Lenin kam nur bis Lüdenscheid (2008)

Originaltitel: Lenin kam nur bis Lüdenscheid - Meine kleine deutsche Revolution
Lenin kam nur bis Lüdenscheid Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Lenin kam nur bis Lüdenscheid: Dokumentarfilm, der auf höchst unterhaltsame Weise einen Beitrag zur aktuellen 68er-Debatte liefert, indem er sich Richard David Prechts gleichnamiger Kindheitserinnerungen annimmt.

Die Prechts sind eine Solinger Familie, die nach den Idealen der 68er lebten. Damals wuchs der junge Richard auf und erinnert sich heute an die westdeutsche Provinz, Kommunismus und Kapitalismus, Atomkriegsgefahr und Vietnam. Er hat nicht nur zwei leibliche Geschwister, sondern auch zwei vietnamesische – seine Familie gehörte zu den ersten Deutschen, die Kriegswaisen aus Vietnam adoptierten. Für alle Kinder galt eine streng idealistische Erziehung.

(Selbst)ironische Rekapitulation jüngster deutscher Geschichte aus privatem Blickwinkel. Nach Richard David Prechts autobiografischem Buch zeichnet Dokumentarfilmregisseur André Schäfer eine Kindheit der 68er-Generation auf unterhaltsame und erhellende Art nach.

Ein weiterer Beitrag zur derzeitigen 68er-Debatte: Richard David Precht erzählt aus seiner Kindheit als sich seine Eltern gegen den Mief der BRD und den Imperialismus des Westens stemmten. Sie beschränkten ihre Vision eines besseren Lebens nicht nur auf revolutionäres Gedankengut, sondern setzten sie in der eigenen Familie mit Coca-Cola-Verbot um. Sie gehörten auch zu den ersten Deutschen, die Kriegswaisen aus Vietnam adoptierten. Kapitalismus war böse, Sozialismus gut. Dieses Mantra widerlegt Precht spielend, indem er fröhlich zeigt, wie vernagelt auch die linke Ideologie war.

Doku mit den humorvollen und wehmütigen Kindheitserinnerungen des Autors Richard David Precht, dessen 68er-Eltern sich mit naiv-übertriebener linker Ideologie gegen BRD-Mief und US-Imperialismus stellten.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Der erwachsene Richard Precht erzählt von seiner Kindheit und Jugend aus dem Blickwinkel, den er als Kind hatte, frei, naiv und unverklärt. Der Film – der unter der Regie André Schäfers entstand – basiert dabei auf dem gleichnamigen Buch, das Precht 2007 veröffentlicht hat. Im Mittelpunkt steht nicht nur die persönliche Geschichte der Familie Precht, sondern auch ganz allgemein die Frage, wie ein Kind die 68er-Generation erlebt hat. Auf diese Weise wird die Geschichte aus einer erfrischend neuen Perspektive betrachtet.

    Dass Richards Eltern ihre Kinder – zwei davon sind aus Vietnam adoptiert – derart prägen, indem sie sie ihre eigenen Ideologien mitleben lassen, ist ihnen gar nicht ernsthaft bewusst. Richard Precht formuliert insbesondere die Schwierigkeit, auf eine Gesellschaft vorbereitet worden zu sein, die es dann niemals gab. Erschien ihm als Kind die geglückte Weltrevolution des Sozialismus als unumgänglich, muss er in seiner späten Jugend schmerzhaft realisieren, dass auch die glänzenden Fassaden linker Ideologien Risse bekommen können und sich sein kindlicher Kosmos nicht auf die gesamte Gesellschaft ausweiten lässt.

    Regisseur André Schäfer lässt nicht nur Richard zu Wort kommen, sondern auch dessen Familie, so dass nach und nach ein facettenreiches Gesamtbild dieser durchaus glücklichen aber eben auch etwas anderen Kindheit entsteht. Abgerundet wird dieser sehr private Blick auf die Zeitgeschichte mit Archivbildern und eingeschnittenen Super-8-Aufnahmen von Richard Prechts Sohn, der an den ehemaligen Orten der Kindheit seines Vaters herumturnt und auf diese Weise die Geschichte wiederholt.

