Hol Dir jetzt die neue kino.de App   Deutschland geht ins kino.de

Festung (2011)

Festung Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (0)
  1. Ø 0
Kritikerwertung (3)
  1. Ø 4

Filmhandlung und Hintergrund

Festung: Drama über ein junges Mädchen, das sich zum ersten Mal verliebt, aber gleichzeitig die Gewalt innerhalb ihrer Familie verbergen muss.

Eine Familie, überschattet von der Gewalttätigkeit des Vaters gegen die Mutter. Mitten drin die dreizehnjährige Johanna und ihre kleine Schwester Moni. Die ältere Schwester ist schon ausgezogen und klagt die Missstände in der Familie aus der Distanz heraus offen an, während die jüngeren Schwestern versuchen, die Fassade zu wahren. Da verliebt Johanna sich zum ersten Mal, in den Sohn ihres Sportlehrers. Ab sofort ist der Teenager zerrissen zwischen familiärer Verantwortung und ihren romantischen Gefühlen.

Ein junges Mädchen verliebt sich zum ersten Mal, muss aber gleichzeitig die Gewalt innerhalb ihrer Familie verbergen. Ungeschminktes Drama, das klug und unaufdringlich die psychischen Dimensionen familiärer Konflikte zeigt.

Videos und Bilder

Auf DVD & Blu-ray (1)

Kritiken und Bewertungen

So werten die User (0)
5
 
0 Stimmen
4
 
0 Stimmen
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen
So werten die Kritiker (3 Stimmen)
5
 
0 Stimmen
4
 
1 Stimme
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen

Wie wertest Du? Klicke auf einen der Sterne:

  • „Wertvoll”

    Johanna ist 13 und das erste Mal verliebt. Doch wo andere Teenager diese Zeit unbeschwert genießen können, muss sie auf ihre kleine Schwester und ihre Mutter aufpassen und auch sich selbst vor einer Gefahr schützen, gegen die sie sich kaum wehren kann. Ein Familiengeheimnis wird seit vielen Jahren gehütet und auch der Zuschauer kommt ihm nur langsam auf die Spur. Denn keiner will und kann offen darüber reden. Der Film der finnischen Regisseurin Kirsi Liimatainen behandelt eine tragische familiäre Situation auf sensible und doch schonungslos offene Art und Weise. Die Perspektive der 13jährigen Johanna zwischen den Fronten ist hierbei klug gewählt. Elisa Essig spielt ihre Rolle als Heranwachsende im Übergang vom zarten Mädchen hin zur selbstbestimmten jungen Frau aufrichtig echt. Eine drastisch konsequente und dadurch tief berührende Studie der Verleugnung und Hilflosigkeit.

    Jurybegründung:

