Männer al dente (2010)

Originaltitel: Mine vaganti
Männer al dente Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (1)
  1. Ø 5
Kritikerwertung (2)
  1. Ø 4

Filmhandlung und Hintergrund

Männer al dente: Heiter-hintergründige Familiengeschichte all'italiana über die Liebe zu Pasta, Frauen und Männern, über große Geheimnisse und kleine Rebellion.

Tommaso, der jüngste Sproß der Cantones, die seit Generationen eine Pasta-Fabrik betreiben, will partout nicht ins Familienunternehmen einsteigen. Beim abendlichen Familienschmaus will er dem Vater erklären, dass er Schriftsteller werden will und schwul ist. Das sollte zum Rausschmiss reichen. Doch sein älterer Bruder kommt ihm mit der Enthüllung eines eigenen pikanten Geheimnisses zuvor und wird statt seiner aus dem Haus gejagt. Durch den Herzinfarkt des Papas muss Tommaso doch den Firmenchef mimen, der Freund in Rom und die ersehnte Freiheit rücken in weite Ferne.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Ein Coming-Out in einer süditalienischen Familie, in der es von Originalen nur so wimmelt: Der türkische Regisseur Ferzan Ozpetek, der in Italien lebt und dreht, hat eine launige Wohlfühlkomödie geschaffen, in der es um Fluch und Segen des Familienzusammenhalts geht. Die Geschichte spielt zwar mit den Klischees über Homosexuelle, aber die Komik erstreckt sich auch auf andere Bereiche, ist geistreich genug um authentisch zu wirken, und der versöhnliche Ton plädiert für ein tolerantes Miteinander.

    Tommaso hatte sich seinen Plan so schön zurechtgelegt: Weil er ahnte, dass sein Vater Vincenzo ihn deswegen verstoßen würde, wollte er der versammelten Familie seine Homosexualität beichten – um dann ohne die Pastafabrik im Nacken in Rom als Schriftsteller glücklich zu werden. Doch dann nutzt an seiner Stelle sein Bruder Antonio die Gelegenheit, rausgeschmissen zu werden. Der Vater Vincenzo ist fassungslos und fragt Tommaso noch Tage später, wieso sie von Antonios Homosexualität nichts gemerkt hätten. Er habe eben keine typischen Gesten gemacht. Auf Tommaso lastet fortan eine doppelte Bürde: Er darf nun keinesfalls bekennen, dass auch er schwul ist, denn das würde den alten Vater umbringen, und er muss die Pastafabrik führen, während in Rom sein Freund Marco auf seine Rückkehr wartet.

    Schon früh kreuzt eine geheimnisvolle junge Frau Tommasos Wege in Lecce: Sie scheucht mit ihrem roten Cabrio Passanten von der Straße, zerkratzt ein parkendes Auto, wechselt ständig die Schuhe – und wird Tommaso als Geschäftspartnerin der Fabrik vorgestellt. Künftig verbringt Tommaso also seine Tage an der Seite Albas, die sich in ihn verliebt. Und auch Tommaso schließt die Außenseiterin in sein Herz, als gute Freundin. Alba, gespielt von Nicole Grimaudo, ist in der Geschichte eine dauernde Irritation, weil sie ja scheinbar so schlecht dazupasst, zum Beispiel zu den schwulen Freunden Tommasos, mit denen sie einmal ausgelassen im Meer herumplanscht. Durch Alba erweitert sich der Horizont, wird Interesse für das Unbekannte geschürt, fällt das Anderssein wegen Homosexualität nicht mehr so sehr auf.

    Tommaso, gespielt von Riccardo Scamarcio, entwickelt sich im Laufe des Films zum tonangebenden Betrachter. Mit seinem tiefsinnigen Blick ist er mehr ein Urteilender als ein Akteur. Dabei wirkt er wie eine heimliche Ordnungsmacht, eine moralische Instanz. Die Geduld, die er den Eltern zuliebe aufbringt, wird die ganze Familie bereichern. Hier gibt es lauter Typen, die für Dialogwitz sorgen: den um sein Image in der Stadt besorgten Machovater, die Mutter, die die Dienstboten schikaniert, die trinkfreudige und liebeshungrige Tante, den tollpatschigen Schwager aus Neapel und schließlich die eigenwillige Großmutter, deren Vergangenheit sich in Rückblenden voller romantischer Spannung in das Geschehen drängt.

