Pearl Harbor (2001)

Pearl Harbor Poster
Nicht mehr im Kino.
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  1. Ø 3

Filmhandlung und Hintergrund

Pearl Harbor: Gewaltiges Liebesepos vor historischer Kulisse über zwei beste Freunde, die die gleiche Frau lieben.

1941: Spitzenpilot Rafe lässt seine Geliebte Evelyn und seinen besten Freund Danny in den USA zurück, um in England als Freiwilliger gegen die Nazis zu kämpfen. Evelyn und Danny werden nach Hawaii verlegt und erhalten die – falsche – Nachricht von Rafes Tod. Sie trösten sich gegenseitig und verlieben sich ineinander, da taucht Rafe wieder auf – einen Tag vor dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor.

New Jersey 1941. Rafe und Danny sind Piloten der U.S. Army. Als Rafe sich freiwillig meldet, um an der Seite der Engländer gegen die Nazis zu kämpfen, läßt er nicht nur seinen Kumpel, sondern auch seine große Liebe, die Krankenschwester Evelyn, zurück. Zwischenzeitlich nach Hawaii versetzt, wird Danny und Evelyn hinterbracht, dass Rafe gefallen sei. Nach Monaten der Trauer kommen die beiden einander näher und verlieben sich. Da steht Rafe plötzlich vor Evelyn – und ehe das Gefühlschaos bereinigt werden kann, greifen die Japaner Pearl Harbor an.

Rafe hat sich freiwillig zum Kampf gegen die Nazis gemeldet. Seine Freundin Evelyn erhält die Nachricht von seinem Tode und verliebt sich später in dessen Freund Danny. Da steht Rafe plötzlich vor der Tür. Patriotisches Kriegsdrama.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Wer in Jahren im Lexikon den Begriff “Materialschlacht” nachschlägt, wird als Erklärung Michael Bays “Pearl Harbor” finden: 40 Minuten seiner dreistündigen Laufzeit widmet das Kriegsepos der exakten Nachstellung des größten amerikanischen Traumas des letzten Jahrhunderts. Die gigantomanische Umsetzung des unerwarteten Angriff Japans auf den amerikanischen Marinestützpunkt im Pazifik am 7. Dezember 1941, der 3000 US-Soldaten das Leben kostete, ist denn auch die große Boxoffice-Attraktion des eindimensionalen Schlachtengemäldes, auch wenn ganz offensichtlich das Geschlechter übergreifende Erfolgsrezept von “Titanic”, ein historisches Ereignis als Kulisse einer fiktiven Liebesgeschichte greifbar zu machen, Pate für die Konzeption des Films stand. Anders als die Bomben Japans setzt die Geschichte zweier archetypisch amerikanischer Army-Flyboys, dargestellt von Ben Affleck und Josh Hartnett, die sich in eine US-Ausgabe von Florence Nightingale verlieben, die Leinwand nicht in Flammen.

    Abbilden statt Erleuchten war stets das Prinzip des Overkill-Kinos von Michael Bay, das an Oberflächen interessiert ist, aber selten weit genug in seine Sujets eindringt, um das zu offenbaren, was sich dahinter verbergen könnte. Seine Filme wie “The Rock” oder “Armageddon” sind angefüllt mit Situationen, aber nie mit Geschichten, mit Typen, aber nie mit Menschen, in deren Innenleben womöglich Raum sein könnte für mehr als einem wiedererkennbaren Charakterzug. Das ist der Grund, warum unanimierte Hardware in Bays Filmen stets lebendiger wirkt als sein auf jeweils ein oder zwei Emotionen abgespecktes Figurenarsenal, das letztlich nur dazu da ist, die Handlung von einem Höhepunkt zum nächsten zu transportieren. Die Blockbuster-freundlichen Minimalismus-Mittel der totalen Reduktion funktionieren bei den typischen “Dreckiges Dutzend”-Situationen wie die Ausbildung der Ölbohrer-Crew in “Armageddon”. Wenn es um die Liebe ging, reichten Bay bislang zwei Postkartenmotive und ein Sonnenuntergang, ohne die Gefühle mit mehr als bloßen Behauptungen zu unterstützen.

