Originaltitel: Angèle et Tony
Frankreich 2010
Clotilde Hesme
Grégory Gadebois
Evelyne Didi
Regie: Alix Delaporte
Verleih: Kool
Der ruhige Tony lebt mit seinem jüngeren, kämpferischen Bruder und der Mutter in einer Fischergemeinde an der Küste der Normandie. Mit Fischfang und -verkauf bestreiten die drei mehr schlecht als recht ihr Leben. Da platzt eine Fremde in den Alltagstrott. Der gutmütige Tony lässt die junge Angèle, die mit allen Mitteln einen Mann erobern will, um das Sorgerecht für ihren bei den Großeltern lebenden Sohn zurückzugewinnen, bei sich wohnen, geht auf ihre aggressiven Avancen aber nicht ein. Die beiden ungleichen Menschen nähern sich an, es entsteht mehr als nur Freundschaft.

Zarte Liebesgeschichte vor rauer Landschaft zwischen zwei Menschen, die von der Macht ihrer Gefühle überrascht werden.
Alix Delaporte erzählt in ihrem Regiedebüt keine simple Story von Boy meets Girl, sondern das schwierige Einander Finden und Zähmen zwischen einem erwachsenen Mann und einer erwachsenen Frau, einem wortkargen Fischer und einer unberechenbaren Ex-Gefängnis-Insassin im rauen Klima der Normandie. Welches Verbrechen sie begangen hat, erfährt der Zuschauer nicht, wahrscheinlich eine Beziehungstat. Wie ein Blitz schlägt sie in das Leben von Tony ein, der sie als Fischverkäuferin und Hilfskraft einstellt, beobachtet und umkreist, ihr aber nicht näher kommen will. Seit zwei Jahren hat Angèle ihren Sohn, um den sich die Schwiegereltern kümmern, nicht mehr gesehen, sie will ihn zurück und kämpft um ihn. Dazu braucht sie geordnete Verhältnisse, einen Ehepartner. Und das soll ausgerechnet der Mann sein, der nach dem Verschwinden seines Vaters auf dem Meer für Mutter und Bruder die Verantwortung übernehmen muss. Zwei vom Leben in der Seele Verwundete begegnen sich in großer Sprödigkeit, in Skepsis und Misstrauen.
Der fragile Beziehungstango ist in einer intimen Atmosphäre inszeniert, in der kleinste Gesten große Bedeutung gewinnen. Obgleich Angèle zu Beginn es mit einem Fremden schnell an der Mauer treibt, um ein Geschenk für ihren Sohn zu bekommen und den völlig irritierten Fisherman mit Begriffen wie vögeln und ficken erschreckt, umweht sie eine fast verstörende Schamhaftigkeit, wenn es um die Artikulation wahrer Gefühlen geht. Erst ganz zum Schluss wird aus ihrem unsicheren Lächeln ein befreiendes Lachen, da läuft sie mit Tony und Sohn am Strand, in eine neue Zukunft. Hoffnung auf ein Happy End. Ohne den bitteren und oft anklagenden Proletarier-Touch der Dardenne-Brüder führt Delaporte in das Milieu so genannter kleiner Leute, in ihre Sprachlosigkeit und Nüchternheit, entfernt sich aber nach und nach vom sozialen Realismus, lässt einen Hauch von Romantik zu. Ohne überflüssige Kamera-Kniffe konzentriert sich der Film auf die von Clotilde Hesme und Grégory Gardebois in großer Stärke verkörperten Figuren und weckt tiefe Empathie. mk.
| Darsteller: | Clotilde Hesme | als Angèle | |
|---|---|---|---|
| Grégory Gadebois | als Tony | ||
| Evelyne Didi | als Myriam | ||
| Antoine Couleau | als Yohan | ||
| Jérôme Huguet | als Ryan | ||
| Patrick Descamps | als Großvater | ||
| Patrick Ligardes | als Bewährungshelfer | ||
| Corine Marienneau | als Großmutter | ||
| Lola Dueñas | als Anabel | ||
| Regie: | Alix Delaporte | ||
| Drehbuch: | Alix Delaporte | ||
| Produzent: | Hélène Cases | ||
| Kamera: | Claire Mathon | ||
| Schnitt: | Louise Decelle | ||
| Musik: | Mathieu Maestracci | ||
| Produktionsdesign: | Hélène Ustaze | ||
| Dorothée Guiraud | |||
| Ton: | Eric Tisserand | ||
| Pierre Tucat | |||
| Arnaud Rolland | |||
| Casting: | Laure Cochener | ||
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