit."
In einem etwas anderen Licht erscheint Roths Lobeshymne allerdings vor dem Hintergrund, dass ursprünglich Nicole Kidman für die Rolle vorgesehen war. Doch die wird derzeit derart mit Angeboten überhäuft, dass sie fast unbezahlbar geworden ist.
Pikant: In "The Hours" standen Kidman und Moore noch gemeinsam vor der Kamera, beide ernteten Oscar-Nominierungen: Kidman als Beste Haupt-, Moore als Beste Nebendarstellerin. Julianne Moore ist zwar für ihre Rolle in "Dem Himmel so fern" auch als Beste Hauptdarstellerin nominiert, nur werden ihr gegen die Australierin höchstens Außenseiterchancen eingeräumt. Zumindest auf der Casting-Couch des George Roth hat Julianne nun die Kidman ausgestochen.
Drehstart für "Forgotten" soll übrigens schon Ende des Jahres sein, sobald die letzte Klappe für "Laws of Attraction" gefallen ist. Regie wird Joseph Ruben führen, der schon Superstar Julia Roberts in Der Feind in meinem Bett in Szene setzte.
Hoffentlich wacht Moore nicht eines Tages auf und stellt fest, dass sie sich den ganzen Erfolg nur eingebildet hat...
Die fast transparente Haut betont die zerbrechliche wirkende Erscheinung der rothaarigen Julianne Moore. Hinter dem zarten Naturell...
Er trägt ein charmantes und manchmal verwirrtes Siegerlächeln, ist der Typ der lockeren Verführung, der keiner Affäre abgeneigt ist und dabei...
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