Ich sehe den Mann deiner Träume (2010)

Originaltitel: You Will Meet a Tall Dark Stranger
Ich sehe den Mann deiner Träume Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Ich sehe den Mann deiner Träume: Woody Allens 41. Film ist ein leise komischer Lebensreigen über das Beziehungskarussell von zwei Generationen einer Londoner Familie.

Nachdem ihr Vater nach 40 Jahren Ehe ihre Mutter verlassen hat und sie in die Arme einer Wahrsagerin trieb, die mit Versprechen von kommendem Glück ihr Leben fremdzusteuern beginnt, denkt auch Sally über eine Kurskorrektur nach. Sie ist so unglücklich wie ihr Mann Roy enttäuscht, dass er als Schriftsteller langfristig den Beweis für Talent schuldig blieb. Während Sallys Vater bei einer viel zu jungen drallen Blondine vor Anker geht, träumen Tochter und Schwiegersohn von einem romantischen Neuanfang – mit anderen Partnern.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • In rascher Folge stellt Allen, nein: sein Voice-Over-Erzähler und das Personal seines neuen Ensemblestückes vor: Helena, von Ehemann Mann Alfie verlassen wurde und Zuflucht bei einer Wahrsagerin sucht; Alfie, der wieder jung sein will und mit den ca. 70 Jahren, die A. Hopkins auf dem Buckel hat, in einer Art Endlife-Crisis steckt, der die jungendliche Kraft der 30jährigen sucht; Helenas Tochter Sally, die frustriert ist wegen fehlendem Familienglück und wegen Ehemann Roy, dem erfolglosen Möchtegernschriftsteller, der nichts auf die Reihe kriegt und sehnsüchtig durchs Fenster auf die schöne Nachbarin im roten Kleid starrt. In lockerer Szenenfolge und versehen mit einem die Verhältnisse analysierenden Kommentar lernen wir sie kennen; und allmählich wächst man hinein in ihre Welt. Eine Welt, die so ganz normal ist, mit ganz normalen Problemen; und eigentlich sind auch alle sympathisch. Oder zumindest psychologisch fundiert, plausibel und verständlich.

    OK: Hopkins als Alfie macht sich lächerlich, wenn er sich mit den Insignien der Jugend umgibt, mit Sportwagen und Fitnessclubmitgliedschaft; wenn er eine junge Nutte heiratet, um mit ihr endlich den lang ersehnten Sohn haben zu können. Und Helena, seine Ex-Frau, ohnehin eine verhuschte, neurotische Maus, verfällt immer mehr der Spinnerei, wenn sie die offensichtlichen Betrügereien einer Wahrsagerin als Leitfaaden fürs Leben nimmt, obwohl die ihr nur die utopischen Hoffnungen einflüstert, die sie gerne hören möchte. Doch Allen macht sich nicht über sie lustig, im Gegenteil: geradezu mitfühlend beschreibt er ihre Sorgen und die Mittel, die sie dagegen ergreifen; Mittel, die unangemessen sind, unnötig und unvernünftig. Mittel, die in diesem Film jeder ergreift, ohne es zu merken: die Nutte Charmaine Foxx, die Wahrsagerin Chrystal, die bildschöne Nachbarin Dia oder Sallys Arbeitgeber, der attraktive Kunstgalleriebesitzer Greg, in den sie sich verliebt: sie sind alle reine Projektionsflächen von Wünschen, die sich nicht erfüllen werden.

    Jeder schätzt sich selbst als Zuviel oder Zuwenig ein – doch nicht in der gekünstelten Form einer Versuchsanordnung, sondern mit Blick auf das wirkliche, unspektakuläre Leben ist das erzählt. Das ergibt eine seltsame Spannung, wie sie nur im Kino entstehen kann: Stars spielen eine Geschichte, die dezidiert einen bestimmten Sinn, eine bestimmte Botschaft transportieren soll; und zugleich werden sie ganz alltäglich porträtiert, ohne große Dramatik, ohne übergroße Stilisierung.

