The Homesman (2014)

The Homesman Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (7)
  1. Ø 4.6
Kritikerwertung (5)
  1. Ø 3.6

Filmhandlung und Hintergrund

The Homesman: Traditionsbewusster und doch unkonventioneller Western, in dem eine junge Frau und ein alter Haudegen einen mühseligen Treck zurück in die Zivilisation führen.

Western einmal anders: Nicht die Erkundung des Westens der USA stehlt in der zweiten Regiearbeit von Schauspieler Tommy Lee Jones im Vordergrund, sondern eine Flucht vom kargen Westen in die Zivilisation des erschlossenen Ostens. In einem weit abgelegenen Örtchen mitten im Nirgendwo des amerikanischen Westens lebt  eine Gemeinde von Siedlern ein entbehrungsreiches und mühsames Leben. Nicht alle kommen mit den äußerst harten Bedingungen so gut zu recht wie die alleinstehende Farmerin Mary Bee (Hilary Swank). Drei Frauen sind auf Grund unterschiedlicher Schicksalsschläge verrückt geworden und der Dorfrat beschließt daraufhin, dass sie nach Iowa gebracht werden müssen, wo sich eine Methodistengemeinde um sie kümmern kann. Mary Bee erklärt sich ohne lang zu zögern bereit, die wahnsinnig gewordenen Frauen in einem Viehwagen nach Iowa zu bringen und trifft bald auf einen Reisebegleiter, den sie zu ihrem Schutz mitnehmen möchte. Doch zunächst muss sie dem verlotterten Gammler George Biggs (Tommy Lee Jones) das Leben retten, der am Galgen hängt und um Hilfe winselt. Als Dank verspricht er Mary Bee, sie auf ihrer Mission zu unterstützen. George bleibt aber auch auf der Reise ein eher zwielichtiger Charakter und so gestaltet sich die Annäherung zwischen ihm und der pflichtbewussten Puritanerin Mary Bee äußerst schwierig, dennoch schaffen es die beiden, ihre spezielle und unberechenbare Reisegruppe halbwegs zusammen zu halten. Tommy Lee Jones raubt dem Western jegliche Romantik und zeigt den Wilden Westen als unbarmherzigen und grausamen Ort, in dem nur das nackte Überleben zählt. In einer Gastrolle ist neben John Lithgow auch Meryl Streep zu sehen.

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Auf DVD & Blu-ray (1)

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • "Wir gehen nach Westen, egal was es kostet!", ruft der Schauspieler Tommy Lee Jones einmal in "The Homesman", seiner kritischen Version des amerikanischen Siedlermythos. Dass der Preis, den die ersten Farmer und die Glücksritter im Wilden Westen bezahlten, schmerzlich hoch war, daran lässt er als Regisseur ("Three Burials – Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada") keinen Zweifel. Die Quintessenz seines modernen Westerns, der auf dem gleichnamigen Roman von Glendon Swarthouts basiert, lautet: Der Wilde Westen erforderte andere Qualitäten und Werte als jene, die die Menschen aus der Heimat mitbrachten. Besonders die Frauen rieben sich in diesem Zwiespalt auf.

    In den von der Prärie verschluckten Häusern der ersten Farmer geht es gar nicht idyllisch zu. Theoline (Miranda Otto) verzweifelt am landwirtschaftlichen Misserfolg, die kleinen Kinder der erst 19-jährigen Arabella (Grace Gummer) sterben an Diphtherie. Die Skandinavierin Gro (Sonja Richter) erträgt die Einsamkeit und die Grobheit ihres Mannes nicht mehr. Auf der langen Reise nach Osten erleben sie schweigend ganz neue Dinge: Mary Bee behandelt sie mit Respekt und Verständnis, ja sie schafft es sogar, den harten Panzer des Deserteurs George zu knacken. Der Film schildert bewegend und humorvoll, wie die Sympathie zwischen Mary Bee und George trotz großer Mentalitätsunterschiede wächst.

    Mary Bees Stärke steht in spannendem Kontrast zum Scheitern der anderen drei Frauen. Denn auch sie braucht jemanden an ihrer Seite. Leider trifft sie aber auf Männer, die zögern und zaudern, die einem anderen Frauenbild nachhängen. Der Westen hat auch die Männer gezeichnet, mit bewaffneten Kämpfen, harter Arbeit oder der Einsamkeit der Lagerfeuer. Tommy Lee Jones lässt den wortkargen George unvermittelt in einen erzählenden Singsang ausbrechen oder wie aufgezogen tanzen. Ähnlich unstet und abrupt wirkt auch die Inszenierung. In Rückblenden, aber auch unterwegs, gibt es Bilder des Grauens, die einem jäh den Boden unter den Füßen wegziehen. Das Durchbrechen verklärender Klischees ist in diesem Film Programm.

    Fazit: Tommy Lee Jones´ Westerndrama "The Homesman" erzählt bewegend und realitätsnah, wie wenig das weibliche Rollenbild zum Alltag der ersten Siedler am Rande der Zivilisation passte.
  • Traditionsbewusster und doch unkonventioneller Western, in dem eine junge Frau und ein alter Haudegen einen mühseligen Treck zurück in die Zivilisation führen.

