Originaltitel: Any Given Sunday
USA 1999
Al Pacino
Cameron Diaz
Dennis Quaid
Regie: Oliver Stone
Verleih: Warner
Nach fetten Jahren wird das Football-Team der Miami Sharks von einem Misserfolg nach dem anderen gejagt. Dann muss der erfahrene Trainer Tony D'Amato wegen einer Verletzung auch noch auf seinen langjährigen Quarterback Cap verzichten. Sein Ersatz, der junge Schwarze Willie Beamen, erweist sich zwar als Naturtalent, aber als wenig mannschaftsdienlicher Spieler.

Auf eine "amerikanische Religion" hat es Overkill-Spezialist Oliver Stone in seinem neuen Film abgesehen, und so verwundert es nicht, dass er seinen zweieinhalbstündigen Blick auf die Welt des Professional Football wie einen Gottesdienst auf Steroiden zelebriert: Ohne eine Sekunde Verschnaufpause jagt der Filmemacher den Zuschauer durch ein höllisches Sperrfeuer martialischer Bilder, die den brachialen Machosport auf der Leinwand zum körperlich spürbaren Erlebnis machen. Doch die Geschichte hinter dem Spektakel kann es nicht mit der innovativen Präsentation aufnehmen. Anstatt den Mythos Football zu sezieren, analysieren oder gar zu demontieren, sitzt Stone nahezu allen sattsam bekannten Sportklischees auf.
Das soll nicht heissen, dass "Any Given Sunday" nicht auch höllisch aufregende Unterhaltung bietet, die selbst ein Football-ungeschultes Publikum mitreissen kann. Gerade die schier endlose Eingangssequenz, in der man das von dem in die Jahre gekommenen Coach Tony D'Amato trainierte Team der Miami Sharks erstmals in Aktion erlebt, ist elektrisierend. Ohne Vorwarnung schleudert Stone den Zuschauer mitten hinein in ein Footballspiel. Mit seinem seit "JFK" patentierten Cutup-Stil, in dem sich unentwegte Schnitte, verschiedene Filmgeschwindigkeiten und -materialien und dröhnende Metalmusik assoziativ zu einem wild pulsierenden Ganzen formen, erlebt man hautnah mit, wie sich der Sport für die Beteiligten anfühlt - ein modernes Entertainment-Äquivalent von Krieg, ein von Macho-Ritualen, ständigen Konfrontationen und blitzschnellen Entscheidungen bestimmtes "Platoon", Spektakel und Kampfhandlung zugleich. Während der ohrenbetäubende Soundtrack bei dem beängstigenden Aufeinanderprall der gegnerischen Mannschaften immer wieder das Fauchen und Knurren von Löwen einstreut, sieht man D'Amato am Rand des Spielfelds auf- und abhetzen wie eine eingesperrte Raubkatze - und seine Truppen immer wieder aufs Neue in die Schlacht treiben. Weil gleich zwei Quarterbacks verletzt ausfallen, erhält das Nachwuchstalent Will Beaman eine Chance. Aufstieg und Zähmung des unkonventionellen Sportlers, der sich Traditionen wie Teamgeist und Trainer-Anweisungen verschließt und ganz auf seinen Instinkt vertraut, verfolgt das aus drei Büchern destillierte Brot-und-Spiele-Drama ebenso wie das Ringen des Trainers um den Fortbestand seiner Mannschaft, der von den ewigen Verlockungen des Medienzirkus und der nur auf die Finanzen bedachte Teampräsidentin Christina Pagniacci bedroht ist. Deutlich ist D'Amato die Identifikationsfigur für Stone, der sich selbst mit einer Rolle als Spielkommentator bedachte: ein Relikt der Sixties, das versucht, sich seine Ideale in einer Zeit zu bewahren, in der einzig Erfolg und Geld von Bedeutung sind. Dazu wirft Stone skizzenhafte, aber insgesamt doch sehr versöhnliche Betrachtungen zu Rassismus, Medienausbeutung, Sex, Drogen und Sponsoren in den Mix. Aber auch wenn "Any Given Sunday" sich alle erdenkliche Mühe gibt, den Zuschauer pausenlos gleichzeitig von mehreren Seiten zu tacklen (wie es zwei Abwehrspieler in einer atemberaubenden Szene des Films mit einem Angreifer machen), kann das ständige Bombardement von Informationen nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier nur wenig mehr erzählt wird als in all den anderen Sportfilmen, die den phoenixartigen Aufstieg eines Underdogs zum Inhalt haben - eine Art "Die Indianer von Cleveland" mit Tourette-Syndrom, der sich vom aufgeblasenen Kasperletheater großer Wrestling-Veranstaltungen inspirieren lässt. Berauscht vom eigenen Bildersturm, hämmert der Regisseur allzu einfältig seine Theorie unters Volk, Footballspieler seien die Gladiatoren unserer Zeit. Und dass Subtilität Eintrittsverbot in Stones Bildersturm-Arena hat, beweist er nirgends mehr als in seiner Zeichnung der Frauenfiguren. Von Cameron Diaz als manipulative Göre über Ann-Margret als ihre daueralkoholisierte Mutter bis Lauren Holly als unnachgiebige Spielergattin-Furie ist das weibliche Geschlecht bestenfalls ein Klotz am Bein in der Männerwelt von Stone, in der vor allem Al Pacino als weltmüder Trainer im "Heat"-Overdrive und Jamie Foxx als aufstrebender Superstar eine starke Figur machen. Dem amerikanischen Publikum jedenfalls gefällt das Spektakel über seinen Lieblingssport. Inwiefern Kinogänger ausserhalb der Staaten auf diesen nicht immer überzeugenden aber kurzweiligen Brocken Film reagieren werden, bleibt abzuwarten. ts.
| Darsteller: | Al Pacino | als Tony D'Amato | |
|---|---|---|---|
| Cameron Diaz | als Christina Pagniacci | ||
| Dennis Quaid | als Jack "Cap" Rooney | ||
| James Woods | als Dr. Harvey Mandrake | ||
| Jamie Foxx | als Willie Beamen | ||
| LL Cool J | als Julian Washington | ||
| Matthew Modine | als Dr. Ollie Powers | ||
| Jim Brown | als Montezuma Monroe | ||
| Charlton Heston | als AFFA Football Commissioner | ||
| Ann-Margret | als Margret Pagniacci | ||
| Aaron Eckhart | als Nick Croizer | ||
| Regie: | Oliver Stone | ||
| Drehbuch: | John Logan | ||
| Oliver Stone | |||
| Produzent: | Lauren Shuler-Donner | ||
| Clayton Townsend | |||
| Dan Halsted | |||
| Oliver Stone | |||
| Kamera: | Salvatore Totino | ||
| Schnitt: | Thomas J. Nordberg | ||
| Michael Mees | |||
| Keith Salmon | |||
| Produktionsdesign: | Victor Kempster | ||
| Stella Vaccaro | |||
| Kostüme: | Mary Zophres | ||
| Ton: | Peter J. Devlin | ||
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"Historisch ist es so, dass die Prätorianer die Macht in Rom übernehmen. Und jetzt raten Sie mal, wer sich dabei als wirklicher Vater von Lucius herausstellt..."
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