Originaltitel: Sponsoring
Frankreich/Polen/Deutschland 2011
Juliette Binoche
Anaïs Demoustier
Joanna Kulig
Regie: Malgorzata Szumowska
Verleih: Zorro
Eine erfolgreiche Pariser Journalistin recherchiert für ein Hochglanzmagazin über Studentinnen, die sich für ein besseres Leben prostituieren. In intensiven Gesprächen mit zwei jungen Frauen lernt sie das Milieu jenseits jeglicher Romantik kennen, in dem zumeist verheiratete Männer ihrer Lust nachgehen. Und sie realisiert plötzlich die Brüche und Defizite in ihrer großbürgerlichen Existenz, die kleinen und großen Lügen, die einen scheinbar heilen Familienalltag bestimmen.

Ist Prostitution die ultimative Befreiung der Frau, in dem sie über ihren Körper bestimmt und ihn bewusst verkauft oder ist Prostitution die ultimative Unterwerfung als Ware im Kapitalismus für ein "besseres Leben"? Diesen Fragen geht die Journalistin Anne nach. Der Abgabetermin des Artikels für das Hochglanzmagazin "Elle" rückt immer näher und sie findet keine Antwort. Während sie in intensiven Gesprächen mit zwei Studentinnen das Milieu näher kennenlernt, in dem zumeist verheiratete Männer ihrer Lust nachgehen, die Mädchen aber glauben, die Sache in der Hand und Vergnügen am Sex zu haben, realisiert sie die Leerstellen in ihrer Ehe und die Brüche und Defizite in ihrer großbürgerlichen Existenz, die kleinen und großen Lügen, die den scheinbar heilen Familienalltag mit zwei widerspenstigen Söhnen bestimmen. Sie hat all das, was die jungen Frauen anstreben und kennt die Schalheit abgestandener Gefühle. Je mehr Zeit sie mit den beiden Protagonistinnen verbringt, um so mehr nimmt ihre Verunsicherung zu, bald weiß sie nicht mehr, ob sie ein neues Leben anfangen oder im Kokon des alten es sich weiter ökonomisch und gesellschaftlich gut gehen lassen soll.
Die Solidarität und Komplizenschaft zwischen den drei Frauen und eine weibliche, sehr intime Annäherung an das Thema ist sofort spürbar, wie auch die Naivität der bürgerlichen Anne, die sich tastend auf Neuland bewegt, geschockt und fasziniert sich von den beiden mitreißen lässt. Um die dunkle Seite der Prostitution zu demonstrieren, baut Regisseurin Malgoska Szumowska eine Vergewaltigungsszene mit einer Schampusflasche ein. Die polnisch-französisch-deutsche Koproduktion, zu großen Teilen in NRW gedreht, erkundet die Bedürfnisse auf beiden Seiten - Sex als Austauschware gegen Bares, nicht aus existenzieller Not heraus, sondern um sich mehr leisten zu können, auf der anderen das bürgerliche Wohlstandsmodell als gescheiterte Verheißung auf das Glück. Bei der Gegenüberstellung der hässlichen Seiten des horizontalen Gewerbes mit dem goldenen Käfig der Moral, vergisst die Regisseurin, sich auf die Figuren einzulassen. Dabei wäre es mit den Schauspielerinnen Juliette Binoche, Anais Demoustier und Joanna Kulig ein Einfaches gewesen noch mehr unter der Oberfläche zu bohren und den Veränderungen sozialer und familiärer Beziehungen auf den Grund zu gehen. mk.
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