    Herausgekommen ist bei "Lenin kam nur bis Lüdenscheid" keinesfalls ein trockener Tatsachenbericht, sondern eine sehr persönliche Erinnerung, sowie eine unterhaltsame Familiengeschichte, die aus kindlichem Blickwinkel heraus von den politischen Umwälzungen der jüngsten deutschen Geschichte erzählt, die neben Richard Precht eine ganze Generation von Kindern und ihren Eltern geprägt hat und noch bis heute prägt.

    Fazit: "Lenin kam nur bis Lüdenscheid" ist eine unterhaltsame und sehr persönliche Erinnerung an eine etwas andere Kindheit, in dem die tiefe Hoffnung auf eine sozialistische Weltrevolution bisweilen merkwürdige Blüten trieb.
  • Ein Kind von Marx und Coca-Cola: Richard David Precht lässt seine Kindheitserinnerungen nach der Buchform nun auch im Kino Revue passieren und führt schwer unterhaltsam durch die kuriose Zeitgeschichte.

    Das 40-jährige Jubiläum der 68er Generation reizt Publizisten nicht nur zu voluminöser Fachliteratur, sondern auch zu solch abwechslungsreichen autobiografischen Fallbeispielen. Zur Zeit regt Precht mit seinem philosophischen Bestseller “Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?” die grauen Zellen an, 2005 erschien seine mit dem Film identisch betitelte Betrachtung der eigenen Kindheit in der Solinger Provinz.

    Kirschbäume im Bauch und Bombenteppiche auf Vietnam – schon in den ersten Minuten wird klar, dass diese kritische Gemengelage kombiniert mit antiautoritärer Erziehung schwerwiegende Folgen für ein Kindergemüt hat. Zwar rechnet Precht in seinem Off-Kommentar nicht direkt mit den 68ern ab, seine mit gespielter Naivität vorgebrachten Äußerungen und Beschreibungen jener Ideale triefen gleichwohl vor Süffisanz. Er amüsiert sich zusammen mit dem Zuschauer prächtig über manch skurriles Detail, bringt aber die damalige Lage auch eindringlich auf den Punkt: Wo aus Nazi-Eliten Wirtschafts-Eliten wurden, CDU-Politiker vor Arroganz triefend nach Zucht und Ordnung schrien, die Presse gegen subversive Elemente hetzte und die Bundesregierung kritiklos hinter den USA stand, die mit Napalm und Dioxin nach Herzenslust in Vietnam Frauen und Kinder massakrierte, verbrannte und vergiftete.

    Gegen den Mief der BRD und den Imperialismus des Westens stemmten sich Prechts Eltern, die ihre Vision eines besseren Lebens nicht nur auf revolutionäres Gedankengut beschränkten, sondern in der eigenen Familie mit Coca-Cola-Verbot umsetzten. Sie gehörten zu den ersten Deutschen, die Kriegswaisen aus Vietnam adoptierten – somit hat Precht nicht nur zwei leibliche Geschwister, sondern auch zwei vietnamesische; alle strikt idealistisch erzogen. Kapitalismus war böse, Sozialismus gut. Dieses Mantra widerlegt Precht spielend, indem er fröhlich zeigt, wie vernagelt auch die linke Ideologie war.

    Zwischen privater Biografie und Weltgeschichte öffnet sich ein Spannungsfeld, in dem sich unzählige humorvolle Anekdoten tummeln, aber auch ein gewisser Wehmut umgeht. Unter der fähigen Regie von André Schäfer spannt Precht den Bogen vom DKP-Zeltlager bis zum Mauerfall. Von der Kindheit bis zur Reife entdeckt er alle Widersprüche und Absonderlichkeiten, die seinem Leben einen hohen Unterhaltungswert geben und obendrein historisch so einiges erhellen. tk.

Darsteller und Crew

News und Stories

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