Originaltitel: Austin Powers: International Man of Mystery
USA 1997
Mike Myers
Elizabeth Hurley
Michael York
Regie: Jay Roach
Verleih: Helkon
30 Jahre ist der Superagent Austin Powers nun schon eingefroren. Doch dann wird der Frauenschwarm der sechziger Jahre dringend gebraucht, denn sein Erzrivale treibt wieder sein Unwesen. Powers wird aufgetaut. Doch sich in der politisch korrekten Gegenwart zurechtzufinden, fällt dem Supermacho schwer. Aber auch sein Gegenspieler hat Probleme.

Schwing! Das "Saturday Night Live"-gestählte Komikertalent Mike Myers ("Wayne's World") groovte sich in der Titelrolle der von ihm verfaßten astrein albernen Agentenparodie auf Platz zwei der US-Charts und zog damit überraschend an dem Desasterspektakel "Volcano" vorbei. In der Inszenierung von Regienovizen Jay Roach werden James Bond und Konsorten respektlos-gewitzt durch den kruden Kalauer-Kakao gezogen und bis zum Exzess anarchistischer Spaß aus dem Anachronismus des psychedelisch-popkultigen Protagonisten gewonnen.
Von der Idee fasziniert, daß es in den sechziger Jahren noch möglich war, trotz eines nicht gerade makellosen Gebisses (man denke z.B. an Patrick McGoohan aus der Kultserie "The Prisoner") Film/TV-Karriere zu machen, ersann Myers den sexy-schrägen Superagenten Austin Powers. Angetan mit gelben Pferdezähnen, schwarzer Hornbrille und dunkler Brustbehaarung, die nicht nur bezüglich ihres Ausmaßes obzön ist, und gewandet in Samtanzug und Rüschenhemd löst er bei der englischen Frauenwelt eine "Beatles"-ähnliche Hysterie aus. Vom Swinging London der Sixties wird er nach 30-jährigem Eingefrorensein in der Gegenwart aufgetaut. Dort soll er seinem ebenfalls in unsere Zeit transferierten Erzfeind Dr. Evil (Myers in einer hysterisch komischen Doppelrolle) das diabolische Handwerk legen. Sich des Endes des Kalten Krieges und des Ablebens der sexuellen Revolution nicht bewußt hat dieser unbeirrbar weltmännische Titelheld zur Strapaze der Lachmuskeln einige Schwierigkeiten, sich an die politisch korrekten Gepflogenheiten der Neunziger anzupassen. Zur Aklimatisierung wird ihm die attraktive Vanessa (Model Elizabeth Hurley gibt im Emma-Peel-Look eine umwerfend gute Figur ab), die Tochter seiner damaligen Assistentin Mrs. Kensington (Mimi Rogers) zur Seite gestellt. Vanessa ist von seinem antiquierten verbalen Charme (alle Frauen heißen bei ihm grundsätzlich "Baby") und seinem absonderlichen Äußeren zunächst nicht sonderlich angetan. Doch auch Dr. Evil (offensichtlich nach Telly Savalas' Inkarnation von 007-Nemesis Blofeld in "Im Auftrag ihrer Majestät" modelliert) hat so seine Probleme, sich anzupassen...
Myers offenbart erneut seine beträchtlichen Fähigkeiten im Bereich der physischen Komödie und sein Gespür für zündenden Wortwitz. Der Plot basiert praktisch auf einer einzigen Sketch-Idee und besteht in erster Linie aus einer Aneinanderreihung bekannter Bond-Momente und Referenzen an beliebte Spionserien wie "Mit Schirm, Charme und Melone" - und wird dabei keine Sekunde langweilig. Als unterhaltsame Szeneunterbrechungen werden Clips von Myers beim Posieren mit leichtgeschürzten Damen und einer swingenden Sixties-Band eingeschnitten. Kostüme und Ausstattung sind perfekte Kopien ihrer Vorbilder, und die Musikauswahl kann ebenfalls begeistern. Ein Überraschungserfolg im Stil von Leslie Nieslens "Agent 00" sollte daher durchaus im Bereich des Möglichen liegen.ara.
| Darsteller: | Mike Myers | als Austin Powers / Dr. Evil | |
|---|---|---|---|
| Elizabeth Hurley | als Vanessa Kensigton | ||
| Michael York | als Basil Exposition | ||
| Mimi Rogers | als Mrs. Kensington | ||
| Robert Wagner | als Number Two | ||
| Seth Green | als Scott Evil | ||
| Fabiana Udenio | |||
| Mindy Sterling | |||
| Paul Dillon | |||
| Charles Napier | |||
| Will Ferrell | |||
| Regie: | Jay Roach | ||
| Drehbuch: | Mike Myers | ||
| Produzent: | Suzanne Todd | ||
| Demi Moore | |||
| Mike Myers | |||
| Jennifer Todd | |||
| Ausf. Produzent: | Eric McLeod | ||
| Claire Rudnick Polstein | |||
| Kamera: | Peter Deming | ||
| Schnitt: | Debra Neil-Fisher | ||
| Musik: | George S. Clinton | ||
| Produktionsdesign: | Cynthia Charette | ||
| Daniel Olexiewicz | |||
Mike Myers über Vorbilder, Frischfleisch, Bordell-Modelle - und seine schüchterne Seite.
