Polnische Ostern (2010)

Polnische Ostern Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Polnische Ostern: In seiner satirischen Komödie räumt Spielfilmdebütant Jakob Ziemnicki mit deutsch-polnischen Vorurteilen auf und verhilft Henry Hübchen zu einer weiteren Glanzvorstellung.

Das Schicksal meint es mit dem alleinstehenden Bäckermeister Grabosch nicht gerade gut. Denn nach dem tragischen Unfalltod der Tochter soll nun auch noch sein einziges Enkelkind bei dessen polnischem Vater aufwachsen. Grabosch aber hat einen Plan: Er wird Mathildas neue Familie an Ostern in Polen besuchen und alles unternehmen, dass man ihr das Sorgerecht wieder entzieht. Doch je länger sich der alte Mann dort aufhält, desto klarer wird ihm, dass sämtliche Vorurteile, die er bisher gegen die Polen gehegt hatte, haltlos sind.

Nach dem Unfalltod der Tochter versucht ein alleinstehender Bäckermeister, sein Enkelkind dessen polnischem Vater zu entziehen. Satirische Komödie über Vorurteile, Spielfilmdebüt des selbst Polnisch-Deutschen Jakob Ziemnicki.

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    Werner Grabosch hat seine Tochter verloren. Allein kümmert er sich um seine Enkelin Mathilda, die er über alles liebt. Eines Tages steht Mathildas Vater Tadeusz vor der Tür und nimmt sie mit nach Polen. Doch Werner lässt sich das nicht gefallen. Bewaffnet mit einem raffinierten Plan und handfesten Vorurteilen begibt er sich nach Czestochowa, um seine Enkelin zurückzuholen. Doch alles kommt anders. Die hübsche Geschichte rund um einen verbitterten Mann, der auf seine alten Tage seine komplette Lebenseinstellung überdenkt, ist heiter-melancholisch inszeniert und überzeugt vor allem durch die wunderbare Schauspielleistung von Henry Hübchen. Doch auch die Nebenfiguren versprühen Charme, allen voran die junge Parashiva Dragus, die schon in DAS WEISSE BAND zu sehen war. Kamera und Musik unterstützen die beschwingte Stimmung dieser hübschen polnisch-deutschen Freundschaft.

    Jurybegründung:

    Werner Grabosch betreibt eine kleine Bäckerei in Rendsburg. Aus seinem schönen Haus, direkt am Nord-Ostsee--Kanal gelegen, beobachtet der Alleinstehende mit seiner über alles geliebten Enkelin Mathilda die vorbeiziehenden Schiffe. Die Tochter ist bei einem Unfall ums Leben gekommen und nun will Mathildas polnischer Vater die Kleine mit nach Polen holen.
    Doch so leicht gibt Grabosch nicht auf. Über die Osterfeiertage fährt er zu Mathildas neuer Familie im Wallfahrtsort Czestochowa mit dem Plan, sie mit allen Mitteln zurückzuholen. Aber dann kommt alles anders ...
    Eine hübsche und sehr sympathische Geschichte rund um deutsch-polnische familiäre Verwicklungen und gegenseitiges Kennenlernen und Verstehen. Man muss nur den Willen dazu zeigen.
    Mit ruhigem Rhythmus inszenierte Jakob Ziemnicki dieses Erstlingswerk mit einem schön gewählten polnisch-deutschen Schauspielensemble, aus dem besonders Henry Hübchen als Grabosch, Adrian Topol als Mathildas Vater und auch die kleine Paraschiva Dragus als Mathilda herausragen. Die Kameraführung und die passende musikalische Begleitung runden das kleine Spiel um Zwischenmenschliches über die Grenzen hinweg ab.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Regisseur Jakob Ziemnicki, der zusammen mit Kathrin Milhahn („Mondscheinkinder“) das Drehbuch zu „Polnische Ostern“ schrieb, hat mit seinem Filmakademie-Debüt die Ethnokomödie nicht neu erfunden. Auch gab es in den letzten Jahren – mit Steffen Möller und seinem Buch „Viva Polonia“ oder mit Monika Anna Wojtyllos Klamaukfilm „Polska Love Serenade“ – schon diverse Versuche, uns die östlichen Nachbarn nahezubringen, die vielen Deutschen gleichzeitig zu ähnlich erscheinen und allzu fremd zugleich.

    „Polnische Ostern“ besticht jedoch in seiner aparten Mischung aus der Geschichte vom Besucher in der Fremde und der Story vom doch irgendwie liebenswerten Griesgram, der in ob seiner Ressentiments und seines Pessimismus eines Besseren belehrt wird. Den Löwenanteil an der Güte des Films trägt dahingehend Henry Hübchen („Lila, Lila“, „Alles auf Zucker“) in seiner Rolle als Werner Grabosch. Mürrisch, misstrauisch, zornig oder herablassend angesichts der ungewollten Ost-Verwandtschaft oder in Konfrontation mit dem wahlweise „rückständigen“, ordnungslosen oder schlicht verrückten Treiben der Polen ist seine Miene.

