Polizeiruf 110: Der Tod macht Engel aus uns allen (2013)

Filmhandlung und Hintergrund

Ein ebenso düsterer wie mutiger “Polizeiruf” aus München: In seinem ersten Krimi orientiert sich Jan Bonny an der Tradition der Polizeifilme von Dominik Graf.

Dank ausgefallener Geschichten, exzellenter Inszenierungen und Matthias Brandt zählen die “Polizeiruf”-Beiträge aus München zum Besten, was der Sonntagskrimi im “Ersten” zu bieten hat. Jan Bonnys Film “Der Tod macht Engel aus uns allen” knüpft daran nahtlos an. Der Regisseur (“Gegenüber”) hat gerade mal eine Handvoll Filme gedreht, und doch ist ihm mit diesem Werk ein Drama von großer Intensität gelungen.

Dass man unwillkürlich an die Krimis von Dominik Graf denkt, mag auch damit zu tun haben, dass das Drehbuch von Günter Schütter stammt. Der Autor hat die Vorlagen für einige herausragende Graf-Filme geschrieben, darunter mit “Cassandras Warnung” auch den ersten Fall für den neuen Münchener “Polizeiruf”-Kommissar. Offenkundiger sind jedoch die Parallelen zu dem wohl am meisten unterschätzten Werk aus Grafs Filmografie, “Die Sieger” (1994). Ähnlich wie in dem Action-Thriller ist “Der Tod macht Engel aus uns allen” eher Polizeifilm als Krimi: Ein transsexueller Mann ist in einer Polizeistation ums Leben gekommen, sein Lebensgefährte (Lars Eidinger) hat Anzeige erstattet; Hanns von Meuffels (Brandt) soll rausfinden, ob der Tod ein Unfall war oder ob mehr dahintersteckt.

Polizisten, die Dreck am Stecken haben, aber zusammenhalten wie Pech und Schwefel: Das ist weder neu noch originell. Der Reiz einer solchen Geschichte muss also in der Umsetzung liegen; und in der Kunst, aus Klischeefiguren nach und nach Charaktere mit eigenen Biografien zu machen. Um so mutiger ist die Besetzung: Abgesehen von Hans-Jochen Wagner als Wortführer sind die Darsteller der Beamten von der Polizeiinspektion 25 kaum bekannt. Sie wirken ausnahmslos authentisch und überzeugend, ein Eindruck, der durch die Bildgestaltung (Nikolai von Graevenitz) noch verstärkt wird: Dank der Handkamerabilder ist man als Zuschauer ständig mitten im Getümmel. Großen Anteil an der fast naturalistischen Anmutung des Films hat auch der Ton (Peter Kovarik); immer wieder schiebt sich typischer Großstadtlärm (Autos, Presslufthammer) akustisch in den Vordergrund. Bonnys intensive und konzentrierte Inszenierung macht diesen Krimi jedoch nicht nur zu einem sehenswerten Polizeifilm, sie könnte auch wieder mal zu Diskussionen führen. Die Bilder sind zwar nicht plakativ, aber empfindsame Zuschauer werden viele Dialoge abstoßend finden. Die negative Weltsicht, die gewalttätige Atmosphäre und der aggressive Umgangston stimmen ohnehin alles andere als zuversichtlich. Das desillusionierende Ende ist da nur konsequent. tpg.

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