    FESTUNG. Ein Filmtitel als geistiges Leitmotiv. Die Familie als Festung gegen Einblicke und das Eindringen der Außenwelt, als Fort mit Mauern, hinter denen sich familiäre Gewaltexzesse abspielen, seelische Verletzungen als Norm. Die Mauern stehen für Selbstbetrug und immerwährende Täuschungen, für Vertuschen und Verschweigen. Ein Schweigen, das zum Krankheitsherd wird. Eine Festung, in der permanente Überforderung neues Unheil gebiert.
    Es ist ein strenger, illusionsloser Blick, den Autorin Nicole Armbruster und Regisseurin Kirsi Marie Liimatainen auf diese Festung richten, hinter der sich ein familiäres Desaster vollzieht. Ihr Film soll den Zuschauer beunruhigen. Dabei entschieden sie sich konsequent für einen unbequemen künstlerischen Weg: Kein gefühlvolles Melodram, keine sentimentale Lektion im Gutmenschen-Ton. FESTUNG hat Lehrstück-Charakter. Wir sehen Skizzen eines sozialen und psychischen 'Laborversuches'. Filmszenen wie in einer experimentellen Anordnung, lakonische Momentaufnahmen der Krisensituation in einem unaufhaltsamen Prozess.
    Ein Film der genauen und intensiven Beobachtung, der sich eben bewusst einer konventionellen Dramaturgie verweigert und der keine trügerische Beruhigung schafft. FESTUNG - das sind Skizzen einer menschlichen Landschaft voller Tristesse. Wenig Hoffnung, kaum Licht. Die romantische Landschafts- und Stadtkulisse wirkt dazu wie ein Trugbild. Ein ehrgeiziges Debüt also, weil es das Thema gegen den Strich bürstet, dem Zuschauer nicht vorschnell Brücken zur vorschnellen Beruhigung bauen will. Gut, dass für diese Haltung das 'kleine Fernsehspiel' sich als Experimentierfeld anbot.
    Fazit: Eine hoffnungsvolle Talentprobe, ein Versuch mit Entdeckungsmerkmalen.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Bei der dritten abendfüllenden Regiearbeit der finnischen Schauspielerin Kirsi Liimatainen, die thematisch an "Sonja" von 2006 anknüpft, handelt es sich trotz des martialischen Titels "Festung" zwar nicht um einen Kriegsfilm im klassischen Sinne. Jedoch findet der Krieg im Grunde im Verborgenen statt - innerhalb eines Familien-Mikrokosmos, wo Aggressionen direkt weitergegeben werden. Schon die erste Sequenz, an die das Finale wieder anknüpft, charakterisiert das familiäre Heim als eine Art Gefängnis, das vor den Blicken der Nachbarn abgeschirmt werden muss. Als ein Grund, warum die unkontrollierbaren Gewaltausbrüche des Vaters ohne Gegenmaßnahmen bleiben, argumentiert die sechsjährige Moni, die Familie würde sonst auseinanderbrechen. Außerdem will man sich nicht dem Gerede der Anwohner aussetzen.

    Gedreht wurde der Jugendfilm in und ums südhessische Heppenheim an der Bergstraße am Rande des Odenwaldes. Abgesehen von dem Umstand, dass man den Schauplatz für einige (wenige) malerische Aufnahmen in den Weinbergen nutzte, spielt das bürgerliche Umfeld für die Geschichte eine entscheidende Rolle. In einem Ort, wo jeder jeden kennt, kann man sich im Gegensatz zur Großstadt nicht in die Anonymität flüchten, Morgens ziehen die Kinder die Gardinen zu, damit niemand die Blessuren der verzweifelten Mutter zu Gesicht bekommt.

    Nicht nur der Vater handelt zwischen verzweifelten, sanftmütigen Bitten um Vergebung und aggressiven Gewaltschüben, die fast immer außerhalb des Bildes geschehen. Stete Stimmungsschwankungen zeigen alle fünf Familienmitglieder: Im einen Moment schwört man noch Zusammenhalt, doch im nächsten Augenblick lässt man den Gedanken an Widerstand resigniert und aus falscher Loyalität wieder fallen.

    Jedes der drei Mädchen reagiert auf eigene Weise: Demonstrativ wirft sich die kleine Moni auf den Boden und stellt sich tot. Mit unflätigen Kraftausdrücken beschimpft sie zudem ihre pubertierende Schwester Johanna, falls etwas nicht nach ihrem Willen geht, oder verpetzt sie an die Eltern. Die im Fokus des Films stehende Johanna dreht ihre Musikanlage auf maximale Lautstärke, um die Auseinandersetzungen nebenan zu übertönen. Stärker konzentriert sie sich allerdings auf ihren eigenen Beziehungskosmos, in dem häusliche Konflikte oder das Aufpassen auf die jüngere Schwester als Ballast empfunden werden. Auch die ältere Tochter Claudia, die längst auszog, agiert mit Drohgebärden und Aggressionen, sobald nur des Vaters Name fällt.

    Gelegentlich gibt es Momente, wo die Geschichte droht, in die Untiefen des deutschen Betroffenheitskinos umzukippen. Doch Nicole Armbrusters vielschichtiges Drehbuch umschifft diese Gefahr mit ambivalent angelegten Charakteren, Anflügen von bitterem Humor und einem Verzicht auf einfache Problemlösungen. Nur der Umstand, warum Moni eigentlich keine Freundinnen hat, bleibt unverständlich. Kirsi Marie Liimtainen glänzt mit einer subtilen Inszenierung, die dem Zuschauer die (familiären) Zusammenhänge und die Vorgeschichte nur langsam offenbart.

