Ethan Hawke
Julie Delpy
Andrea Eckert
Regie: Richard Linklater
Verleih: Warner
Auf dem Heimweg von Budapest nach Paris kommt die französische Studentin Celine (Julie Delpy) zufällig mit dem amerikanischen Rucksacktouristen Jesse (Ethan Hawke) ins Gespräch. Nachdem man sich auf Anhieb sympathisch findet, steigt Celine kurz entschlossen mit in Wien aus, um Jesse die lange Wartezeit auf den Flug in die Heimat mit angenehmer Unterhaltung zu verkürzen. An der schönen blauen Donau kommt man sich beim Gedankenaustausch irgendwann auch romantisch näher.
Richard Linklater ("School of Rock") verlässt sich ganz auf die Kraft seiner handelnden Personen und deren geschliffene Dialoge. Sein vor europäischen Kulissen angesiedelter, moderner Indie-Liebesfilmklassiker erblickt passend zum Start des Sequels nun noch einmal das Licht der Projektoren.

Trotz berechtigt glänzender Kritiken für seine beiden ersten Filme "Slacker" und "Dazed and Confused" (mittlerweile auf Video gestartet unter dem innovativen Titel "Confusion - Sommer der Ausgeflippten") ist Richard Linklater ein deutscher Kinostart bislang versagt geblieben. Jetzt dürfen auch deutsche Fans Hollywoods bestgehütetes Geheimnis entdecken: Sein "Before Sunrise" ist eine Filmromanze von ganzem Herzen, die diesen Titel ehrlich verdient und sich wohltuend von den mit Zuckerguß überzogenen Lovestorys der Traumfabrik abhebt. Bei Linklater beißt die Realität tatsächlich: Lange ist es her, daß die Hauptfiguren eines amerikanischen Films so wahrhaftig waren wie Jesse und Celine, die smarten, wortgewandten und sympathischen Helden von "Before Sunrise". Aber Linklater hat nicht nur den Finger am Puls der Zeit, sondern auch ein stets offenes Ohr für den Rhythmus von Sprache. Er ist so verliebt in die Dynamik von Gesprächen, daß er diesen Bummel durch Wien ganz in ihren Dienst gestellt und dafür auf dramatische Entwicklungen fast völlig verzichtet hat. Das Faszinierende daran: Keine Sekunde kann man die Augen von der Leinwand abwenden. Wenn Jesse und Celine - von Ethan Hawke und Julie Delpy perfekt dargestellt - ihre Gedanken über Liebe, Leben, Tod und alle denkbaren existentialistischen Probleme offenbaren, dann lauscht man gebannt. Kein Wunder, daß die beiden sich bei ihrem Verbalmarathon ineinander verlieben - dem Zuschauer geht es als Außenstehender nicht anders, so vertraut und natürlich klingen ihre Gespräche. In einem Zugabteil lernen sich Jesse und Celine kennen. Er ist ein Amerikaner auf dem Weg nach Wien, von wo aus er am nächsten Tag seinen Heimflug antritt. Sie ist eine Französin, die gen Paris reist. Beide sind voneinander fasziniert. Also lädt Jesse Celine ein, die Stadt mit ihm zu erkunden. Sie akzeptiert - und das ist auch schon die Handlung des Films, der mit Jesses Abflug endet. Nicht von ungefähr sind die beiden reizenden Hauptfiguren amerikanischer und französischer Herkunft. Auch Linklaters Film ist ein franko-amerikanischer Brückenschlag, der in Stil und Struktur von Altmans spielerischen Studien und Rohmers intelligenten Konversationsstücken beeinflußt ist. In langen Einstellungen hält er die Entdeckungsreise einer Stadt fest, die sich elegant durch Plattenläden, Friedhöfe, Bars, Cafés, Parks und den Prater bewegt und jede Nuance des Näherkommens seiner Helden genau registriert. Das faszinierend differenzierte Spiel der Stars hält die wagemutige Konstruktion Linklaters bombenfest zusammen: Diesem unprätentiösen Generation-X-Traumpaar werden auch die deutschen Kinogänger nur zu gerne durch das sommerliche Wien folgen. ts.
| Darsteller: | Ethan Hawke | als Jesse | |
|---|---|---|---|
| Julie Delpy | als Celine | ||
| Andrea Eckert | |||
| Hanno Pöschl | |||
| Haymon Buttinger | |||
| Hans Weingartner | als Cafe Besitzer | ||
| Regie: | Richard Linklater | ||
| Drehbuch: | Richard Linklater | ||
| Kim Krizan | |||
| Produzent: | Anne Walker-McBay | ||
| Ausf. Produzent: | John Sloss | ||
| Kamera: | Lee Daniel | ||
| Schnitt: | Sandra Adair | ||
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