Diplomatie (2014)

Diplomatie Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Diplomatie: Volker Schlöndorffs Verfilmung des gleichnamigen französischen Theaterstücks um ein ausgefeiltes Duell der Worte zur Rettung von Paris 1944.

Dietrich von Cholitz (Niels Arestrup) dient nur einem Mann: Adolf Hitler. Als kommandierender General von Groß-Paris sorgt er 1944 dafür, dass sämtliche Befehle des Führers in der französischen Hauptstadt ausgeführt wurden. Nur einen Befehl verweigerte er und gerade das sicherte das kulturelle Erbe der Stadt. Als die alliierten Kräfte im August 1944 vor den Toren Paris\’ stehen, bekommt von Cholitz von Hitler den letzten Auftrag, Paris entweder bis aufs Blut zu verteidigen oder die Stadt lediglich als Trümmerfeld zu verlassen. Somit werden an den Brücken und sämtlichen kulturellen Denkmälern der Stadt, wie etwa am Eiffelturm, am Louvre und am Sacré-Cœur, Sprengsätze angebracht, die alles zum Einsturz bringen sollen. Dann tritt aber der schwedische Generalkonsul Raoul Nordling (André Dussollier) auf den Plan, der sich keiner Konfrontation fürchtet und von Cholitz zur Rede stellt. Es kommt zum Kräftemessen der besonderen und wichtigen Art...

Der Film \”Diplomatie\” basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Cyril Gély, die gemeinsam mit dem Regisseur des Films, welcher niemand Geringeres als Volker Schlöndorff ist, das Drehbuch zum Film schrieb. Die Hintergrundgeschichte ist allerdings nie so genau aufgeklärt worden. So wurde von Cholitz von den einen als \”Retter von Paris\” bezeichnet, der das kulturelle Erbe der Stadt trotz der Umstände gesichert habe. Der ehemalige französische Präsident Charles de Gaulle sprach sogar von einer Grundsteinlegung der späteren deutsch-französischen Versöhnung. Auf der anderen Seite hieß es aber auch, dass von Cholitz nicht über die nötigen Ressourcen verfügt hätte, um Paris dem Erdboden gleichzumachen. Zudem wurde ihm früh von den Alliierten klar gemacht, dass er entweder als Kriegsgefangener oder aber, wenn er den Plan durchziehe, als Kriegsverbrecher behandelt werden würde.

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Kritikerrezensionen

  • Das bewegende Drama "Diplomatie" konstruiert auf der Basis historischer Fakten eine weitgehend fiktive Auseinandersetzung zweier Männer, bei der es um das Schicksal von Paris geht. Der Einmarsch der Alliierten in die von den Deutschen besetzte Hauptstadt steht am 24. August 1944 unmittelbar bevor. Hitler hat dem Stadtkommandanten am Vortag befohlen, Paris zu zerstören, wenn es nicht zu halten ist. Regisseur Volker Schlöndorff ("Der neunte Tag", "Die Stille nach dem Schuss") inszeniert die Gespräche, die der schwedische Diplomat Raoul Nordling in dieser Nacht mit dem General führt, um eine Katastrophe zu verhindern, als packendes Kammerspiel. Das Drehbuch, das Schlöndorff mit Cyril Gély schrieb, basiert auf dessen gleichnamigem Theaterstück.

    Die realen Personen von Choltitz und Nordling verhandelten in den Tagen vor der Befreiung von Paris tatsächlich: um einen Waffenstillstand und den Verzicht auf die Bombardierung der Polizeipräfektur. Die Entscheidung, von der Zerstörung der Stadt in letzter Minute abzusehen, traf der deutsche General hingegen alleine. Nichtsdestotrotz beleuchtet der verbale Schlagabtausch im Film mit dem schwedischen Konsul exemplarisch das moralische Dilemma eines ranghohen Nazi-Militärs, der es gewohnt ist, Befehlen blind zu gehorchen. Nordling, der Zivilist, bemüht sich unermüdlich, den General von seiner Eigenverantwortung zu überzeugen. Die Argumente, die er aufführt, reichen bis weit in die Zukunft nach dem Krieg, appellieren an die persönliche Integrität. Je mehr sich die beiden Männer einbringen, desto ergreifender wird das Spiel von Niels Arestrup und André Dussollier.

