Lemon Tree (2008)

Originaltitel: Etz Limon
Lemon Tree Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (1)
  1. Ø 5
Kritikerwertung (2)
  1. Ø 4

Filmhandlung und Hintergrund

Lemon Tree: Beklemmendes und ergreifendes Drama an der Grenze zwischen Israelis und Palästinensern.

Direkt an der Grenze zu Israel lebt die palästinensische Witwe Salma (Hiam Abbass). Seit Jahrzehnten hegt und pflegt sie ihren Zitronenhain – bis vis à vis der israelische Verteidigungsminister (Doron Tavory) mit seiner Frau (Rona Lipaz-Michael) einzieht. Dessen grobe Geheimdienst-Entourage stuft Salmas Garten als Sicherheitsrisiko ein und will ihn abholzen. Gegen den unrechtmäßigen Übergriff auf ihren einzigen Besitz zieht Salma vor das höchste Gericht.

Ein Zitronenhain wird zum Politikum und bitteren Symbol des Misstrauens zweier verfeindeter Völker. Aus beklemmender Perspektive einer benachteiligten Witwe wühlt der Kampf David Palästina gegen Goliath Israel von Eran Riklis (“Die syrische Braut”) auf.

Die palästinensische Witwe Salma geht vor Gericht, um ihren Zitronenhain vor der Abholzung zu retten. Er gilt den Israelis – im Speziellen dem israelischen Verteidigungsminister, ihrem neuen Nachbarn auf der anderen Seite der Grenze – als Sicherheitsrisiko. Während die israelische wie auch die palästinensische Männerwelt Salma knebeln will, hat Mira, die Frau des Verteidigungsministers Verständnis für sie.

Die palästinensische Witwe Salma geht vor Gericht, um ihren Zitronenhain vor der Abholzung zu retten. Er gilt ihrem neuen Nachbarn auf der anderen Seite der Grenze, dem israelischen Verteidigungsminister, als Sicherheitsrisiko. Während die israelische wie auch die palästinensische Männerwelt Salma am liebsten Knebel verpassen würden, findet sie Unterstützung von unerwarteter Seite: Mira, die Gattin des Verteidigungsministers, zeigt Verständnis für die Nöte der Frau aus dem verfeindeten Nachbarland.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • „Lemon Tree“ des israelischen Regisseurs Eran Riklis wäre an sich ein todernster Film darüber, wie der israelisch-palästinensische Konflikt den Alltag der Menschen bestimmt. Doch das ist vermutlich nicht der Grund, warum der Film den Publikumspreis in der Sektion Panorama der Berlinale gewonnen hat. „Lemon Tree“ erliegt nämlich nicht der Versuchung, dramatische Lebensumstände und politische Ungerechtigkeiten lautstark anzuprangern. Der Film ist vielmehr durchzogen von einem feinen, aus dem Leben gegriffenen Humor, der mit der Schwere des Alltags von Salma kontrastiert.

    Der Obstgarten mit den reifen gelben Zitronen wirkt wie eine Oase der Ruhe und der Erholung in der Einöde, in der die Soldaten das Sagen haben. Salma erhält einen Brief, in der ihr der Beschluss zur Abholzung ihrer Plantage mitgeteilt wird. Gegen den Beschluss zieht sie mit dem jungen Anwalt, den sie in Ramallah kontaktiert, vor Gericht. Doch dass flugs ein Posten für einen militärischen Bewacher zwischen die Bäume gestellt wird, muss sie einfach hinnehmen. Und beim Betreten ihres Obstgartens erschreckt sie die Sicherheitsleute, als wäre sie der erwartete Staatsfeind.

    Die palästinensische Schauspielerin Hiam Abbas spielt Salma mit ihrem Kopftuch als ernste Frau mittleren Alters. Einer der ersten witzigen Running Gags des Films ist der Blick auf das Porträt ihres verstorbenen Gatten, das im Esszimmer streng das Geschehen überwacht. Nicht nur Salma selbst, auch der junge Anwalt, der bald zu Besuch kommt, erstarren jedes Mal wie ertappt beim Betrachten des mürrischen Mannes auf dem Bild.

