Goethe! (2010)

Goethe! Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Goethe!: Modern gestaltetes Biopic über die Sturm- und Drangjahre Goethes, als er sich als Dichter durchsetzen muss und in Lotte Buff verliebt ist.

Johann Wolfgang von Goethe ist durchs Jura-Examen gefallen und wird zur Strafe vom Papa zum Reichskammergericht in die Provinz geschickt, wo er für Gerichtsrat Kestner Akten wälzen muss. In seiner Freizeit zieht der Freund von Wein, Weib und Gesang mit seinem Referendarskollegen um die Häuser bzw. auf die Märkte und wirft alsbald ein Auge auf die hübsche Lotte aus armen Verhältnissen, die leider seinem Vorgesetzten versprochen ist. Das große Herzeleid führt zu seinem ersten künstlerischen Erfolg “Die Leiden des jungen Werther”.

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Kritiken und Bewertungen

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  • „Besonders wertvoll”

    Der junge Goethe wird nach seinem erfolglosen Studium von seinem Vater in eine Rechtskanzlei geschickt, um dort Ordnung und Pflichtbewusstsein zu lernen. Doch Goethe hat anderes im Sinn: Er will dichten, mit Freunden feiern, Spaß haben und sich nicht in ein bürgerliches Korsett zwängen lassen. Dann tritt die charmante und quirlige Lotte in sein Leben. Hals über Kopf verlieben die beiden sich ineinander, doch dem Paar winkt wenig gemeinsames Glück. Philipp Stölzl schafft es in seiner Film-Biografie, die Sturm- und Drangjahre des jungen Goethe perfekt auf die Leinwand zu bringen. Als Vorlage dienen ihm hier nicht nur historische, sondern auch literarische Angaben aus dem Werk des Dichters. So tauchen immer wieder Zitate aus dem "Werther" oder auch aus "Faust" auf, die aber nie störend wirken. Die opulente Ausstattung passt wunderbar zu den großen Gefühlen, die alle Darsteller sehr gelöst und frei vermitteln, vor allem die Hauptfiguren zeigen ein enormes Maß an Spielfreude. Der Film ist ein Genuss für alle Sinne und man merkt: Die Kunstfigur Goethe kann noch heute begeistern.

    Jurybegründung:

    Philipp Stölzl gelingt mit GOETHE! eine äußerst moderne Annäherung. Denn der Film konzentriert sich auf die Zeit des noch sehr jungen Goethe, als er von einer Zukunft als Dichter nur träumt und nach Ansicht seines Vaters Flausen im Kopf hat. Erste Versuche, einen Verleger für seinen 'Götz von Berlichingen' zu finden, sind erfolglos. Sein Studentenleben genießt er dafür in vollen Zügen. Nachdem er bei der Doktorprüfung durchfällt, unterwirft er sich dem Willen des Vaters und nimmt eine Stellung als Referendar beim Reichskammergericht im provinziellen Wetzlar an. Dort verliebt er sich in Lotte Buff, die nach dem Tod der Mutter ihre sieben Geschwister versorgt. Seine Liebe wird erwidert, doch Lotte stimmt letztlich einer Vernunftehe mit Gerichtsrat Albert Kestner zu, um den Wunsch ihres Vaters zu erfüllen und die Zukunft ihrer Familie zu sichern. Goethes Freund Jerusalem, ebenfalls unglücklich verliebt und beruflich gemobbt, begeht Selbstmord. Nach einem Duell mit Kestner wird Goethe eingekerkert. In seiner Verzweifelung schreibt er das Drama 'Werther', in dem er seine Erfahrungen verarbeitet, und ist nah daran, sich eine Kugel in den Kopf zu jagen. Er schickt das Manuskript an Lotte, die dafür einen Verleger findet und so den Durchbruch von Goethe als großen Schriftsteller ermöglicht.

    Der Film könnte neues Interesse am Stück 'Die Leiden des jungen Werther' wecken und ermöglicht einen Blick zurück in die Zeiten des Sturm und Drang. Die Konfliktsituation des jungen Johann Goethe ist damit ebenso gut umschrieben. Stölzl hat sich mit der Produktion bewusst entschieden, die beiden Hauptrollen mit weniger bekannten Schauspielern zu besetzen. Alexander Fehling spielt den jungen, dynamischen Goethe, der um Anerkennung kämpft. Für Miriam Stein als Lotte ist es sogar ihr Kinodebüt, doch sie spielt mit faszinierender Natürlichkeit die Rolle einer Frau, die sich zwischen der Vernunftehe und der wahren Liebe entscheiden muss. Eine Regieleistung ist es, dass die beiden neben den prominenten Kollegen bestehen können. Insgesamt eine vortreffliche Ensembleleistung. Hervorzuheben sind hier Moritz Bleibtreu, Henry Hübchen, Burghart Klaußner und Volker Bruch.