    Doch stets ist der Figur darüber auch eine Verletztheit mitgegeben, die sie einem nahebringt: Hier ist einer Muffel zwecks unbewusster Wundbehandlung. Grabosch mag die Polen nicht, weil sie nicht nur seine Enkelin ihm weggenommen haben, sondern zuvor schon, im übertragenen Sinn, die Tochter. Und weil letztere nun nicht mehr am Leben ist, hadert er im Stillen mit Gott und dem Konzept des Glaubens, was ihm den engagiert praktizierten Katholizismus der Nachbarn nur umso saurer aufstoßen lässt. Das ist in „Polnische Ostern“ ganz leise und unauffällig eingebaut, aber es ist da, verknüpft still und heimlich das große Lehrstück und den Erziehungsroman mit einem persönlichen Drama und macht die Figur des Grabosch bemerkenswert „rund“.

    Auch den Nebendarstellern sieht man gerne zu, von der kleinen Praschiva Dregus bis zu Adrian Topol als Tadeusz, den es für Grabosch stets als Gauner zu überführen gilt, oder die Mama, gespielt von der großen polnischen Aktrice Grazyna Szapolowska. Letztlich „dienen“ sie alle aber eben nur (und im besten Sinne) Hübchen als Grabosch.

    Ein weiterer Vorzug ist, dass es natürlich ein Happy End gibt, den Gesinnungswandel und die Seelenheilung des Mannes aus dem Westen, dass dies aber bemerkenswert leise ausfällt und nicht alles rundum in Friede, Freude, Eierkuchen auflöst. Auskuriert oder gar ein Netter wird Grabosch auch am Ende nicht sein bzw. werden.

    Wie steht es mit „Polnische Ostern“ nun in Sachen „typisch polnisch“? Ziemnicki, der selbst im ehemaligen Danzig geboren wurde, als Kind mit den Eltern nach Deutschland auswanderte und dank Wurzeln und Verwandtschaft genug um die kulturellen Unterschiede und Missverständnisse weiß, bietet einen vielseitigen Mix im Umgang mit Stereotypen und Klischees, ohne sie groß aufzulösen, ohne sich aber auch darin zu sehr zu ergehen oder zu verstricken.

    Lustvoll ist sein Grabosch mit der ganzen Bandbreite an Vorurteilen ausgestattet: Polen sind arm, abergläubisch und potentiell kriminell, vor allem: Autodiebe. Und der Film macht sich einen Spaß daraus, den Werner mit diesen Vorstellungen insofern zu konfrontieren, als sie ihm von anderen Figuren vorgehalten werden – und sich dann oft genug tatsächlich bestätigen. Damit wird auch das Publikum nicht mit einem naiven erzieherischen Gegen-Polen aus dem Kino zu entlassen, im Gegenteil: Es liegt vielleicht an Ziemnickis Vorwissen und Herkunft, dass dieses fremde Land, mit dem uns schließlich auch eine stets heikle geschichtliche Nachbarschaft verbindet, ein Stück Andersartigkeit behält.

    Besonders der Glaube und die kleinen alltäglichen Abergläubigkeiten spielen dabei eine Rolle; Mathildas „Nottaufe“, die Bedeutung der Kommunion – und was in einer urwitzigen Szene schnell als albern und unglaubwürdig durchgehen kann, ist tatsächlich überzogen, nicht aber im Kern unwahr oder gar wild erfunden: Wegen eines Verkehrsdeliktes wird Grabosch angehalten, von einem Polizisten auf dem Motorrad, der auch gleich einen Priester dabei hat. Der Westler wird vor die Wahl gestellt: Geldbuße oder Gebet zusammen mit dem Pater. Gibt’s in Polen – so Ziemnicki – wirklich; man setzt auf das schlechte Gewissen und die Frömmigkeit und beugt zugleich Schmiergeldsünden durch die Anwesenheit des Gottesmannes vor.

    Auch dass teilweise in Czestochowa gedreht wurde, entlockt wohl manchem hierzulande ein Achselzucken – wenn er nicht (zu schätzen) weiß, dass dies quasi der heiligste Wallfahrtsort der Polen ist.

    Der Verdienst dieser liebenswerten, leicht konventionellen, aber bei allem Humor bisweilen feinnervigen Komödie ist daher, das Fremde nicht lediglich umzudeuten und einem deutschen Publikum anzueignen (nach dem wohlfeilen Motto „Im Grunde sind die ja wie wir“), sondern gerade als Anders- und Eigenartigkeit zu belassen, davor die Scheu abzubauen und neugierig zu machen.

