Im Hochsicherheitstrakt des römischen Gefängnisses Rebibbia proben Häftlinge William Shakespeares Tragödie "Julius Caesar", sie spielen Caesar, Marcus Antonius, Cicero, Marcus Brutus und Cassius. Dann findet endlich die Premiere statt, und nach der Vorstellung werden die Akteure mit heftigem Applaus bedacht. Die Lichter gehen aus, die Männer verlassen die Bühne, um in ihre Zellen zurückzukehren. Einer von ihnen sagt: "Seit ich der Kunst begegnet bin, ist diese Zelle für mich ein Gefängnis geworden." Die Kunst hat ihm den Blick für die eigene Biografie eröffnet.

Häftlinge proben für die Aufführung von Shakespeares "Julius Caesar". Dokudrama der italienischen Regielegenden Paolo und Vittorio Taviani, ausgezeichnet mit dem Goldenen Bären 2012.
Ein wenig überraschend, aber zu recht haben die italienischen Regie-Brüder Paolo und Vittorio Taviani ("Die Nacht von San Lorenzo"), inzwischen 80 bzw. 82 Jahre alt, für "Cesare deve morire" (auf deutsch: "Caesar muss sterben") auf der 62. Berlinale den Goldenen Bären gewonnen. Echte Gefangene sind ihre "Helden", (Ex-)Insassen des römischen Gefängnisses Rebibbia, die sie vor Jahren Dantes "Göttliche Komödie" rezitieren hörten. Gesänge aus dem "Inferno" trugen sie damals vor, die von der Hölle ihres eigenen Gefangenseins erzählten.
Von dieser Aufführung beeindruckt, sind sie in die Hochsicherheitseinrichtung zurückgekehrt und haben mit dem Theaterregisseur Fabio Cavalli, der als er selbst auftritt und vor Ort regelmäßig öffentlich zugängliche Bühnenproduktionen inszeniert, den sechsmonatigen Entstehungsprozess des Shakespeare-Klassikers "Julius Caesar" filmisch festgehalten. Die Mörder und Mafiosi verschwinden hinter ihren Rollen, sprechen in ihrer Sprache, in ihren ureigenen Dialekten. Was sie im wahren Leben getan haben, zählt hier nicht, sie tauchen in ihre Figuren ein, lernen von Freundschaft und Betrug, Macht und Gewalt. Die Arbeit ist weder abgefilmtes Theater noch Dokumentation über den Gefängnisalltag, sondern eine eigenwillige Mischform, die Parallelen zwischen dem klassischen Drama und der Welt von heute aufzeigt. In Farbe setzt die "Handlung" ein, Applaus tost zur Premiere auf, ehe der Film in der Zeit zurückspringt und die Proben in umkopiertem Schwarzweiß zeigt.
An den "Neoverismo" eines Roberto Rossellini oder Luchino Visconti fühlt man sich erinnert, die Szenen entstehen nicht spontan, sondern folgen dem exakten Skript der Tavianis. Ihre Akteure sind im Wortsinn authentisch, Verschwörer Cassius wird vom "Lebenslänglichen" Cosimo Rega gespielt, Mordbube Brutus von Salvatore Striano ("Gomorrha"), der für seinen Part in die frühere Zelle zurückgekehrt ist. Sie beschreiben das Engagement aller Beteiligten - und wie deren Ängste und Hoffnungen in die Inszenierung einfließen. Einer von ihnen sagt: "Seit ich der Kunst begegnet bin, ist diese Zelle für mich ein Gefängnis geworden." Die Bühne hat ihm den Blick für die eigene Biografie eröffnet. Shakespeares Ruf nach (römischer) "Freiheit!" ist hier anders konnotiert. geh.
| Darsteller: | Salvatore Striano | als Bruto | |
|---|---|---|---|
| Cosimo Rega | als Cassio | ||
| Giovanni Arcuri | als Cesare | ||
| Antonio Frasca | als Marcantonio | ||
| Juan Dario Bonetti | als Decio | ||
| Vincenzo Gallo | als Lucio | ||
| Rosario Majorana | als Metello | ||
| Gennaro Solito | als Cinna | ||
| Regie: | Paolo Taviani | ||
| Vittorio Taviani | |||
| Buchvorlage: | William Shakespeare | ||
| Kamera: | Simone Zampagni | ||
| Schnitt: | Roberto Perpignani | ||
| Musik: | Giuliano Taviani | ||
| Carmelo Travia | |||
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