Love Steaks (2013)

Love Steaks Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Love Steaks: Vielversprechendes Spielfilmdebüt, das bekannte Muster verkehrt und eine Liebesgeschichte, eine Tragikomödie um eine taffe Köchin und einen soften Masseur erzählt.

Lara arbeitet als Köchin in einem Luxushotel an der Ostsee. Sie steht ihre Frau, behauptet sich im Küchenteam und trinkt zu viel. Clemens ist der Neue im Betrieb, ein Softie, der im Wellness-Bereich die Gäste massiert. Zwei die gegensätzlicher nicht sein können – und sich vielleicht gerade deswegen ineinander verlieben, gleich beim ersten Aufeinandertreffen im Aufzug. Schweiß, Blut und Tränen fließen. Sie tasten sich ab, umkreisen sich, schlagen, küssen und streicheln sich. Ein Auf und Ab der Gefühle. Werden sie auch zueinander finden?

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Kritikerrezensionen

  • Beim Münchner Filmfest 2013 sorgte der Film "Love Steaks" für reichlich Aufsehen, als die amouröse Konfrontation zweier ungleicher Charaktere gleich vier Förderpreis-Auszeichnungen auf sich vereinen konnte, darunter den Preis für das beste Drehbuch. Obwohl gleich vier Autoren verzeichnet sind, wurde das Debüt von Jakob Lass und seiner Co-Regisseurin/Autorin Ines Schiller weitgehend per Improvisation entwickelt und verzichtete auf festgelegte Dialoge. Auf dem 35. Max-Ophüls-Festival setzte die Produktion der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolff" Potsdam-Babelsberg dann mit dem Hauptpreis seinen Siegeszug fort.

    Dass sich das Personal eines Luxushotels hier weitgehend selbst verkörpert, wird schnell deutlich. Trotz gelegentlicher darstellerischer Schwächen wirken die Charaktere echt und natürlich. Wenn Lara und Franz für ihre Unachtsam- und Nachlässigkeit in die Schranken gewiesen werden, klingen die hier verwendeten Phrasen und Sprüche, als habe ihr Vorgesetzter seinen so saloppen wie nachdrücklichen Sermon schon lange verinnerlicht. Dadurch gelingen Lass und seinem Team einen authentischen Einblick in den Tagesrhythmus und die Widrigkeiten bei der Führung eines Hotelbetriebs.

    Ihre explosive Romanze legen sie im Breitwandformat per Handkamera und Jump Cuts an. Das gibt dem Aufeinandertreffen der konträren Individuen einen rauen, dokumentarischen Anstrich. Neu ist dieses an Lars von Triers "Breaking the Waves" erinnernde Prinzip nicht. Man muss nicht gleich vom "Punk-Kino" sprechen, wenn sich ein Filmteam von eingeschliffenen Konventionen abwendet. Doch es funktioniert besser als bei Werken wie Uwe Bolls Action-Politdrama "Dafur", wo dieser nervöse Stil die ruhigen Momente zerstört. In stillen Augenblicken, etwa bei der Zweisamkeiten des Paars am Strand, behält Jakob Lass den sprunghaften Rhythmus bei, doch dann geht die Kamera in der Totale auf Distanz zu den Protagonisten und belässt ihnen ihre Intimität.

    Neben dem Einblick in die Rang- und Hackordnung eines Luxushotels verdeutlicht Lass den nicht unproblematischen Umgang mit Alkohol, der in der Großküche zur Bereitung von Gerichten stets in Reichweite steht. Aus dem gelegentlichen Griff zur Flasche kann sich rasch eine Abhängigkeit mit unangenehmen Folgen entwickeln. In ihrem sorglosen Auftreten, mit dem Laura dem täglichen Leistungsdruck begegnet, will sie zunächst die negativen Auswirkungen auf Ruf und Gesundheit nicht wahrhaben, was bald für Konflikte sorgt.

    Allerdings bringt es der dynamische Stil mit sich, dass Wiederholungen in der Schilderung des Alltagsroutine auf Dauer nicht ausbleiben. Durchaus birgt das Konzept die Gefahr einer Repetition, doch das authentische Figurenarsenal, die lebendig eingefangene Atmosphäre und der mitreißende Soundtrack tragen darüber hinweg.

    Fazit: "Love Steaks" liefert ein unkonventionelles, wildes Regiedebüt über ein ebenso unkonventionelles Paar. Ungeachtet leichter Wiederholungen ergibt sich ein authentisches Bild des Leistungsdrucks im Kundenservice.
  • Eine Liebesgeschichte, eine Tragikomödie um eine taffe Köchin und einen soften Masseur erzählt dieses vielversprechende Spielfilmdebüt, das bekannte Muster verkehrt.

    Den Vorwurf, dass auf Festivals Preise gerne im Gießkannenprinzip verteilt werden, kann man den Juroren des Förderpreis Neues Deutsches Kino wahrlich nicht machen. Jakob Lass’ Tragikomödie “Love Steaks” wurde gleich vierfach ausgezeichnet. Es war das erste Mal in der Geschichte des Filmfest München, dass ein Film in sämtlichen Kategorien, sprich Regie, Produktion, Drehbuch und Schauspiel, gewann.