    Der lustige Besuch der schwulen Freunde aus Rom, die genussvollen Szenen bei Tisch und die stilvolle alte Stadtarchitektur bieten der Kamera schöne Motive. Wie bei einem Reigen dreht sie sich in den Tischszenen von einer Person zur nächsten, vollendet Kreis um Kreis in der Bewegung, die sanft in den Gesichtern forscht. In der Schlussszene wird die Zeit außer Kraft gesetzt und Gestalten aus verschiedenen Generationen begegnen sich, um die geheimen Bande zwischen ihnen, die es in jeder Familie gibt, zu offenbaren. Hier kulminiert auch das Loblied auf die Heimat, die diese hübsche Komödie ebenfalls singt – mit einer türkischen Interpretin, als wollte Ozpetek damit seine Zuneigung für seine italienische Wahlheimat demonstrieren.

    Fazit: Schwuler italienischer Sohn muss mit dem Coming-Out warten, denn sein Bruder hat die Eltern schon tief schockiert: Hübsche und vielseitige Komödie, die für Familie und Toleranz plädiert.
  • Heiter-hintergründige Familiengeschichte all’italiana über die Liebe zu Pasta, Frauen und Männern, über große Geheimnisse und kleine Rebellion.

    Die italienische Familie, eine Institution an der nicht gerüttelt wird, auch wenn neuere Filme manchmal die feinen Haarrisse im traditionellen Verbund zeigen. Immer geht es um viel Gefühl in den neueren Familiengeschichten aus Bella Italia, um den Zusammenhalt in Giuseppe Tornatores “Baarìa”, um Chaos in Gabriele Salvatores “Happy Family”, Versöhnung in Paolo Virzis “La prima cosa bella” oder um Familie als Gefängnis und soziales Netz wie in Pupi Avatis “Il figlio più piccolo”.

    Als Gefängnis empfindet auch Tommaso, der jüngste Sproß der Cantones, die seit Generationen eine Pasta-Fabrik betreiben, seine Sippschaft. Er will nicht in das Familienunternehmen einsteigen und deshalb am Abend beim festlichen Familienschmaus erklären, dass er nicht Wirtschafts- sondern Sprachwissenschaften in Rom studiert hat, Schriftsteller werden will und außerdem schwul ist. Das sollte zum Rausschmiss durch den düpierten Pater Familias reichen, um dann ohne lästige Mischpoke ein eigenes Leben zu führen. Doch sein älterer Bruder kommt ihm mit der Enthüllung eines eigenen pikanten Geheimnisses zuvor und wird statt seiner aus dem Haus gejagt. Durch den Herzinfarkt des Papas muss der jüngere Filius plötzlich den Firmenchef mimen, der Freund in Rom und die ersehnte Freiheit rücken erst einmal in weite Ferne.

    Die Geschichte könnte sich zur persönlichen Tragödie auswachsen, aber Ferzan Ozpetek macht aus den unmöglichen Konstellationen eine köstliche Farce, schaut hinter die Fassade von Großbürgerlichkeit, wo die Tante aus Frust löffelweise Cinzano als Hustensaft schlürft, der Vater sich von der Geliebten trösten lässt, die Großmutter den falschen Mann heiratete, nur um dessen Bruder nahe zu sein, und am Ende durch ihren Tod alles wieder ins Lot bringt. Trotz kruder Komik, vor allem, wenn knackige Kerle aus Rom die schläfrige Provinz aufmischen, behandelt der aus der Türkei stammende Wahlrömer sensibel und kraftvoll die Fragilität von Eltern-Kind-Beziehungen, die Schwierigkeit, aus den normierten Mustern auszubrechen und den Begriff Normalität neu zu definieren, den anderen als eigenständige Person zu akzeptieren. Er lässt dabei autobiografische Züge einfließen. Im sanften Licht Süditaliens werden scharfe Kanten entschärft, der alltägliche Wahn gefeiert und nach emotionalen Ausbrüchen Probleme charmant gelöst. Nicht wie im richtigen Leben, sondern als comédie humaine – wunderbar unterhaltsam und mit der nötigen Dosis Verrücktheit. mk.

Darsteller und Crew

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