Joe Goulds Geheimnis (1999)

Originaltitel: Joe Gould's Secret
Joe Goulds Geheimnis Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Joe Goulds Geheimnis: Detailliert-liebevolle und witzige Skizze eines Originals und der New Yorker Künstler-Szene der vierziger Jahre.

Reporter Joseph Mitchell lernt den komischen Kauz Joe Gould kennen. Er behauptet an einer mündlich überlieferten Geschichte der Menschheit zu arbeiten und die Sprache der Möwen zu beherrschen. Mitchell schreibt einen Artikel über ihn, der auf großes Interesse stößt. Erst Jahre nach dem Tod von Gould veröffentlicht Mitchell Goulds Geheimnis.

New York, 1942. Der Reporter Joe Mitchell lernt in einem Coffee Shop das Greenwich-Village-Original Joe Gould kennen. Der hochintelligente, aber verwahrloste Bohemien schreibt seit 40 Jahren an einer in Anekdoten überlieferten Menschheitsgeschichte namens “The Oral History of Our Time”. Mitchell veröffentlicht ein Porträt des Exzentrikers, wodurch dieser zu einer kleinen Berühmtheit avanciert und etliche Verleger sein Buch drucken wollen. Gould weigert sich jedoch, seine Aufzeichnungen zu veröffentlichen.

Durch einen Artikel des Reporters Mitchell avanciert der Kauz Joe Gould zur Berühmtheit. Trotzdem weigert er sich seine Aufzeichnungen, eine mündlich überlieferte Geschichte der Menschheit, zu veröffentlichen. Melancholisch-nostalgische Ballade.

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Kritikerrezensionen

  • Diese atmosphärisch pittoreske Geschichte im nostalgischen Ambiente des New Yorker Künstlerviertels Greenwich Village der 40er Jahre feiert einen eigensinnigen Lebenskünstler und Stadtstreicher, der sein Harvard-Studium mit summa cum laude abgeschlossen hatte, sich aber in keinen geordneten bürgerlichen Lebensstil fügen mochte. Regisseur Stanley Tucci (“Big Night”), der selbst eine Schlüsselrolle spielt, erweist mit diesem Film nicht nur seine Referenz vor dem legendären Bohèmien Joe Gould, sondern auch vor dessen Dasteller Ian Holm.

    Der Brite Holm, der mit Woody Allen (“Eine andere Frau”), David Cronenberg (“Naked Lunch”, “Existenz”) und Atom Egoyan (“Das süße Jenseits”) gearbeitet hat und schon in Tuccis “Big Night” den pfiffigen Restaurantbesitzer gab, ist der absolute Mittelpunkt des manchmal etwas monomisch allein auf die Hauptfigur konzentrierten Films. Wie er als schräger Penner, bärtig, ungepflegt, meist kreischend und krächzend in der Minetta Tavern am Tresen hockt und sich das kostenlose Ketchup flaschenweise in die Suppe kippt, das hat nahezu apokalyptisch anarchisches Format. Hier in dieser Kneipe lernt der Journalist Joe Mitchell den bereits sprichwörtlich in der Greenwich-Künstlerszene bekannten, hochintelligenten Individualisten kennen. Er kann ihn zu Interviews überreden und zwischen den beiden Männern entwickelt sich nach und nach eine wirkliche Freundschaft. Von seiten Mitchells ist sie nicht ganz altruistisch, denn er veröffentlicht ein Porträt des Exzentrikers Gould im “New Yorker” und macht sich damit einen guten Namen. “Professor Seagull” war dieser Artikel überschrieben, weil der krächzende Gould sich unter anderem rühmte, die Sprache der Möven zu beherrschen. Sein wesentliches Projekt aber war eine mündliche Menschheitsgeschichte, die er, wie er sagte, aus gehörten Gesprächen und erlebten Unterhaltungen in Schulheften notiert hatte. Gestapelt ergäben sie, behauptet er, einen Turm, der ihn, den 1,67 m kleinen Mann, um einiges überragte. Über eine Million Wörter umfasste angeblich seine “Oral History of the World”, erzählte er seinem Freund Mitchell, der jedoch eines Tages das tragische Geheimnis des Exzentrikers entdeckt und das erst sieben Jahre nach dessen Tod im “New Yorker” preisgibt.

    Stanley Tuccis Film ist eine melancholisch existenzialistische Ballade über die facettenreiche und bei allem Negativen doch vordringlich liebenswerte und spannende Widersprüchlichkeit menschlichen Verhaltens. Joe Gould, der bald zu den Attraktionen nicht nur für Touristen in Greenwich Village wurde, sondern auch für die etablierte und snobistische Künstlerszene, der Gönnerinnen und Gönner hatte, aber auch Feinde, von einer Malerin mit grotesken drei Penissen porträtiert wurde –dieser Joe Gould war genial und kaputt gleichzeitig, eine Nervensäge und ein großartiger Mensch, einer der letzten wirklichen Bohèmiens. Lebenskünstler sind in der heutigen aktienorientierten Erfolgsgesellschaft so gut wie gar nicht mehr existent – und schon deshalb ist Tuccis Film absolut sehenswert, weil er ein Lebensgefühl vermittelt, für das wir uns hin und wieder wenigstens sensibilisieren sollten, der Phantasie und der Menschlichkeit wegen. fh.

Darsteller und Crew

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