    Wahrscheinlich steckt eine Menge Shakespeare in diesem Film; ihm verdankt er sein Motto, aus „Macbeth“, dass das Leben eine Geschichte voll Klang und Wut sei, und ohne Bedeutung. Doch die große Tragödie – in der Allen ein Meister ist – ist hier heruntergebrochen auf die kleinen Geschichten des Lebens, das sich wie unter Säureeinfluss selbst auffrisst. Und wenn man dann glaubt, dass es nicht schlimmer werden kann, schlägt das Schicksal erbarmungslos noch härter zu…

    Ein wenig fehlt dem Film vielleicht die Zwangsläufigkeit, die anderen jüngeren tragischen Meisterwerken wie „Matchpoint“ oder „Cassandras Traum“ anhaftet; andererseits ist es auch keine göttliche Macht, die in unerfindlicher Ironie das Leben durcheinanderwirft. Nein: Die Ironie der Tragik, die Tragik der Ironie kommt aus den Figuren selbst, aus ihrem inadäquaten Streben, eine Ironie, die sich ganz heftig auswinken wird; für den einen mehr, für den anderen weniger. Eine Ironie, die dem Film auch selbst anhaftet: der große dunkle Fremde des Originaltitels meint den Tod, dem wir alle dereinst begegnen; und der große dunkle Fremde im Film ist Greg, Antonio Banderas, der vermutlich auch ein verkorkstes Leben führt, aber am wenigsten tut und am meisten mit sich selbst im Reinen ist. Und wenn der Film dann ausläuft, seine Figuren auf sich selbst zurückgeworfen alleine lässt, gibt es sogar ein Happy End, ausgerechnet für die, die sich am meisten vom Leben, von der Realität abgewandt hat.

    Fazit: Im tragischen Zusammenfügen von Lebensfäden ist Woody Allen ein Meister; und in der zutiefst ironischen Erzählweise, mit der er seine psychologisch genaue, stargespickte Geschichte präsentiert.
  • Woody Allens neue Komödie konstatiert amüsant, dass die Furcht vor dem Tod zwar begründet, aber auch das Leben wirklich angsteinflößend ist.

    In seinem 41.Film kehrt der Altmeister nach London zurück und entwirft einen Lebensreigen, der Beziehungen in allen Stadien beleuchtet. Es gibt Ehen, die nach Jahrzehnten schmerzlich und plötzlich scheitern – wie die von Alfie (Anthony Hopkins), der seine Frau Helena (Gemma Jones) verlässt, um sich mit Sportwagen und junger Sextrophäe lächerlich und unglücklich zu machen. Es gibt Ehen in der Krise, in denen unerfüllt gebliebene Träume zwei Menschen auseinandertreiben – wie Sally (Naomi Watts), die von ihrer Mutter Helena fast genauso entnervt ist wie von ihrem Mann Roy (Josh Brolin), der als Schriftsteller den Unterschied zwischen Ambition und Talent erfahren muss. Und es gibt Beziehungen, die nur als Möglichkeiten existieren und das vielleicht auch bleiben. Wie Roys Verbindung zur schönen Dia, die sich ihm lange nur als Frau von gegenüber präsentiert, oder Sallys wachsende Nähe zu ihrem Chef, der selbst in einer ehelichen Sackgasse steckt und vielleicht nur auf ihr ermutigendes romantisches Zeichen wartet.

    Der Themenkatalog Allens ist vertraut – mit Autoren und ihren Selbstzweifeln, mit Ehebruch, moralischen Grenzüberschreitungen, mit der Schönheit der Kunst, die so kontrastiert mit der Skepsis gegenüber der Schönheit des Lebens. Auch der Tod spielt erwartungsgemäß eine Rolle, ist in den Biografien einiger Figuren wie auch im doppeldeutigen Originaltitel “You Will Meet a Tall Dark Stranger” präsent. Und es gibt auch ein Comeback der drallen Liebesdienerin, die ihr Heliumhirn nie als Behinderung empfindet. Mit neuen Namen in der Besetzungsliste, die mit Ausnahme von Brolin Allen-Anfänger sind, verknüpft der Veteran seine Liebesgeschichten amüsant, aber auch mit zwischenmenschlich berührenden Beobachtungen – wie etwa die Szene, in der Watts und Antonio Banderas im Auto ihre Beziehung vielleicht auf eine andere Ebene führen.

    Allens Pessimismus ist unübersehbar, aber im Unterschied zum Vorgänger “Whatever Works” in einen realistischeren Kontext gebettet. Toleranz für menschliche Schwächen ist bei fast allen Figuren spürbar, denn sie leiden, wie wohl auch Allen, unter den verwirrenden, ironischen und oft auch sadistischen Entwicklungen des Lebens. Erfrischend an Allens jüngstem Film ist, dass dem Autor mittlerweile Charme wichtiger als Pointen sind – und er in einem Punkt unerbittlich ist. Wahrsagerei und Phänomene wie Seelenwanderung, die Hoffnung versprechen, hält er für Spinnerei. Reinkarnation wäre aus seiner Sicht ja auch kein Trost, sie wäre eine weitere Strafe. kob.

Darsteller und Crew

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