    Natürlich kann der Film die politische Dimension der 'Sturm- und Drang'-Bewegung nicht historisch genau zeichnen. Doch mit zahlreichen Details gelingt es GOETHE!, ein Bild des 18. Jahrhunderts zu entwerfen. Dies gilt insbesondere im etwas heruntergekommenen Haus der Familie Buff, die einen Einblick in den damaligen Alltag ermöglicht, und in den labyrinthischen Korridoren des Gerichts, in dem zahlreiche Referendare die Akten mit Feder und Tinte abschreiben. Daneben stehen fantastische Landschaftsaufnahmen, die an Bilder der Romantik erinnern. Gelobt wurde die Kameraarbeit von Kolja Brandt, die neben den spektakulären Panoramen und viel Dynamik beispielsweise Szenen zeigen, die mit wenig Kerzenlicht auskommen und damit ein Gefühl für die Zeit und die damalige Dunkelheit vermitteln. All diese Elemente räumen mit dem angestaubten Image des Klassikers auf und machen GOETHE! zum richtig großen Kino.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Bei einem sogenannten Biopic die Frage nach Authentizität zu stellen, ist zwar sehr naheliegend, aber auch nahezu müßig. Natürlich stimmt die Geschichte in ihren Grundzügen, aber selbstverständlich wurden auch Dinge weggelassen, andere wiederum dazu erfunden und wieder andere wurden aufgebauscht, dramatisiert und filmtauglicher gemacht... Viel interessanter ist, ob der Film „Goethe!“ als solcher funktioniert.

    Bislang galt das Leben Goethes wohl als zu undramatisch, als dass sich ein Film über ihn lohnen würde. Philipp Stölzl und seine Mitdrehbuchautoren haben für den Film über den bedeutendsten Dichter und Denker Deutschlands das Lebensjahr vor der Entstehung seines ersten Romans herausgegriffen: Ein Jahr der Erfolglosigkeit, Selbstzweifel und vor allem eine Zeit, die von den Höhen und Tiefen der Liebe geprägt war. Wie bei so ziemlich jedem Biopic setzt die Filmhandlung ein, (lange) bevor der Protagonist zu der Legende wird, die uns heute (noch) bestens bekannt ist.

    Aber zurück zur Frage der Funktionalität: Doch ja, „Goethe!“ hat in jedem Fall einige schöne Momente zu bieten. Die Lesung zu Beginn des Films zum Beispiel – mit wenigen Mitteln wird der Unterschied zwischen der damaligen Kunstszene und dem, wonach der junge Goethe und seine Gefährten streben, deutlich gemacht. Wunderbar gezeichnet ist die Figur der Lotte Buff: Ein selbstbewusster Lockenkopf, der sich nicht scheut, zu nehmen, was er will, sich im entscheidenden Moment dann aber doch zeitgemäß gegen die Leidenschaft und die Liebe, sondern für die Vernunft und vor allem für die Geschwister entscheidet. Eine echte Überraschung ist Moritz Bleibtreu in der Rolle von Albert Kestner – Johanns Vorgesetzter und Lottes Verlobter. Bleibtreu spielt den tumben Advokaten ohne Ironie und dessen Hilflosigkeit, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, ernsthaft genug, um Mitgefühl beim Zuschauer zu wecken. Aber auch Alexander Fehling als die zukünftige Dichterlegende Johann Goethe findet Gesten und drückt beispielsweise Sprachlosigkeit mal durch verlegenes Lachen, mal durch Faustschläge in die Luft oder Tritte auf den Boden aus.

