Originaltitel: Cidade de Deus
Brasilien 2002
Luis Otávio
Alexandre Rodrigues
Douglas Silva
Regie: Fernando Meirelles, ...
Verleih: Constantin
In den Favelas von Rio de Janiero bestimmen seit etwa drei Jahrzehnten gut organisierte Straßenbanden, wo es lang geht. Aus bescheidenen Raufbold-Anfängen in den 60ern erwuchs eine kriminelle Hydra, die neben dem Drogenhandel und dem Glücksspiel längst auch die Lokalpolitik im Slum organisiert. Drei junge Leute stehen im Mittelpunkt der Handlung: Gangleader Benny (Phelipe Haagensen), allseits geachtet, weil er Konflikte auch schon mal ohne Waffen löst, dazu Bennys Juniorpartner Lil' Dice, ein Psychopath reinsten Wassers, und schließlich Rocket, der die Knarre gegen die Kamera getauscht hat.
Ein Ruf wie Donnerhall eilt nicht ohne Grund diesem packend und rasant inszenierten, drei Jahrzehnte und Generationen umspannenden Ghetto-Epos voraus. Fernando Meirelles schuf das bildgewaltige Meisterwerk nach einem über 700 Seiten umfassenden Bestseller von Paulo Lins.
Grandioses Gangsterepos über Armut und Drogen, Ehrgeiz und Gewalt aus der Perspektive derer, die sie täglich erleben.
Polizisten, die sich durch Korruption bereichern, Achtjährige, die mit gezogener Pistole Erwachsene ausrauben, Halbwüchsige, die sich am hellichten Tage gegenseitig massakrieren - von solchen Dingen hat man gehört. Aber entspricht die Zustandsbeschreibung vom Leben in den Favelas, jenen heruntergekommenen Hüttensiedlungen in den Vororten von Rio de Janeiro, wirklich der Realität? Natürlich nicht. Denn tatsächlich geht es dort noch viel schlimmer zu.
Den Beweis liefert Fernando Meirelles' "City of God", ein faszinierendes und zugleich erschreckendes, virtuos inszeniertes und nachdenklich stimmendes Meisterwerk, das auf dem gleichnamigen Roman von Paulo Lins basiert, der hier seine Erfahrungen in den Favelas auf geniale Weise zu Papier gebracht hat.
Der Film umspannt knapp zwei Jahrzehnte, etabliert Dutzende von Haupt- und Nebenfiguren, beschäftigt sich aber im Wesentlichen mit drei Hauptpersonen und deren Werdegang von den späten sechziger bis in die frühen achtziger Jahre: dem brutalen, rücksichtslosen Dadinho, Löckchen, später Locke genannt, der sich zu Rios meistgehasstem Drogenbaron aufschwingt, dem schüchtern-scheuen Buscapé, der Fotograf ist und so unfreiwillig zum Chronisten der Geschehnisse wird, und dem wackeren Mane Galinha, der nach der Vergewaltigung seiner Freundin nicht eher ruht, bis der verhasste Locke im eigenen Blut liegt.
Es gibt zwei entscheidende Faktoren, die diesem filmischen Juwel bisher kaum gesehene Authentizität verleihen. Die sorgfältige und adäquate Besetzung der vorwiegend von Laien ausgefüllten Rollen und die Drehorte, die nicht nur echt wirken, sondern echt sind, da an Originalschauplätzen gedreht wurde.
Darüber hinaus versteht es Meirelles blendend, mit seinen betörenden Bildkompositionen eine großartige Ästhetik zu entwickeln, ohne dabei die Aussagekraft seiner Story zu verwässern. Allein die Erzählstruktur, die zwischen Flashbacks und Nebenhandlungen wechselt, dabei aber nie verwirrt, sondern immer im Dienste der ganzen Geschichte steht, wäre einen (Auslands-)Oscar wert gewesen - hätte das Produktionsland Brasilien das Werk überhaupt nominiert!
Auch die deutsche Fassung kann ein echtes Highlight vorweisen: HipHop-Poet Xavier Naidoo outet sich als einfühlsame Synchronstimme des traurigen "City of God"-Helden Buscapé.
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