Sohnemänner (2011)

Sohnemänner Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Sohnemänner: Deutsche Dramödie über eine pflegebedürftige Frau, um deren Betreuung sowohl ihr Sohn und als auch ihr Enkel kämpft.

Der 38-jährige Uwe meint es eigentlich nur gut, als er seine Großmutter Hilde aus einem Hamburger Pflegeheim entführt, um sie zu sich und seinem Lebensgefährten in den Schwarzwald zu bringen. Das ruft seinen Vater Edgar auf den Plan, der sich zwar nie besonders gut um seine Mutter gekümmert hat, sich nun jedoch übergangen fühlt – zumal ausgerechnet sein Sohn, zu dem er ein marodes väterliches Verhältnis pflegt, ihn damit vorführt. Es entbrennt ein subtiler Machtkampf zwischen den so grundverschiedenen Männern, bei dem die Bedürfnisse der alten Frau gänzlich auf der Strecke bleiben.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Auf dem Motorrad röhrt er durch Hamburg, mit schwungvollen Schritten dann ins Pflegeheim rein; und eigentlich unterscheidet er sich kaum von den Insassen: graue Haare, faltiges Gesicht. OK: ein paar Jahre jünger ist er schon als die dementkranken Damen. Würde er nicht penetrant diese jugendliche Vitalität ausstrahlen, wie sie sonst eher in Doppelherz-Werbung vorkommt, und würde er sich nicht so impulsiv aufregen: äußerlich passt Edgar ins Ambiente.

    Edgars Mutter ist aus dem Altenheim verschwunden, von den Pflegern interessiert es keinen so richtig, aber Edgar ahnt: Sie ist im Schwarzwald, entführt von seinem Sohn Uwe. Der lebt dort in einem urigen Bauernhaus zusammen mit Johann. Das ist Uwes älterer Liebhaber und sein Verleger, Uwe selbst versucht sich als Lyriker, vor allem aber will er ein guter Enkel von Oma Hilde sein. Die er zu sich holt, weil sich ja ihr Sohn, Uwes Vater, nicht um sie kümmert.

    Die Umkehrung der Verhältnisse durchzieht den Film, und sie ist immer wieder Quell seines Witzes: Wie der Sohn seinen Vater zu erziehen versucht, der Vater die Mutter wie ein Kind behandelt, die Oma sich für ihre mütterlichen Ermahnungen und Ratschläge Verbündete aus den nachfolgenden Generationen suchen muss… Ingo Haeb versammelt auf dem Schwarzwaldhof, inmitten des Idylls, sein Personal; Edgars Geliebte inklusive ihrem Sohn kommen auch noch irgendwann an, es entzünden sich diverse Reibereien. Oma Hilde soll sich wohlfühlen im Alter, und im Gedanken daran verlieren die Söhne und Angehörigen sich selbst aus dem Auge.

    Im Landleben ohne Ruhe offenbaren sich unterdrückte Wut und nie zugelassene Liebe, Animositäten wegen gefühlter Nachlässigkeit treffen auf Distanz wegen des Dauerverdachts der Verständnislosigkeit beim anderen. Dabei weiß Uwe nicht mal, warum Edgar immer Johnny genannt wird; und Edgar weiß nichts davon, dass man dem anderen einfach mal zeigen muss, dass man zumindest an ihn denkt…

    Edgar/Johnny ist Hamburger Urgestein, er gibt sich tough, ein Kiezjunge in den 60ern; während seine Mutter Hilde sich im pragmatischen Bereich reduzierter Zärtlichkeiten eingerichtet hat, und Uwe sowieso seinem Vater in emotionalen Sachen misstraut. Eine Thomas-Mann-Lesung sowie ein Gedicht, das Uwe als sein eigenes ausgibt („Baum sein“), berühren Edgar; ein Lob kommt nicht über seine Lippen. Innerer Zorn lässt Uwe erbeben, doch kein Wort der Klärung, der Erklärung kommt über seine Lippen. Klar ist nur: Oma Hilde gut und schön, aber eigentlich sollte sie doch professionell gepflegt werden; in der örtlichen Seniorenresidenz gibt es so schöne Ballgymnastik… Ist sie da nicht viel besser aufgehoben als im verwinkelten Schwarzwaldhof? Was für eine schöne Szene: Wie Uwe und Johann, beide mit ein paar Kilos zuviel, abendliches Leibes- und Liebesspiel treiben und von einer verständnislosen Oma ertappt werden…

