Le Havre (2011)

Le Havre Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Le Havre: Traumhaft schönes Sozialmärchen vom finnischen Pessimisten Aki Kaurismäki mit dem "happiest Ending in filmhistory".

In der französischen Hafenstadt Le Havre lebt Marcel Marx, ein früherer Bohemien und Schriftsteller, mehr schlecht als recht vom Schuheputzen. Doch er hat eine gütige und leider auch schwerkranke Frau und viele Freunde. Obgleich er bei Bäckerin, Gemüsehändler und Barwirtin tief in der Kreide steht, helfen sie ihm, als er einen afrikanischen Flüchtlingsjungen vor den Behörden versteckt und auf ein Schiff zu dessen Mutter nach England schummelt. Sogar der knurrige Polizeiinspektor drückt ein Auge zu.

Ein in die Jahre gekommener Schuhputzer hilft einem afrikanischen Jungen bei dessen Weg zu seiner Mutter nach England. Aki Kaurismäki setzt in seinem optimistischsten Film auf lakonischen Humor und das größte Happy-End der Filmgeschichte.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Das französische Le Havre sieht in Aki Kaurismäkis Film ziemlich finnisch aus. Das Licht ist trübe, das Treiben auf den Straßen nicht lebhaft, die wenigen Menschen wirken wie Übriggebliebene. Die Zeit hat mindestens fünf Jahrzehnte verschlafen, wenn man sich die Autos und die Wohnungseinrichtungen anschaut. Nur die Illegalität der Flüchtlinge, die in der Stadt aufgegriffen werden, ist ein Thema der Gegenwart. Ein alter Einheimischer bietet einem Flüchtlingskind Schutz und Hilfe und gerät dadurch selbst ins Visier der Gesetzeshüter. Kaurismäki stattet die Dialoge mit subversivem Humor aus.

    Die Hafenstädte an der französischen Ärmelkanalküste wurden in den vergangenen Jahren öfters zum Symbol für den Ansturm von Flüchtlingen aus der Dritten Welt und für das Problem ihrer Illegalität in der Festung Europa. Schon der französische Film „Welcome“ von Regisseur Philippe Lioret aus dem Jahr 2009 thematisierte die Verfolgung der Flüchtlinge in Calais durch die Behörden und die rigide Gesetzgebung, die auch Hilfestellung von privater Seite mit Verboten belegte. Der finnische Regisseur Kaurismäki behandelt das gleiche Sujet mit stärkerer Verfremdung, indem er es mit dem besagten Retrolook ausstattet und ihm etwas Zeitloses gibt.

    Der alte Marcel, der in Le Havre mit seinem Schuhputzkasten unterwegs ist, um ein paar Euro zu verdienen, bewegt sich im bühnenhaften Kosmos von Kaurismäki lebendig und voller Energie. Der Schauspieler André Wilms versteht es hervorragend, zu deklamieren, wenn er seine kurzen Dialogbeiträge spricht. Das müssen in dieser Inszenierung die meisten Charaktere tun, etwa die mit ausländischem Akzent sprechende Arletty, die von Kati Outinen dargestellt wird. Wenn sich Marcel und die unheilbar kranke Arletty im Krankenhaus unterhalten, klingt das wie auswendig gelernt und vor einem Bluescreen vorgetragen. Das gibt den Figuren etwas Entrücktes, aber auch eine rebellische Narrenfreiheit. Marcel trifft Ladenbesitzerin Yvette auf dem Gässchen der Kulissenstadt, er spricht von seiner Frau: Vielleicht darf Arletty bald nach Hause. Yvette sagt, vielleicht, und schon ist diese Szene zu Ende.

    Marcel beherrscht auf die gleiche trockene Art auch bissige Kommentare, wenn er es mit der Polizei zu tun bekommt. Einmal gibt er sich als „Albino der Familie“ aus, als Verwandter von Idrissas Großvater, um diesen in der Abschiebehaft besuchen zu können. Die Behördenvertreter und insbesondere der melancholische Kommissar Monet – gespielt von Jean-Pierre Darroussin - personifizieren Schnüffelei und Schikane. Wenn Monet einen Gemüseverkäufer über Marcel ausfragt und sich für dessen Auskünfte bedankt, antwortet der, er habe nur seine Pflicht gegenüber der Gesellschaft getan. Das hat durchaus eine ironische Note, eine Eigenschaft passiven Widerstands.