    Zu Recht wurde der Film "Festung" unter anderem auf dem Filmfestival Max Ophuels Preis 2012 mit dem Preis der Jugendjury sowie auf dem Internationalen Kinderfilmfestival LUCAS mit einer lobenden Erwähnung geehrt.

    Fazit: Der stilsichere Jugendfilm "Festung" überzeugt als Coming-of-Age-Drama und Studie zur häuslichen Gewalt, der ganz die kindliche Perspektive einnimmt.
  • Sensibles, erschreckend glaubwürdiges (Seelen)Drama um die Auswirkungen familiärer Gewalt auf eine 13-jährige Teenagerin.

    Was häusliche Gewalt wirklich anrichtet, wie das gesamte Umfeld darunter leidet, wie Vertuschen und Schweigen die Missbrauchsspirale am Laufen halten, das definiert die finnischstämmige Regisseurin Kirsi Marie Liimatainen auf eindringliche, beklemmende Art. Ihr in allen wesentlichen Funktionen aus Frauenhand stammendes Drama wählt die Perspektive einer 13-jährigen, formuliert wie ihr Debüt “Sonja” ein Coming-of-Age, das jedoch überschattet ist von einer andauernden Situation des Ausgeliefertseins, was eine fast unerträgliche Spannung erzeugt, der man sich kaum entziehen kann.

    Eine Riege starker Darstellerinnen trägt diese seriös inszenierte, nie das Reißerische oder Melodramatische bemühende Studie über den jähzornigen Familienvater Robert (ebenfalls frappierend echt: Peter Lohmeyer), dessen Gewaltausbrüche man selten direkt erlebt, deren Auswirkungen aber umso verheerender wüten, gerade weil sie subtil und in allen Facetten erforscht werden. Er zieht nach zeitweiliger Trennung wieder ein bei seiner Frau Erika und den beiden Töchtern, der kleinen Moni und eben Johanna, aus deren Sicht die verhängnisvollen Entwicklungen ihren Lauf nehmen. Einzig ihre ältere Schwester Claudia (Karoline Herfurth mit einer Gänsehaut-Leistung) ist aus dem Elternhaus geflüchtet und protestiert lautstark, wofür sie kollektiv bestraft wird. Sie lebt die Emotionen aus, die sich die anderen Opfer verbieten und damit zu Mittätern werden.

    Robert gelingt es, alle anderen so einzuwickeln, dass sie die Prügel an der depressiv-wehrlosen Mutter teilweise mittragen, was sie innerlich zerreißt und untereinander spaltet. Unter diesen Umständen kann die ohnehin einsame Außenseiterin Johanna an ihrer Schule kaum Kontakte knüpfen. Als sich zwischen ihr und dem stillen Christian eine Beziehung entwickelt, setzt sie diese mit immer neuen Lügen aufs Spiel, auch weil sie mit ihrer Verantwortung für die kleine Schwester überlastet ist.

    Wenn sie ihre Mutter blutüberströmt in den Trümmern des Mobiliars vorfindet, sind das nur die krassesten Spuren des Grauens. Weit tückischer setzen sich die Aggressionen fort, vor allem seelisch: in verbaler Gewalt, in verstörenden Veränderungen von Verhalten und Charakter. Das Schlimmste des pathogenen Familienzustands ist das Verschweigen, das Heucheln des Scheins. Daraus resultierende, nachgerade ungeheuerliche Lügen bringen jeden Akteur psychisch ans Limit, was die Darstellerinnen, einschließlich der Debütantin Elisa Essig als Johanna, mit Bravour meistern. Aber Einschüchterung, Scham und Angst wechseln sich ab mit schönen Momenten von Zuflucht und Hoffnung. Liimatainen zeigt ein Leben mit Gewalt realitätsnah und vielschichtig. Und schonungslos. tk.

Darsteller und Crew

Kommentare