Ein gutes Herz (2009)

Originaltitel: The Good Heart
Ein gutes Herz Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (2)
  1. Ø 5
Kritikerwertung (1)
  1. Ø 4

Filmhandlung und Hintergrund

Ein gutes Herz: Kauzige Komödie über die ungewöhnliche Freundschaft zwischen einem griesgrämigen, menschenfeindlichen Kneipier und einem sanften und gutmütigen Obdachlosen.

In seiner heruntergekommenen New Yorker Kneipe steht Jacques jeden Tag hinter dem Tresen, um dem Leben zu trotzen und seine Stammgäste mit vertrauter Giftigkeit zu unterhalten. Dass der Menschenfeind trotzdem, auch nach dem fünften Infarkt, noch ein Herz hat, beweist er bei Lucas. Dem sanften obdachlosen Jungen versucht Jacques, Unterricht in Kneipen- und Lebensführung zu erteilen. Fast scheint der Plan, ihn zum Nachfolger aufzubauen, aufzugehen. Doch eine Frau bringt die keimende Männerfreundschaft durcheinander.

Videos und Bilder

Auf DVD & Blu-ray (1)

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Obwohl der Isländer Dagur Kari, bekannt durch die getragenen Außenseiterballaden „Nói Albinói“ und „Dark Horse“, inzwischen mit internationaler Besetzung dreht, bleibt er ganz seiner Kombination aus lakonischem Humor, einfühlsamer Beobachtungsgabe und dramatischen Elementen treu. Schon vorher pendelte der Filmemacher bei der Produktion seiner Kurz- und Langfilme stets zwischen Island und Dänemark. Wie weitere nordische Kollegen wählte Kari den Weg zum US-Indiekino, wobei er neben manchen Crewmitgliedern in einer Nebenrolle als Kneipengast den korpulenten Nicolas Bro („Kommissarin Lund“) erneut besetzte, zuvor Hauptdarsteller bei „Dark Horse“.

    Als männliche Protagonisten trifft man wieder auf Paul Dano und Brian Cox, die acht Jahre zuvor in Danos Leinwanddebüt „L.I.E. – Long Island Express“, einer packenden Pädophiliestudie, schon einmal eine seltsame (Ersatz-)Vater-Sohn-Beziehung eingingen. Gewissermaßen handelt es sich bei „Ein gutes Herz“ um deren leichtere Variante, obwohl die Figuren hier etwas unterschiedlicher angelegt sind. Durch den Aufeinanderprall zweier völlig verschiedener Welten entwickelt die skurrile, bedächtige Geschichte ihren Humor.

    Auf der einen Seite steht der von Cox verkörperte, desillusionierte Kneipenbesitzer und Säufer Jacques, der von seinen misanthropischen Ansichten keine Spalt abzurücken bereit ist und Neuerungen auf den Tod nicht ausstehen kann. Seine negative Weltsicht drückt sich in einem zynischen Humor aus, mit dem er Bekannte begrüßt und Fremde verjagt. Ganz anders reagiert der weltfremde, allzu naive Obdachlose Lucas, dem Werte wie eigener Besitz nichts bedeuten, weshalb er in einer schäbigen Papphütte lebt und sein ganzes Vermögen verschenkt. Nachdem das Schicksal oder besser Jacques fünfter Herzanfall sowie Lucas Selbstmordversuch beide zusammen führt, kommen sie zunächst nicht gerade bestens miteinander aus.

    Doch ihre differenten Lebensroutinen und unkonventionellen Einstellungen bieten Anlass für Reibungsflächen, die Dagur Kari nüchtern und trocken in Szene setzt. Hier schlägt das unterkühlte nordische Tempo selbst bei einer Independentproduktion im Stil von Jim Jarmush durch. Weiteren Anlass für Komik bietet der Auftritt von Jacques Säufergemeinde, die sich bald bestens mit Lucas versteht und deren Macken für diverse Running Gags sorgen. Als dann eine mittellose Französin ins Leben des linkischen Jungen stürmt, erzeugt ihr so schutzbedürftiges wie selbstbewusstes Auftreten zusätzliche Turbulenzen. Nun treibt ein weibliches Wesen einen Keil zwischen das längst eingespielte Team, weshalb Lucas eine Entscheidung fällen muss.

