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Sein letztes Rennen (2013)

Sein letztes Rennen Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Sein letztes Rennen: Dieter Hallervordens fulminantes Kino-Comeback in ernster Rolle als Altenheim-Bewohner, der nochmal den Berlin-Marathon laufen will. Großartig!

Paul Averhoff (Dieter Hallervorden) war einst ein erfolgreicher Marathonläufer  und in seiner Sportart eine Legende. In „Sein letztes Rennen“ landet er nach einem langen Leben an der Seite seiner Frau Margot (Tatja Seibt) in einem trostlosen Altersheim.

Pauls Tochter Birgit (Heike Makatsch) meint es mit ihren Eltern nur gut, doch ihr stressiger Job als Stewardess und der zunehmend schlechtere Gesundheitszustand von Margot machen den Schritt für sie unausweichlich, ihre Eltern in die Obhut eines Heimes zu überstellen. Doch der rüstige Paul hat keine Lust, Kastanienmännchen zu basteln und mit den anderen Heimbewohnern gute Miene zum tristen Spiel zu machen. Er beschließt, wieder mit dem Laufen zu beginnen und setzt sich ein hehres Ziel. Paul Averhoff möchte noch einmal am Berlin-Marathon teilnehmen, koste es was es wolle.

Die Heimleitung (Katrin Sass) und auch alle anderen in Pauls Umgebung sind gegen die Pläne des alten Mannes,  nur seine Frau und der junge Pfleger Tobias (Frederick Lau) halten zu ihm. Allen Widerständen zum Trotz beweist Paul seine Zähigkeit und erläuft sich Schritt für Schritt eine Stück seiner verloren gegangenen Würde zurück.

Als er kurz vor dem Ziel zu sein scheint, muss Paul Averhoff allerdings einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen und es sieht so aus, als würde er auf den letzten Metern doch noch vom Leben ausgebremst werden. Aber mittlerweile hat sich die Stimmung im Altersheim deutlich zu Gunsten des streitlustigen Herren geändert und Paul bekommt noch einmal eine letzte große Chance, seinen Traum zu verwirklichen.

Dieter Hallervorden gewann für seine Darstellung des rüstigen und renitenten Rentners Paul Averhoff den deutschen Filmpreis als bester Schauspieler des Jahres.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Filme über das Altwerden haben Konjunktur. Es gilt nicht mehr als unmodern, sich mit den Zumutungen des letzten Lebensabschnitts auseinanderzusetzen, den nachlassenden Kräften und dem überheblichen Mitleid der Gesellschaft. In dem Drama "Sein letztes Rennen" verordnet sich ein ehemaliger Sportler ein Training gegen die Resignation und wehrt sich gleichzeitig gegen die Bevormundung im Altersheim. Regisseur Kilian Riedhof (TV-Film "Homevideo") kombiniert in seinem Kinodebüt ernste und heitere Töne zu einer unterhaltsamen Geschichte.

    Am Anfang lebt Paul noch glücklich in seinem Haus mit Garten. Aber weil Margot in letzter Zeit oft hinfällt, drängt Tochter Birgit (Heike Makatsch) die Eltern, ins Heim zu ziehen. So sehr man das bereuen mag – Paul und Margot packen die Umzugskartons. Im Heim ärgert sich Paul über die junge Beschäftigungstherapeutin: Frau Müller gibt sich sehr freundlich, duldet aber keinen Widerspruch. Mit dieser Figur weckt der Film gar Erinnerungen an Schwester Ratched aus "Einer flog über das Kuckucksnest". Pauls Rolle ist es, die Bewohner wachzurütteln, so dass sie für ihre wirklichen Interessen eintreten. Trotz seiner Kritik an unnötiger Gängelung alter Leute macht der Film das Heim nicht als Institution schlecht. Es gibt auch aufgeschlossenes Personal, vor allem in Gestalt des proletenhaften, aber herzlichen Pflegers Tobias (Frederick Lau).

