Katze im Sack (2004)

Katze im Sack Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Katze im Sack: 24 Stunden in Leipzig mit zwei Menschen, die zusammen sein könnten, aber erst einmal voreinander und ihren Gefühlen davon laufen müssen.

Ralf Brockmann (Walter Kreye), Sicherheitsspezialist in den besten Jahren aus Leipzig, verbindet ein seltsames Liebesverhältnis mit der Kellnerin Doris (Jule Böwe), die vor der Vergangenheit flieht. Gemeinsam mit dem nicht ganz uncharmanten Taugenichts Karl (Christoph Bach), der Doris seit einer gemeinsamen Zugfahrt nicht mehr von der Pelle weicht, trifft man in Leipzig aufeinander. In einer langen Nacht voll von Karaoke, riskanter Wetten, heimlicher Blicke und unheimlicher Gefühle nimmt das Schicksal seinen erbarmungslosen Lauf.

Düster-kaltes “Hardboiled Melodram” vom Absolventen der Filmakademie Baden-Württemberg Florian Schwarz. Laut Verleih “Ein Liebesfilm für alle, die keine Liebesfilme mögen”.

Die ruppige Kellnerin Doris und der smarte Karl treffen sich im Zugabteil. Sie gibt ihm einen Zettel mit der Kneipenadresse, wo sie arbeitet. Er soll vorbeikommen, wenn er in Leipzig ist. Und schon steht er abends in der Karaoke-Bar. Da hängt auch der angejahrte Brockman herum, ein Voyeur, der sich an sexuellen Videobotschaften von Doris erfreut. Im Verlauf des Abends steigt die Spannung zwischen den drei Menschen.

Unfreiwillig macht die Kellnerin Doris im Zug Bekanntschaft mit dem Eigenbrötler Karl. Nicht nur, dass der Typ ihren Platz belegt und ihr den letzten Nerv raubt, der komische Kerl folgt ihr auch noch auf Schritt und Tritt. Wenig später taucht er in ihrer Karaokebar auf und mischt sich ungefragt in ihr erotisches Tête-à-tête mit dem wesentlich älteren Ralf Brockmann. Langsam baut sich im Verlauf des Abends eine Beziehung zwischen den drei konträren Charakteren auf, doch keiner will sich in die Karten schauen lassen.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Ein Debütfilm aus Ludwigsburg, eine Liebesgeschichte für alle, die keine Liebesgeschichten mögen; oder: keine Liebesgeschichte, sondern die Geschichte zweier Menschen, Karl und Doris, die sich am Ende nicht mehr ganz so fremd sind.

    Doris ist in eine Beziehung mit dem viel älteren Brockmann verstrickt, mit ihm hat sie aber keinen Sex. Karl taucht aus dem Nichts auf, als Anhalter kommt er herum, hat kein Zuhause, ist getrieben, weiß aber nicht, wohin. Sie treffen sich, und sie verlieben sich nicht.

    Karl und Doris verlieben sich ineinander, aber sie gestehen es nicht ein, nicht einander und nicht sich selbst. Immer wieder zieht es sie zueinander – ist es das Schicksal? – im Zug, in der Bar, und dann wieder am Schluss, und gleichzeitig treibt es sie auseinander: sie verirren sich in den Möglichkeiten der Nacht.

    In verwaschenen Bildern, unscharf und mit harten Geräuschen, wird schon zu Anfang Bedrohlichkeit, Unbehaglichkeit verbreitet, auch wenn zunächst noch die Romanze vorherrscht. Doch mehr und mehr werden die Obsessionen der Figuren sichtbar, die Sucht danach, die innere Leere zu erfüllen: und zwar mit Sex. Doris masturbiert im Hinterhof, während Brockmann durchs Klofenster zuschaut, und wie um Doris sein Interesse an ihr zu zeigen geht Karl mit der jungen Nele ins Bett, und gleich darauf noch mit ihrer jüngeren Schwester. Brockmann besucht als Sicherheitsberater ein Bordell, aus beruflichen Gründen, ohne sich von dem allgegenwärtigen schmutzigen Begehren berühren zu lassen, und Doris sucht den schnellen Kick im schnellen Fick, nachts auf der kalten Straße.

