Parada (2011)

Parada Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Parada: Komödie um eine Gay-Pride-Parade in Belgrad, die ausgerechnet unter dem Schutz eines ausgemachten Machos stattfinden soll.

Für die Lebensgefährten Mirko und Radmilo bedeutet ihre Homosexualität ständige Gefahr für Leib und Leben. Behörden haben Theaterregisseur Mirko Berufsverbot erteilt, weshalb er nun kitschige Hochzeiten organisiert, demnächst für Pearl, die Geliebte des reichen Kriegsveteranen Limun, einem ausgewiesenen Schwulenfeind. Mirko und Radmilo wollen die erste Gay-Pride-Parade in Belgrad organisieren und fädeln einen Deal mit dem Macho ein: Die Ausrichtung der Hochzeit gegen den Schutz vor Gewalttätern beim Marsch.

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Kritikerrezensionen

  • Den Grund dafür, dass der Balkan besonders schwulenfeindlich ist, sieht der serbische Regisseur Srdjan Dragojević in der dortigen Macho-Kultur. In seiner Komödie, die in Belgrad angesiedelt ist, lässt er die härtesten Typen, Kriegsveteranen und Kriminelle, mit Homosexuellen Bekanntschaft schließen und die Vorurteile und Klischees munter durcheinanderpurzeln. „Parada“ wurde ein großer Kinoerfolg auf dem Balkan und bekam auf der Berlinale 2012 den Publikumspreis der Sektion Panorama.

    „Wir haben für Geld nette Menschen gequält“, antwortet Micky Limun (Nikola Kojo) auf die Frage seiner Verlobten Pearl (Hristina Popovi), was er heute gemacht habe. Auch in Friedenszeiten setzt der serbische Kriegsveteran auf Gewalt: Jetzt räumt er mit seiner Security-Firma illegale Armensiedlungen, zum Beispiel, und bringt Hund Sugar zum Tierarzt mit der Pistole in der Hand. Micky und die alten Kriegshaudegen, die er später aufsucht, einen Kroaten, einen bosnischen Moslem und einen Kosovo-Albaner, werden in dieser Komödie schonungslos als extreme Muskelprotze und unkultivierte Brutalos vorgeführt, als Karikaturen des traditionellen Männlichkeitsideals.

    Um Pearl nicht zu verlieren, nimmt Micky den Security-Job auf der Schwulenparade an und versucht zunächst, seine Mitarbeiter aus dem Judo-Trainingscenter darauf einzustimmen. Den neuen Wert, den es zu beschützen gilt, ja die neue Einstellung schlechthin, kann er sich jedoch selbst nicht merken, und deshalb liest er den Spicker auf seinem Unterarm vor: „gewaltfreie Kommunikation“. Dafür ist, besonders in diesem Zusammenhang, jedoch niemand zu gewinnen. Sogar die Polizei hatte die Organisatoren der Parade abgewiesen: „Wenn wir euch Schwulen und Lesben Menschenrechte zugestehen, dann kommen sie alle.“ Der Hochzeitsplaner Mirko (Goran Jevtić) und sein Freund, der Tierarzt Radmilo (Miloš Samolov), werden sogar von Nachbarn im Treppenhaus und von alten Leuten auf der Straße beschimpft und beleidigt.

    Hinter einer solch extremen Feindseligkeit verbirgt sich Angst, das weiß der Regisseur, der auch ausgebildeter Psychotherapeut ist. Indem er nur ein wenig den Tonfall verschiebt, die Vorurteile zuspitzt, entlarvt er die komische, partielle Blindheit im Abwehrgehabe der Heteros. Aber gewalttätig bleibt die dreckig-deftige Geschichte dennoch, zeichnet eine Umgebung, in der schon die Sprache voller Drohgebärden ist und zu den nächtlichen Attraktionen Wetten beim Kampfhunde-Duell zählen. Da ist es schon ein täglicher Mutbeweis, wenn Radmilo und Mirko in ihrem rosafarbenen Minicooper durch die Stadt fahren, der immer von Schmierereien verunziert ist.

