Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen (2009)

Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen: Porträt der titelgebenden Seherin, Heilkundigen und Komponistin als moderne kämpferische Frau, perfekt verkörpert von Barbara Sukowa.

Als Achtjährige kommt die aus einer adeligen Familie stammende Hildegard ins Benediktinerkloster Disibodenberg. Dort wächst sie unter der Obhut Jutta von Sponheims auf, die sie u.a. Heilkunde lehrt und auch ihre musikalische Begabung fördert. Als Hildegard als Erwachsene gesteht, Visionen von Gott zu haben, sind die Kirchenoberen entsetzt, betrachten sie als Ketzerin. Doch Hildegard lässt sich nicht beirren. Sie setzt u.a den Bau des Frauenkloster Rupertsberg durch.

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Kritikerrezensionen

  • Regisseurin Margarethe von Trotta hat das Leben der mittelalterlichen Mystikerin Hildegard von Bingen verfilmt. Die Benediktinerin, die von 1098 bis 1179 lebte, gelangte zu Ruhm als Naturheilkundlerin, Komponistin, Philosophin und als Gründerin zweier Frauenklöster. Barbara Sukowa spielt Hildegard in dieser atmosphärisch überzeugenden Reise in die klösterliche Welt des Mittelalters. Besonders Hildegards Kampf für mehr Selbstbestimmung der Ordensfrauen in der männlich dominierten Kirche wird in „Vision“ behandelt.

    Im Alter von acht Jahren wird Hildegard in das Kloster Disibodenberg gebracht, zu dem eine Klause für Nonnen gehört. Ihre Mentorin Jutta von Sponheim, die außer Hildegard auch ein anderes Mädchen erzieht, wird zu ihrem großen Vorbild. Nach ihrem Tod wird sie vom Abt des Klosters zur neuen Magistra der Frauenabteilung bestimmt. Doch Hildegard entgegnet, darüber könnten allein die Nonnen durch Wahl entscheiden. Mit diesem ersten Schlagabtausch, den sie sich mit Abt Kuno liefert, zeichnet sich ihr Streben um weibliche Mitspracherechte und Autonomie ab, das den ganzen Film durchzieht.

    In dem Mönch Volmar, den Heino Ferch spielt, findet Hildegard einen treuen Unterstützer. Er ist es auch, der beim Abt um Erlaubnis bittet, Hildegards Visionen aufzuschreiben. Doch erst als der Papst seine Zustimmung gibt, darf Hildegard dem Mönch und später ihrer jungen Schülerin Richardis von Stade ihre Lehren diktieren, die sie von einem hellen, göttlichen Licht empfängt. Mit diesen Visionen hat Hildegard sich, zum großen Misstrauen vieler männlicher Kleriker, quasi direkt durch Gott autorisiert, als Frau ebenfalls zu lehren.

    Hannah Herzsprung spielt Richardis von Stade, die junge Nonne, die zu Hildegards engster Vertrauter wird. Herzsprung stellt sie als ehrgeizig, leidenschaftlich, impulsiv dar, mit der Fähigkeit zu großer Begeisterung. Barbara Sukowa hingegen bleibt meistens zurückgenommen ernst und wirkt etwas unterkühlt. Die gelehrte Frau, zu der die Ordensfrauen bewundernd aufschauen und die sich den Klerikern gegenüber wortreich zu behaupten versteht, stellt sie überzeugend dar. Auch die verkündende, monotone Sprechweise passt gut zu der feierlich-entrückten Klosterwelt, wie sie hier gezeichnet wird.

    Die Dunkelheit in den Räumen, die asketische Lebensweise, die waldreiche Umgebung verstärken, untermalt von mittelalterlichen Klängen, die historische Atmosphäre. Auch Kompositionen Hildegards werden vorgetragen, die in ihrem eigenen Kloster die Nonnen zu festlichen Anlässen prunkvoll einkleidet und lebensfrohe Singspiele aufführt. Was etwas zu kurz kommt, ist die Annäherung an den Menschen Hildegard, an ihre Gefühlswelt. Aber vielleicht sollte hier auch eher der überlebensgroßen Figur in ihrer historischen Bedeutung ein Denkmal gesetzt werden, als über ihr Wesen zu spekulieren.