» "Goldständer" ist so erfolgreich wie die beiden vorangegangenen "Austin Powers"-Filme zusammen. Können Sie sich das erklären?
MIKE MYERS: Ich habe nicht den blassesten Schimmer. Ich hätte mir nie im Leben träumen lassen, dass der erste Film je das Licht der Leinwand erblickt. Ich bin extrem unsicher, das können Sie mir glauben. Bei der TV-Comedy-Serie "Saturday Night Live" dachte ich immer, ich wäre so schlecht, dass man mich am Montag feuern würde.
» Immerhin ist Ihr Instinkt bei den Powers-Girls erstklassig. Zuerst Elizabeth Hurley, dann Heather Graham und jetzt Beyoncé Knowles als Foxxy Cleopatra...
Gott sei Dank! Da ist mir jedesmal ein Glücksgriff gelungen. Beyoncé ist wirklich fantastisch - und das in ihrer ersten Kinorolle! Selbst Michael Caine war von ihr hellauf begeistert. Er hat ihr eine große Zukunft vor der Kamera prophezeiht.
» Ihre "Austin Powers"-Filme sind ja vor allem eine Persiflage auf die Bond-Reihe...
...und deshalb werden Sie verstehen, dass ich - wie meine großen 007-Vorbilder - jedesmal neues Frischfleisch brauche. Ups! Ich meine natürlich eine neue Partnerin.
» Stimmt es, dass Sie "Austin Powers" erfanden, um über den plötzlichen Tod Ihres Vaters hinwegzukommen?
Ganz genau. Ich hatte gerade mit "Wayne's World II" einen Hit im Kino und wurde mit Geld und Angeboten geradezu überschwemmt. Aber in der Premierenwoche starb mein Vater, den ich sehr geliebt habe. Ich fühlte mich plötzlich sehr einsam und musste mich für ein Jahr völlig ausklinken.
» Wie haben Sie dieses Jahr verbracht?
Nichtstun. Das heißt, ich habe Skilaufen gelernt - ohne mir etwas zu brechen. Ein echtes Weltwunder! Ich habe England, wo mein Vater geboren wurde, und Europa bereist. Irgendwann wurde mir klar, dass ich den Schmerz in etwas Positives umwandeln muss. Also habe ich mich hingesetzt und das Drehbuch zu "Austin Powers" in drei Wochen geschrieben.
» Wie kommen Sie eigentlich auf so durchgeknallte Typen wie Dr. Evil, Mini-Me oder Goldständer?
Wie kriegt ein Hund Flöhe? Bei Goldständer wurde ich tatsächlich von einem Typen inspiriert, der sich den Amsterdamer Rotlicht-Distrikt en miniature nachgebaut hat. Und: Ich stehe auf schmutzigen Sex aus Europa!
» Sie pflegen einen reichlich vulgären Humor...
Ertappt. Aber hat das manchmal nicht etwas wunderbar Befreiendes?
» Planen Sie einen weiteren "Austin-Powers"-Film?
Noch nicht konkret, aber mir würde es schon gefallen mit "Austin Powers" weiterzumachen. Es ist wie bei den Bond- oder "Pink Panther"-Filmen: Ein weiteres Abenteuer ist immer drin. Und man denke erst an die vielen, vielen neuen Powers-Girls...
» Haben Sie als Komiker ein Vorbild?
Peter Sellers. Er ist bisher unerreicht.
» Der Mann soll im wirklichen Leben ein echter Kotzbrocken gewesen sein...
Das bin ich gewiss nicht. Allerdings bin ich privat furchtbar schüchtern. Ich würde mich zum Beispiel nie beschweren, wenn man mir im Restaurant eiskalte Spaghetti servieren würde.
» Was machen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit?
Ich spiele für mein Leben gern Eishockey. Ich bin sogar Ehrenvorsitzender des kanadischen Olympia-Teams. Außerdem habe ich meine Frau Robin bei einem Spiel kennengelernt. Sie wurde von einem Puck getroffen - und ich machte natürlich sofort Mund-zu-Mund-Beatmung.
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