Dogville (2003)

Dogville Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Dogville: Radikal inszenierter Thriller, in dem eine junge Frau während der Zeit der Depression auf der Flucht vor Gangstern und Polizei in einer kleinen Gemeinde der Rocky Mountains Zuflucht sucht.

Auf der Flucht vor einer dunklen Vergangenheit landet Grace (Nicole Kidman) Anfang der 30er Jahre in einem scheinbar idyllischen, abgelegenen Bergdorf in den Rocky Mountains. Unter den Bewohnern macht sich die schöne, junge Frau nach anfänglichem Misstrauen mit ihrer freundlichen, grenzenlos gütigen Art zunächst einige Freunde, was sich jedoch ändert, als man ihre Notlage erkennt und auszunutzen beginnt. Weil von Gangstern und der Polizei gesucht, muss Grace Schikanen und Übergriffe ertragen, sich ausnutzen und versklaven lassen.

Mit einfachsten und zugleich radikalsten Mitteln auf fünfzig Quadratmeter Studiobühne vor aufgemalten Stadt- und Landkulissen zelebriert Ex-Dogmatiker Lars von Trier knallhartes Schuld- und Sühnedrama mit einer absoluten Starbesetzung. Neben Kidman gehen Altstars wie Lauren Bacall, Blair Brown, Ben Gazzara, James Caan, John Hurt und Germanys Udo Kier an den Start.

In einem amerikanischen Bergdorf in den Rocky Mountains im Jahr 1930 taucht wie aus dem Nichts eine geheimnisvolle junge Frau auf und findet Unterschlupf. Zunächst freundlich und hilfsbereit, ändern sich jedoch die Gefühle der Einwohner gegenüber der einfachen Frau, als sich herausstellt, dass diese von der Polizei und ihrem Vater, einem einflussreichen Mafiaboss, gesucht wird.

Die junge Grace flüchtet sich vor einer Gangsterbande in ein isoliertes Bergdorf, wo sie die Gemeinde, allen voran Autor Tom, aufnimmt und beschützt. Der Preis: Sie erklärt sich bereit, jedem der Bürger zur Hand zu gehen. Doch die Idylle währt nur kurz. Bald wollen die braven Menschen mehr als nur Graces Arbeitskraft. Schließlich gehen sie doch ein hohes Risiko ein, einer Flüchtigen Unterschlupf zu gewähren. Und so mehren sich die Übergriffe auf die junge Frau, die schnell und schmerzhaft lernt, das Nächstenliebe und Güte relative Begriffe sind.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Eine 50 mal 50 Meter große Bühne, aufgemalte Straßen und Häuser, Rudimente von Requisiten und ein paar Beleuchtungstricks, 15 Schauspieler – mehr ist nicht in “Dogville”. Doch trotz dieser künstlichen, spartanischen, gezielt theaterhaften Umgebung gelingt es Lars von Trier in seinem formal radikalen, inhaltlich ergreifenden Cannes-Aufreger über eine Gangsterbraut in der Depressionsära, die sich vor ihren Häschern in eine hermetisch abgeriegelte Berggemeinde in den Rocky Mountains flüchtet, eine ganze Welt glaubwürdig erstehen zu lassen. In deren Mittelpunkt steht wie schon in “Breaking the Waves” und “Dancer in the Dark” eine Frau, der wieder die gesamte Last des Universums aufgebürdet wird. Und doch lässt es Oscar-Gewinnerin Nicole Kidman in einer Tour de Force niemals zu, sich als Opfer ausbeuten zu lassen, was letztlich auch Ausgangspunkt für einen überraschenden und furiosen Showdown des allemal Palme würdigen, Anti-Dogma-Films ist, der vor allem in Großstädten hohe Wellen nicht brechen, sondern schlagen sollte.