    Fazit: Barbara Sukowa spielt die mittelalterliche Mystikerin und Klostergründerin in einem atmosphärisch überzeugenden Porträt.
  • Margarethe von Trotta bleibt ihrer Vorliebe für klare Frauenporträts treu und zeichnet die titelgebende Seherin, Heilkundige und Komponistin als moderne kämpferische Frau.

    Mit dem ersten Millenniumswechsel eröffnet Margarethe von Trotta ihren 14. Kinofilm. Gläubige haben sich in einer einfachen Kapelle versammelt und erwarten betend und weinend den Untergang der Welt. Kerzen tauchen den Raum in flackerndes Licht. Die Leinwand wird schwarz – und dann geht die Sonne doch wieder auf. Die Menschen schöpfen Hoffnung, danken dem Allmächtigen. Eine klug erläuternde Szene, die die Stimmung jener Zeit, zwischen Glauben und Aberglauben, wohl recht präzise wiedergibt.

    Rund ein Jahrhundert später wird die aus einer Adelsfamilie stammende Hildegard geboren. Als Achtjährige kommt sie ins Benediktinerkloster Disibodenberg. Abt Kuno (Alexander Held) führt an diesem Ort des Schweigens und Gehorsams ein strenges Regime, übergibt das Kind der Obhut Jutta von Sponheims (Mareile Blendl). Der Magistra wächst das aufgeweckte Mädchen schnell ans Herz, sie fördert dessen musikalische Begabung und gibt ihm all ihr Wissen weiter.

    Ganz geradlinig entwickelt Autorin von Trotta ihre Leinwandbiografie. Starke Frauen sind bevorzugt ihr Thema, “Rosa Luxemburg” etwa oder die wenig verklausulierte Gudrun Ensslin ihres Venedig-Siegers “Die bleierne Zeit” (1981). Ihre Heldinnen stehen im Widerspruch zu ihrer Zeit, Politisches und Privates sind untrennbar miteinander verbunden. Sie sind energisch und durchsetzungsfähig, selbstbestimmt und mutig. Wie Hildegard, die frühe Feministin, die nach dem Tod der Mentorin ihrem Vertrauten, dem Mönch Volmar (Heino Ferch), gesteht, dass sie seit früher Kindheit Visionen hat und Nachrichten von Gott empfängt.

    Womit das Drama in “Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen” Einzug hält. Eine Frau, die vorgibt, Gott näher zu sein als die Männer – das war selbst 200 Jahre vor Einsetzen der Inquisition lebensgefährlich. Doch kaum hat Hildegard sich “geoutet”, bezieht sie auch Stellung, stellt sich ihrer Berufung, unbeirrbar.

    Barbara Sukowa, Lieblingsschauspielerin und “Geistesverwandte” von Trottas, reckt das Kinn vor und kämpft. Sie geht in ihrer Rolle auf, versteht es trotz Nonnentracht zu strahlen, das Charisma von Bingens sichtbar zu machen. Während sich die Filmemacherin mit ihrer Regie zurücknimmt, alles Laute meidet, unauffällig und ruhig inszeniert. Die Dinge passieren im Off, werden im Dialog erläutert. Innen ist der bevorzugte Handlungsort, karge Klöster – gedreht wurde unter anderem in Maulbronn und Eberbach – mit schlicht eingerichteten funktionalen Räumen.

    Axel Block verwendet kaum künstliches Licht, seine atmosphärischen Bilder sind blau und schwarz, dunkel wie die Zeit mit ihren winzigen Fenstern und wuchtigen Mauern. Nur ganz selten geht der Film nach draußen und gibt den Blick frei. Beispielsweise wenn die Äbtissin und Naturheilkundlerin allen Widerständen zum Trotz 1150 das Frauenkloster Rupertsberg durchsetzt und mit ihren Schwestern auf die Baustelle mitten im Wald zieht. Dort feiert man nach Einzug auch mit einem Singspiel aus Hildegard von Bingens Feder. Sie war eine Frau für die Moderne – was auch die derzeitig stattfindende Renaissance ihrer Musik belegt. geh.

Darsteller und Crew

News und Stories

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