Tatort: Hart an der Grenze (2008)

Tatort: Hart an der Grenze Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Tatort: Hart an der Grenze: Einstand für Richy Müller und Felix Klare als neues Stuttgarter "Tatort"-Duo.

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Kritikerrezensionen

  • 15 Jahre lang stand der “Tatort” aus Stuttgart für gemütliche Ermittlungsarbeit: Hauptkommissar Bienzle galt als deutsche Antwort auf Columbo. Die Fälle erreichten zwar selten die Raffinesse des amerikanischen Vorbilds, aber das filmische Tempo war ähnlich gemächlich. Damit ist nun Schluss: Wenn das neue “Tatort”-Team Lannert und Bootz durch die schwäbische Metropole tobt, sollten sich Bienzle-Fans lieber anschnallen.

    Bei einer rasanten Verfolgungsjagd fährt Thorsten Lannert gleich mal den flotten Mercedes seiner Staatsanwältin zu Klump; die entsprechenden Szenen inszeniert Elmar Fischer, als träume er seit Jahren davon, mal eine Folge für “Cobra 11″ zu drehen. Aber auch Richy Müller scheint auf so eine Gelegenheit nur gewartet zu haben: Bei dieser Stadtrundfahrt der etwas anderen Art saß er selbst hinterm Steuer. Optisch setzt das Debüt der Stuttgarter Kommissare ebenfalls auf Geschwindigkeit: Die Schnittfrequenz ist deutlich höher, und wenn es zur Handlung passt, teilt sich auch mal der Bildschirm, um die Spannung zu erhöhen.

    Nun wäre das alles bloß Effekthascherei, wenn erstens die Figuren und zweitens die Geschichten nicht stimmten. An den vergleichsweise unbekannten jungen Felix Klare (Jahrgang 1978) wird man sich gewöhnen müssen. Sebastian Bootz ist ein Kopftyp, hat Familie, vier Semester Kriminalpsychologie studiert und eine rasante Karriere hinter sich. Thorsten Lannert, Mitte vierzig, ist da von ganz anderem Kaliber: ein Bauchmensch mit buchstäblicher Spürnase, der in Hamburg vier Jahre als verdeckter Ermittler gearbeitet hat. Geschickt deutet Autor Holger Karsten Schmidt (“Die Sturmflut”) das Potenzial der Figur an: Lannert ist alleinstehend, reagiert aber auf familiäre Dinge sehr sensibel. Am Ende packt er eine platt gequetschte Patrone aus; da warten offensichtlich noch einige Geschichten darauf, erzählt zu werden.

    Aber das wird bis zur nächsten Folge (leider erst im Oktober) dauern, denn die beiden neuen Partner haben kaum Zeit, sich näher kennen zu lernen: Ein Obdachloser hat ein totes Mädchen aus dem Neckar gefischt. Die Todesursache ist unklar; ertrunken ist es jedenfalls nicht. Seltsamerweise wird das Kind auch nicht vermisst. Nach der Veröffentlichung eines Fotos in der Zeitung meldet sich allerdings ein Ehepaar: Da legal kaum was zu machen war, hat es das Mädchen illegal adoptiert; der Vermittler hatte es abgeholt, weil angeblich noch amtliche Dinge zu klären waren. Die Spur führt zu einer Adoptionsagentur, bei der sich Lannert und Bootz als schwules Pärchen ausgeben. Die Aussichten sind schlecht, doch abends erhalten sie einen Anruf: Für viel Geld könnte ihnen ein Kind vermittelt werden. Ein Treffen mit dem Anrufer mündet in eine erfolglose Verfolgungsjagd quer durch die Stadt. Dafür ergibt sich ein andere Anhaltspunkt: Dem toten Kind fehlt eine Fingerkuppe, dem adoptierten Mädchen nicht. Die Zwillingsschwester lebt also vielleicht noch, schwebt aber in höchster Gefahr – ein Wettlauf gegen den Tod beginnt.

    Die Idee, auf eine umständliche Vorstellung zu verzichten, die Kommissare gleich ins kalte Wasser zu werfen und die Einführung auf diese Weise gewissermaßen zu strecken – Schmidt schreibt die ersten drei Drehbücher -, ist gar nicht schlecht; das hat zuletzt schon beim Frankfurter “Tatort”-Duo prima funktioniert. Reizvoll sind auch die Ergänzungsspielerinnen mit Migrationshintergrund: Die eingewanderte Chilenin Carolina Vera spielt eine Staatsanwältin mit argentinischen Eltern, tritt für eine Amtsperson allerdings ziemlich offenherzig und mit viel Bein auf. Sogar noch hübscher ist die Frau von der Kriminaltechnik: Miranda Leonhardt (gebürtige Kroatin) spielt Nika Banovic, Serbokroatin der dritten Generation in Deutschland. Die Kommissarsdarsteller sind gar gebürtige Badener (Müller aus Mannheim, Klare aus Heidelberg). Ein schwacher Trost für die Einheimischen, dass wenigstens der schwäbische Pathologe kein Reingeschmeckter ist. Immerhin sorgt die Multikulti-Truppe für eine Menge frischen Wind, zumal man sich gern gegenseitig auf die Schippe nimmt: Keck behauptet Lannert, er sei weisungsbefugt, was aber gar nicht stimmt; sie arbeiteten auf Augenhöhe, erklärt Staatsanwältin Alvarez. Die von Bootz geforderte schriftliche Erklärung hatte Lannert ohnehin mit “Pinocchio” unterschrieben. tpg.

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