    Die Komödie setzt auf wirklichkeitsnahen Dialogwitz und flotte Musik, die an Ganoven- und Actionfilme vergangener Jahrzehnte erinnert. Zu den hübschesten Einfällen gehören Anspielungen auf das Männlichkeitsideal in alten Hollywoodfilmen: Mirko und Radmilo schwärmen für „Die glorreichen Sieben“ und verstehen „Ben Hur“ als einen richtigen Schwulenfilm. Gangster Micky schwärmt jedoch aus anderen Gründen ebenfalls für „Ben Hur“, besonders für die Szenen der herzlichen Männerfreundschaft. Wenn diese dann hier im Film abgespielt werden, wirken sie zumindest alles andere als homophob. Zweideutig muten auf einmal auch die Balgereien der jungen Basketballsportler an, die in dem Hotel übernachten, in dem für Micky und Radmilo nur noch ein einziges Bett frei ist.

    Fazit: Ein Mann ist ein Mann, auch wenn er schwul ist: In der serbischen Komödie „Parada“ springen die Machos alter Schule deswegen hysterisch im Dreieck.
  • Die schwarze Komödie um Homophobie auf dem Balkan nimmt mit ihrer rustikalen Versöhnungs-Folklore für sich ein.

    Auf den liberal-toleranten Zuschauer muss Srdjan Dragojevics (“Pretty Village, Pretty Flame”) Komödie um Gewaltausbrüche gegen Schwule im Vorfeld einer Gay-Pride-Parade in Belgrad mit all seinen cartoonesk überzeichneten Stereotypen vom effeminierten Homo bis zum ultranationalistischen Chauvinist vielleicht hoffnungslos veraltet, wenn nicht naiv wirken. Aber der laut eigener Aussage erste pan-jugoslawische Film seit dem Auseinanderbruch benutzt geschickt diese Vorurteile, um sie dadurch abzubauen.

    In Anbetracht gesellschaftlicher Realitäten in (Süd)Osteuropa bis Russland, von den arabischen Ländern ganz zu schweigen, erhält die vermeintlich lockere Farce erhebliche Brisanz. In derart rückständigen Macho-Kulturen schlägt der Regenbogen-Fraktion blanker Hass entgegen: Der Terror in “Parada” ist den Nachrichten entnommen. Das ist so erschreckend, dass man froh sein kann, es nur als Komödie erleben zu müssen.

    Unter Lebensgefahr – Skinheadüberfälle sind an der Tagesordnung – planen Hochzeitsplaner Mirko und sein Lebensgefährte, der Tierarzt Radmilo, die erste Schwulenparade in Belgrad. Von Regierung und Polizei im Stich gelassen, fädeln sie mit dem serbischen Kriegsveteran und Nationalisten Limun einen Deal ein, damit er sie vor Übergriffen schützt. Nur seiner Zukünftigen zuliebe willigt der ein. Aber dem strammen Schwulenfeind laufen die Mitarbeiter weg, weshalb er mit Radmilo aufbricht, frühere Kriegsgegner als Bodyguards zu verpflichten.

    Für diese Mission Impossible mischt Dragojevic munter Elemente aus Road- und Buddymovie, Screwball-Komödie und Culture-Clash zu einem gemütlichen, schwarzhumorigen Treiben zusammen, dessen Personal extreme Karikaturen sind, die man aber doch ernst nehmen soll (was gar nicht so einfach ist). Genüsslich überführt er Machos der Heuchelei, markiert nicht nur in “Ben Hur” homoerotische Männlichkeitsrituale und entlarvt die wahren Feiglinge, sobald das Himmelfahrtskommando – die glorreichen Sieben gegen 2000 Hooligans – ausrückt. Vor allem Grobian Limun wird in dem bald zum Ensemble-Stück ausufernden Plot geläutert und steckt für sein (lange widerwilliges) Engagement gewaltig Prügel ein. Die Schlacht, die hier geschlagen wird, ist eben eine wahre Straßenschlacht. “Parada” mag mit der Versöhnung ehemaliger Feinde und einem zaghaften moralischen Wandel eine dicke Message transportieren – ist aber ein Pamphlet, das tatsächlich wirkt und jeden seiner Festival-Preise redlich verdient hat.

    tk.

Darsteller und Crew

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