Maman und ich (2013)

Originaltitel: Les garçons et Guillaume, à table
Maman und ich Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (2)
  1. Ø 5
Kritikerwertung (2)
  1. Ø 3.3

Filmhandlung und Hintergrund

Maman und ich: Komödie um einen Mann mittleren Alters, der noch bei seinen Eltern lebt und sich als Frau fühlt.

“Die Jungs und Guillaume zu Tisch” ruft die Mutter all abendlich. Da sie sich ein Mädchen gewünscht hatte, wird Guillaume weiblich erzogen und von Familie und Freunden schnell als schwul betrachtet, zumal er gerne in Frauenkleider schlüpft und in “männlichen” Sportarten versagt. Nur der Vater versucht, aus seinem Sohn ein richtiges Mannsbild zu machen. Erst mit 30 Jahren und nach langer und schwieriger Suche nach der eigenen Sexualität und Identität überrascht Guillaume seine Umgebung mit dem Bekenntnis zur Heterosexualität.

Guillaume wurde wie ein Mädchen erzogen, trägt Frauenkleider und wird als schwul erachtet, obwohl er sich nicht so fühlt. Mit fünf Césars ausgezeichnete Komödie nach einem erfolgreichen Ein-Personen-Theaterstück.

Videos und Bilder

Auf DVD & Blu-ray (1)

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Charmante Selbstfindungskomödie mit einem wunderbaren Hauptdarsteller, der sich als Regisseur jedoch manchmal etwas im Ton vergreift.
  • One-Man-Show von und mit Guillaume Gallienne, der ein witziges Coming Out als Heterosexueller feiert.

    Wenn der sympathische Wuschelkopf in Frauenklamotten schlüpft und in der Schule bei “männlichen” Sportarten versagt, halten ihn Familie und Freunde für ein Mädchen und die Mutter ruft abends wie selbstverständlich “Les Garçons et Guillaume, à table” (so auch der französische Originaltitel). Dabei weiß der Zartgliedrige noch nicht genau, wo die Reise emotional und sexuell hingeht. Beim grazilen Flamencotanz in Spanien glaubt nun auch der Letzte felsenfest, der Junge ist homosexuell. Nur der Vater versucht weiterhin, aus seinem Sohn einen richtigen Mann zu machen, auch wenn er den Knaben als Kaiserin Sissi kostümiert erwischt.

    Bisher ist Guillaume Gallienne, Mitglied der Comédie Française, in Deutschland noch nicht bekannt. Das könnte sich aber mit dieser selbstironischen Parodie ändern. Basierend auf seinem eigenen Theaterstück erzählt er in seinem autobiografisch angehauchten Regiedebüt von der Verehrung zur und der Abhängigkeit von der Mutter, die sich nach zwei Jungs ein Mädchen gewünscht hätte und ihn unbewusst in die weibliche Rolle drängt.

    In kleinen und oft skurrilen Szenen erzählt Gallienne von seinen Lebenserfahrungen auf dem Weg zum Outing als Heterosexueller im Alter von 30 Jahren, zeigt immer wieder durch Rückblenden in die Pubertät den Spott der Anderen, die Einsamkeit eines Außenseiters – aber ohne Selbstmitleid oder Larmoyanz. Phänomenal ist, wie er bei der Suche nach Identität und Sexualität nicht nur den Jungen mimt, sondern auch die Mutter unter einer Schicht von Makeup, schwerer Perücke und dicker Brille, und unterstreicht damit die diffizile, von Zärtlichkeit und Härte geprägte Beziehung. Immer wieder steht er wie im Theater vor dem Publikum und spricht dieses direkt an.

    Beim Spiel mit Vorurteilen und Stereotypen und einigen derben Niederungen (Diane Kruger als Krankenschwester in einem bayerischen Kurhotel, die ihm einen Einlauf verpasst), schwingt er sich immer wieder zu großer Eleganz auf. Galliennes One-Man-Show, ausgezeichnet mit fünf Césars, darunter den für den Besten Film und den Besten Erstlingsfilm, bringt zum Lachen und erinnert gleichzeitig auch an die Verletzungen und kleinen Dramen der Vergangenheit. Unter der humorvollen Oberfläche weist diese lebendige und warmherzige Komödie beißend auf die subtile Homophobie in der Gesellschaft hin und stellt die Frage, was Männlichkeit heute eigentlich ausmacht. mk.
  • Zwar steht Guillaume Gallienne schon seit Beginn der Neunziger zumeist in Nebenrollen vor der Kamera. Doch erst im letzten Jahr entwickelte sich das Mitglied der "Comédie Francaise" zum Shooting Star. Mit seiner Rolle als rechte Hand des berühmten Modeschöpfers "Yves St. Laurent" und der eigenen Verfilmung seines autobiografischen Bühnestücks "Jungs und Guillaume, zu Tisch!", so der Originaltitel, sorgte der Schauspieler für Aufsehen. Beide Filme reüssierten an der französischen Kinokasse, wobei "Maman und ich" überraschenderweise sogar mit fünf Césars gekrönt wurde.

    Als langer Monolog angelegt, analysiert Gallienne in der Adaption ironisch seine problematische Kindheit und Jugend. Zugleich verkörpert er noch seine Mutter als mondäne, stets lesende Matrone, die ihren "unmaskulinen" Knaben wie ein Mädchen behandelt. Mit einem Prolog zwischen Umkleideraum und Bühnenbretter verleugnet der Stoff seine Herkunft nicht und kehrt im Verlauf mehrfach dorthin zurück. Doch schnell lässt die einfallsreich umgesetzte One-Man-Show ihren Theaterursprung hinter sich und springt munter durch die Zeiten, Traumsequenzen und internationalen Schauplätze, stets begleitet durch Guillaumes Off-Kommentar. Die Reise führt vom englischen Internat über eine andalusische Urlaubsreise bis zum bayrischen Kuraufenthalt, wobei nationale Klischees sowohl übernommen als auch persifliert werden.

    Hintergründig und mit beißendem Witz kritisiert Gallienne vorgeprägte Gender-, Identitäts- und Sexualitätsaspekte. Er hinterfragt den Anlass, gewisse Attribute stets dem männlichen und weiblichen Geschlecht zuordnen zu wollen. Seiner energischen Mutter attestiert er die gleiche Angst vor dem Loslassen, die sie ihrem Sohn oktroyiert. Letztlich wird sie von der Furcht angetrieben, der behütete Filius könnte andere Frauen mehr lieben als sie selbst. Humorvoll peppt Gallienne die Nabelschau mit Seitenhieben auf die "Sissi"-Filme, Norman Bates und seine Mutter, Julio Iglesias-Songs oder König Ludwig und seine Protzkultur auf.

    Angesichts der Sprachdifferenzen musste bei der Synchronisation einiges auf der Strecke bleiben. Schon allein in der Deutschlandsequenz mit Götz Otto als rabiater Masseur wechseln die Dialoge zwischen Französisch, Englisch und Deutsch.. Das Zusammentreffen mit Diane Kruger, was mit einer unliebsamen Analspülung endet, gehört zu den wenigen Stellen, in denen Gallienne kräftig in die Klamaukkiste greift. Ohnehin lassen gegen Ende das rasante Erzähltempo und der Witz etwas nach. Trotzdem gehört "Maman und ich" dank dem wandlungsfähigen Hauptdarsteller zu den originellsten französischen Komödien, selbst wenn die Preisflut etwas übertrieben scheint.

    Fazit: "Maman und ich" glänzt als bissige Komödie über die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens und der sexuellen Identitätsbestimmung, wobei das hohe Tempo nicht gänzlich durchgehalten wird.
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