    Für gewisse Ratlosigkeit, auch Heiterkeit sorgte der Preis fürs Skript, als Produzentin und Koautorin Ines Schiller bei der Verleihung verriet, dass es gar kein Drehbuch – es existierte nur ein dramaturgisches Skelett ohne vorgeschriebene Dialoge – gegeben hat. Entsprechend leicht und improvisiert wirkt die Arbeit, die sich auf die Liebesgeschichte seiner beiden gegensätzlichen Protagonisten konzentriert.

    Ein Luxushotel dient als Schauplatz, kühl, durchgestylt und funktional. In der Küche werden feine Speisen zubereitet, im Wellness-Bereich die zugelegten Pfunde wieder wegtrainiert. Lara arbeitet in der Küche, behauptet sich im Team. Der schüchterne Clemens, der Neue, bearbeitet solo die Gäste am Massagetisch.

    Nach einem ersten Zusammentreffen im Aufzug, kommen die beiden nicht mehr voneinander los. Gegensätze ziehen sich an. Sie ist taff, liebt den Alkohol. Er soft, glaubt an Ayurveda. Schweiß, Blut und Tränen fließen – Liebe ist Krieg. Großartig füllen Lana Cooper und Franz Rogowski ihre Parts, über weite Strecken kommunizieren sie nonverbal. Es wird getastet und gefühlt, geschlagen und gestreichelt.

    Die hermetisch geschlossene Welt des Hotels steht im Kontrast zur winterlichen Ostsee. Hier steht Funktionalität kontra Freiheit – wie bei den Lebensentwürfen, die aufeinanderprallen. Entsprechend dazu hält Kameramann Timon Schäppi seine Bilder: eng innen, weit draußen, einerseits monochrome Farben, andererseits kräftige Erdtöne. Der Film demonstriert rigorosen Stilwillen im Look und lässt für die Darsteller viel Freiräume.

    Ohne Fördergelder und Senderbeteiligungen ist der Film entstanden, Lass, Regiestudent an der HFF “Konrad Wolf”, hat dies zum Vorteil genutzt, geschickt meidet er Klischees und Genrekonventionen. Die Dialoge klingen authentisch, das Hotelpersonal wurde für die Nebenrollen rekrutiert. Ein spannendes Experiment, das aufgegangen ist. geh.
  • Letztens waren ein paar Filmemacher bei uns im Laden, die keine Kabel und Beleuchtungsmittel verteilten, sondern einzig eine Digitalkamera mit sich führten. Die Schauspieler waren nett und offen, ganz anders als ich das normalerweise erlebt hatte. Der Regisseur trug Haare im Gesicht und sein Filmwissen war so beeindruckend, dass wir ihn am liebsten gleich eingestellt hätten als Videothekar. Gedreht wurde ein sogenannter Berliner Mumblecore. Vorbild: New Yorker Mumblecore. Wieso diese Filme so heissen? Wer Love Steaks ansieht, merkts sofort: Dank des direkten Tons "mumblen" die Schauspieler oft ziemlich undeutlich. Berliner Mumblecore beruht auf dem FOGMA Manifest, dass Regisseur Jakob Lass (seines Zeichens ehemaliger Studierender der Film Arche) mit Freunden entwarf. FOGMA bedeutet: "Die starke Narration eines Drehbuchfilms,die Frische und Spielfreude eines Improfilms und die authentische Absurdität eines Dokumentarfilms" (Lass). Regeln, die aber keine Vorschriften machen. Wie sieht das konkret aus? Das Bild in Love Steaks wirkt etwas verschwommen, leicht wackelig, die Kamera befindet sich unten rechts in der Ecke. die ersten Dialoge klingen so, als ob sie nicht von "Schauspielern" gesprochen worden sind. Wir befinden uns in einem Hotel an der See und dort tritt ein Masseur seine neue Stelle an. Lass hat die Handlung seines Liebesfilms sogar selbst zusammen gefasst: "Ein Masseur. Eine Köchin. Ein junges Paar auf’s Maul." Clemens, der Massuer und Lara, die Köchin. Wer sich mal die Mühe macht, eine ganz normale "Romantic Comedy" anzusehen, wird feststellen, dass die Figuren in solchen Filmen die Sprache der Liebe beherrschen. Anders als im echten Leben, besitzen sie die Gabe, im rechten Moment, ihre Gefühle auszudrücken. In Love Steaks ist das nicht so: In einem Lagerraum wird kräftig gevögelt ohne Liebesschwur. Werden Lara und Clemens auch noch in zwei Monaten zusammen sein? Ich denke, die Frage ist in so einem gegenwärtigen Film wie Love Steaks falsch gestellt! Alles in Love Steaks wirkt vertraut und ganz unaufgeregt. Am besten gelungen sind die Szenen, in denen sich Lara mit den Köchen besäuft (die Frage sei als Kompliment erlaubt: Waren die wirklich betrunken?). Ist FOGMA nun die Berliner Nouvelle Vague? Hoffentlich! Wird auch künftig ohne Staatskohle produziert? Bitte! Wirkt auch in Zukunft kein deutscher "Star" mit, sondern echte Menschen? Das wäre toll! Dazu haben wir auf der Seite unserer Videothek die besten Berliner Mumblecore Filme gesammelt: cinegeek.de
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