    Neun Jahre sind vergangen, seitdem Tommy Lee Jones mit seinem Regiedebüt “Three Burials – Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada” den Darstellerpreis in Cannes sowie Guillermo Arriaga die Auszeichnung für das Drehbuch gewinnen konnten. Trug die verschachtelte Story aus dem amerikanischen Grenzland damals bereits deutliche Züge des Western, ist Jones’ neuer Film nun ein Western durch und durch geworden, mit allem was dazugehört: Lynchmobs, Indianer, Postkutschen. Nur dass die Protagonisten hier Frauen sind und dass die Reise, die sie antreten, nicht von der Zivilisation ans Ende der Frontier führt, sondern vom Grenzland zurück in die Zivilisation: Weil alle Männer der Gemeinde kneifen, erklärt sich die allein stehende Mary Bee Cuddy bereit, drei in der Einöde wahnsinnig gewordene Frauen in einer Kutsche in die Obhut der Kirche zu übergeben. Unterwegs gewinnt sie einen alten Cowboy als Mitstreiter, den sie davor bewahrt, gelyncht zu werden.

    Natürlich ist es ein Aufeinanderprall scheinbar unvereinbarer Welten, während sich das unfreiwillige Gespann den beschwerlichen Weg durch Eiseskälte, Indianergebiet und weitere Unwägbarkeiten bahnt. Es gibt kein Bild, das in diesem von Rodrigo Prieto fotografierten Film nicht exquisit wäre. Unverkennbar stand Altmeister John Ford Pate sowie John Hustons “African Queen”, wenn sich Hilary Swank und Tommy Lee Jones verbale Schlagabtausche liefern und nach und nach zumindest eine gewisse Hochachtung füreinander entwickeln. Sehr klug spielt Jones mit den Konventionen des Genres und nutzt seine Adaption des Romans von Glendon Swarthout, Autor von “The Shootist”, auch als Möglichkeit, dem modernen Amerika den Spiegel vorzuhalten.

    Und wenn es auch mindestens einen Moment kurz nach der Hälfte des Films gibt, der einem ziemlich brutal den Boden unter den Füßen wegzieht, und einen direkt darauf folgenden Moment, der einem ungemein zu Herzen geht, was bedeutet, dass die Erzählung letztlich funktioniert, oszilliert “The Homesman” tonal zu stark zwischen ernstem Drama und knatterndem Humor, um restlos überzeugen zu können: “True Grit”, der sich einem auch als Vergleichsfilm aufdrängt – Jeff Bridges’ Rooster Cogburn könnte ein Bruder von Jones’ schlitzohrigem Haudegen Briggs sein -, hat den Balanceakt letztlich doch um Einiges besser hinbekommen. Was dieser beachtlichen Borderstory, ein “No Country for Young Women”, nicht ihre Leistungen absprechen soll: Hilary Swank ist so gut wie seit Jahren nicht mehr, und Jones holt ein Maximum an Wehmut aus seinem zerknitterten Gesicht heraus. Und wenn man ihnen genau zuhört bei ihren Gesprächen, der Pionierin und dem alten Gauner, dann muss man feststellen, dass die da oben auf dem Kutschbock genauso verrückt sind, wie die drei Frauen, die im Inneren der Kutsche sitzen. Das macht der Wilde Westen aus den Menschen. Das ist Amerika. ts.
  • Tommy Lee Jones‘ zweites Regie-Projekt für das Kino ist ein melancholischer, schöner, emotional packender Western abseits üblicher Erzählkonventionen.
  • "The Homesman" ist ein hervorragend gespieltes Drama im Gewand eines Anti-Westerns, das besonders dann fesselt, wenn es das raue Leben der Siedler beschreibt. In diesen Momenten erreicht der Film von Tommy Lee Jones beinahe die Kraft des ähnlich herben Klassikers "Die Früchte des Zorns" von John Ford. Leider sind nicht immer alle Handlungen der Charaktere nachvollziehbar und die vereinzelten, gut gemeinten Comic Reliefs wirken teilweise deplatziert und auch das Finale bleibt unbefriedigend. Dennoch räumt diese ungewöhnliche Reise nach Osten mit vielen Klischees auf und weiß als ernsthafter Gegenentwurf zum klassischen Western sowie den modernen Pop-Art-Variationen eines Quentin Tarantino zu überzeugen und ist in diesem Winter einen Kinobesuch durchaus wert.
  • In einer bedächtigen, unaufgeregten Inszenierung und ausgestattet mit wunderschönen, zweckmäßigen Bildern von Rodrigo Prieto (The Wolf of Wall Street, 2013) ist The Homesman eine originelle Abrechnung mit den Mythen der Romantik des "Wilden Westens", großartig gespielt von Tommy Lee Jones und Hilary Swank und hochkarätig besetzt bis in die Nebenrollen.
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