Sturm (2009)

Sturm Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Sturm: Hans-Christian Schmids packender Politthriller über eine junge Anklägerin, die einem jugoslawischen Völkermörder in Den Haag den Prozess machen will.

Dem Kriegsverbrecher und Völkermörder Duric soll der Prozess gemacht werden. Schnell erkennt Anklägerin Hannah Maynard, dass ihre Aufgabe einer Sisyphosarbeit gleicht. Zuverlässige Zeugen werden in Verruf gebracht oder ermordet, Stille macht sich breit. In Bosnien macht sich Hannah selbst auf Indiziensuche und stößt auf die Schwester eines ermordeten Zeugen, die sich aus Angst, ihr mühevoll aufgebautes neues Leben in Deutschland aufs Spiel zu setzen, zunächst in Schweigen hüllt, schließlich aber doch zur Aussage bereit erklärt. In Den Haag sprechen sich jedoch nicht nur Durics Anwälte gegen die neue Zeugin aus, sondern auch der Richter.

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Kritiken und Bewertungen

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    Der packende Politthriller erzählt die authentische Geschichte einer ambitionierten Staatsanwältin, die einem jugoslawischen Kriegsverbrecher, der zahllose Frauen auf dem Gewissen hat, am internationalen Gerichtshof in Den Haag den Prozess machen will. Trotz dessen unbestrittener Schuld bauen sich extreme Widerstände gegen eine Anklage auf. Dieser aufwühlende Film zeigt die politischen Verstrickungen und die Machtlosigkeit der Menschen, die Gerechtigkeit fordern. Durch seinen starken dokumentarischen Ansatz, unterstreicht er noch die beklemmend aktuelle Brisanz. Fröstelnd blasse und kühle Bilder illustrieren die Gleichgültigkeit der politischen Maschinerie und die düstere Stimmung vermittelt eine passende, beunruhigende Atmosphäre. STURM ist ein gefühlvoller und wachrüttelnder Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

    Jurybegründung:

    Hannah Maynard, Anklägerin am Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, führt einen Prozess gegen Goran Duric, einen ehemaligen Befehlshaber der jugoslawischen Volksarmee. Ihm wird vorgeworfen, für die Deportation und die spätere Ermordung bosnisch-muslimischer Zivilisten verantwortlich zu sein. Als sich ein wichtiger Augenzeuge bei seiner Aussage in Widersprüche verstrickt und sich anschließend das Leben nimmt, scheint der Fall verloren zu sein. Doch Hannah lässt nicht locker und reist zur Beerdigung des Zeugen nach Sarajevo. Dort trifft sie auf dessen Schwester Mira, die zwischenzeitlich ein neues Leben in Deutschland begonnen hat. Schon bald stellt sich heraus, dass die junge Frau mehr über den Angeklagten weiß, als sie zunächst zugeben möchte. Obwohl Mira Angst hat, sich der Vergangenheit zu stellen, liefert sie schließlich die entscheidenden Hinweise für Durics Verbrechen - auch wenn das Gerichtsverfahren ganz anders verläuft, als erwartet.
    Mit STURM ist Hans-Christian Schmid ein großer europäischer Film gelungen! Ausgesprochen spannend und detailreich inszeniert er die Hintergründe eines furchtbaren Kriegsverbrechens und zudem die Herleitung eines aufschlussreichen Gerichtsverfahrens, welches gleichermaßen mitnimmt, wie frappiert.

    Die Gewissensbisse der Anklägerin über Ungerechtigkeiten in der Abfolge des Prozesses; der Zynismus der Verantwortlichen in Den Haag auf allen Seiten; Zeugen als Spielball der Gerichtsbarkeit, die ganz maßgeblich von politischen Erwägungen beeinflusst ist - alles ganz wesentliche Punkte, welche dieses atmosphärisch sehr dichte, komplexe, nicht immer unkomplizierte Drama ganz hervorragend erarbeitet. So werden bei klug ausgewählten Schauplätzen nicht nur die, im Endeffekt unkontrollierbaren, Kräfte in einem Land gezeigt, welches gerade mit aller Kraft in die EU will - auch die lavierende, stets abwägende Gerichtsbarkeit wird als unabhängige Gewalt in Frage gestellt, selbst wenn der Mut der Anklage am Ende ein einigermaßen versöhnliches, wenn auch offenes Ende möglich macht. Der Ausverkauf von Gerechtigkeit, der Handel innerhalb der Anwaltschaft, der Kampf auf verlorenem Posten in der Maschinerie von Den Haag: dies alles wird ausgesprochen glaubwürdig und nahe gehend inszeniert.

    STURM ist daher auch ein Film über politisch zweifelhafte Karrieren, unerträgliche Mauscheleien auf bürokratischen Ebenen und über beklemmende Einzelschicksale, wie sie auf der Rückseite der politischen Weltbühnen wohl alltäglich zu beklagen sind. Darüber hinaus gelingt es dem deutschen Regisseur Hans-Christian Schmid überzeugend, den Zuschauer über eine intensive persönliche Figurenzeichnung emotional teilhaben zu lassen. Bei meist blassen, kühlen Farben und einer zurückhaltenden musikalischen Begleitung, die sich voll auf die Darsteller fokussiert, werden Menschen gezeigt, die sich allesamt nach etwas Normalität sehnen - eine solche kann jedoch, trotz allen Ansätzen, auf keiner Seite wirklich möglich sein, solange weggeschaut wird, solange eigene Ansprüche und Karriere vor Humanismus gesetzt werden.

