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Elegy oder die Kunst zu lieben (2008) Film merken

Originaltitel: Elegy
Elegy oder die Kunst zu lieben Poster
 

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Filmhandlung und Hintergrund

Elegy oder die Kunst zu lieben: Exquisite Bestsellerverfilmung nach Philip Roth über eine amour fou zwischen Ben Kingsley als alterndem Professor und seiner Studentin Penelope Cruz.

Der prominente und etwas in die Jahre gekommene Professor David Kepesh hat es sich zur Angewohnheit gemacht, mit attraktiven Studentinnen nach Abschluss ihres Studiums strikt sexuelle Beziehungen zu unterhalten. So beginnt auch seine Affäre mit der schönen Consuela, die er nach gewohnter Manier zu unterwerfen versucht. Erst als sie Kepesh schließlich verlässt, wird ihm bewusst, wieviel Consuela ihm bedeutet: Ohne sie fühlt er sich alt und anfällig, sein sorgsam errichtetes Kartenhaus droht einzustürzen. Jahre später kehrt Consuela zu Kepesh zurück, doch nichts ist, wie es anfangs war.

Isabel Coixet

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Der ganze Film spiegelt sich in den Auge von Ben Kingsley, der so klein und so wirkungsvoll spielt. Mal keck, mal charmant, verführerisch, wissend, gewitzt, selbstironisch, gelehrt, arrogant, eitel, alt, jung, resigniert, voll Selbstmitleid, voll Liebe, voll Trauer: das ist David Kepesh, Mittelpunkt und wortgewandter Erzähler des Films, ein alternder Professor, der mit Vorliebe mit jungen Dingern rummacht. Ein Macho, ein Genussmensch, ein selbstverliebter Geck – den eine Frau inszeniert. Isabel Coixet hat sich bisher eher mit Krankheit und physischen Leiden befasst, in „Mein Leben ohne mich“ oder „Das geheime Leben der Worte“ – nun geht es um das moralische Leiden eines Mannes, der sich im Alter verschwinden sieht und der Angst hat, dass sein zweiter Frühling mit der schönen Consuela (Penelope Cruz) verblüht.

    Die Figuren des Films bilden dabei Standpunkte, ethische Auffassungen in Fragen von Beziehung, Liebe, Ehe, bilden ein moralisches Panorama in Fragen von Verantwortung und Nähe, Freiheit und Unabhängigkeit. George O'Hearn (Dennis Hopper), Kepeshs Freund, Pulitzerpreisträger und notorischer Schürzenjäger, lebt frei seine Lust – und ist verheiratet. Kepesh, der seinen Trieben den Deckmantel der Intellektualität, der Kultur, der Kunst überwirft, ist Schöngeist, Zyniker, Hedonist; weil vor seinem Büro an der Uni ein Schild mit der Hotline für sexuelle Belästigung aushängt, fängt er mit Studentinnen nichts an, erst wenn sie ihren Abschluss haben – immerhin war er so konsequent, sich scheiden zu lassen.

    In Consuela, der jungen Studentin, verliebt er sich heftig wie nie – sie ist rein, katholisch, begierig zu lernen und zu reifen. Während Kepeshs langjährige Immermalwiedersexbeziehung, die ältere Carolyn, selbst eifersüchtig ist auf die Jugend, besitzergreifend, was Kepesh angeht – obwohl sie nie mehr verbunden hat als entspannende Ficks. Und Kepeshs Sohn (Peter Sarsgaard), der erfolgreiche Arzt, mit dem sich Kepesh seit seiner Scheidung nicht versöhnen kann, ist nur scheinbar glücklich verheiratet, sein monogames Weltbild zerbricht, als er sich anderweitig verliebt…