    Störend hingegen sind die vielen auffälligen Parallelen zu dem TV-Biopic über Goethes Dichterkollegen und Freund Friedrich Schiller aus dem Jahr 2005. Ja, beides spielt nun mal in der gleichen Zeit und in beiden Fällen ist der Protagonist ein bis dato noch unbekannter Schriftsteller. Aber in beiden Fällen ist der gesamte Grundplot der selbe: Ein junger Mann – bislang von der zu seiner Zeit aktuellen Kunstszene unbeachtet oder gar missverstanden – verliebt sich zum ersten Mal, allerdings in eine Frau, die er nicht haben kann. Und über diesen Umstand gelingt ihm endlich der lang ersehnte literarische Erfolg. In „Schiller“ hilft ihm besagte Frau beim Schreiben von „Kabale und Liebe“, weil Schiller selbst aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage ist und in „Goethe!“ ist es Lotte, die - naja, Sie werden es selbst sehen oder haben es bereits gesehen... Ein paar mehr Differenzen wären bei dem gleichen Ausgangspunkt schon wünschenswert gewesen und über die visuellen Effekte sei an dieser Stelle mal besser nichts gesagt, das können die in Hollywood einfach immer noch um Längen besser.

    Am Ende schlägt der Film selbst die Brücke zwischen Fiktion und Realität, als die Frage nach der Wahrheit aufgeworfen wird. „Es ist mehr als die Wahrheit: Es ist Dichtung“, heißt es dann.

    Fazit: „Goethe!“ zeigt einen rebellischen jungen Mann – bevor aus ihm das Universalgenie Johann Goethe wurde. Ein Kostümfilm mit vielen schönen Momenten, in dem so ziemlich jede männliche Figur Rotz und Wasser heult.
  • Eine unglückliche Liebe bringt den jungen Dichterfürsten in der Sturm- und Drangzeit zur Niederschrift von “Die Leiden des jungen Werther”.

    Wer sich an Goethe herantraut, muss ganz schön mutig sein. Deutschlands berühmter und bedeutender Dichter und Denker ist gerade für Schüler als Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe oft nur noch ein Stoff für die Deutschstunde. Philipp Stölzl entstaubt den Mythos mit einem 23Jährigen, der sich immer nur als Goethe vorstellt “mit oe”, wie er nicht müde wird zu sagen. Zwischen Dichtung und Wahrheit bewegt sich Philipp Stölzl (“Nordwand”) in diesem unterhaltenden Kostümfilm, erfüllt keinen drögen Bildungsauftrag, sondern setzt auf eine mal altmodische, mal lockere Sprache, pointierte Dialoge, poppige Musik und heiße Gefühlswallungen.

    Der “Barock-Sponti” ist durchs Jura-Examen gefallen und wird zur Strafe vom Papa zum Reichskammergericht in die Provinz geschickt, wo er für Gerichtsrat Kestner (Moritz Bleibtreu putzig mit Perücke) Akten wälzen muss. In seiner Freizeit zieht der Freund von Wein, Weib und Gesang mit seinem Referendarskollegen um die Häuser bzw. auf die Märkte und wirft alsbald ein Auge auf die hübsche Lotte aus armen Verhältnissen, die leider seinem Vorgesetzten versprochen ist. Das große Herzeleid führt zu seinem ersten künstlerischen Erfolg “Die Leiden des jungen Werther”, die dadurch ausgelöste Selbstmord-Welle gilt als erstes Medienphänomen.

    Im Gegensatz zum gestrengen Herbert Knaup in “Die Braut” gibt Alexander Fehling den Goethe hier als lebens- und liebeslustigen Typen zwischen Selbstzweifel und Selbstfindung, der mit einem flotten Spruch auf den Lippen die Damenherzen höher schlagen lässt, ein Charmebolzen ohne Muff und Mief in der Zeit vor Geheimrat, Minister und Dichterfürst. Die Darsteller sind bis in die Väterrollen von Burghart Klaußner und Henry Hübchen vom Feinsten, die künstlich patinierten Kostüme wirken echt, Szenenbildner Udo Kramer, der schon bei “Nordwand” überzeugte, arbeitete mit “Mischtechnik”. Gedreht wurde an geeigneten Locations in Thüringen und Sachsen und in vorhandene Räume das Notwendige eingebaut. Wenn die Straßenzüge nicht ganz passen, ergänzen digitale Effekte die Bilder. Das große Pfund mit dem Stölzl wuchern kann, ist die Chemie zwischen Fehling und Entdeckung Miriam Stein in ihrem ersten Kinofilm. Mit Strubbelhaar, Sinnlichkeit und Natürlichkeit bildet sie den Gegenpol zum Sohn aus bürgerlichem Hause. Mögen vielleicht Literaturkenner die Stirn runzeln, dieser “Goethe!” ist aus Fleisch und Blut und sollte junge Menschen gefallen. mk.

Darsteller und Crew

News und Stories

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