Meine Mutter, mein Bruder und ich! (2007)

Meine Mutter, mein Bruder und ich! Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Meine Mutter, mein Bruder und ich!: Poetischer, zwischen Realismus und surrealen Elementen pendelnder Film über das vertraute Fremde und die Suche nach Identität.

Seit zehn Jahren lebt Jurastudent Areg (Erhan Emre) in Deutschland und hat sich perfekt angepasst. Der 23-Jährige ist von Geburt Armenier, im Herzen aber Deutscher wie seine Freundin Lily (Mira Bartuschek). Doch die Wünsche seiner verwitweten, kranken Mutter Maria (Lida Zakaryan) stellen ihn zwischen die Kulturen. Sie will, dass er in ihre Heimat zurückkehrt. Areg sorgt für sie und seinen kleinen Bruder Garnik (Kurt Onur Ipekkaya), der eigene Träume hat.

Nach eigenem Drehbuch inszenierte Nuran David Calis eine Tragikomödie mit autobiografischen Zügen. Der ganz spezielle Heimatfilm über die kulturelle Zerrissenheit von Einwanderern wird prominent von Corinna Harfouch und John Friedmann (“Erkan & Stefan”) unterstützt.

Der 23-jährige armenisch-stämmige Areg lebt seit 10 Jahren in Regensburg und wartet auf ein dauerhaftes Bleiberecht. Während die Amtsmühlen langsam mahlen, dreht Areg, der auf die Münchner Filmhochschule gehen möchte, einen Kurzfilm. Allerdings macht ihm dabei seine verwitwete Mutter Maria einige Schwierigkeiten. Die diabeteskranke Frau scheint unbelehrbar und hat nicht wirklich Interesse daran sich zu integrieren. Und so wird auch Areg zwischen den verschiedenen Kulturen aufgerieben.

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Kritiken und Bewertungen

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    Wenn man seine Vergangenheit nicht kennt, kann man seine Zukunft nicht erkennen, sagt Areg, als er erkennt, dass es nicht reicht, die neue Heimat Deutschland mit aller Kraft anzunehmen. Er muss auch seine armenischen Wurzeln akzeptieren. Aber bis er diese Erkenntnis aussprechen kann, muss er einiges an Erfahrung und Kraft aufwenden.

    Seine Mutter Maria und sein kleiner Bruder Garnik unterstützen seine Pläne, in Deutschland Fuß zu fassen und ein berühmter Filmregisseur zu werden, nicht gerade mit Überzeugung, ja sie sabotieren sie sogar. Während der Einser-Schüler Garnik seine Mutter sprachlich schützt, weil sie sich weigert, Deutsch zu sprechen, und in kindlich-naiver Art davon träumt, in Armenien einen Goldschatz zu finden, bemüht sich Mutter Maria bei jedem Besuch Aregs, den erstgeborenen Sohn von armenischem Essen, armenischen Bräuchen und vor allem von einer armenischen Braut zu überzeugen. Zu allem Unglück ist Maria schwer zuckerkrank und muss immer wieder ins Krankenhaus.

    Im wie beiläufig erzählten Alltag von Areg werden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Kulturen deutlich. Areg, der als ältester Sohn seine verwitwete Mutter nach Kräften unterstützt, importiert zum Beispiel einen Grabstein für seinen Vater aus Armenien und muss dann erleben, dass die deutsche Friedhofsverwaltung nur Steine akzeptiert, die vom ansässigen Steinmetz stammen. Eine Szene, in der die beiden Brüder die Mutter an ihrer Putzstelle vertreten und nur dank Aregs Schauspielkünsten nicht enttarnt werden, charakterisiert meisterhaft gesellschaftliche Klischees - ohne aufgesetzt oder überzogen zu wirken.

    In vielen kleinen Nebenhandlungen gelingt es dem detailreichen und sinnlichen Film, sich zu weiten und ein ganzes Panorama von Charakteren und Verhaltensweisen zu zeigen. Der Film wird glaubwürdig durch seine Perspektivenverschiebungen, er erklärt seine Figuren nicht, sie erklären sich durch ihr Handeln.

    Das alles ist genau beobachtet und einfühlsam in Szene gesetzt, nie wird die Komik grell, der Spaß auf Kosten anderer gemacht. Auch die armenischen Verwandten, die eine für die Mutter inszenierte Oscar-Verleihung mitfeiern, sind ganz bei der Sache, weil sie wissen, dass die Mutter diese Ermutigung braucht. Als schließlich der Asylantrag genehmigt und das Bleiben gesichert ist, können die drei schließlich doch den Heimweg nach Armenien antreten, begeben sie sich auf eine Reise in ihre Vergangenheit und der Regisseur schafft es, die bis dahin teilweise satirische und komödiantische, in der Realität zwischen Studentenbude und Asylbewerberheim angesiedelte Geschichte in ein Märchen zu verwandeln, in dem Maria ihre Ruhe, Garnik das Gold und Areg seine Zukunft findet.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • „Meine Mutter, mein Bruder und ich!“ ist das Kinoregiedebüt von Nuran David Calis. Der Theaterregisseur ist Sohn armenisch-jüdischer Einwanderer aus der Türkei und lebt in München. In dem Drama, für das er auch das Drehbuch geschrieben hat, erzählt er von der schwierigen Integration in ein fremdes Land. Areg, der fließend Deutsch spricht und ein ganz normales Leben in seiner neuen Heimat anstrebt, gerät in konflikthaften Gegensatz zu seiner Mutter. Die unglückliche Frau bleibt in Deutschland fremd und träumt von einer Rückkehr in die Heimat. Dazwischen steht der neunjährige Garnik, der die Kommentare im Off übernimmt und die Mutter besser versteht als sein älterer Bruder.