    Fazit: Liebenswerte, etwas vorhersagbare, aber nicht zuletzt dank Hauptfigur und -darsteller sowie Art und Flair der „Völkerverständigung“ einnehmende Komödie in souveränem Tonfall.
  • In seiner satirischen Komödie räumt Spielfilmdebütant Jakob Ziemnicki mit deutsch-polnischen Vorurteilen auf und verhilft Henry Hübchen so nebenbei zu einer weiteren Glanzvorstellung.

    Nicht ganz zu Unrecht behauptet Jakob Ziemnicki, dass die meisten Deutschen von Polen maximal den Handwerker, die Putzfrau und den toten Papst kennen. Diesen Defiziten möchte der Regisseur, der 1975 in Polen geboren wurde und seit 1980 in Deutschland lebt, entgegenwirken. Dazu hat er sein Expertenwissen beider Länder und Kulturen genutzt und leistet nun im Gewande einer satirischen Komödie beim Abbau von beiderseitigen Vorurteilen Aufklärungsarbeit.

    “Polnische Ostern”, die erste abendfüllende Regiearbeit des Absolventen der Filmakademie Baden-Württemberg, beginnt zunächst in einer gepflegten Wohnsiedlung im westdeutschen Rendsburg. Dort meint es das Schicksal mit dem alleinstehenden, eigenbrötlerischen Bäckermeister Grabosch (Henry Hübchen) nicht gerade gut. Denn nach dem tragischen Unfalltod seiner Tochter droht er nun auch noch sein einziges Enkelkind zu verlieren. Die kleine Mathilda soll nämlich bei ihrem polnischen Vater Tadeusz aufwachsen. Als es Grabosch trotz Ausschöpfens sämtlicher Rechtsmittel nicht gelingt, seine Enkelin bei sich zu behalten, schmiedet er einen Plan. Er wird Mathildas neuer Familie an Ostern in Polen einen Besuch abstatten, dort auf unhaltbare Zustände treffen, die letztlich dazu führen werden, dass er das Sorgerecht für seine Enkelin erhält. Doch je länger Grabosch sich in Polen aufhält, desto irritierter ist er. Denn zum einen scheinen sich sämtliche gehegten Vorurteile von den faulen, unorganisierten, Autos klauenden Polen nicht zu bestätigen, zum anderen entpuppen sich Tadeusz, dessen neue Frau, vor allem aber seine attraktive Mutter Irena (Grazyna Szapolowska) nach und auch als äußerst angenehme Zeitgenossen.

    “Polnische Ostern” profitiert in erster Linie von der großartigen Performance eines Henry Hübchen, der nach Glanzleistungen in “Alles auf Zucker” und “Whisky mit Wodka” erneut seine geballte schauspielerische Erfahrung in die Waagschale wirft. Er mutiert zum ständig nörgelnden, total vereinsamten alten Mann, dem niemand etwas Recht machen kann, für den die Reise nach Polen letztlich zum Selbstfindungstrip wird und auch zur Erlösung auf der Suche nach ein wenig Liebe und Zuneigung. Um diese Figur herum strickt Ziemnicki herrliche Anekdoten, die sowohl die deutsche als auch die polnische Seite persiflieren. Doch bei aller Überzeichnung und Drastik bleibt er immer liebevoll und fair zu seinen handelnden Personen, die trotz all ihrer Unzulänglichkeiten das Herz am rechten Fleck haben. Zudem haben wir es hier nicht mit einer flinken Schenkelklopfkomödie zu tun, der Humor kommt subtil daher – zuweilen auch voller Melancholie, was der Soundtrack mit reichlich Akkordeonklängen noch verstärkt.

    Die Kameraführung ist ruhig, fast statisch, Bewegung findet nur vor der Linse statt. So kann man sich voll und ganz auf die Protagonisten konzentrieren, deren ausgefeilten Charaktere auf diese Weise voll zur Geltung kommen. Viel Spaß bereiten kleine Geschichten wie der polnische Triathlon (zu Fuß zum Schwimmbad und mit dem Rad zurück) oder die polnische Polizeikontrolle, bei der man als Strafe für zu langsames Fahren entweder 100 Euro löhnen oder ein Vater unser beten muss. Und wenn am Schluss der störrische alte Bäckermeister auf dem Weg zu Mathildas Kommunion im Auto polnisch lernt, dann hat Ziemnicki genau das erreicht, was er wollte – nämlich einen Beitrag zur polnisch-deutschen Annährung zu leisten. lasso.

Darsteller und Crew

News und Stories

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