Johnny Depp
Gary Farmer
Lance Henriksen
Regie: Jim Jarmusch
Verleih: Pandora
William Blake macht eine beschwerliche Reise in den "wilden" Westen, nur um bei seiner Ankunft herauszufinden, daß der Job, den er antreten sollte, längst vergeben ist. Nach einer Verkettung unglücklicher Umstände wird Blake zum Outlaw, der sich in die Wälder flüchtet. Ein literaturbeflissener Indianer leistet ihm Gesellschaft und bietet ihm seine gesammelten Lebensweisheiten an.

In einen tiefen mystischen See taucht ein, wer Kultfilmer Jim Jarmuschs neuem Werk, einem Western, auf den Grund kommen will. Doch taucht man auch noch so tief hinab, fündig wird man nicht. Zumindest nicht, was die Sinnsuche angeht. Optisch ist man bei der sanften, meist ohne harte Übergänge gefilmten Schwarzweißfotografie von Wenders' und Jarmuschs Kameramann Robby Müller ("Der amerikanische Freund", "Paris, Texas", "Bis ans Ende der Welt", "Down By Law", "Mystery Train") bestens bedient. Das für einen Western ungewöhnliche Schwarzweißmaterial wird der Art dieses Films voll gerecht: Einen solchen Wild-Westener hat man noch nicht gesehen. Schon immer hat "Indie" Jarmusch gerne Konventionen gesprengt - das ist ihm auch diesmal gelungen, doch auf breite Zustimmung wie bei "Down By Law" wird sein "Dead Man" schwerlich treffen. Der streckenweise sehr schöne, mit über zwei Stunden aber bei weitem zu lange Film hat ein großes Handikap: er ist action- und handlungsarm. Ein aufreibender Widerspruch, erzählt der Film doch die Geschichte eines Mannes, der ungewollt zum Outlaw und Gunman wird. William Blake, ein schüchterner, gesetzestreuer junger Mann aus Ohio, unternimmt eine lange Bahnfahrt an die äußerste Grenze des erschreckend Wilden Westens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, um in "Lands End" eine Stelle anzutreten. Er muß nicht nur feststellen, daß sein Job längst anderweitig besetzt ist, sondern gerät alsbald, unschuldig und unfreiwillig, in gewalttätige Auseinandersetzungen. Schwer verletzt flieht er in die Prärie, wo ihn der von seinem Stamm verstoßene Indianer Nobody, der ihn für den toten englischen Dichter William Blake hält, unter seine Fittiche nimmt. Gejagt von eiskalten Kopfgeldjägern ziehen diese zwei Wanderer zwischen den Welten durch den Wilden Westen. Blake wird zu einem berüchtigten Killer, Nobody zu seinem geistigen Mentor, der ihn bis an die Schwelle des großen Totensees geleitet. Immer wieder retardiert die Geschichte, stoppt der Film sich selbst, bevor er in Gang kommen kann - was er ja gar nicht will. Johnny Depp gibt diesen Helden wider Willen überzeugend und abwesend intensiv, immer etwas neben sich stehend, als Prototyp des Antihelden. In seiner Passivität ist er sicherlich die Idealbesetzung, während sein Buddy Nobody (Gary Farmer aus "Powwow Highway") die Action-Lorbeeren erntet. Die Besetzungsliste weist einige große Namen auf, meistens jedoch in unbedeutenden oder winzig kleinen Rollen (u.a. Robert Mitchum in einem austauschbaren Kurzauftritt). Neil Youngs wunderschöner Soundtrack verleiht dem Film, in den man hineinlegen kann, was immer man mag, seinen maßgeschneiderten Schwebezustand. Kino für Liebhaber. boe.
| Darsteller: | Johnny Depp | ||
|---|---|---|---|
| Gary Farmer | |||
| Lance Henriksen | |||
| Michael Wincott | |||
| Mili Avital | |||
| Crispin Glover | |||
| Eugene Byrd | |||
| Iggy Pop | |||
| Billy Bob Thornton | |||
| Jared Harris | |||
| Michelle Thrush | |||
| Jimmie Ray Weeks | |||
| Mark Bringelson | |||
| Gabriel Byrne | |||
| John Hurt | |||
| Alfred Molina | |||
| Robert Mitchum | |||
| Regie: | Jim Jarmusch | ||
| Drehbuch: | Jim Jarmusch | ||
| Produzent: | Demetra J. MacBride | ||
| Kamera: | Robby Müller | ||
| Musik: | Neil Young | ||
Piraten, Hutmacher, Indianer - Johnny Depp kann alles spielen. Tut er auch, wie seine kommenden Projekte zeigen.
Den Wilden Westen kennt er schon: Bereits 1995 ritt Johnny Depp in Jim Jarmuschs "Dead Man" als mörderischer Outlaw durch die Weiten Amerikas - immer begleitet von einem weisen Indianer. Nun wird Depp die Rollen tauschen - und selbst einen amerikanischen Ureinwohner spielen. In "Lone Ranger" von Jerry Bruckheimer hat sich Depp den Part des Indianers Tonto gesichert.
"Lone Ranger" bezieht sich auf die TV-Serie "The Legend of the Lone Ranger". Sie erzählt von einem jungen Texaner namens John Reid, der nur knapp einen Hinterhalt überlebt. Mit Hilfe des Indianers Tonto, der ihn gesund pflegt, kann er sich von dem Anschlag erholen. Fortan reitet er mit Tonto und seinem treuen Pferd Silver als maskierter "Lone Ranger" durch den wilden Westen, um für Gerechtigkeit zu sorgen.
Die Besetzung des Tontos mit Depp überraschte einige Beobachter etwas, schließlich sei diese Rolle doch eher geschaffen für einen Schauspieler mit indianischer Abstammung. Depp könne sich aber immerhin auf seine Urgroßmutter beziehen: Die nämlich war eine Cherokee. Auch die Frage nach der Hauptrolle sorgte für Rätselraten. "Wenn Disney schon Depp in der Nebenrolle hat - wen wird das Studio wohl für den Hauptpart engagieren?", so ein Insider.
Johnny Depp dürften solche Mutmaßungen herzlich egal sein, denn er spielt sowieso, was er will: Demnächst ist er als verrückter Hutmacher in Tim Burtons Neuverfilmung von "Alice im Wunderland" zu sehen. Und auch als Jack Sparrow wird er bald wieder die Leinwand erobern - Depp hat einen vierten Teil von "Pirates of the Caribbean" nun endgültig zugesagt.
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