    Schlöndorff inszeniert diesen psychologisch so spannenden Kampf der Worte als Hommage an die Diplomatie und ihre Mittel. Die Handlung spielt fast ausschließlich im Zimmer des Generals, nur ab und zu wechselt der Schauplatz kurz nach draußen oder es kommen andere Personen hinzu. Von der Stadt selbst gibt es wiederholt prächtige Ansichten, die verdeutlichen, was auf dem Spiel steht. Die Dramaturgie ist gekonnt aufs Wesentliche reduziert, nichts wirkt überflüssig oder gewollt.

    Fazit: Volker Schlöndorffs Kriegsdrama "Diplomatie" gerät mit dem packenden, intensiven Kammerspiel der herausragenden Darsteller Niels Arestrup und André Dussollier zur Hommage an die Kraft der Worte.
  • Spannendes Kammerspiel über das fiktive Treffen im Sommer 1944 zwischen dem deutschen General von Choltitz und dem schwedischen Generalkonsul Nordling, der die Zerstörung von Paris verhindern will.

    “Paris darf nicht oder nur als Trümmerfeld in die Hand des Feindes fallen”, so lautete Hitlers Befehl am 23. August 1944 angesichts des alliierten Vormarsches auf die französische Hauptstadt. Organisieren sollte die Wahnsinnstat der deutsche General Dietrich von Choltitz. Erst wenige Tage vorher zum “Kommandierenden General und Wehrmachtbefehlshaber von Groß-Paris” ernannt, führte der den Befehl nicht aus, sondern kapitulierte am 25. August 1944 und übergab die relativ intakte Stadt den Siegern. Über die Gründe der Befehlsverweigerung kursieren die unterschiedlichsten Spekulationen. Volker Schlöndorff reizte die politische Dimension und die Würdigung der Seinemetropole, die er bis in den letzten Winkel während seiner Tätigkeit als Regieassistent bei Louis Malle und Jean-Pierre Melville erkundete.

    Rein fiktiv beschreibt er die Schicksalsnacht vom 24. auf den 25. August. Choltitz und seine Männer haben alles für die Sprengung vorbereitet, Notre Dame, Louvre, Eiffelturm, die Seinebrücken, alle Wahrzeichen sind vermint. Der Tod von Hunderttausenden Bürgern wird in Kauf genommen. Über einen Geheimgang, den Napoleon III. benutzte, um ungesehen zu seiner Geliebten zu gelangen, steht plötzlich der schwedische Konsul Raoul Nordling vor dem überraschten Deutschen im Hauptquartier und will ihn von seinem Vorhaben abbringen, beschwört die Schönheit der Stadt und appelliert an Choltitz’ Verantwortung. Beginn einer hochspannenden Auseinandersetzung, die nicht eine Sekunde langweilt, obwohl der Ausgang bekannt ist. Zwar kannten sich beide durch Verhandlungen über Soldatenaustausch, aber das Gespräch selbst fand nie statt.

    Es geht Schlöndorff um die Psyche des deutschen Generals, nicht um historische Genauigkeit oder Authentizität, er lässt die Fantasie schweifen. Wie Diplomat und Soldat einander umkreisen, das erinnert an einen Boxkampf, an ein Kräftemessen, bei dem jeder den anderen beobachtet. Das gelingt perfekt, vielleicht auch weil die Darsteller Niels Arestrup (Choltitz) und André Dussollier (Nordling) schon in Cyril Gélys Theaterversion auftrumpften – wie jetzt auf der Leinwand in diesem brillanten Kammerspiel, ein scharfes Duell der Worte und des Intellekts. Vor allem Dussolliers schillernde Figur und seine Motivation bleiben undurchschaubar. Als dritte Figur punktet Paris mit seinem unzerstörbaren Mythos. Allein der Blick aus dem Fenster auf die nächtliche Stadt ist eine Liebeserklärung. mk.

Darsteller und Crew

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