Die Klasse (2008)

Originaltitel: Entre les murs
Die Klasse Poster
Nicht mehr im Kino.
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  1. Ø 5
Kritikerwertung (1)
  1. Ø 5

Filmhandlung und Hintergrund

Die Klasse: Biographisches Drama über einen jungen Französischlehrer, der sich an seiner Schule in den Banlieus mit Schülern konfrontiert sieht, die noch nie ein Buch gelesen haben.

Der junge Lehrer François (François Bégaudeau) unterrichtet Französisch in einem Pariser Problembezirk. Gemeinsam mit Kollegen bereitet er sich auf ein neues Schuljahr mit Migrantenkindern vor, die kaum die Landessprache beherrschen, geschweige denn je ein Buch gelesen haben. Das weckt den Ehrgeiz des Idealisten, der nicht nur ungewöhnliche Lehrmethoden ersinnt, sondern in seinem Unterricht auch soziale Werte, Respekt und Toleranz vermittelt.

Der diesjährige Cannes-Gewinner ist die hervorragende Adaption eines autobiografischen Bestsellers von François Bégaudeau. Mit leidenschaftlicher Sozialkritik beschreibt Laurent Cantet (“Ressources Humaines”) fast dokumentarisch echt und emotional fesselnd ein Schuljahr im Banlieu.

Der junge Französischlehrer Franois unterrichtet an einer Schule in den Banlieus, wo er auf Schüler trifft, die noch nie in ihrem Leben ein Buch gelesen haben und im Zweifelsfall sauber gesprochenes Französisch nicht einmal verstehen. Der idealistische Francois lässt sich davon nicht entmutigen und greift bisweilen auch zu krassen Methoden, um zu seinen Schülern durchzudringen.

Ein neues Schuljahr beginnt in der Dolto Mittelschule im 20. Arrondissement in Paris. Der junge Lehrer François ist ein Kumpeltyp, er setzt auf logische Erklärungen statt Strafen und ist dabei durchaus konfrontativ. Dennoch stößt er immer wieder an die Grenzen. Trotzdem hält François auch zu den Problemschülern, die der Rest des Lehrerkollegiums schon abgeschrieben hat. Nach einem gewalttätigen Zwischenfall bleibt jedoch auch ihm keine andere Wahl mehr, als einem Disziplinarverfahren gegen einen seiner Schüler zuzustimmen.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Es ist dies ein Film über ein Sujet, das alle kennen: die Schule. Doch nicht Dr. Specht oder Michelle Pfeiffer (oder gar Dr. Gottlieb Taft) stehen vor der Klasse, sondern François Marin, ein junger Lehrer. Gespielt wird er von François Bégaudeau, der auch das Drehbuch wie den zugrundeliegenden Roman geschrieben hat und als Lehrer ganz von seinen eigenen Erfahrungen spricht. Seine Klasse im Film ist eine wirkliche Klasse, seine Kollegen sind wirkliche Lehrer. Und was geschieht, ist nicht vorgeformter filmischer Dramaturgie unterworfen, sondern dem Ablauf des wahren Lebens.

    Cantet inszeniert also die Geschehnisse einer fiktionalen Vorlage nach, die ganz direkt in der Realität wurzelt. Darsteller spielen sich selbst, improvisiert, echten Situationen ausgesetzt, verfolgt von zwei, drei Kameras, die natürlich nicht wissen, was genau als nächstes passiert, wohin die Bewegung geht. So verfolgt Cantet ein Schuljahr in einer Pariser Schule, irgendwo in einem Problemviertel mit Schülern aus allen Nationen.

    Und der Zuschauer ist direkt dabei, als wäre er eine kleine Maus im Klassenzimmer, wenn die Schüler sich gegenseitig dissen, gegen den Lehrer opponieren, Schwierigkeiten mit einfachsten grammatikalischen Fragen haben. Und wie François sich bemüht, gleichzeitig Vermittler von Wissen wie auch zwischen zwei, drei Streithähnen zu sein. Wenn schon nicht den ganzen Unterrichtsstoff, so will er doch soziales Benehmen, Respekt, Kommunikationsfähigkeit und, so gut es geht, Disziplin beibringen.

    Wobei sich nichts Spektakuläres ergibt, keine wirklichen Wende- und Höhepunkte, wie sie ein schematisches Dreiaktdrehbuch à la Hollywood einfordern würde. Sondern eine Dynamik, die sich ganz aus den Figuren und ihrer Lebensrealität speist. Wobei sich Cantat wirklich nur auf die Schule konzentriert, das Privatleben von Schülern und Lehrern außen vor lässt. Und dabei die Schwächen eines leistungsbezogenen Schulsystems offenbart, dem sich viele – vor allem in der Pubertät, aus sozial benachteiligten Schichten – weder fügen können noch wollen. Und einer Strafordnung unterliegen, in der sie nur die Unterlegenen sein können.

