Tournée (2010)

Tournée Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Tournée: Tragikomödie um einen Loser, der sein Comeback als Organisator einer New-Burlesque-Show feiern will. Von und mit Frankreichs Schauspielstar Mathieu Amalric.

Der glücklose französische Fernsehproduzent Joachim ist vor Jahren in die USA ausgewandert. Nun kehrt er mit großen Plänen in die Heimat zurück. Er will mit einer Burleskshow endlich Erfolg haben. Doch sein Geschäftspartner haut ihn übers Ohr, und er muss mit seinen Damen von einem drittklassigen Club in den nächsten tingeln und in Absteigen übernachten. Auch in der Liebe hat er kein Glück. Zwischen Hass und Liebe pendeln seine Gefühle für den Star seiner Truppe, dem Vollweib Mimi.

Ein glückloser TV-Produzent kehrt mit einer Stripperinnen-Truppe in die französische Heimat zurück. In Cannes prämierte Regiearbeit von Mathieu Amalric, in der er chaotisch und mit viel Liebe eine wandernde Burlesktruppe porträtiert.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Die vierte Regiearbeit des Schauspieler Mathieu Amalric, in Cannes 2010 mit dem Regiepreis ausgezeichnet und ebenso erfolgreich an der französischen Kinokasse, wirkt wie das Gegenstück zum harmlos-weichgespülten Christina Aguilera-Starvehikel „Burlesque“. Schon die teils fülligen, lauten Tänzerinnen entsprechen keineswegs dem Hollywood-Schönheitsideal und entpuppen sich als lebensechte Typen aus dem Off-Showmilieu, die ihre Bühnennamen wie Mimi Le Meaux, Dirty Martini oder Kitten on the Keys übernahmen. Immer wieder werden ihre schrägen Stripnummern in die Handlung eingeflochten, die sich keiner gradlinigen Erzählrichtung unterwirft. Mit zwischen englisch und französisch pendelnden Dialogen legt Amalric Wert auf einen authentischen Einblick in den Tourneealltag zwischen ausgelassenen Feiern in Hotellobbys, enervierenden Proben hinter den Kulissen und gelegentlichem Katzenjammer.

    Den von ihm verkörperten Protagonisten zeichnet Amalric als getriebenen Geschäftsmann in der Krise, der während der Tingeltangelreise seine finanziellen Schwierigkeiten lösen muss, indem er alte Verbindungen kontaktiert, seine Mädchen bei Laune zu halten versucht und gleichzeitig mit seiner Ex-Frau ins Reine kommen will. Immer häufiger mißlingt das selbst zerstörerische Mäandern zwischen den Parteien, weshalb Konflikte nicht ausbleiben. Amalric liefert die starke Performance eines gedemütigten Dandys, der sich ganz dem Showbiz verschrieb und häufig seine Grenzen überschreitet. Seine überragende Leistung hilft über gelegentliche Schwächen bei den Nebenrollen hinweg, die allerdings bei den ausgefallenen Bühnenshows ihr Talent beweisen.

    Ebenso glaubwürdig fängt Amalric das Milieu der Hafenstädte von Nantes, Le Havre und Rochefort sowie die Atmosphäre der mitunter herunter gekommenen Hotels und Absteigen ein, in denen die nicht mehr ganz junge Damenriege unterkommt. Unterlegt wird der atmosphärisch dichte Blick hinter die Kulissen durch einen treibenden Soundtrack, der den Blues der Charaktere unterstreicht. Allerdings sollte man sich im Klaren sein, dass die unkonventionelle Tragikomödie keiner stringenten Handlung folgt und einen rauen, elliptischen Stil pflegt. Nicht jeder konnte sich damit anfreunden, zumal der Plot in manchen Passagen auf der Stelle tritt, wobei die stimmungsvolle Milieustudie aber stets wieder auf Touren kommt. The Show must go on!

    Fazit: Eigenwilliges, bewusst spröde angelegtes Road Movie um eine exzentrische US-Stripperinnen-Truppe und ihren angeschlagenen Manager, das einen speziellen Charme und Drive entwickelt.
  • Tragikomisches Roadmovie von und mit Bond-Bad-Guy Mathieu Amalric als gescheiterter New-Burlesque-Manager, der wieder Fuß fassen will.

    Eines von Frankreichs schauspielerischen Aushängeschildern, Mathieu Amalric (“Ein Quantum Trost”, “Schmetterling und Taucherglocke”), legt mit dieser wunderbar (licht)stimmungsvollen, wenn auch dramaturgisch eher dünnen Geschichte eine seiner seltenen Regiearbeiten vor. Dass der Cannes-Dauergast auch die Hauptrolle übernommen hat, ist ein wahrer Glücksfall für das Porträt eines abgekämpften Erfolglosen, der sich erbittert gegen sein Loser-Image wehrt.

    Erst nach und nach schält sich seine Figur, der Fernsehproduzent Joachim Zand, als tragikomischer Mittelpunkt eines erotischen Cabarets mit drallen amerikanischen Tänzerinnen heraus, mit dem der Manager in seiner Heimat endlich den großen Coup landen will. Stattdessen tingeln sie über drittklassige Bühnen der Hafenstädte, weil sein Geschäftspartner den abgehalfterten Impresario übers Ohr haut. So müht er sich als Dompteur schriller Hühner, die sich von dem finsteren Frosch nichts sagen lassen. Die Show ist von Frauen für Frauen und keine “Showgirls”-Variante, sondern vielmehr das bravouröse Gegenstück zu aseptischen Hochglanzwerken wie “Burlesque”.

    Das liegt am Stil, der sich zwischen Doku und Fiktion bewegt. Die Tournée dieser verruchten Paradiesvögel wird nie als Revue präsentiert, sondern von der Seite betrachtet. Der Film blickt hinter die Kulisse, wo man/frau ungeschminkt ist. Der bärbeißige Joachim ist ein geprügelter Hund, eine traurige Nummer, der aber an die Girls glaubt und in einer Art Hassliebe seinem Star Mimi Le Meaux (tätowiertes Vollweib: Miranda Colclasure) verbunden ist, ein charmantes Wrack, dem Privatleben und Beruf über den Kopf wachsen, der aber wie seine Tänzerinnen seine Würde wahrt.

    Dieses grandiose Vaudeville-Stimmungsbild ist nicht nur pittoresk, sondern zeitweise bitter und voll trotzigem Lebensmut. Es erzählt von Menschen, die dauernd lärmen, um ihre Einsamkeit zu übertönen, von berauschten Kostümparty-Girls, die im nüchternen Zustand ihre Depressionen nicht ertragen. Und mitten drin dieser Heimatlose, der am Wegesrand doch noch ein wenig Glück findet. Als hätte John Cassavetes sich der Kinder des Olymp angenommen. Kein einfacher, aber ein schöner Film über unsortierte Lebenslagen. tk.

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