    Inspiriert worden zu seinem Planspiel, so berichtet von Trier in den Presseunterlagen, sei er von der Kritik amerikanischer Journalisten, wie er es sich habe erlauben können, “Dancer in the Dark” in den USA anzusiedeln, ohne das Land selbst jemals besucht zu haben. Aber selbstverständlich ist das resultierende Schuld- und Sühnedrama kein Schlüsselfilm über Amerika (oder gar antiamerikanisch), wie von Trier in Cannes angelastet wurde, sondern bestenfalls über eine Vorstellung von Amerika, wie man es aus dem Kino kennt. Nicht von ungefähr wählte er deutlich wiedererkennbare Elemente eines ur-amerikanischen Genres, des Gangsterfilms, die Ära und Location bedingen und einen spielerischen Rahmen für den strengen Kraftakt “Dogville” bilden, dessen weitere deutliche Vorbilder europäischen Ursprungs sind. Das Theater von Brecht, Dürrenmatt (besonders “Der Besuch der alten Dame”) und Beckett sowie britische Fernsehadaptionen von Theaterstücken in den 50er Jahren bilden eine potente Ursuppe, aus der von Trier mit vollen Händen schöpft, um in neun Szenen plus Prolog und Epilog seine universellen Untersuchungen über die Bestie Mensch anzustellen.

    Fremd und anstrengend wirkt der Film auf den ersten Metern: Eine gewisse Aufgeschlossenheit des Publikums ist schon erforderlich, die ungewöhnliche Kulisse der minimalistischen Fingerübung anzunehmen. Wie ein Monopolyspiel sieht die Welt von “Dogville” in der ersten Totalen von oben zunächst aus. Straßen und Häuser sind ebenso aufgemalt wie Büsche, Hügel oder eine Miene am Rand des Dorfs. Bruchstücke von Requisiten verleihen dem einzigen Raum, den man während der gesamten Dauer sehen wird, Struktur und Tiefe. Tag und Nacht werden durch weiße, bzw. schwarze Rahmen um die Bühne gekennzeichnet. Es ist ein Vabanque-Spiel, auf das sich von Trier da einlässt, aber es ist auch deutlich erkennbar seine Herausforderung, die Abstraktion des Raumes mit allen gebotenen filmischen Mitteln zu überwinden. Das gelingt ihm zunächst einmal mit der außergewöhnlich beweglichen Kamera von Anthony Dod Mantle und einem allwissenden, omnipräsenten Erzähler (im Original: John Hurt), der Details offenbart, die man unmöglich sehen kann. Schließlich ist es aber die Wucht seiner Geschichte und die ungemein starke Leistung des Ensembles, zu dem neben Kidman mutige Jungstars wie Paul Bettany, Chloe Sevigny und Jeremy Davies und mit allen Wassern gewaschene Profis wie Lauren Bacall, Ben Gazzara, Philip Baker Hall und Patricia Clarkson gehören.

    Wenn Kidman als Grace, die auf ihrer Flucht vor schweren Jungs widerwillig von der Gemeinde aufgenommen wurde, nach etwa einer Stunde Laufzeit das (nicht vorhandene) Fenster im Haus eines blinden Mannes öffnet und ihr warme orange Sonnenstrahlen ins Gesicht fallen, ist die Illusion mit einem Mal perfekt. Fortan sieht man nur noch die Geschichte, die sich von Trier hat einfallen lassen: Wie der Engel Grace zunächst das komplette Dorf mit ihrer unendlichen Freundlichkeit und Güte für sich gewinnt. Wie das Idyll zerbricht, weil soviel Gutheit mehr und mehr nur noch die schlechtesten Seiten der Menschen von Dogville hervorkehrt. Wie Grace zunächst ausgenutzt, ausgebeutet und schließlich förmlich versklavt wird. Und wie die Geschichte im letzten Moment eine ungeahnte und schockierende Wendung nimmt, die ebenso zwingend und logisch wie auch spitzbübisch ist. Der Schalk sitzt von Trier in dieser todernsten Versuchsanordnung ohnehin im Nacken und macht – gemeinsam mit der gewaltigen Performance von Kidman – auch die härtesten Momente des Hundstage-Martyriums erträglich. Bleibt also nur noch abzuwarten, ob der Däne auch die beiden nächsten Kapitel in der angeblich als Trilogie angelegten Grace-Saga (Arbeitstitel: “Washington” (sic!) und “Manderlay” (sic!)) in ähnliche künstlerische Triumphe verwandeln kann. ts.

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