Sucker Punch (2011)

Sucker Punch Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Sucker Punch: Visuell überwältigende Actionfantasy über ein traumatisiertes, in die Psychiatrie weggesperrtes Mädchen, das ihrer Realität durch Abtauchen in die fantastischen Welten ihrer Fantasie entflieht.

Missbraucht vom monströsen Stiefvater, mitschuldig am tragischen Tod ihrer Schwester, landet Baby Doll in einer psychiatrischen Anstalt, soll in fünf Tagen lobotomisiert und damit für immer ruhiggestellt werden. Um ihrer grausamen Realität zu entkommen, taucht das junge apathische Mädchen in die Welt ihrer Fantasie ab. Hier ist sie eine Fighterin, kämpft sie mit vier neuen Freundinnen gegen Zombies, Drachen und Cyborgs, müssen fünf Prüfungen bestanden werden, um aus der Anstalt in die Freiheit fliehen zu können.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Der Film beginnt wie sein eigener Trailer, so gedrängt, so konzentriert präsentiert er in den ersten Minuten die tragische Geschichte einer 20jährigen, die Babydoll genannt wird: Trauer, Geld, Gier, Waffen, Tod, Lüge, Intrige, Wahnsinn: Zack Snyder reduziert seinen Film aufs Elementare, was sonst einen ganzen Film benötigt, erzählt er in fünf Minuten. Um dann so richtig loszulegen, im Irrenhaus, wo Babydoll grausam mit einer Nadel durchs Auge lobotomisiert, ruhig- und kaltgestellt werden soll. Wobei sich rasch Realität und Fantasie mischen, und in der Fantasie weitere Fantasien, bis man schließlich bei gefühlten zehn Filmen ist, die alle ineinander gepackt, in diesen einen Filme eingebaut sind, in dieses Narren-Welttheater im Irrenhaus. Und da sind die vielen offensichtlichen Vorbilder, bei denen sich Snyder bedient, noch nicht mal eingerechnet.

    Was wir hier haben, ist eine schamlose Mischung aus „Brazil“, „Kill Bill“ – Filme, die ohnehin Konglomerate aus Zitaten und Anspielungen sind – zudem ist dies das erste inoffizielle „Black Swan“-Remake, angereichert mit Musicalnummern und erzählt als „Alice im Wunderland“-Variante. Inszeniert im typische Snyder-Stil, mit ostentativer, oder sagen wir: angestrengt durchgezogener Coolness, auf Überwältigung angelegt und zugleich entrückt, ein Bilderrausch, der stets künstlich, unecht, steril bleibt. Und das ist im Übrigen nur die Rahmenhandlung…

    Das Irrenhaus, vorgestellt als Theater/Club/Bordell mit leichtem 60er-Jahre-Touch, dient als Bühne für Fantasie-Film-Einschübe, wenn Babydoll in Tanz versinkt. Dann kämpft sie mit Schwert und Pistole gegen Samurai-Riesen – nochmal ein „Brazil“-Moment! -, mit ihren Gefährtinnen, die wie sie Tarantino-Spitznamen tragen, kämpft sie als amazonenhafte Kriegerin im 1. Weltkrieg, inklusive Manga-Kampfroboter und feindlichen Zombiesoldaten. Sie erobern eine Drachen- und Ritterburg, in der Unholde hausen, von einem B52-Bomber aus, ein Fantasy-Schlachtengemälde ohne Grenzen. Und in Science-Fiction-Ambiente müssen sie in einem dahinrasenden Zug eine Bombe entschärfen, dabei eine Menge Alien-Klonkrieger killen und schnell sein, bevor der Zug eine „Metropolis“-hafte Stadt erreicht. Zwischendurch taucht ein weiser Mann auf mit Ratschlägen und „klugen“ Sprüchen: „Macht nie einen auf dicke Hose, wenn ihr euch nicht traut sie auch runterzulassen.“

