Feuerwerk am helllichten Tage (2014)

Originaltitel: Bai Ri Yan Huo
Feuerwerk am helllichten Tage Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Feuerwerk am helllichten Tage: Zwischen Serienkillerthriller und Sozialdrama bewegt sich dieser lakonisch und kunstvoll erzählte Film Noir aus dem Norden Chinas.

1999 werden in der Kohleverarbeitung Leichenteile in der ganzen Provinz verstreut gefunden. Als die Polizei Verdächtige in dem Fall verhaften wollen kommt es zum Kampf – zwei Polizisten sterben und ein weiterer wird schwer verletzt. Zhang Zili, der überlebende Polizist, verfällt dem Alkohol, verdingt sich als Wachmann. Fünf Jahre später tauchen wieder Leichenteile auf. Mit Hilfe eines Ex-Kollegen nimmt Zhang auf eigene Faust Ermittlungen auf. Im Verdacht steht die Witwe des ersten Opfers aus dem Jahr 1999.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Regisseur Diao Yinan (Autor von "Das Badehaus") schuf mit "Feuerwerk am helllichten Tag" einen chinesischen Neo-Noir-Film mit sozialkritischem Unterton, der auf der diesjährigen 64. Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde. Der dunkle Thriller hatte das Pech, sich damals mit dem unterlegenen Publikums- und Kritikerfavoriten "Boyhood" messen zu müssen. Weitaus schwerer wiegt jedoch der Vergleich zu dem harten, meisterlichen Drama "A Touch Of Sin", der in Atmosphäre, Tonfall, Schauplätzen und Charakteren Diao Yinans ähnlichem dritten Film überlegen ist. Man kann darin aber gleichsam die ungebrochene Tendenz des chinesischen Kinos erkennen, der Gegenwart mit präzisem Blick und ungeschöntem Realismus zu begegnen.

    Häufig lebt der "Film Noir" von gefallenen Helden und gebrochenen Charakteren. Nach dem Prolog, in dem der Arbeitsalltag eines Kohlewerks durch entsetzliche Leichenfunde nachhaltig gestört und Zhang Zilis Niedergang in nüchternen Bildern verfolgt wird, trifft man den Ex-Polizisten als zerstörte Existenz wieder. In dem französischen Neo-Noir "Engel aus Staub" (1987) befreit sich der versoffene Ermittler morgens mit eigenen Schlüsseln aus einer Ausnüchterungszelle. Diao Yinan beweist, dass es noch desolater geht: Als Zhang Zili am Ende eines Tunnels regungslos im Schnee liegt, nutzt ein scheinbar hilfsbereiter Passant dessen Lage aus, um sein Motorrad zu stehlen. Diese mit einer 360-Grad-Drehung gefilmte Sequenz aus dem Blickwinkel des Diebes legt schon die Sicht auf eine Welt aus Unmenschlichkeit, Egoismus und Hass vor.

    Wie man es aus Noir-Werken wie "Engel aus Staub" kennt, stößt der Ermittler am Rand der Gesellschaft bald auf eine Femme Fatale, die seine Moralität und Integrität in Frage stellen wird. Besonders der internationale Titel "Black Coal, Thin Ice" unterstreicht das dünne Eis, auf dem sich der Protagonist bei seinen eigenmächtigen Nachforschungen bewegt. Die Schauplätze, die Zhang Zili und das Objekt seiner Begierde Wu Zhizhen aufsuchen, erweisen sich als symbolträchtig. Ein Kino mit der Aufführung des (fiktiven) Martial-Arts-Klassikers "Lucky 13" zielt auf die chinesische Genretradition ab und bereitet ein neues Verbrechen vor. Beim Besuch einer nächtlichen Eislaufbahn wählt die innerlich zerrissene Wu eine Bahn ins Nichts, worauf sie und ihr Verfolger Zhang zurück gerufen werden – ein Seitenhieb auf chinesische Vorgaben zur Befehlstreue und Gleichförmigkeit. Eine Fahrt mit dem Riesenrad erinnert nicht nur an das Mittelstück von "Der dritte Mann", sondern gibt den Blick auf den Vergnügungspalast "Feuerwerk am helllichten Tag" frei, in dem die Fäden letztlich zusammen laufen.

