Die Unsichtbare (2011)

Die Unsichtbare Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Die Unsichtbare: Porträt einer jungen Schauspielstudentin, die für ihre erste große Bühnenrolle an die Grenzen ihrer psychischen Kraft geht.

Einer jungen Schauspielschülerin fehlt die nötige Ausstrahlung, sie gilt bei ihren Lehrern als “unsichtbar”. Nur wenn nachts ihre behinderte Schwester keine Ruhe findet, traut sie sich, bei Gesang, Tanz und Spiel aus sich herauszugehen. Beim Vorsprechen entdeckt ein fanatischer Regisseur ihr Talent hinter der Schüchternheit und gibt ihr die Hauptrolle als Männer verschlingender Vamp, treibt sie psychisch und physisch an ihre Grenzen. Sie streunt mit blonder Perücke wie eine Fremde durch die Stadt, gewinnt an Selbstbewusstsein und taucht gleichzeitig ein in eine Welt der Selbstzerstörung.

Ein Regisseur erkennt das Talent einer verschlossenen Schauspielerin und erweckt dunkle Sehnsüchte in ihr. Porträt einer jungen Schauspielstudentin, die für ihre erste große Bühnenrolle an die Grenzen ihrer psychischen Kraft geht.

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Kritiken und Bewertungen

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  • „Besonders wertvoll”

    Fine besitzt nicht viel Selbstvertrauen. Als Theaterschülerin bleibt sie eher blass im Hintergrund, bei ihrer Mutter zuhause spielt sie die ewig zweite Geige neben ihrer geistig und körperlich behinderten Schwester. Als dann aber der berühmte Theaterregisseur Kaspar Friedmann gerade sie für die Hauptrolle in seinem neuen Stück besetzt, kann Fine es kaum glauben und ist bereit, für die Rolle bis an ihre Grenzen zu gehen. Doch wann ist diese Grenze erreicht? Der zweite Spielfilm des Jungregisseurs Christian Schwochow konzentriert sich klar auf die Hauptfigur der Fine, intensiv und grandios gespielt von Stine Fischer Christensen. Bis zur Schmerzgrenze erlebt der Zuschauer ihre Gefühle, ihr Leiden und ihren Triumph mit. Zudem wird ein authentischer Einblick in das Leben auf und hinter der Bühne gewährt. Schonungslos und offen in seiner Härte und doch mit zarten Untertönen - intensives eindringliches Filmtheater!

    Jurybegründung:

    Das Sichtbarwerden durch einen mit Schmerzen verbundenen Weg hin zur eigenen Identität geht die verschlossen wirkende Schauspielelevin Fine (Stine Fischer Christensen). Der bekannte Regisseur Kaspar Friedmann (Ulrich Noethen) sucht sich aus dem Kreis der Abschlusskandidaten die schüchterne Fine für eine Hauptrolle seines neuen Stücks aus, obwohl sie in ihrer Präsentation versagt hat. Es ist ihr zerbrechliches Wesen, das ihn fasziniert und ihre Formbarkeit als Erfüllung seiner Leistung an sie binden lässt. Diese beiden Protagonisten prägen einen Film, der eine Methode von Zurichtung von Schauspielern beschreibt, die durch die Hölle müssen, um zu Höchstleistungen zu kommen. Sie sollen dabei ganz in ihrer Rolle aufgehen und sie auch in ihrem realen Leben leben. Camille, die neue Rollenfigur, die Fine angeboten bekommt, ist das Gegenstück zu ihrem Versuch, nicht aufzufallen, sich unsichtbar zu machen. Fine hat noch nie mit einem Mann geschlafen, Camille im Stück hingegen ist ein sexbesessener Vamp, die "Sex so liebt wie Kuchen essen".