    Episoden sind das, die voll auf CGI-Action ausgelegt sind, sichtlich auch an Computerspiel-Ästhetik angelehnt, Gefangene werden nicht gemacht. Obwohl, eigentlich doch: denn die deutschen WK I-Soldaten sind per Dampfkraft angetriebene Untote: Macht euch keinen Kopf, ihr könnt sie ruhig niedermähen, sie sind schon tot. Und wenn der dicke Bürgermeister im Club seine dicken El Jefe-Zigarren raucht, dann weiß die Schwarzhaarige namens Blondie: Die stinken so. Und sie hüstelt, weil Tabak bah ist. Soviel zum Jugendschutz, der sich auch ausdrückt in den erschreckend unsexy inszenierten fünf Kämpferinnen. Wenn man denkt, was Rodriguez daraus gemacht hätte! Auch da zeigt sich: Snyders Kopie ist unschärfer als die Originale. Und weit weniger radikal, weit weniger konsequent. Es ist kaum Blut zu sehen, auch nicht, wenn sich der Film seinem Lieblingsfetisch, dem Kämpfen, hingibt. Was drastisch sein sollte, ist mundgerecht aufbereitet.

    Die Kämpfe, diese Fantasie-in-Fantasie-in-Film-Sequenzen, sind recht munter und unterhaltsam und schön musikalisch inszeniert – es sind schließlich Imaginationen einer Tanzenden. Dazu laufen laut Popsongs der letzten 45 Jahre, die auf modern-hipp neu gemischt und neu eingespielt wurden, als harte Dance-Nummern. Wenn Jefferson Airplane wüssten, wie hier „White Rabbit“ zwischen den Schützengräben vergewaltigt wird! Mit Emotionen, mit Einfühlung in die Charaktere hat das nichts zu tun, obwohl sich Snyder so anstrengt, sich so darum bemüht. Weshalb die Rahmenhandlung – sprich: die Szenen im Club/Irrenhaus, wo es um die menschliche Tragik um Babydoll und die anderen Insassen geht – immer lahmer wird, je länger der Film dauert. Am Ende gibt es kein wirkliches Finale; vielleicht hat Snyder den Schluss als Überraschungsmoment geplant: diese Strategie wäre dann aber auf voller Linie missglückt.

    Richtig lächerlich wird es, wenn der Film sich bemüht, philosophisch zu werden. Engel werden beschworen, auch die Macht des inneren Selbst: das ist reiner Quatsch, aber Snyder meint es wohl ernst. Wie der ganze Film spürbar so was wie ein persönliches Manifest sein will, schließlich hat Snyder hier auch die Originalidee gehabt und das Drehbuch mitverfasst. Im Grunde ist der ganze Film – die Simulation von Fantasie in einer Imaginationswelt – tatsächlich die Essenz des snyderschen Kinos: hohle Performances ohne Rückhalt in Realität oder Logik, ohne klare Linie, reines Oberflächenkino, im Strudel durcheinanderwirbelt, in dem mal dies, mal das hochgeschwemmt wird. Und dargeboten mit eitler, selbstbewusster Effekthascherei, deren Selbstzweckhaftigkeit ihre Bedeutung ausmachen soll. Nur: Da ist keine Bedeutung, kein tieferer Sinn, keine Substanz, auch wenn das noch so sehr behauptet wird – im ganzen Film liegt kein Funken von Verstand. Im Grunde ist dies ein kranker, ein kaputter Film – durchaus im psychopathologischen Sinn und bezogen auf den Filmemacher Zack Snyder. Aber auch Psycho-Krankengeschichten können ihre unterhaltsamen Momente haben.