    Eine Drei-Generationen-Komödie ist das, in der sich die eingefahrenen Wege der Protagonisten erweitern zu neuen Möglichkeiten des Umgangs miteinander. Sehr unterhaltsam nähert sich Haeb dem Verhalten der Generationen untereinander an, macht Oma Hilde zum Zankapfel und Spielball zwischen Vater und Sohn. Doch ein wenig emotionale Nähe fehlt dem Film, keiner ist so richtig auf Anhieb sympathisch, weder Edgar, der großspurige Vitalsenior, noch Uwe, der wütend-weinerliche Lyriker. Erst wenn sich im weiteren Verlauf zeigt, wie sie ticken, kann man die Annäherungen und Abstoßungen zwischen den Parteien im Schwarzwaldhof voll auf sich wirken lassen.

    Fazit: Vergnügliche Drei-Generationen-Komödie, die ihren Witz aus dem Zusammenstoß verschiedener Charaktere und aus dem Ausbruch lange aufgestauter – nicht nur positiver – Gefühle zieht.
  • Familie und Fürsorge: Ein nachlässiger Vater und sein schuldbewusster Sohn zanken um die richtige Pflege der Mutter/Oma, deren Wohl derweil aus dem Blickfeld gerät.

    Wieder “Das kleine Fernsehspiel” – wieder ein gelungener Auftritt. Augenfälligste Stärke von Ingo Haebs (“Neandertal”) nach eigenem Drehbuch inszenierter Dramödie sind präzise, wie aus dem Leben gegriffene Charaktere und Beziehungskonstellationen, die doch mühelos mit leichter Hand ausgeführt sind. Die zarte Komödie beobachtet ihre Figuren wie eine sozialrealistische, sanfte Doku und lässt den Schauspielern Platz, um ganz natürlich zu wirken, während sie sich über ihr, mitunter gehörig verbohrtes, Verhalten leise amüsiert – ohne sie bloßzustellen.

    Obwohl viel dicke Luft herrscht und sich im Laufe der Versammlung dieser kaum sonderlich kompatiblen Patchwork-Familie viele Gründe anstauen, aufeinander loszugehen, handhabt das Haeb unaufgeregt und mit subtiler Leichtigkeit. Heraus kommt kein Problemfilm, sondern die amüsante Entwicklung gleich mehrerer Partner- wie Eltern-Sohn-Konflikte entlang dem leicht absurden Gerangel eines bequem selbstgerechten Vaters und seines gekränkten Sohnes um die Verantwortung für eine pflegebedürftige 83-Jährige. Der knorrige Altrocker Edgar (mit Hamburger Schnauze: Peter Franke) hat sich nie um jemanden geschert und sein Sohn Uwe, einen Kopf größer und mit lebenslangen Groll auf ihn versehen, geht ihm aus dem Weg. Bis dieser seine Oma, Edgars Mutter, aus dem norddeutschen Pflegenotstand in das auf der sonnigen Alm gelegene Schwarzwaldhaus seines schwulen Lebensgefährten Johann entführt und Edgar ihm nachreist.

    Wie sich die beiden Dickköpfe die Einmischung verbieten und hinter ihrer vermeintlichen Besorgtheit Egoismen auftauchen, hätte man trefflicher nicht ersinnen können. Haebs Erfahrung als Drehbuchautor (“Sie haben Knut”, “Am Tag als Bobby Ewing starb”) bürgt nicht nur für dramatische Charaktere, die sowohl zum Schmunzeln anregen, als auch Tragik beweisen. In der Low-Budget-Familien-Dramödie mischen Stolz, Vorurteil und Lebenslügen einen mitunter giftigen Beziehungs-Cocktail, den Haeb aber entspannt anrührt. Trotz alter Wunden kann man sich vertragen – und am Ende vielleicht sogar ein wenig besser verstehen. tk.

Darsteller und Crew

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