    Hauptdarsteller Dieter Hallervorden lief mit 77 Jahren im Herbst 2012 für den Dreh Abschnitte des echten Berlin-Marathons mit. Obwohl er in einer ernsten Rolle spielt, stattet er sie mit seiner aus Comedy-Sendungen bekannten Lockerheit aus. Er gibt Paul verspielte, naive Züge, der dadurch zum liebenswerten, jedoch nicht zum tiefgründigen Charakter wird.

    Der Geschichte schneidet viele Themen an, zieht dabei aber auch den Inhalt in die Länge, ohne immer ein Gefühl des Mitfieberns zu erzeugen. Besonders der Konflikt mit der Tochter, die von den Eltern genervt ist und dennoch so an ihnen hängt, stört die Dynamik. Aber insgesamt gelingt es dem Film, vergnüglich für mehr Selbstbewusstsein im Alter zu plädieren.

    Fazit: Mit Dieter Hallervorden in der Rolle eines betagten Marathonläufers ist "Sein letztes Rennen" ein sympathisches Drama über das Altwerden, das ernste und heitere Töne mischt.
  • Dieter Hallervorden einmal nicht als Spaßvogel. In Kilian Riedhofs Tragikomödie stellt er sich als Ex-Marathonchampion seinem härtesten Wettkampf – dem Leben.

    “Didi” war gestern, heute ist Dieter. Mit “Nonstop Nonsens” hat er jahrlang seine Fans erfreut, im Kino war er “Der Experte” oder “Der Rächer der Enterbten”. Kalauer und krude Slapstick-Gags sind die Spezialität des beliebten Comedians. Doch Dieter Hallervorden kann auch anders. Wie er nun als Charakterdarsteller in Kilian Riedhofs (“Homevideo“) nachdenklicher Tragikomödie nachhaltig unter Beweis stellt.

    “Sein letztes Rennen” absolviert er als einst gefeierter Marathonläufer Paul Averhoff. Weit u?ber 70 Jahre alt, muss er mit seiner kranken Frau Margot (Tatja Seibt) aus dem geliebten Häuschen in ein Altersheim umziehen. Tochter Birgit (souverän und sympathisch: Heike Makatsch), eine Stewardess, die in einer Lebenskrise steckt, hat zu wenig Zeit, sich um ihre Eltern zu kümmern. Plötzlich besteht Pauls Alltag aus Singkreis und Bastelstunde, geregeltem Tagesablauf sowie der Bevormundung durch seine religiöse Betreuerin (stark: Katharina Lorenz). Das kann’s doch nicht gewesen sein! Also packt der rüstige Senior seine Laufschuhe wieder aus und beginnt, für den Berlin-Marathon zu trainieren – belächelt vom Personal, bestaunt von den Mitbewohnern.

    Eine ganz alltägliche, realitätsnahe Geschichte erzählt Regisseur Riedhof, der zusammen mit Marc Blöbaum (“Notruf Hafenkante“) auch das Drehbuch geschrieben hat. Es geht um die Probleme des Älterwerdens und die Notwendigkeit des Weitermachens, ums Stecken neuer Ziele und darum wie man den Verlust eines geliebten Menschen verkraftet. Werden auch die bekannten (Betreuungs-)Probleme in einem Seniorensitz – überfordertes Personal, paragraphentreue Heimleitung (in Person der überzeugend schmallippigen Katrin Sass) etc. – angesprochen, dreht sich der Plot doch weniger um den Kampf eines Einzelnen mit dem System, sondern um den mit sich selbst.

    Mit gutem Auge sind sämtliche Personen gezeichnet – ob”verständnisvoller” Pfleger (Frederick Lau) oder spießiger, obrigkeitshöriger Heimbewohner (Otto Mellies) -, echt klingen die Dialoge und sorgfältig gestaltet sind die Dekors (Szenenbild: Erwin Prib). Vorzüglich umgesetzt ist das Finale, das seinen Höhepunkt im Olympiastadion der Hauptstadt findet – ein tricktechnisches Kabinettstück mit geschickt einmontierten Bildern vom ISTAF-Leichtathletik-Meeting sowie dem Berlin-Marathon. Eine warmherzige, hintergründige Arbeit, humorvoll im Ton, ernst in der Aussage, getragen vom souveränen Dieter Hallervorden, der ein großartiges Kino-Comeback gibt. geh.

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