Nur ein Sommer (2007)

Nur ein Sommer Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Nur ein Sommer: Romantische Komödie um eine ostdeutsche Sommeraushilfe auf einer Schweizer Alm.

Die arbeitslose Eva (Anna Loos) findet partout keine Stelle in ihrer brandenburgischen Heimat. Ausgerechnet in der Schweiz hat das Arbeitsamt nun einen Job für sie – drei Monate als Melkerin auf einer Berner Alm. Da ihr Sohn längst erwachsen und die Beziehung zu Freund Marco (Steve Wrzesniowski) nicht mehr die beste ist, packt sie die Koffer und fängt beim ruppigen Milchbauer Daniel (Stefan Gubser) an. Sie bereut ihre Entscheidung nicht.

Eine bezaubernde Portion Alpenglühen verleiht dieser romantischen Komödie um eine ostdeutsche Gastarbeiterin, die auf der Schweizer Alm Gefühle entdeckt, einen entschiedenen Hauch vom derzeit angesagten Heimatfilm. Herzliche Bauer-sucht-Frau-Version mit einem Traumpaar.

Die arbeitslose Eva Grünberg ergreift ihre Chance, als man ihr drei Monate als Melkerin auf einer Berner Alm anbietet, auch wenn ihr Freund nicht gerade begeistert ist. Auf der Alm erwartet sie kein alter Öhi, sondern der fesche Senner Daniel. Klar, dass sich die tatkräftige Frau und der knorrige Mann beim Käsemachen näher kommen. Dann taucht plötzlich der Freund auf und Mehmet aus Mazedonien vom Nachbargehöft möchte die Deutsche heiraten, nicht nur wegen des Passes.

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Kritikerrezensionen

  • Irgendwann wird’s halt schon recht albern. Da hat der Senner Daniel seine Familie raufgeholt, man isst lecker selbstgemachten Käse, und irgendwann sitzt der Opa tot am Tisch, weil halt was Dramatisches passieren muss. Zuvor hat – als komischen Kontrapunkt – der Hund in der Hütte die ganzen Käselaibe angeknabbert. Und gleichzeitig badet Eva, Sommerhelferin aus Eberswalde auf der Senne, in einem Alpensee und wird dabei von Mehmed, dem Helfer der Nachbarsalm, beobachtet. Wobei ihre Nacktheit schamhaft in der Unschärfe verborgen wird. Das ist eine Häufung von Aktionen, die da aufeinandertreffen, so dass sie allesamt schon absurd wirken – obwohl der Film sie alle ganz ernst nimmt.

    Jemand beobachtet jemand anderes: das ist der Ausbund an Erotik. Zuvor schon hat Eva Mehmed beim Duschen gesehen. Kurze Zeit später werden beide zusammen ein Milchbad im Käsebottich nehmen, bei Wein und romantischem Kerzenschein. Und sie wird erklären, ihn, den schwärmerischen Verehrer, nie zu heiraten oder ihm sonst wie näherzukommen.

    Naja, das weißt man eigentlich die ganze Zeit, denn der Frontverlauf der Figuren ist immer klar. Eva auf der Alm, ihr Freund in Eberswalde, Mehmed in der Nachbarhütte, und in der Schlafkammer nebenan Daniel, Senner und Evas Chef. Wer da wen kriegt, ist keine Frage – warum der Film trotzdem immer wieder potentielle love objects an Eva heranführt, schon. Es ist halt alles zu einfach gehalten, um wirklichen Liebeskonflikt zu bergen; und dennoch versucht der Film krampfhaft, da noch ein bisschen was rauszukitzeln, wo von vornherein nix zu holen ist. Daniel ist von Beginn an zu hart, zu rabiat, zu stur, zu eifersüchtig, zu sehr auf Ordnung bedacht (wie die Schweizer halt so sind), als dass diese raue Schale nicht im Lauf der Handlung gebrochen würde.

    Dann gibt’s einen Kampf der Liebenden, der in Kuss und einer Nacht im Heu endet; hier wird schon der Weg ins unvermeidliche, in diesem Fall aber doch sehr plötzlich und unvermittelt eintretende Happy End eingeschlagen.