    Salma lebt durch den Kontakt zu dem netten jungen Anwalt auf und wagt es sogar, sich zu schminken. Doch es dauert nicht lange, und die ehrbaren Männer der Umgebung kommen, um sie zur Ordnung zu rufen. Eran Riklis lässt die einsame Frau in Augenkontakt zur Gattin des Verteidigungsministers treten. Scheinbar lebt diese in ihrer Villa in einer völlig anderen Welt, doch auch sie muss sich den Wünschen ihres Mannes und der Sicherheitskräfte fügen. Beide Frauen finden in der Absurdität des militärischen Geschehens ihre Wege des Protestes und der stillen Annäherung.

    Der Film ist sehr spannend, weil sich immer wieder Kontaktmöglichkeiten im streng bewachten Gebiet ergeben, das dynamische Geschehen stets im Fluss bleibt. Auch die unterschiedlichen Charaktere, Lebensstile und die zarte Romanze zwischen Salma und ihrem Anwalt machen den Charme des Films aus, in dem Hiam Abbas und der Anwalt-Darsteller Ali Suliman schauspielerisch herausragen. Wie die erfrischende Zitronenlimonade, die Salma ihren Gästen serviert, vermittelt „Lemon Tree“ den Eindruck einer ungeheuer lebendigen kulturellen Vielfalt, die sich von militärischen Schranken nicht ersticken lässt.

    Fazit: Humorvolles und spannendes Drama über einen Zitronenhain als Sicherheitsrisiko im palästinensisch-israelischen Grenzgebiet.
  • An einem Zitronenhain entzündet sich parabelhaft der Konflikt zwischen Israel und Palästina: Eine beklemmende, leise und ergreifende Elegie zweier Frauen auf verschiedenen Seiten des Grenzzauns.

    Zitronenbäume gegen den Verteidigungsminister – so lautet die Kurzformel des vor Gericht landenden Rechtsstreits und gibt exakt die Erfolgsaussichten wieder, mit der die palästinensische Witwe Salma (erneut großartig: Hiam Abbas) rechnen muss. Seit der neue israelische Verteidigungsminister (Doron Tavory) mit seiner Frau Mira (Rona Lipaz-Michael) und Geheimdienst-Entourage auf das Nachbargrundstück gezogen ist, wird Salmas direkt an der Grenze liegender Garten als Sicherheitsrisiko eingestuft. Denn Terroristen könnten ja im Schutz der Bäume auf das angrenzende Haus des Ministers feuern. Ihr noch zum Westjordanland gehörender Hain soll abgeholzt werden – Salma wehrt sich mit Anwalt Ziad (Ali Suliman) und zieht bis vor den obersten Gerichtshof Israels, womit der Fall internationale Medienaufmerksamkeit erregt.

    Ein metaphernreicher Kampf David gegen Goliath, den der jüdisch-israelische Regisseur Eran Riklis (schon “Die syrische Braut” veranschaulichte den Wahnsinn Nahost) nicht als larmoyante Anklage, sondern als alltagsnahes, würdevolles Drama mit kurz gehaltenen, aber emotional sehr wirksamen Gerichtsszenen inszeniert. Kraftvoll und aus weiblicher, benachteiligter Perspektive erzählt Riklis davon, wie es ist, täglich geknechtet zu werden. Er schildert die Einsamkeit zweier Frauen (lies: Völker), die nebeneinander leben, ohne sich je menschlich zu begegnen. Salma wird per Dekret vom eigenen Erbgrundstück verbannt, mit dem sie seit Jahrzehnten fest verwurzelt ist. Nun muss sie zusehen, wie die Bäume vertrocknen – daran zeigt sich die ganze Infamie der Situation, in die sie die Angst des Minsters drängt, dem das Schicksal dieser Frau egal ist. Das entsetzt auch Mira, die sich von der Ignoranz und Verlogenheit ihres Mannes angewidert zeigt. Da niemand – weder die chauvinistischen Palästinenser, die sich als Sittenwächter aufspielen und sie sozial knebeln, noch die Israelis, die sie als Besatzer entrechten – ihr hilft, ist Salma auf den Anwalt angewiesen, der sich ihr vorsichtig nähert. Diese verbotene Liebe illustriert ihrerseits die Intoleranz ihrer Landsleute. Der (dennoch recht einseitige) Kommentar zum israelischen Gebaren ist derart deprimierend, dass Riklis mit unvermuteten Schmunzelhumor und schrägen Charaktersketchen für Auflockerung sorgt. Aber man sollte sich keine Illusionen machen: “Lemon Tree” ist kein Märchen. Die Mauer bleibt. Ein bitteres Fazit.

    tk.

Darsteller und Crew

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