Verstörendes Psychogramm einer norddeutschen Gemeinde kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, in der sich vermeintliche Unfälle als rituelle Bestrafungen offenbaren. http://images.kino.de/flbilder/max09/mbiz09/mbiz39/z0939501/b150x150.jpg Das weiße Band

Filmdetails

Das weiße Band

Verstörendes Psychogramm einer norddeutschen Gemeinde kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, in der sich vermeintliche Unfälle als rituelle Bestrafungen offenbaren.


Das weiße Band
Start: 15.10.2009

Drama

Deutschland/Österreich/Frankreich/Italien 2009
Laufzeit: 144 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Christian Friedel
Ernst Jacobi
Leonie Benesch

Regie: Michael Haneke
Verleih: X Verleih (Warner)

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Inhalt

Der Erste Weltkrieg liegt bereits in der Luft. In einem scheinbar ganz normalen Dorf in Norddeutschland gehen die Dinge ihren normalen Gang. Der Dorflehrer leitet auch den Schul- und Kirchenchor, der sich aus den Kindern und Jugendlichen des Orts zusammensetzt. Sie bilden einen Querschnitt der dortigen Gesellschaft, sind die Kinder von Gutsherren, Hebammen, Ärzten und Bauern. Dann beginnen Unfälle, die sich zunächst niemand so recht erklären kann. Je mehr davon passieren, desto stärker kristallisiert sich heraus, dass eine Methode dahinter zu stecken scheint: Die vermeintlichen Unfälle scheinen Bestrafungen zu sein.


Kritik

Das weiße Band

Goldene Palme für Michael Haneke: In einem trügerisch ruhigen Horrorfilm deckt er die Grausamkeiten auf, die Menschen sich in einem kleinen Dorf antun.

Das Timing hätte nicht kurioser sein können. Während beim 62. Festival de Cannes noch über "Inglourious Basterds" debattiert wurde, konfrontierte Michael Haneke die Filmkritik mit einem deutschen Schrecken ganz anderer Art: Die bevorzugte Waffe des Österreichers ist nunmal nicht der Baseballschläger, sondern das Skalpell. So sublim und bedächtig wie in der deutsch-österreichisch-französisch-italienischen Koproduktion "Das weiße Band", federführend produziert von X Filme Creative Pool, hat er es allerdings noch nie geführt. "Eine deutsche Kindergeschichte" lautet der Untertitel des in wunderbarem Schwarzweiß gedrehten Films, der Haneke erstmals in die Vergangenheit führt, in ein kleines protestantisches Dorf im Norden des Landes, das in Kürze in den Ersten Weltkrieg eintreten wird. Und tatsächlich sind es die Kinder, die einem am meisten leid tun, während die Männer Brutalität ausüben und die Frauen fliehen, wenn sie können.

Meisterlich zeigt der Österreicher, der in Cannes zuvor für "Die Klavierspielerin" den Großen Preis der Kritik und für "Caché" den Regiepreis erhalten hatte, den Alltag in dem Ort, banal, langweilig, scheinbar unauffällig. Ohne sich für eine Hauptfigur zu entscheiden, bewegt sich die Geschichte von Hof zu Hof, etabliert die Strukturen in der Gemeinde, die mit scheinbar unzusammenhängenden Ereignissen konfrontiert wird - ein Reitunfall des Doktors, ein tödliches Unglück einer Arbeiterin, ein Junge wird vermöbelt, ein anderer gequält, Brandstiftung und Selbstmord kommt dazu. Aus der Sicht des unbedarften Dorflehrers erzählt, entfaltet "Das weiße Band" seinen Sog langsam, aber unaufhaltsam: Fast unmerklich deckt Haneke die Grausamkeiten und Brutalitäten auf, die das Zusammenleben in dem Dorf definieren. Wirkten die Unfälle anfänglich wie Fremdkörper, die der Gemeinde wie eine Gefahr von Außen aufoktroyiert werden, realisiert man mehr und mehr, dass sie Ausdruck dessen sind, was hier Alltag ist. Entsprechend werden die Geheimnisse nicht aufgelöst in diesem Horrorfilm des undefinierten Schreckens: "Das weiße Band" will keine Antworten geben, es ist ein Film über eine Stimmung, über das Wesen der Menschen zu einer ganz bestimmten Zeit, die gewisse geschichtliche Entwicklungen unter anderem erst ermöglicht. Es ist der präziseste Film, der jemals über etwas Vages gedreht wurde - und als solches durchaus hypnotisierend, ohne dass Haneke das Tempo jemals erhöhen oder den Rhythmus beschleunigen müsste. Ein Mysterium, weitaus weniger direkt und zwingend als Hanekes elektrisierender Cannes-Vorgänger "Caché", das erst durch seine Rätselhaftigkeit Antworten gibt. ts.