    Aus all diesem formt Coixet kein Traktat. Still, einfühlsam inszeniert sie ein Drama, das von der Selbstverliebtheit Kepeshs zu seiner Ergebenheit führt, über die Stationen des Glücks, der Angst, der Selbstverletzung – ein wunderbarer Schauspielerfilm, ein Film der intimen Orte und der tiefliegenden Gefühle. Ein Film, der die Verschränkung des Lebens als Kunstwerk mit der Kunst zu leben beschreibt, ein Film schließlich des Todes – doch auch hier gerät der Film nicht auf die billige Soapopera-Schiene, sondern schließt Consuela und Kepesh noch einmal, am Ende, kurz, lässt auch Consuelas Blickwinkel, ihre Ängste erkennen. Wo sich Kepesh um den Verlust seiner nicht nur körperlichen, auch geistigen Jugend sorgt, da befürchtet Consuela den Verlust ihrer Schönheit. Die Triebe, der Wunsch zu ficken, transzendieren zum Bedürfnis nach Nähe, nach Verständnis. Auch wenn es dafür dann zu spät ist.

    Fazit: Ein emotionaler, tiefsinniger Beziehungsfilm nach Philipp Roths „The Dying Animal“, einfühlsam inszeniert und mit meisterhaften Darstellerleistungen.
  • Exquisite Bestsellerverfilmung nach Philip Roth über eine amour fou zwischen Ben Kingsley als alterndem Professor und seiner Studentin Penelope Cruz.

    Literaturverfilmungen haben es in sich. Und wenn ausgerechnet eine Regisseurin wie Isabel Coixet sich an Philip Roths Roman “Das sterbende Tier” traut, darf man gespannt sein, wie die Regisseurin von wenig sinnesfreudigen Dramen wie “Mein Leben ohne mich” oder “Das geheime Leben der Worte” die Rothschen Machofantasien und Monologe in den Griff kriegt. Um es vorweg zu sagen: Sie schafft es in einer Kombination von Texttreue, Intuition und Innovation, dass Roth-Leser sich vielleicht im falschen Film wähnen, aber immerhin in einem sehr guten. Der klugen Spanierin fallen zu ausgedehntes männliches Selbstmitleid und Selbstbespiegelung zum Opfer. Ihr unvoyeuristischer Blick auf das ungleiche Paar – der erfahrene und prominente Professor, der vor dem Alter zittert und glaubt, sich durch eine junge Frau Jugend pachten zu können und die Literaturstudentin, die in ihrer verführerischen Makellosigkeit den Womanizer verwirrt, aus ihrer Bewunderung und ihrem Gefühlschaos in die Eigenständigkeit wächst und Konsequenzen aus seiner emotionalen Verkümmerung zieht – ist von Zärtlichkeit geprägt. Da ist Consuela, die diesem Mann arglos Leidenschaft entgegenbringt und dem Zyniker damit Angst macht, David Kepesh, der niemanden zu nah an sich heran lässt und Unsentimentalität wie ein Label trägt, zu spät merkt, was er verloren hat, sein Kumpel (Dennis Hopper), mit dem er in Squash-Center und Sauna über das andere Geschlecht herzieht, seine langjährige Geliebte (Patricia Clarkson), die irgendwann allein sein wird und sein Sohn, dem er ein schlechter Vater ist. Wenn die unheilbar an Krebs erkrankte Consuela nach sechs Jahren Trost suchend zu ihm zurückkehrt, könnte das in schrecklichen Kitsch ausarten. Tut es aber nicht. Sex, Liebe und Tod – eine Symbiose. Wenn sie vor der Brust-Operation ihre noch perfekten Formen von ihm fotografieren lässt, um sie im Bild zu bewahren, zeigt sich Penelope Cruz nicht nur physisch, sondern auch seelisch nackt. Mit einem Gesicht, in dem man wie in einem offenen Buch die Trauer über Vergänglichkeit liest, den schmerzlichen Abschied von körperlicher Unversehrtheit.

    Bei Coixet geben sich zwei Menschen in ihrer Verletzlichkeit preis, Ben Kinsley offenbart in einer Super-Performance als hilfloser Beziehungsstratege die Ambivalenz zwischen Lebenskunst und Lebenshass, die Selbstzerstörung durch mangelnden Willen zum Glück. Der Wechsel von Roth’ durch und durch maskuliner Perspektive hin zu Coixets differenziert weiblicher machen aus dieser gewagten Buchadaption großes Kino über die Flüchtigkeit des Lebens. mk.

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