    Fazit: Nach diesem Film fühlt man sich wie von einem Verrückten durch die Mangel gedreht: wahnsinnig, verdreht, verwirrend und voller gewalttätiger Fantasien. Aber dennoch ist „Sucker Punch“ streckenweise unterhaltsam, und eigentlich wohl Snyders bisher bester Film - gerade weil er so tief im Trash steckt.
  • Mit einem fiebrigen Actiontraum über horrende Realität und befreiende Imagination balanciert “300″-Regisseur Zack Snyder zwischen Girl Power und Männerfantasie.

    Wer sich schon immer einen Film wünschte, über den man im Comicladen so leidenschaftlich diskutieren kann wie im Psychologie-Seminar an der Uni, wird dank Zack Snyder (“300″, “Watchmen – Die Wächter”) fündig werden. “Sucker Punch” ist erstmals keine Adaption einer fremdgeträumten Fantasie, sondern ein von Snyder mitverfasster Speedtrip in den eigenen Frontallappen – eine Collage der Einflüsse eines erklärten Fanboys, ob sie nun aus Film, Fernsehen, Comics, Songs oder Games kommen.

    Der Faustschlag ohne Vorwarnung (engl. Sucker Punch) beginnt mit einem opernhaften wortlosen Prolog, der, getaktet zu einer verfremdeten Version des Eurythmics-Klassikers “Sweet Dreams”, in das Trauma der Hauptfigur einführt. Irgendwo zwischen Grimms Märchen und familiärer Missbrauchsrealität sehen wir Baby Doll (Emily Browning), die erst ihre Mutter, dann durch eine verirrte Kugel aus eigener Hand ihre jüngere Schwester und schließlich ihre Freiheit verliert, als ihr monströser Stiefvater sie in eine psychiatrische Klinik wegsperren lässt. Hier, in einem Milieu-Mix aus DiCaprios “Shutter Island” und Batmans Arkham Asylum, soll Baby Doll in fünf Tagen lobotomisiert werden – ein persönlicher Gefallen für den Stiefvater, den sich ein Wärter gut bezahlen lässt.

    Hier endet auch die übergreifende “Realität”, macht den Weg frei für Baby Dolls Flucht in die Welt ihrer Vorstellung – verdeutlicht durch das Bühnensetting der Anstalt und die Theatertherapie der leitenden Psychiaterin. Babys Sekundärrealität ist ein burleskes Bordell, in dem Anstaltsoutfits zu Dessous und Patientinnen zu Lustobjekten für feiste, schmierige und ältere Herren werden. Von hier aus entfliehen Baby und ihre vier neuen Freundinnen, die vielleicht nur Projektionen und mögliche Facetten ihrer eigenen Persönlichkeit sind, in eine fantastische virtuelle Tertiärrealität. Der Kampf der fünf Fightgirls gegen Samurairiesen, deutsche Soldatenzombies, Drachen und Cyborgs spiegelt die Eroberung von vier Gegenständen wider, die den Mädchen aus der Bordellrealität die Flucht ermöglichen soll.

    Ob und wie sie letztlich gelingt (im blütenweißen Kleid!), ob Fetisch hier Fantasie dominiert, ob Chaos am Ende Ordnung generiert, ob Bilderflut hier Gefühle erstickt, um die sich Jungstars wie Abbie Cornish oder Jena Malone redlich bemühen – über all das wird sich leidenschaftlich diskutieren lassen. Unstrittig aber ist die Unterhaltungsqualität dieses von Zeitlupe, Freeze Frames, Bildbeschleunigung, bewusster Überzeichnung und Akrobatikposing leicht bekleideter Jungamazonen gestützten Bilderrausches, dessen kinetische Action in einer überwältigenden Steampunk-Sequenz mit Gasmaskenzombies, Luftschiffen, Kampfrobotern und Pin-ups, die Schützengräben in Blut tauchen, einen frühen Höhepunkt erreicht. Grandios, grotesk, gelegentlich gescheitert – “Sucker Punch” ist irgendwie alles, aber vor allem eines: ein Film für Wiederholungstäter, für eine zweite Sichtung. kob.

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