Das weiße Band

Darsteller:  Christian Friedel   als Der Lehrer
  Ernst Jacobi   als die Stimme des alten Lehrers
  Leonie Benesch   als Eva
  Ulrich Tukur   als Der Gutsherr
  Ursina Lardi   als Frau des Gutsherrn
  Fion Mutert   als Sigi, der älteste Sohn des Gutsherrn
  Michael Kranz   als Der Hauslehrer
  Burghart Klaußner   als Pfarrer
  Steffi Kühnert   als Frau des Pfarrers
  Maria-Victoria Dragus   als Klara, Tochter des Pfarrers
  Leonard Proxauf   als Martin, Sohn des Pfarrers
  Thibault Serie   als Gustl, der kleine Bruder
  Josef Bierbichler   als Verwalter
  Enno Trebs   als Georg, Verwaltersohn
  Theo Trebs   als Ferdinand, Verwaltersohn
  Janina Fautz   als Erna, Verwaltertochter
  Rainer Bock   als Arzt
  Susanne Lothar   als Hebamme
  Roxane Duran   als Anna, Tochter des Arztes
  Miljan Chatelain   als Rudi, Sohn des Arztes
  Eddy Grahl   als Karli, Sohn der Hebamme
  Branko Samarovski   als Bauer
  Birgit Minichmayr   als Frieda, Tochter des Bauern
  Kai Malina   als Karl, Sohn des Bauern
  Sebastian Hülk   als Max, der älteste Sohn des Bauern
  Aaron Denkel   als Kurti, Sohn des Bauern
  Kristina Kneppek   als Else
  Stephanie Amarell   als Sophie
  Bianca Mey   als Paula
  Mika Ahrens   als Willi
  Detlev Buck   als Evas Vater
 
Regie:  Michael Haneke  
Drehbuch:  Michael Haneke  
Produzent:  Stefan Arndt  
  Prof. Dr. Veit Heiduschka  
  Margaret Ménégoz  
  Andrea Occhipinti  
Ausf. Produzent:  Michael Katz  
Kamera:  Christian Berger  
Schnitt:  Monika Willi  
Produktionsdesign:  Christoph Kanter  
Kostüme:  Moidele Bickel  
Maske:  Waldemar Pokromski  
  Anette Keiser  
Ton:  Guillaume Sciama  
  Jean-Pierre Laforce  

Zehn Lolas für "Das weiße Band"

Nach dem Erfolg in Cannes und einer Oscar-Nominierung regnete es nun Lolas ...

Großansicht Zehn Mal mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet: "Das weiße Band" (Foto: X Verleih (Warner))

Zehn Mal mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet: "Das weiße Band" (Foto: X Verleih (Warner))

Michael Hanekes "Das weiße Band" ist seiner Favoritenrolle bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises - der Film war insgesamt 13 Mal nominiert gewesen - gerecht geworden. Mit zehn Auszeichnungen, darunter dem Deutschen Filmpreis in Gold zwei Lolas (bestes Drehbuch und beste Regie) für Haneke sowie jeweils eine für Christian Berger (beste Kamera/Bildgestaltung), Burghart Klaussner (bester Hauptdarsteller) und Maria-Victoria Dragus (beste Nebendarstellerin) erhielt er die mit Abstand meisten Filmpreise.

Der Deutsche Filmpreis in Silber ging an Hans-Christian Schmids "Sturm", mit dem Deutschen Filmpreis in Bronze wurde Feo Aladags "Die Fremde" ausgezeichnet, dessen Hauptdarstellerin Sibel Kekilli die Lola als beste Hauptdarstellerin erhielt.

Die Lola: Ein Herz auch für Komödien

Die Auszeichnung für die beste männliche Nebenrolle ging an Justus von Dohnanyi ("Männerherzen"), als bester Kinderfilm wurde "Vorstadtkrokodile" ausgezeichnet, als bester Dokumentarfilm "Das Herz von Jenin".

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Christian Friedel

* 09.03.1979

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  • Men in Black 3

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