    Über weite Strecken stimmen Timing und Atmosphäre. Dagur Karis eigener Soundtrack als Teil des Duos Slowburn trägt wesentlich zur stimmungsvollen Untermalung eines New Yorks der Verlierer und Underdogs bei, die sich nicht unterkriegen lassen. Leider zeichnet sich das tragische Finale schon in den ersten Minuten im Krankenhaus ab, worauf ebenfalls der doppelsinnige Titel einen eindeutigen Hinweis liefert. Doch das schädigt den melancholisch-poetischen Film nicht allzu nachhaltig.

    Fazit: Tragikomische Freundschaftsballade mit einigen hinreißend witzigen Einlagen und reichlich schrägem Personal.
  • In einem Milieu, in dem der Leber eigentlich die zentrale Rolle zufällt, zeigt Dagur Káris Dramödie Herz und kauzige Unterhaltungsqualitäten.

    Eine Kneipe, in der die Rauchschwaden so dicht hängen wie die immergleichen Typen sich an den Tresen drängen – im Revier von Charles Bukowski hat sich der dritte Spielfilm des Isländers Kári (“Dark Horse”) eingerichtet, um von der Annäherung zweier Charaktere zu erzählen, die dem Leben unterschiedlich entgegentreten. Lucas (Paul Dano), obdachlos und chronisch gutmütig, möchte es gerne verlassen, Jacques (Brian Cox), Barbesitzer und Menschenfeind, niemals davor kapitulieren, obwohl der fünfte Herzinfarkt limitierte Perspektiven verspricht. Als sich der sanfte Junge und giftige Alte im Krankenhaus kennenlernen, fällt Jacques eine Entscheidung. Er will Lucas Unterricht in Lebens- und Kneipenführung geben, damit dieser im Todesfall seine Nachfolge antreten kann. Hier zeigen sich erste Spurenelemente von Mitgefühl, die in Jacques’ ausgebranntem Herz überlebt haben und zum Motor einer Freundschaft werden, die sich ohne große Worte und Sentimentalitäten entwickelt.

    Cox genießt dabei sichtbar seine Rolle als monströser Misanthrop, der seine Stammkunden mit gepflegter Feindseligkeit wie lästige streunende Hunde behandelt, lässt aber immer durchschimmern, dass Menschlichkeit in ihm nur verschüttet, nicht vernichtet ist. Im Unterschied zu diesem Entertainer der Streitkultur, der maßgeblich für den Humor des Films verantwortlich ist, spielt Dano den introvertierten Gegenentwurf, der mit Uneigennützigkeit und Seele den Eisberg langsam tauen lässt, bis eine Frau die keimende Männerfreundschaft in Gefahr bringt. Isild Le Besco verkörpert diese Figur, die den Film etwas willkürlich betritt und verlässt, noch rätselhafter wie andere wirkt, die Le Besco im französischen Kino dargestellt hat, und zu konstruiert für die realistische Milieuzeichnung des Films erscheint, der trotz dramatischer Akzente eher Komödie ist und ganz von seinen Hauptdarstellern lebt, die bereits 2003, in deutlich kontroverseren Rollen, das Indie-Drama “L.I.E. – Long Island Expressway” zum Erfolg führten. Neben einem guten Herz zeigt Regisseur Kári auch guten Instinkt, Cox und Dano die Rollen anzuvertrauen, für die einmal Ryan Gosling und Tom Waits, Veteran lakonischer Jarmusch-Filme, vorgesehen waren. Im Unterschied zu Jarmusch geht er dabei stilistisch in die Offensive, bringt seinen Film der Enge und Nähe im Cinemascope-Format ins Kino. kob.

Darsteller und Crew

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