    Nein, bis zum heutigen Tag ist ein neues Kosovo in diesem Land nicht ausgeschlossen - ein weiteres großes Verdienst von Hans-Christian Schmid, diese Schlussfolgerung in seinem düsteren, bewegenden Puzzlespiel aufzuzeigen.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Dass der Film digital gedreht und (zumindest bei der Berlinale) auch digital projiziert wurde und damit nicht die Schärfe und Brillanz einer 35mm-Projektion hat, ist noch das geringste Problem. Und sicher der Grund, warum ich ihn nicht mochte.

    Da sind um Beispiel auf einer grundlegenden Ebene in einem bezeichnenden Detail die Dialoge, die der deutsche Ehemann von Mira, Zeugin in einem Kriegsverbrecherprozess vor dem Den Haager Menschenrechtsgerichtshof, in den Mund gelegt wurden, die stets aufgeschrieben wirken, hölzern, nicht lebensecht. Das führt zu einer Künstlichkeit, die sicher unerwünscht ist – geht es doch um die juristische Aufarbeitung der Kriegsverbrechen im Jugoslawienkrieg der 90er, um die Probleme bei der Anklageerhebung, um Bürokratie, Politik, juristische Spitzfindigkeiten, die dem Erlangen von Gerechtigkeit im Weg stehen; kurz, um einen authentischen Blick hinter die Kulissen einer äußerst wichtigen Institution, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit ahndet. Wo es aber, so scheint es, oft weniger um Gerechtigkeit geht denn um Kompromisse, um einen Deal, der dann als Recht angesehen wird.

    Mit diesem starken Aspekt der Wirklichkeit, die zu erlangen sich der Film bemüht, reibt sich die Künstlichkeit von Plot und Dramaturgie, die immer wieder auf film- und genregerecht aufbereitete Mittel der Erzählung zurückgreifen – das ist der zweite störende Aspekt. Da ist etwa, um die Hauptfigur der Den Haager Strafverfolgerin Hannah Mayfield emotional tiefer zu charakterisieren, eine Liebesgeschichte zu einem EU-Diplomaten eingebaut, der sich um die Eingliederung der ex-jugoslawischen Staaten in die europäische Staatengemeinschaft bemüht; was sich dann natürlich zu einen Konflikt zwischen Privatem und Beruflichem steigert. Da sind die filmüblichen Sticheleien gegen den Vorgesetzten, der ihre Beförderung weggeschnappt hat. Da sind Drohungen gegen die bosnische Zeugin der Anklage, die aus jedem Mafiafilm stammen könnten.

    Das alles führt zu einem Gehalt an Fiktionsmerkmalen, die freilich dem Wahrheitsanspruch des Themas im Weg stehen. Der sich wiederum ausdrückt in der deutlichen und fast dokumentarisch anmutenden Darstellung der kleinteiligen Recherche nach Beweisen für Kriegsverbrechen. Und der auch durch die dokumentarischen Mittel von Handkamera und ungelenken Zooms impliziert wird.

    Die Probleme sind dabei aber gar nicht die einzelnen Störelemente, sondern – und das ist das Dritte –, dass alles zusammen genommen lange nicht die emotionale Kraft besitzt, die man von Hans-Christian Schmid kennt. Er konzentriert sich auf die Staatsanwältin ebenso wie auf die Zeugin, auf ihre emotionale Entwicklung und ihre Bedenken – ohne dass sich daraus aber irgendeine wirkliche tiefgehende Betroffenheit oder auch nur eine Identifikation ergäben.

    Die zwei Zielsetzungen des Films, die authentische Betrachtung der Arbeit hinter den Kulissen des Den Haager Menschenrechtsgerichtshofes – was ein ganz, ganz wichtiges Thema ist, das wirklich jeden angeht –, und der Versuch, mit zusätzlicher emotionaler Aufladung einen gewissen Massenappeal zu erreichen, passen nicht richtig zusammen. Wie bei den Gerichtsurteilen in Den Haag, wie sie der Film darstellt (als Deal zwischen Anklage und Verteidigung, bei dem für alle Seiten wenigstens ein bisschen was Gutes rausspringen soll), scheint auch „Sturm“ auf einigen Kompromissen zu beruhen. In diesem Sinne ist der Film deutsch-holländisch-dänischer Europudding.

    Über einen der Zeugen, der aus Idealismus vor Gericht gelogen hat, wird im Film gesagt, er liebe die Filme, bei denen am Ende das Gute siegt; so wie bei „Rocky“. Und wie in „Rocky“ zeigt auch dieser Film am Ende einen Sieg des Guten, auch wenn es oberflächlich zu einem Unentschieden zwischen Pro- und Antagonisten gekommen ist. Und das hat halt mit Wirklichkeit, Authentizität oder Glaubwürdigkeit leider wenig zu tun.