    Jenseits von fließenden Bildübergängen und einer oft rot-grünen Neon-Farbgebung glänzt Diao Yinan mit einem realistischen Blick auf tristen Industriegebäude, dreckige, nächtliche Straßen, Spielhöllen und zur Imbissbude umgestaltete Busse. Noch deutlich wird der ungeschönte Gegenwartsblick im Epilog, nachdem der Fall längst abgeschlossen ist, aber noch lange nachwirkt. In einer leer stehenden Neuhaussiedlung erfolgt tatsächlich ein ungewünschtes Feuerwerk – ein aufrüttelndes, aber sinnloses Fanal. Als dichtes Noir-Drama beweist "Black Coal, Thin Ice" seine Qualitäten, doch den direkten Vergleich zu "A Touch Of Sin" hält er dann doch nicht stand.

    Fazit: Der chinesische Arthouse-Hit "Feuerwerk am helllichten Tage" verknüpft ein düsteres, symbolisches Noir-Drama um die Schatten der Vergangenheit mit realistischen Bildern von den Rändern der Gesellschaft.
  • Zwischen Serienkillerthriller und Sozialdrama bewegt sich dieser lakonisch und kunstvoll erzählte Film Noir aus dem Norden Chinas.

    Mit zwei Bären, dem goldenen für den besten Film und den silbernen für den besten Darsteller, war der Wettbewerbsbeitrag von Diao Yinan der große Gewinner bei der Berlinale 2014. Held (gespielt vom prämierten Liao Fan) ist ein Polizist, der in einer grauenhaften Mordserie, Leichenteile werden in der Kohleverarbeitung in der ganzen Provinz verstreut gefunden, ermittelt und dem Alkohol verfällt, nachdem Kollegen von ihm getötet werden. Die Szene des folgenschweren Schusswechsel mit zwei Verdächtigen erinnert in ihrer Lakonie und Absurdität an Aki-Kaurismäki-Filme. Passagen mit trockenen, skurrilen Humor wie diese gibt es diverse, sie sind jedoch nur zurückhaltende Auflockerung und Lichtblicke im düsteren, oft nächtlichen, nur von Laternen oder Schnee beleuchteten Geschehen in einer Industriestadt, in dem Abgaswolken über den Winterhimmel ziehen. Besonders virtuos gefilmt ist eine Fahrt durch einen Tunnel ohne Schnitt, die von Sommer 1999 in den Schneewinter 2004 führt, wo der inzwischen als Wachmann sich verdingende Held nach dem neuerlichen Fund von Leichenteilen die Ermittlungen auf eigene Faust und unterstützt von einem ehemaligen Kollegen wieder aufnimmt. Unter Verdacht steht die Frau des ersten Opfers, die eine besonders abgebrühte schwarze Witwe oder tragisches Opfer sein könnte. Der Ex-Polizist heftet sich an ihre Fersen, beginnt eine Affäre mit ihr. Wunderbar gefilmt ist eine Szene, in der die beiden eislaufen, dabei fast schweben und schließlich die Bahn verlassen. Die angedeutete Romantik findet bald ein Ende, als der Killer mit der Schlittschuhkufe blutig zuschlägt. Wohl dosierte, aber sehr effektive Gewalteruptionen gehören zum geschickt und originell eingesetzten Repertoire. “Black Coal, Thin Ice” ist mehr als ein reiner Genrefilm, nimmt er doch seine Figuren und ihre Gefühle ernst – sie sind nicht nur verlorener Held und femme fatale – und zeichnet er gleichzeitig ein einprägsames Bild einer Gesellschaft, in der Mitgefühl Mangelware ist, vieles für nur ein bisschen Reichtum geopfert wird. hai.

Darsteller und Crew

News und Stories

  • Der Kino-Jahresrückblick

    Für Sie zusammengestellt: Die wichtigsten Ereignisse aus den Bereichen Kino und Film des Jahres 2014.

  • Berlinale 2014: Goldener Bär geht nach China

    Die 64. Internationalen Filmfestspiele Berlin gingen mit der feierlichen Preisverleihung der Goldenen und Silbernen Bären zu Ende. Als großer Gewinner erhielt der chinesische Thriller "Bai Ri Yan Huo" von Diao Yinan überraschend den Goldenen Bären. Wes Andersons "Grand Budapest Hotel" und auch ein deutscher Film gehören zu den glücklichen Preisträgern.

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