    Dass sein filmischer Angriff Japans auf die Insel Oahu fulminant ausfallen würde, stand nie in Zweifel. Mit einem Budget von 140 Mio. Dollar ist “Pearl Harbor” der teuerste Film, dem jemals grünes Licht von einem Studio erteilt wurde (aber nicht, wie fälschlich immer wieder gemeldet, der teuerste Film überhaupt – diese Ehre wird nach wie vor “Titanic” mit einem Budget nördlich von 200 Mio. Dollar zuteil), und das Geld wanderte Penny für Penny auf die Leinwand, wenn 350 Flieger das Eiland-Paradies Oahu in zwei großen Angriffswellen in die pure Hölle verwandeln. Bays Risiko und Knackpunkt ist vielmehr die Liebesgeschichte, die in “Titanic”-Manier an Stelle der Bay-typischen Buddyszenen in den Mittelpunkt getreten ist. Und schon enden die Parallelen zu James Camerons Jahrhundertfilm, in dem die Liebe den Helden die Tür öffnet zu einem Leben der Selbstverwirklichung, der ungeahnten Möglichkeiten. “Pearl Harbor”-Krankenschwester Evelyn hat anderes im Sinn, will mit ihrem Mann einfach nur “alt werden und auf der Veranda sitzen”. Diese Verengung passt zum altbackenen Groschenroman-Szenario, das Randall Wallace (“Braveheart”) mit markigen Sprüchen und unreflektierten patriotischen Platitüden zum Epos aufgeblasen hat. Entsprechend sind die unzertrennlichen Freunde Rafe und Danny gute Jungs aus dem amerikanischen Hinterland, die die ersten 20 Jahre ihres Lebens offensichtlich ausschließlich mit dem Wunsch verbracht haben, eines Tages Piloten zu werden. Andere Regungen empfinden sie nur, wenn Typen wie Hitler andere Länder nicht in Frieden lassen oder der beste Freund sich in die gleiche Frau verliebt. Ersteres lässt den pflichtbewussten Sunnyboy Rafe als Freiwilligen in die britische Eagle Squadron eintreten, wo er prompt über dem Ärmelkanal abgeschossen wird. Bequemerweise sind sowohl Freund Danny als auch Rafes Freundin Evelyn mittlerweile nach Pearl Harbor versetzt worden, wo sie sich einen faulen Lenz machen und Zeit finden, sich beim gemeinsamen Trost über den vermeintlichen Verlust Rafes ineinander zu verlieben – über den Wolken, selbstverständlich, in einer schönen und allzu kurzen Szene. Als Rafe wieder auftaucht, ist auch der Angriff Japans auf Oahu nicht fern, so dass wenig Zeit für Differenzen bleibt. “Pearl Harbor” wäre indes kein Jerry-Bruckheimer-Film, wenn Amerika the Beautiful sich in die Knie zwingen ließe. Der “Tag der Heimtücke” (Zitat Präsident Roosevelt, im Film mit hohem Knatterfaktor von Jon Voight auf die Leinwand gezimmert) weckt vielmehr “einen schlafenden Giganten”, und bei der anschließenden Doolittle-Raid, als ein paar Handvoll B-25-Bomber strategische Ziele in Tokio angreifen, entscheidet sich auch das Schicksal von Rafe und Danny – einer muss sich in Jesus-Pose opfern.

    Dass Michael Bay die dreistündige Laufzeit bevorzugt nutzt, sich pausenlos selbst zu kopieren, statt das Publikum eine Verbindung mit seinen blassen Hauptfiguren aufbauen zu lassen, dass die Action den Zuschauer immer in die Mitte des Geschehens versetzt, anstatt ihn Zusammenhänge begreifen oder die furiose Stuntarbeit bewundern zu lassen, dass die Story belanglos, tumbe, eindimensional und fast komplett ohne historischen Hintergrund auskommt, sind valide Kritikpunkte. Man bekommt stets nur das, was man sieht, wenn die Filmemacher sich bei ihrer filmischen Denkmalspflege immer wieder in hohlstes Pathos flüchten. Das Verrückte ist, dass die Mischung stimmt: Als künstlerisches Unterfangen mag “Pearl Harbor” schon früh auf Grund laufen. Als kommerzielles Produkt ist das Gung-Ho-Spektakel ein Gigant, der sich, einmal geweckt, wohl lange nicht schlafen legen wird. Das ist die Kunst des Jerry Bruckheimer. Inwiefern sich der US-Erfolg des ersten repräsentativen Films der Ära Bush Junior – kriegstreiberisch, patriotisch, selbstgefällig, naiv – letztlich international übertragen lässt, wird man in wenigen Tagen wissen. ts.

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