    Fazit: Gut gemeint, aber nicht richtig gut gemacht. Zu sehr stehen sich deutliche Fiktionsmerkmale und der ehrgeizige Anspruch, Authentisches zu zeigen, im Wege.
  • Mit beinahe journalistischer Distanz setzt sich Hans-Christian Schmids trotz aller Besonnenheit flammend heißer Thriller mit den Untiefen bei der Verfolgung von Kriegsverbrechern in Den Haag auseinander.

    Ein tagespolitisch aktuelles Thema mit hohem Entrüstungspotenzial, dramatisch zugespitzt mit den Genremitteln des Thrillers. Aufrechte, auf sich allein gestellte Kämpfer um Gerechtigkeit in einer ungerechten Welt, die ihre Waffen vor einem übermächtigen, weil gesichts- und gewissenlosen Gegner strecken und sich mit einem Etappensieg zufrieden geben müssen, während man den Krieg verloren gibt. Die Parallelen zwischen Tom Tykwers “The International” und dem fünften Spielfilm von Hans Christian Schmid sind so überdeutlich, dass gerade hier die Unterschiede zwischen den beiden führenden deutschen Regisseuren ihrer Generation besonders auffallen.

    Während Tykwer seinen Blick auf die Realität mit den Mitteln des Genrekinos schärft, vertraut Schmid auf seine angeborene Neugier als gelernter Dokumentarfilmer: Zwar lässt er in “Sturm”, seinem ersten (weitgehend) englischsprachigen Film, keinen Zweifel, für welche Seite sein Herz schlägt, aber er lässt sich von seiner persönlichen Empörung nie den Blick verstellen. Mehr denn je fällt in dieser Geschichte einer engagierten Staatsanwältin vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, die den serbischen General Duric als Verantwortlichen für ethnische Säuberungen überführen will und aus allen Richtungen Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommt, das Bemühen um Objektivität auf, mit dem der Regisseur seinen Figuren und dem Geschehen begegnet. Es geht Schmid um Verstehen, um das Enthüllen der Mechanik von Vorgängen. Dabei gelingen ihm en passant und doch ganz zwingend beeindruckende Bilder, die diesem Krimi ihren ganz eigenen Stempel aufdrücken – und “Sturm” zwar in die Nähe eines richtig guten Costa-Gavras rücken, aber doch nie dem Verdacht des Gutmenschentums aussetzt. Leicht macht es sich der Film und seinen Figuren nicht: Staatsanwältin Hannah Maynard wird im Verlauf ihrer Arbeit von ihren Zeugen im Stich gelassen, von ihrem Vorgesetzten enttäuscht, von ihrem Geliebten betrogen, vom Gerichtshof unter Druck gesetzt, von ihren Gegnern bedroht. Bis ihr als einzige Verbündete eine junge Frau aus der Republika Srpska bleibt, die von Soldaten Durics vergewaltigt wurde und nun ihr neues Leben in Deutschland und ihre Familie aufs Spiel setzt, um doch noch gegen ihren einstigen Peiniger auszusagen. Diese junge Frau – gespielt von der überragenden Anamaria Marinca aus “4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage” – wiederum muss Maynard verraten, will sie nicht riskieren, dass Duric ungeschoren davonkommt.

    Schmid erspart sich jegliche Melodramatik, deckt dabei aber auf, wie moderne Justiz funktioniert: Für Ergebnisse, wie unbedeutend sie auch sein mögen, werden eben auch Kollateralschäden hingenommen. Womit man wieder ganz nah bei “The International” ist, dem anderen Meisterwerk der ersten Tage auf der Berlinale. ts.

Darsteller und Crew

News und Stories

  • Fakten und Hintergründe zum Film "Sturm"

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    Der Deutsche Filmpreis 2010 ist vergeben: Auf der feierlichen Preisverleihung am Freitagabend, 23. April 2010 im Berliner FriedrichstadtPalast lässt die deutsche Koproduktion “Das weiße Band” von Regisseur Michael Haneke die Konkurrenz leer ausgehen. In insgesamt zehn Kategorien gewinnt das bewegende Drama u.a als Bester Film die begehrte Lola in Gold. Weitere Preisträger sind Hans-Christian Schmids “Sturm” für die...

  • Zehn Lolas für "Das weiße Band"

    Mit zehn von 13 möglichen Auszeichnungen ist Michael Hanekes "Das weiße Band" seiner Favoritenrolle beim Deutschen Filmpreis gerecht geworden.

  • Piffl Medien: Thriller "Sturm" im April auf DVD

    Piffl Medien wird die deutsche Koproduktion “Sturm” von Hans-Christian Schmid auf DVD in den Handel bringen. Der brisante Thriller handelt von Hannah Maynard, die als Anklägerin am Kriegsverbrechertribunal in Den Haag arbeitet. Es gelingt ihr, die in Berlin lebende junge Bosnierin Mira zu überzeugen, als Zeugin gegen einen mutmaßlichen Kriegsverbrecher auszusagen. Die Leih- und Kauf-DVD erscheint in den Sprachen Deutsch...

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