    Cantet zeigt, wie es ist; auch die trotzigen, aufmüpfigen Schüler, mit denen es ein Lehrer nicht leicht hat. Nur ganz subtil übt er Kritik: Da zeigt er Diskussionen in der Klasse, die sich immer wieder auf nebensächliche Details fokussieren – etwa den Namen in einem Beispielsatz, der Bill lautet und nicht etwa Achmed oder Aissata –, haarspalterische Wortgefechte, die von den Schülern sicher auch als Provokation vom Zaun gebrochen werden --- und setzt dem Lehrerkonferenzen entgegen, die eine ganz ähnliche verschwommene Debattenkultur aufweisen, die keine Prioritäten kennt und in der die schwierige Diskussion um ein neues Strafsystem direkt und nahtlos übergeht in eine mit ähnlicher Leidenschaft vorgetragenen Beschwerde über den um 10 Centimes teureren Kaffee im Kaffeeautomat.

    Gerade weil der Film so unmittelbar die Realität abbildet und sie doch zugleich prägnant auf den Punkt bringt – auch mit einer gewissen pseudodokumentarischen Stilisierung – ist er äußerst kurzweilig, glaubwürdig und zugleich politisch durchaus relevant. Geht es hier doch um die Klientel, die Monsieur Sarkozy vor wenigen Jahren, als er noch Innenminister war, mit einem Kärcher-Reiniger von den Straßen waschen wollte. Diese Mischung war es wohl auch, die dem Film (nicht zu Unrecht) die Goldene Palme beim diesjährigen Cannes-Filmfestival sicherte.

    Er wird auch wirklich dramatisch, wenn es dann gegen Ende verstärkt um Suleyman geht, der aus Mali kommt, eine negative Haltung an den Tag legt und von der Schule zu fliegen droht. Und dann steht auch immer wieder Fußball im Mittelpunkt, ist immer wieder Thema der mehr oder weniger kultivierten Diskussionen in der Klasse, mit Streit und bösen Worten; und klar: jede Nationalität hat ihre eigene Lieblingsheimatmannschaft. Am Ende des Schuljahres dann ein versöhnliches Fußballspiel zwischen Schülern und Lehrern als Ausklang – bis im Herbst der Kampf weitergeht.

    Fazit: Ein Film über das Schuljahr in einer Problemschule, wie ihn das Leben hätte schreiben können.
  • Dass ein kleines Projekt über eine Schulklasse den mit großen Namen bestückten Wettbewerb von Cannes gewinnen würde, hatte niemand auf dem Plan. Doch Laurent Cantets Film setzt neue Maßstäbe in Sachen Unmittelbarkeit und Realismus und verströmt zugleich einen unwiderstehlichen Optimismus.

    Ein neues Schuljahr beginnt in der Dolto Mittelschule im 20. Arrondissement in Paris, das überwiegend von sozial benachteiligten Einwandererfamilien bewohnt wird. Der junge Lehrer Franois ist ein sympathischer Kumpeltyp, der keine Lust hat, die Rolle des Klassen-Hierarchen zu spielen. Er setzt auf logische Erklärungen statt Strafen und ist dabei durchaus konfrontativ. Auch wenn er grundsätzlich den Draht zu seinen Schülern findet, stößt er immer wieder an die Grenzen. Etwa wenn die tunesischstämmige Esmeralda durchaus gewitzt argumentiert, dass es doch Blödsinn sei, Grammatikformen zu lernen, die kein Mensch mehr verwende. Oder wenn Souleymane aus Mali, der cool auf Rapper macht, nicht einmal gewillt ist, Stift und Papier auszupacken. Trotzdem lässt sich der tapfere Franois nicht entmutigen. Er hält auch zu den Problemschülern, die der Rest des Lehrerkollegiums schon abgeschrieben hat und lässt sich immer neue Methoden einfallen, um auch sie einzubinden und ihre Stärken zu fördern. Nach einem gewalttätigen Zwischenfall bleibt jedoch auch Franois keine andere Wahl mehr, als einem Disziplinarverfahren gegen einen seiner Schüler zuzustimmen.

    Laurent Cantets neuer Film mutet wie eine Doku an, und das kommt nicht von ungefähr. Das Drehbuch basiert auf dem autobiographischen Roman des Lehrers Franois Bgaudeau, der auch im Film den Pädagogen spielt – man kann kaum glauben, dass der Mann zum ersten Mal vor der Kamera steht, so brillant ist er. Cantet folgt Franois mit einer dynamischen Kamera und fängt die kleinsten Nuancen in seinem Gesicht ein, von stiller Verzweiflung bis zur Amüsiertheit. Auch die mit großer Energie agierenden Schüler sind Laiendarsteller, sie wurden in der Schule gecastet, in der gedreht wurde. Cantet setzt auf improvisierte Dialoge, verzichtet auf Musik und taucht die Bilder in angenehm entsättigte Farben.

    Ein bisschen “Half Nelson”, ein bisschen “Saat der Gewalt” und jede Menge Realismus: “Entre les murs” entfaltet eine Sogwirkung, je mehr man über die Protagonisten erfährt. Das ist umso bemerkenswerter, als der Film nie die Mauern der Schule verlässt und man etwa über das Privatleben des Lehrers so gut wie nichts erfährt. Diese Konzentration tut dem Film gut. “Entre les murs” zeichnet ein wahres Bild von den Rütlischulen dieser Welt und der zunehmenden Problematik der Ausgrenzung von sozial Schwachen, ohne dabei je sozialpädagogisch-mahnend den Zeigefinger zu heben. Stattdessen verbreitet der Film ganz nonchalant einen mitreißenden Optimismus. Eine Lektion, von der nicht nur Lehrer etwas lernen können. zim.

Darsteller und Crew

News und Stories

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