Walk the Line (2005)

Walk the Line Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Walk the Line: Musikalisch und dramatisch begeisternde Biografie von Country- und Folklegende Johnny Cash.

Nach einer harten Jugend im ländlichen Arkansas der 40er Jahre, wo ihm der Vater die Schuld für den frühen Tod des Bruders gab, zieht es den gelernten Handelsvertreter Johnny Cash (Joaquin Phoenix) zur Army nach Deutschland und in den frühen Schoß einer eigenen Familie, mit der der umtriebige Freizeit-Musikant und allzu gute Drogenfreund jedoch nicht glücklich wird. Um so steiler ist die Karriere als Country-Musiker: Cash verkauft stapelweise Platten, tourt mit Elvis und Jerry Lee Lewis, wird zur nationalen Ikone. Die Liebe zur Country-Sängerin June Carter (Reese Witherspoon) stellt sich dagegen schwieriger dar.

Nach “Ray” kommt eine weitere hochkarätig besetzte Musikerbiografie in die Kinos, wenn sich James Mangold der Höhen und Tiefen im Leben des “Man in Black” annimmt.

Nach dem Unfalltod des Bruders wächst Johnny Cash mit der Verachtung des Vaters auf. 12 Jahre später hat er selbst Kinder, erlebt das Scheitern seiner Ehe, weil er vor allem mit seiner Musik verheiratet ist und in Sängerin June Carter die Frau getroffen hat, mit der er wirklich sein Leben teilen will. Seinem Aufstieg als Musiker folgt der Absturz, den Drogen und romantische Rückschläge verursachen.

Ein leichtes Leben hatte Country-Gott Johnny Cash nicht: Der Bruder starb einen tragischen Unfalltod, der überstrenge Vater lehnte den jungen John ab. Mit der Armee verschlug es ihn nach Landsberg, bald darauf kaufte er seine erste Gitarre, versuchte sich zunächst als Vertreter und stellte sich schließlich einem Produzenten vor. Doch das war nur der Anfang einer Karriere, die neben rauschendem Erfolg auch private Rückschläge, Drogensucht und die problematische Beziehung zu seiner großen Liebe June Carter bereithielt.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Zweimal schlägt man ihm die Nase vor der Tür zu – und provoziert damit zwei der entscheidenden Momente im Leben von Johnny Cash. Der erste, der ihn aussperren will, ist Sam Phillips, der Produzent von Sun Records. Die zweite, die dicht macht, ist Johnny Cashs spätere Ehefrau June Carter. Cash gibt sich nicht geschlagen, überredete Phillips, ihm seine Songs vorspielen zu dürfen. Es ist eine traurige Vorstellung, die Cash und die Tennesse Two da abliefern, altbackener Gospel. Bis Cash einen Song spielt, den er in der Armee geschrieben hat: der Beginn einer großen Karriere, mit Höhen und Tiefen, Drogen und Ehekrise – also mit allem, was gemeinhin dazugehört, um irgendwann in den Musik-Olymp aufzusteigen.

    Regisseur James Mangold konzentriert sich in „Walk the line“ auf die frühen Stationen im Leben des 1932 geborenen Musikers, der im September 2003 verstarb. Angefangen von der Kindheit in Arkansas als Sohn eines Farmers, über die ersten großen Erfolge wie „Cry Cry Cry“, „Folsom Prison Blues“ und „I walk the line“ bis zu Heirat mit June Carter. Im Wesentlichen bezieht er sich dabei auf Cashs Autobiographien „Man in Black“ (1975) und „Cash: The Autobiography“ (1997). Es gäbe wohl viel zu erzählen über Johnny Cash, der wie kein anderer für die Country Music steht, aber ganze Generationen Musiker jeglicher Couleur und jeden Stils beeinflusst hat. Trotz der selbst auferlegten Beschränkung auf die frühen Jahre und guten zwei Stunden Länge bleibt Mangolds Film dennoch fragmentarisch. Zwar streng chronologisch, aber nur lose verbunden reiht sich Episode an Episode, kaleidoskopartig, verbunden durch Auftritte und altbekannte, aber umso mehr geschätzte Songs von Cash und Carter.