    Idrissa, gespielt von Blondin Miguel, hat ebenfalls ein paar muntere Sprüche, aber die Beziehung des Jungen zu Marcel wird nur oberflächlich behandelt, wie in einem Actionfilm. Der rührige Alte ist ja auch sehr beschäftigt, muss er doch ein Benefizkonzert veranstalten, um Idrissas heimliche Überfahrt nach England zu bezahlen. Der Reigen kleiner und größerer Geschehnisse in Marcels Stadtviertel erfreut mit leicht skurrilen Figuren, wie man sie im Film eher selten sieht. So ist der Arzt, der Arletty behandelt, deutlich älter, als es dem dynamischen Image seines Berufes üblicherweise entspricht. Kaurismäkis Film hat erfrischende Schmunzelqualität und offenbar auch eine Botschaft: Humanität bleibt ein Wert, der nie aus der Mode kommt.

    Fazit: Kaurismäki inszeniert seine Solidaritätsbekundung für illegale Flüchtlinge in Europa im Retrolook und mit skurril-trockenem Witz.
  • Ein traumhaft schönes Sozial-Märchen vom finnischen Pessimisten Aki Kaurismäki, das einfach rundum glücklich macht und an der Croisette die Herzen eroberte.

    Minutenlanger tosender Applaus in Cannes für Aki Kaurismäki, der dann leider doch keinen Preis erhielt. “Le Havre” ist ein Sehnsuchtsort und ein menschlicher und wunderbarer Film, in seiner Gesamtheit einfach unwiderstehlich und nicht nur für Akiphile ein Muss! In der französischen Hafenstadt lebt der Schuhputzer Marcel Marx, ein früherer Bohemien und Schriftsteller, er hat nicht viel Geld aber eine gütige und leider auch schwerkranke Frau (Kati Outinen) und viele Freunde. Obgleich er bei Bäckerin, Gemüsehändler und Barwirtin tief in der Kreide steht, helfen sie ihm, als er einen afrikanischen Flüchtlingsjungen vor den Behörden versteckt und auf ein Schiff zu dessen Mutter nach England schummelt. Sogar der knurrige Polizeiinspektor (Jean-Pierre Darroussin in einer Reminiszenz an Jean Gabin) drückt ein Auge zu und hält seine Häscher in Schach, während Jean Pierre Léaud den intriganten Nachbarn gibt. Mit großer Zärtlichkeit und leiser Heiterkeit betrachtet der sonst so pessimistische Finne seine lieben Melancholiker, wie sie sich durchbeißen und zusammenhalten, lakonische Dialoge aufsagen, mit altmodischen Autos durch die Gegend kutschieren und mit Little Bob, dem kleinwüchsigen Elvis Presley von Le Havre, ein Benefizkonzert für den Flüchtenden auf die Beine stellen.

    Nach fünf Jahren Leinwandabstinenz lässt Kaurismäki in einer kalten kapitalistischen Welt Solidarität und Subversion blühen, verzaubert mit ungewohnter Leichtigkeit und poetischem Realismus, verbeugt sich vor dem Werk von Jean-Pierre Melville und dem französischen film noir. Souverän balanciert er zwischen Realismus der Außen- und Stilisierung der Innenszenen unterstützt von Timo Salmines sorgfältiger Kamera, die gedämpfte Rot- und Blautöne einfängt. Der Humor ist an Absurdität kaum zu übertreffen, ob Darroussin nun mit einer Ananas Farbe in die triste Kneipe bringt oder Hauptdarsteller André Wilms bei der Lagerleitung sich als Onkel des schwarzen Jungen einführt und seine weiße Hautfarbe damit erklärt, er sei der Familien-Albino. Ohne Angst vor Sentimentalität zieht der wortkarge Regisseur das Herz-Ass und gewinnt die Herzen mit dem “happiest Ending in filmhistory”, wie er den fantasievollen Schluss augenzwinkernd nennt. mk.

Darsteller und Crew

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