    Die Getriebenheit, die Ziellosigkeit ist an Karl, dem Unbekannten, am deutlichsten festzumachen, doch alle sind sie davon befallen – das ist manchmal etwas zuviel, wenn sich der Film in seinen Erzählsträngen verstrickt, und die süßlich-schmerzlichen Mainstream-Deutschpop-Songs, die den Soundtrack zukleistern, weisen in die falsche Richtung. Es ist kein eingängiger Film, aber einer, der im Gedächtnis haften bleibt in den Bildern, die er findet für seine Grundstimmung, für die Atmosphäre der Unbehaustheit, der existentiellen Einsamkeit, die aus der inneren Abgeschlossenheit der Figuren kommt: ein ungemütlicher, wilder Film noir.

    Immer härter wird der Film, und immer härter wird der Sex, dem sich Doris aussetzt – bis sie am Ende im Zug wieder Karl gegenübersitzt, und sie sehen sich an und erkennen sich, und es ist doch eine Liebesgeschichte, vielleicht bis zum nächsten Bahnhof.

    Fazit: Die Leipziger Nacht als Schauplatz eines wilden Film noir, hervorragend gespielt und hervorragend inszeniert.
  • Für nur 80.000 Euro produzierte Florian Schwarz seinen Abschlussfilm “Katze im Sack” an der Filmakademie Ludwigsburg und definiert ihn als “Liebesfilm für alle, die keine Liebesfilme mögen”.

    Was in diesem kruden Beziehungsdrama abläuft, subsumieren Filmkritiker gerne unter die Rubrik “rau” und “mutig” und glauben, damit dem Zeitgeist und dem Jungsein auf der Spur zu sein. Ob das wirklich so ist, muss das Publikum entscheiden.

    Der Zufall hat seine Hand im Spiel, als sich die ruppige Kellnerin Doris und der smarte Karl im Zugabteil treffen. Erst einmal machen sie sich an, dann klaut er ihr das Tagebuch und sie ihm ein geheimnisvolles Kästchen aus dem Rucksack. Dennoch gibt sie ihm einen Zettel mit der Kneipenadresse, wo sie arbeitet. Er soll doch mal vorbeikommen, wenn er in Leipzig ist. Und schon steht er abends in der schummrigen Karaoke-Bar. Da hängt auch der etwas angejahrte Brockman herum, ein Überwachungsmaniak und Voyeur, der sich an sexuellen Videobotschaften von Doris erfreut, die ihm auch schon mal auf dem Hinterhof lasziv die nackten Brüste zeigt und Hand an sich legt. Im Verlauf des Abends steigt die Spannung und Aggression zwischen den drei Menschen, von denen jeder auf seine Weise die Stunden bis zum Morgengrauen verbringt. Dann ist nichts mehr, wie es mal war.

    Nachtgestalten, die sich am Abgrund entlanghangeln und auf der Suche nach sich Selbst verlieren, eine blutige Nase holen und wie im Ring ausgezählt werden, aber sich immer wieder hochrappeln zur nächsten Runde. Die Schwarz-Weiß-Zeichnung der Figuren verhindert Sympathie und Identifikation, auch wenn die Schauspieler überzeugen – vor allem Christoph Bach als supercooler Typ mit dünner Haut, der sich in Ambivalenz flüchtet. Keiner lässt die Katze aus dem Sack. Das psychologische Strickmuster wirkt etwas zu einfach. Beeindruckend ist diese Reise durch ein Universum zwischen Tag und Nacht, Sehnsucht und Verzweiflung, Einsamkeit und Begehren durch die Bildsprache und auch die Filmmusik von Fabian Römer mit Songs von 2raumwohnung und Slut (Preis für die Beste Filmmusik in Saarbrücken) kann sich hörenlassen. Aber das etwas platte Anliegen, um jeden Preis mit rüdem Sex, brutalem Zynismus und sehr direkten Worten auf Teufel komm’ raus zu provozieren, schießt übers Ziel hinaus, wirkt nicht gerade neu. Man merkt die Absicht und ist verstimmt, auch wenn poetische Momente auffunkeln. mk.

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