    Doch die spielen erstaunlicherweise kaum eine Rolle, illustrieren allenfalls, tragen aber enorm zur Atmosphäre des Films bei. Doch ihre musikalische Bedeutung, bestimmte Alben oder Preise sind nebensächlich. Hier geht es ganz um Johnny, die Schuldgefühle wegen des Tod seines Bruders, den Konflikt mit dem Vater, das Scheitern der Ehe mit Vivien, seiner ersten großen Liebe, die er einst angefleht hatte, ihn zu heiraten. Und natürlich die Tablettensucht und den Alkohol, der ihn ausflippen oder auf der Bühne zusammenbrechen lässt. In diesen Momenten der Sucht kommt immer wieder das Kind in ihm durch. Eines Tages geht er Angeln, balanciert mit der Angel, versucht auf der Straße nur in seinen eigenen Schatten zu treten – ganz so, als hätte er gestern noch eine Ausflug mit seinem Bruder gemacht.

    Doch je mehr Cash abhebt, desto mehr bleibt June auf dem Boden. Reese Witherspoon, ansonsten eher auf die Rolle des naiven Blondchens abonniert, spielt June ausgesprochen pragamatisch. Sie ist es, die die Zügel in der Hand behält, manchmal hart ist, aber Cash nie im Stich lässt. Je mehr ihr zukünftiger Mann in den Drogensumpf abrutscht, umso mehr entwickelt sie sich zu einer bodenständigen, resoluten Frau. Vorbei die Zeiten, als sie noch im roten Spitzenkleidchen durchs Bild tanzte, gegen Ende des Films gewinnen Jeans und Pulli die Oberhand. Und June schlägt ihm ebenfalls die Tür vor der Nase zu. Nur auf der Bühne dürfe er noch mit ihr reden. Cash nimmt sie absolut ernst – dann macht er ihr vor Publikum einen Heiratsantrag. Die ausgezeichneten Hauptdarsteller tragen viel zum Film bei, begeistern und wirken absolut authentisch. Selbst ihre Stimmen können es nach hartem Training mit Profis aufnehmen. Und dass Joaquin Phoenix ein bisschen schmächtiger ist als das Original übersieht man gerne, sobald er mit dem unvergessenen „Hello, I’m Johnny Cash“ die Bühne betritt.

    Wunderbar detailverliebt und genau ist die Inszenierung, angefangen von Originalkostümen aus den verschiedenen Jahrzehnten bis hin zu Schuhputzern, die die Schuhe im Takt der Musik polieren. Den Höhepunkt bietet Cash legendäres Konzert im Folsom Prison, mit unglaublicher Intensität inszeniert. Zuerst ist ein leises Vibrieren, dann wird es ein rhythmisches Klopfen und Stampfen, je näher die Kamera dem Geschehen kommt, durch lange kalte blau gekachelte Gänge gleitet. Und dann setzt die Musik ein. Zu dumm nur, das diese Szene aus Gründen der Dramaturgie am Anfang des Films steht und so die Erwartungshaltung in unerreichbare Höhen schraubt. Denn ansonsten ist der Film überraschend unpathetisch. Mangold erliegt nicht der nahe liegenden Versuchung, große, hochgepushte Emotionen verkaufen zu wollen – aber angesichts einiger Längen, unzusammenhängender Sequenzen und einer erstaunlich neutralen Darstellung eines unbestritten großen Musikers hätte man sich manchmal doch ein bisschen mehr davon gewünscht. Die Musik bleibt letztendlich das entscheidende Bindeglied des Films. Sie mag manchmal vor allem Mittel zum Zweck sein, als integrierter Soundtrack daherkommen – aber als was für einer!