    Zuvor war der Film im Tempo eher zurückgenommen, hat als Eberswalder Sozialdarma begonnen mit recht deutlichen Anklängen an „Sommer vorm Balkon“ (dessen Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase hier als dramaturgischer Berater fungierte) – freilich ohne den Charme leichten Humors, dafür sehr genau und ziemlich direkt in der Beschreibung des sozialen Milieus. Eva musste die Wohnung wechseln, in einen anderen Plattenbau umziehen, weil ihr alter nebenan abgerissen wurde: da ist die soziale Situation schon sehr schön herausgearbeitet. Und schließlich kommt die Langsamkeit (die ja eigentlich gar nicht langatmig wirkt) dem Film zugute: denn sie stimmt ein auf die gleichförmige Arbeit auf der Alm.

    Und das ist es, was den Film wirklich bemerkenswert macht: wie minutiös und ganz exakt er die Arbeit auf der Senne schildert, das Melken, Kühetreiben, Käsemachen: das hat eine ganz eigene Qualität. Kein Wunder: Regisseurin und Drehbuchautorin Tamara Staudt hat selbst mehrere Sommer als Melkerin in der Schweiz verbracht.

    Doch bei diesen Stärken bleibt sie nicht, ebenso wie sie die Zweiergeschichte zwischen Eva und Daniel unnötig und übertrieben mit Nebenkonflikten auflädt und damit ausfranst. Dabei ist Anna Loos als Darstellerin tadellos, auch wenn sie allzu keck den rechten Träger ihrer Latzhose von der Schulter hängen lässt und das Haar auf der Alm stets so adrett sitzt wie bei einer Fernsehmoderatorin. Ihrem Co-Hauptdarsteller Stefan Gubser nimmt man den altgedienten Käsemacher ohne den Hauch eines Zweifels ab. Ebenso, dass die patente Städterin diesen mürrischen Senner erweichen kann. Hierauf hätte der Fokus liegen sollen.

    Fazit: Aus Eberswalde auf die Alm: Was ein schöner Heimat- und Liebesfilm hätte werden können, franst wegen unnötig aufgeladenen Nebenhandlungen zusehends aus.
  • Mischung aus romantischer Komödie, Heimatfilm und Sozialstudie, in der eine arbeitslose junge Frau die Eberswalder Plattenbausiedlung verlässt und auf der Schweizer Alm als Melkerin liebenswert-raue Menschen trifft.

    Etwas Autobiografisches steckt in dieser Geschichte: Tamara Staudt arbeitete zwei Sommer lang als Sennerin in den Schweizer Bergen und brachte es sogar zur Käsekaiserin von Link. Sie ließ sich von ihren Erfahrungen inspirieren, von der Landschaft und den Leuten aus aller Herren Länder, die der Arbeit und dem privaten Glück hinterher steigen.

    Eine von ihnen könnte auch Eva Grünberg sein, sie hat die Nase voll von ständigen Umschulungen, die keinen Job bringen und ergreift ihre Chance, als man ihr drei Monate als Melkerin auf einer Berner Alm anbietet. Sie packt ihre Sachen und zieht los, auch wenn der Freund nicht gerade begeistert ist. Auf der Alm erwartet sie kein alter Öhi, sondern der fesche Senner Daniel und seine 40 Milchkühe, also emotionale Wirren und harte Arbeit. Klar, dass sich die die tatkräftige Frau und der knorrige Mann beim Käsemachen näher kommen. Aber bis die Liebe ausbricht, dauert es – denn plötzlich taucht der Freund aus Brandenburg auf und Moslem Mehmet aus Mazedonien vom Nachbargehöft möchte die Deutsche heiraten, nicht nur wegen des Passes.

    Sehr gut getroffen sind die mit Anna Loos und Stefan Gubser besetzten gegensätzlichen Charaktere, überzeugend die sparsamen Dialoge. Etwas unschlüssig mäandert die Regisseurin allerdings zwischen Schweizer Heimatfilm mit Einheimischen, die bei Blitz und Donner den Naturgewalten trotzen, germanischer Sozialstudie, wo beim Sprengen des Plattenbaus die Ostalgie und das Sinnieren über Gesellschaftssysteme fröhlich sprießt und romantischer Komödie, wenn sich die Herzen finden und das charmante Raubein der Angebetenen bei der Abfahrt in die Heimat mit treuem Blick ein Bergblümlein schenkt. Denn am Ende der Saison trifft Eva eine überraschende Entscheidung, sie hat keinen Plan, aber einen Traum, also kein kitschiges Happy End vor der Hütte, sondern ein vielschichtig zu deutender Schluss, der Hoffnung auf einen gemeinsamen Lebensentwurf lässt, der länger dauert als “nur einen Sommer”. mk.

Darsteller und Crew

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