Helden wie wir (1999)

Helden wie wir Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Helden wie wir: Kleine, schräge Liebes- und Politgeschichte in der DDR nach Thomas Brussigs Bestseller.

Klaus lernt in der Schule Yvonne, die Liebe seines Lebens, kennen, verliert sie aber aus den Augen, als ihr Vater von der Stasi aus dem Plattenbau gejagt wird. Als Stasi-Neuling trifft der erzbrave Klaus Yvonne wieder – als sie gerade mit ihren Freunden über Flugblätter diskutiert. Durch eine Bluttransfusion erhält Klaus Honecker am Leben und schafft es sogar, die Mauer zu Fall zu bringen.

Geboren am 20. August 1968, jenem Tag, an dem die Sowjet-Panzer gegen Prag rollten, wächst Klaus Uhltzscht in einer Ost-Berliner Platten-Siedlung auf. Noch auf der Schule verliebt er sich in Yvonne. Er verliert sie jedoch aus den Augen, als ihr Vater von der Stasi aus der Nachbarschaft gejagt wird. Später trifft Klaus, inzwischen Stasi-Novize, sie wieder – beim Flugblätterwerfen. In der Folge wird Klaus Erich Honecker durch eine Bluttransfusion das Leben retten und das Herunterlassen seiner Hose die Mauer zu Fall bringen…

Klaus wächst in einer Ost-Berliner Platten-Siedlung auf und trifft Jahre später als Stasi-Novize erneut auf seine Schulzeitliebe Yvonne – beim Flugblätterwerfen. Komödie, Liebes- und Politgeschichte mit viel Sympathie für die Figuren und sanft satirischen Untertönen.

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Kritikerrezensionen

  • Der Herbst wird deutsch: Sebastian Peterson ist mit seinem Erstlingswerk nach dem Bestseller von Thomas Brussig der definitive Film zur Wende gelungen, den der Verleih in einem Überraschungscoup am 9. November, dem 10. Jahrestag der Maueröffnung, startet – einem Dienstag.

    Schon der Titel ist ein filmischer Ohrwurm: “Helden wie wir” ist einprägsam und emotional und spricht jeden an, Ostler wie Westler. Der Erfolg dieses eindrucksvollen Erstlingswerks des durch einige Kurzfilme hervorgetretenen Sebastian Peterson setzt sich aus mehreren Facetten zusammen. Sein Funktionieren in (nahezu) jeder Hinsicht – vom Handlungsverlauf, der Erzählstruktur über den dramaturgischen Spannungsaufbau bis zu den Dialogen – ist zum einen auf Thomas Brussigs Romanvorlage von 1995 zurückzuführen, zum anderen auf die glänzende Besetzung und die erfrischend unprätenziöse, unaufdringlich intensive Regie- und Kameraarbeit.

    Denn Peterson und Brussig – beide schrieben unter Mitarbeit von Markus Dittrich das Drehbuch – schauen genau hin und lösen beim Zuschauer die seltene Mischung von lustvoller Gänsehaut, befreitem Lachen, nachdenklicher Selbstreflexion und Spannung von der ersten zur letzten Minute aus. Der Osten lebt und zeigt sich in einer herrlichen Mixtur aus Spießbürgertum und – aus heutiger Sicht – Anarchie. Vor allem Newcomer Daniel Borgwardt als Klaus Uhltzscht ist ein seltener Glücksgriff, neben einem insgesamt überzeugenden Ensemble aus bekannten und unbekannten Ex-DDR-Darstellern. Petersons ruhig und mit viel subtilem Humor gezeichneter Spielfilm ist – “Forrest Gump” läßt grüßen – immer wieder mit historischem Dokumentarmaterial gekontert. Die Verwendung von Super-8 und Videobildern aus öffentlichen und privaten Quellen schafft Authentizität und kommentiert zugleich die Ereignisse auf der Leinwand.

    Der Film erzählt aus der Sicht des Helden Klaus Uhltzscht, der in seinem Bemühen um Konformität viel Talent zum Prototyp des deutschen Antihelden mitbringt. Er thematisiert ein Erwachsenwerden in mehrfacher Hinsicht: mit dem politischen Erwachen und der Auflehnung der DDR-Bevölkerung geht der private Bewußtwerdungsprozess des Klaus Uhltzscht einher. Denn er, der angepaßte Sohn und megabrave Bürger, der Übererfüller, gerät immer wieder ins Mahlwerk der Geschichte. Und bis er zum Helden reift, gehen mit ihm zwanzig Jahre real existierender Sozialismus ins Land. Die 70-er sind alles andere als bunt in diesem Land, das sich penetrant selbst feiert, und Familie Uhltzscht, im schmucken Plattenbau gegenüber der SED-Zentrale zu Hause, genießt Fernsehprogramm und Würstchen und ist stolz auf ihren Jungpionier, der neben FDJ-Chef Egon Krentz das Titelblatt einer Illustrierten schmückt. In der Schule, wo alle Länder, die bald sozialistisch sein werden – also mindestens die halbe Erdkugel – , mit roten Buntstiften ausgemalt werden, findet der kleine Klaus seine große Liebe, die ihn nicht mehr loslassen soll. Daß Yvonne die Tochter eines Dissidenten ist, der wenig später von seinem Vater denunziert wird, erfährt er ebensowenig wie die Wahrheit über den Beruf des Familienoberhaupts bei der Stasi. Unter den strengen Blicken der Mutter, einer Hygienearbeiterin, die nichts Körperliches duldet, wächst Klaus verklemmt heran. Nach der Militärzeit ködert ihn “die Firma” mit dem Versprechen, ihn als “Romeo” im Westen einzusetzen. Doch daraus, westdeutschen Sekretärinnen mit “speziellen” Mitteln Geheimnisse zu entlocken, wird nichts. Klaus trifft seine Jugendliebe wieder, und der Umstand, daß seine Arme eingegipst sind, macht ihn in ihrer Widerstandsgruppe zum Helden. Sie halten ihn für ein Folteropfer aus den Kellern des Systems. Doch zum erstenmal streift Klaus seine Mitläufermentalität ab und gesteht Yvonne, für wen er wirklich arbeitet.

    Einen Sonderauftrag der Stasi – sein Blut wird Erich Honecker verabreicht – überlebt er nur knapp, dafür mit einem prägenden Nebeneffekt: er ist hinfort mit einem übermächtigen Sexualorgan ausgestattet. Das System, inzwischen in seinen letzten Zügen liegend, kämpft verbissen, bis Klaus Uhltzscht am 9. November 1989 durch das heldenhafte Herunterlassen seiner Hose dazu beiträgt, daß der erste Grenzübergang geöffnet wird. Denn seine neue Geheimwaffe zwingt auch einen DDR-Grenzposten zur Kapitulation…

    Nach “Sonnenallee”, einem weiteren DDR-Stoff von Thomas Brussig, der im Oktober in die Kinos kommt, sollte der Boden beim Publikum hüben wie drüben für so viel satirische Vergangenheitsbewältigung bereitet sein. boe.

Darsteller und Crew

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