    Wenn der Münchner Student Areg die Wohnung seiner Mutter in Regensburg betritt, kehrt er zurück in eine Welt, die er längst hinter sich lassen wollte. Die Mutter redet nur Armenisch, die beiden Söhne antworten beharrlich auf Deutsch. Der Film verzichtet auf Untertitel, wenn die Mutter, dargestellt von einer armenischen Schauspielerin, spricht, vielmehr, schimpft. Areg soll endlich den Grabstein für den seit zehn Jahren toten Vater besorgen, und dann eines dieser armenischen Mädchen heiraten, deren Fotografien sie ihm zeigt.

    Areg, gespielt von Erhan Emre, aber hat eine deutsche Freundin, Lilly, und er wagt es lange nicht, sie seiner Familie vorzustellen. Als er es dann doch tut, lehnt die Mutter sie kategorisch ab. Die Beziehung hat keine Zukunft, denn Areg muss bald nach Regensburg ziehen, um seiner kranken Mutter und dem kleinen Bruder beizustehen. Dabei muss er sich auch mit seinen Wurzeln beschäftigen und die sterbende Mutter schließlich sogar nach Armenien begleiten.

    Der unaufgeregte Film erzählt seine Familien- und Flüchtlingsgeschichte zunächst betont realistisch, später poetisch. Vor allem Aregs Alltag in München wirkt sehr authentisch mit den interkulturellen Konflikten und ist voller komischer Momente. So bewirbt sich Areg bei einer Filmproduktionsfirma – und wird prompt für die neue Reinigungskraft gehalten. Es ist ein besonderes Vergnügen, wenn Corinna Harfouch als Produzentin Susanne dem jungen Mann schöne Augen macht, ihm einen beschwipsten Vortrag hält.

    Die armenische Mutter hat die undankbare Rolle der störrischen, ablehnenden Frau, deren Totalverweigerung auf Dauer unsympathisch wirkt. Aber der kleine Garnik hilft der fast blinden Frau nicht nur über die Straße, sondern erklärt dem Bruder und den Zuschauern auch, wie traurig die Mutter in der Fremde ist. Kurt Onur Ipekkaya verzaubert in seiner ersten Kinorolle mit seinem ernsten kindlichen Charme. Es ist immer noch eine interessante Ausnahmeerscheinung, wenn Regisseure mit Migrationshintergrund ihre Identität in Deutschland thematisieren.

    Fazit: Anfangs realistisches, dann poetisches Drama über einen jungen Armenier in Deutschland, der sich um seine kranke Mutter kümmern muss.
  • Ein realistischer wie märchenhafter Familienfilm über vertraute Fremde. Ein junger Einwanderer ist zwischen deutscher Identität und armenischer Kultur hin- und hergerissen.

    Tragikomisch geht es zu in dem Spielfilmdebüt von Theaterregisseur Nuran David Calis, der Autobiografisches in seinem Script unterbrachte und bei seinen Betrachtungen zur fremden Heimat Deutschland einen Spagat zwischen alltagsnahem Realismus und komischen bis irrealen Abschnitten hinlegt. Poetische Überflüge über armenische Gebirgspanoramen, ein surreal-theaterhafter Kurzfilm-im-Film, bundesdeutsche Lebenswirklichkeit und schrullige Humoresken bestimmen den wechselnden Tonfall und die Spannweite, über die sich die Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft und Identität erstreckt. Erstere ist im Falle von Areg (Erhan Emre) armenisch, letztere deutsch. Der 23-jährige lebt seit 10 Jahren in Regensburg und wartet auf ein dauerhaftes Bleiberecht. Er ist in München in Jura eingeschrieben, träumt aber davon, als Regisseur an der Filmhochschule angenommen zu werden. Wofür er besagten surrealen Kurzfilm mit Jura-Freundin Lilly (Mira Bartuschek) dreht. Seine Pläne durchkreuzt jedoch die verwitwete Mutter Maria (Lida Zakaryan), die sich als schimpfende Furie noch keinen Millimeter integriert hat und kein Wort Deutsch spricht. Sie verlangt von Areg, eine Armenierin zu heiraten und in die Heimat zurückzukehren und erzieht seinen jüngerer Bruder Garnik (Kurt Onur Ipekkaya) nach ihren Ideen. Maria ist nicht nur unbelehrbar, sondern auch ernsthaft diabeteskrank, weshalb sich Areg förmlich zerreißen muss – zwischen den Kulturen und um für sie zu sorgen.

    Der Mutter-Sohn-Konflikt spiegelt den gesellschaftlichen wider, womit eine Fülle von Problemen angerissen wird, sich aber nicht als Bleigewicht erweist. Denn Calis mag zwar kein Atom Egoyan sein, aber zumindest ein Geistesbruder Veit Helmers, mit dem er die Vorliebe fürs Märchenhafte teilt, aber auch den unbedingten Glauben an die Magie des Kinos. Wünsche werden hier entgegen aller Wahrscheinlichkeit wahr, auch wenn sie erst erkannt werden müssen: Tradition und Sprache zu verdrängen, bedeutet seine Identität zu leugnen und mit Hilfe eines Memento Mori gelingt die Rückbesinnung zu den Wurzeln – was kein Rückschritt, sondern eine Persönlichkeitsentwicklung bedeutet. Ernste Themen, die Calis immer wieder mit komischen Schlenkern auflockert. Wozu vor allem die Auftritte von Corinna Harfouch als trink- und handfeste Filmproduzentin und John Friedmann (“Erkan & Stefan”) als durchgeknallter Cousin zählen. tk.

Darsteller und Crew

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