    Fazit: Klassisch inszeniertes Biopic, das von der Musik, den beeindruckenden Schauspielern und einzelnen großartigen Szenen lebt.
  • Nach “Ray” kommt Johnny, und geht es nach den Qualitäten von James Mangolds Biografie, bedeutet dies eine vergleichbar positive Resonanz und an den Kassen auch eine Menge …Cash. Ein Leben eben mit Hitgarantie.

    Schon mit den ersten Bildern erobert der Film seine Zuschauer, überträgt die Spannung vor Johnnys legendärem Auftritt 1968 im Gefängnis von Folsom geradezu körperlich auf den Beobachter. Gut zwei Stunden muss man warten, bevor die aufgeheizte Stimmung unter den Sträflingen sich schließlich in Begeisterung entladen darf. Denn vor der Wiedergeburt des Country-Stars erzählt “Walk the Line” von seinem Aufstieg und unvermeidbarem Absturz. Das von Mangold mitverfasste, auf mehreren Biografien des “Man in Black” basierende Drehbuch folgt chronologisch und schnörkellos den wichtigsten Stationen dieses Lebens und endet 1968 mit der Hochzeit mit June Carter. Diese berührende Lovestory, die Eroberung einer gläubigen, konservativ geprägten, aber zweimal geschiedenen Mutter zweier Töchter, bildet das Fundament des Films. Parallelen zu Ray Charles sind unübersehbar und geben auch dieser Biografie dramatisches Gewicht. Das große Plus gegenüber Taylor Hackfords Piano-Man ist jedoch die noch größerere Authentizität der Auftritte, geben doch Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon nicht nur überzeugend leidenschaftliche und nuancierte Darstellungen, sondern singen auch noch selbst- und dies mit erstaunlicher Qualität. Die Musiknummern der beiden, ob getrennt oder im Duett, sind das mitreißende musikalische Herzstück des Films. Angefangen von Cashs “Folsom Prison Blues”, mit dem er zu Beginn seiner Karriere die zögernde Produzentenlegende Sam Phillips überzeugt, bis hin zum gemeinsam vorgetragenen Hit “Jackson”, der in bester Hollywoodtradition in einem finalen öffentlichen Heiratsantrag gipfelt. Als Musikfilm gefällt “Walk the Line” mit Dynamik, Atmosphäre und Tempo, als Verdichtung eines ereignisreichen Lebens spart er zwangsläufig manches aus. Zu sehen ist Cashs Kindheit auf einer Farm in Arkansas, der tragische Unfalltod seines Bruders, die Verbitterung des distanzierten Vaters (der kommentiert, den falschen Sohn verloren zu haben), die Armeezeit in Landsberg, die erste kinderreiche Ehe mit Vivian Liberto, die erste Platte, der erste Kontakt mit seinem Idol June Carter, die Tourneen mit ihr, Elvis Presley, Jerry Lee Lewis oder Carl Perkins, die Affären mit Groupies, vor allem aber das lange Zeit vergebliche Werben um June, die zur großen Liebe wird. Sie fängt ihn nach jahrelangem Drogenkonsum auf, holt den Rebellen und Sympathisanten der Gescheiterten, Fehlgeleiteten, Verarmten und Abgestürzten wieder ins Leben zurück. Auch wenn der Film gerade in Carters Fall biografisch skizzenhaft bleiben muss, wird der Background der Hauptcharaktere deutlich, versteht man die Motive ihres Verhaltens, das konservative Milieu der Countryszene, des ländlichen Herzens Amerikas. Transparent wird schließlich damit das eigentlich Skandalöse dieser Beziehung, die sich aus den Trümmern zweier Familien erhob. Auch wenn der Film am Ende im Versöhnungsdruck zu viele Wunden zu schnell schließen will, präsentiert er sich als adäquate Würdigung einer großen Persönlichkeit, zu der man auch als Einsteiger musikalisch und dramaturgisch mühelos Zugang findet. “It’s good to see you again”, begrüßt June nach dem Entzug ihren Johnny. Für seine filmische Wiedergeburt gilt das auch. kob.

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