    Wir lernen Fine näher kennen. Bei der wichtigen Vorstellung ihrer Fähigkeiten zum Studienabschluss als Theaterschauspielerin vor Intendanten, Agenten und Regisseuren kommt sie fast zu spät und verpatzt auch noch ihren Einsatz. Sie ist eingeschlafen. Zuhause lebt sie bei ihrer Mutter und betreut ihre behinderte Schwester. Nachts vor allem raubt diese ihr den Schlaf. Fine tanzt und singt für sie, zeigt ihre schauspielerischen Fähigkeiten, damit die Schwester ruhiger wird. Alles dreht sich um die jüngere behinderte Tochter, für Fine bleibt nichts, nur weitere Auseinandersetzungen mit der gestressten Mutter. Fine braucht ihre Kraft nach innen, für das Außen ist alles aufgebraucht, sie will unsichtbar bleiben. Das ist der Ansatz des Theaterregisseurs Kaspar. Er verlangt von Fine, genau das Gegenteil zu sein, auch über ihre Grenzen hinaus: Camille mit allen Fasern ihres Handelns. Um sie soweit zu bringen, dazu ist ihm jedes Mittel recht.
    Ein Film über das Theater und seine Methode des "Method Acting", die Schauspieler nutzen, um sich mit ihrer Rolle perfekt zu identifizieren. Dank überzeugender Besetzung gelingt eine realitätsnahe intensive Darstellung einer Innensicht der Theaterarbeit und der Generierung von Hochleistung auf der Bühne. Die Verknüpfung mit dem realen Leben ist ebenso intensiv auf der Ebene der häuslichen Belastungen, die eine Zerreißsituation bedeutet, wie auch im Versuch, sich der Rolle Camille so zu nähern und anzugleichen, dass selbst ein Selbstmordversuch eingeschlossen ist. In ihrer Verkleidung als Camille beginnt Fine eine Beziehung zu einem "Tunnelbauer" aus der Nachbarschaft, der bindungsunfähig ist. Sie lässt sich vom Regisseur führen und antreiben, er kommt ihr zu nahe, verführt sie körperlich und verletzt sie damit. Ihre Hülle hat einen Riss bekommen. Die letzte Barriere der Scham vor der absoluten Nacktheit real auf der Bühne und im übertragenen Sinn als letzter Schritt zur Eigenständigkeit und Akzeptanz der eigenen Aufgabenstellung als Schauspielerin zeigt, dass Fine durch diesen Prozess gereift und nicht daran zerbrochen ist. Ihr Mentor dagegen, der Regisseur Kaspar Friedmann, erscheint weiterhin abhängig von der Obsession, durch Macht über Menschen Nähe herzustellen zu wollen. Er darf keine Entwicklung durchmachen mit seinen psychischen Macken und seiner Einsamkeit. Der Erzählstrang der häuslichen Situation wiederum lebt von dem berührenden Verhältnis zwischen Fine und ihrer spastisch behinderten Schwester, die von Christina Drechsler unglaublich intensiv gespielt wird, während die Mutter nicht die gleiche Tiefe durch ihre fehlende Reflexion erreicht.

    Der Film ist sehr gut erzählt und montiert, in sich schlüssig ohne Brüche, bis auf die etwas romantisierende positive Veränderung der behinderten Schwester zum Schluss, mit einer starken und klaren Handschrift von Regisseur und Co-Autor Christian Schwochow inszeniert. Eine faszinierend spannende psychologische Studie über den Reifungsprozess von einer an sich zweifelnden Schauspielschülerin hin zu einer erwachsenen Künstlerin: Fine ist nicht mehr unsichtbar.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Die „unsichtbare“ Fine wird auf ihrem Weg in die Sichtbarkeit begleitet. So wie die Schauspielschülerin anfangs noch auf der Bühne untergeht, so soll sie bald atemberaubende Darbietungen bringen.

    Der Film „Die Unsichtbare“ zeigt emotionsgeladene und facettenreiche Bilder aus der Theaterwelt. Mit zahllosen Szenen versuchen sich junge Berliner Schauspielschüler vor Regisseuren und Fachpublikum zu beweisen, in schnellen und pointierten Schnitten sehen wir ihre kurzen Inszenierungen. Immer lauter und immer schriller werden ihre Darbietungen, nur Fine schläft auf der Bühne ein.

    In der ungewöhnlichen Frau sieht Regisseur Friedmann etwas Besonderes und gibt ihr durch seine Besetzung gleichzeitig eine Chance sowie eine Herausforderung. Herausragend ist im Film tatsächlich die schauspielerische Leistung ihrer Darstellerin Stine Fischer Christensen. Ihr gelingt es, den Zuschauer auf mehreren Ebenen in Bann zu ziehen: Sowohl als schüchterne Fine, als forsche Camille und auch in ihrer Entwicklung einer Figur, deren Theaterrolle und deren Rolle im Leben zunehmend kollidieren.

    Als Fine zum ersten Mal im Alltag in Ihre Rolle schlüpft, baut Fine geschickt Camilles Texte in ihr Leben ein. Trockene und derbe Dialoge sind dabei eine Stärke des Drehbuches. Ihrem unverhofftem Date, dem Tunnelbauer Joachim (Ronald Zehrfeld), erzählt sie, dass sie mit vier Jahren von ihrem Vater vergewaltigt wurde. „Manche Eltern kümmern sich gar nicht um ihre Kinder,“ erwidert dieser darauf. Von hier an zieht uns der Film mit zunehmend unbarmherziger Kälte in seinen Bann und auch wir erliegen bald der Faszination Camilles.

    Kulisse für den Film sind düstere Innenräume wie ein mit Neonlicht bestrahlter Probenraum, dunkle U-Bahnschächte und nächtliche Appartements. Im Versuch aus diesen beklemmenden Rahmen zu entkommen lernt Fine, dass sie nicht mit dem Kopf durch die Wand rennen kann. Auch als ihr Joachim eine Flucht ins Ausland anbietet, bleibt diese Möglichkeit ungenutzt. Fine konzentriert sich auf ihren Traum, auf der Bühne zu stehen und überschreitet dabei jegliche Grenzen.

    Fine gibt sich selbst auf, um ihre Rolle zu entwickeln – entgegen dem Rat ihrer Mitschüler. Man möchte sagen, sie lässt sich von ihrem Regisseur prostituieren; sie findet auf diesem Weg jedoch auch auf merkwürdige Weise zu sich selbst. Auch wenn der schauspielerische Prozess stets auch ein Prozess der Selbstfindung ist, so intensiv und kritisch wurde dieser nur selten filmisch beleuchtet. Darren Aronofsky’s „Black Swan“ ist ein Film, der die Thematik ähnlich intensiv aufgreift, doch im Gegensatz zum Konkurrenzdruck zwischen Schauspielerinnen in „Black Swan“ konzentriert sich „Die Unsichtbare“ ganz auf den inneren Konflikt zwischen Darsteller und Rolle. Niemand möchte unsichtbar sein, schon gar keine Schauspielerin. Für Fines Wiedergeburt setzt sie einen selbstzerstörerischen Prozess in Gang und riskiert dabei alles, auch ihre Familie und sich selbst. In „Die Unsichtbare“ kommt dabei die Frage auf, ob die Dinge nicht manchmal so bleiben sollten, wie sie sind, und welchen Preis wir bereit sind, für eine Veränderung zu zahlen.

    Fazit: Ein emotionaler und intensiv gespielter Film voller Überraschungen. Die junge Schauspielschülerin Fine muss über sich selbst hinauswachsen und riskiert dafür eine Gratwanderung zwischen Theaterwelt und realem Leben, deren Grenzen verschwimmen.
  • Porträt einer jungen Schauspielstudentin, die für ihre erste große Bühnenrolle an die Grenzen ihrer psychischen Kraft geht.

    Das Streben nach Perfektion zu verfilmen – nach “Black Swan” liegt die Latte hoch. Davon lässt sich Christian Schwochow nicht einschüchtern, nach seinem Debüterfolg “Novemberkind” geht er das Thema mutig an und setzt auf die traditionelle Karte des fanatischen Regisseurs, der eine junge Schauspielstudentin gnadenlos an die Grenzen und darüber hinaus treibt. Seine Heldin Fine muss mit dem für eine Schauspielerin vernichtenden Urteil leben, nahezu unsichtbar zu sein. Nur wenn ihre geistig behinderte Schwester nachts mit dem Kopf gegen die Wand knallt, bricht sie heraus aus ihrem Kokon und bringt die Kleine mit Gesang, Spiel und Tanz zur Ruhe. Beim Vorsprechen entdeckt ein bekannter Regisseur die Verletzbarkeit und die Abgründe hinter der unauffälligen Fassade und engagiert das schüchterne Mädchen für die Hauptrolle des männermordenden Vamps, für den Sex “wie Kuchenessen ist”. Immer mehr verfällt sie dem Theatermacher und lässt sich manipulieren, streunt mit blonder Perücke durch die Stadt und macht Männer an, gewinnt an Selbstbewusstsein und taucht gleichzeitig ein in eine Welt der Selbstzerstörung.

    Das psychologisch komplizierte Drama spielt vorwiegend in dunklen Räumen und beklemmender Atmosphäre als Spiegelbild innerer Mauern und verbindet zwei Angst besetzte Bereiche, den des Erwachsenwerdens und den des Hungers nach Anerkennung. Dabei werden drei in sich verlorene und bindungsunfähige Individuen zusammen geführt – die sich selbst fremde junge Frau, ein 30Jähriger, den sie in Bann zieht und den besessenen Egomanen, der Schauspieler als seine Geschöpfe betrachtet. Das wäre genug Gefühlsdynamit gewesen für eine runde Geschichte, bei der Leben auf der Bühne und in Wirklichkeit kollidieren. Schwochow packt noch das familiäre Unheil obendrauf, die Verwundungen in der Kindheit, das Alleingelassensein durch eine Mutter, die sich nur um die kranke Schwester kümmert. Das ist manchmal etwas dick aufgetragen, aber Unstimmigkeiten und Klischees werden von einer grandios aufspielenden, von Schuldgefühl, Verantwortungsdruck und Mordlust geplagten Stine Fischer Christensen weggefegt. mk.

Darsteller und Crew

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