Die ewigen Momente der Maria Larsson (2008)

Originaltitel: Maria Larsson's Everlasting Moment
Die ewigen Momente der Maria Larsson Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (0)
  1. Ø 0
Kritikerwertung (2)
  1. Ø 4

Filmhandlung und Hintergrund

Die ewigen Momente der Maria Larsson: Familiendrama in Schweden zu Anfang des 20. Jahrhunderts.

Schweden, Anfang des 20. Jahrhunderts: Es herrschen schwierige, von Krieg und Armut bestimmte Zeiten, als die junge Putzfrau und Mutter Maria Larsson beim Glücksspiel eine Kamera gewinnt. Nachdem sie zunächst ihren Alltag weiterlebt, erinnert sie sich nach einigen Jahren wieder an die Kamera und sieht durch das Fotografieren ihre Umgebung in neuem Glanz erstrahlen. Sie begegnet dem charmanten Fotografen Pederson, der ihr Privatleben vollends durcheinanderbringt und nicht zuletzt den Unmut von Marias alkoholkrankem Ehemann auf sich zieht.

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

So werten die User (0)
5
 
0 Stimmen
4
 
0 Stimmen
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen
So werten die Kritiker (2 Stimmen)
5
 
0 Stimmen
4
 
1 Stimme
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen

Wie wertest Du? Klicke auf einen der Sterne:

Kritikerrezensionen

  • In den Siebzigern zählte Jan Troell zusammen mit seinem Lehrmeister Bo Widerberg und Ingmar Bergmann zu den Aushängeschildern des schwedischen Kinos, wobei ihm erfolgreiche Sozialdramen wie „Die Emigranten“ sogar eine kurze Karriere im US-Kino ermöglichten. Daran knüpft sein Alterswerk inhaltlich an, eine einfühlsame Studie der Fotografin Maria Larsson nach einer Biografie seiner Frau Agneta, die mit der ältesten Tochter der Protagonistin verwandt war. Ohne die Mitwirkung deutscher Koproduzenten (Ute Schneider und Christof Groos, einst bei Wim Wenders „Road Movies“) wäre Troells schon 2008 gedrehtes Werk wohl nie in unsere Kinos gekommen.

    Erneut zeigt sich der Altmeister am kargen Arbeitermilieu Anfang des vergangenen Jahrhunderts interessiert, wo die Bevölkerung zwischen mühsamer Jobsuche und Streikkonflikten oft nur seltene Glücksmomente fand. Diese verkörpern für die junge Mutter Maria Larsson eine bei der Lotterie gewonnene Fotokamera, mit der sie ihrer Umgebung manchen sinnlich-hintergründigen Schnappschuss entlockt. Schnell erkennt der freundliche Fotograf Sebastian Pedersen, genannt „Piff Paff Puff“ nach den damals verwendeten Magnesiumsblitzen beim Belichtungsvorgang, die Fähigkeiten seiner Kundin und ermutigt sie trotz fehlender Zahlungsmöglichkeiten, ihr dokumentarisches Talent weiter zu entwickeln. Über kurz oder lang bleiben Konflikte mit ihrem jähzornigen, aggressiven Mann nicht aus, der auf die finanzielle Einnahmemöglichkeit seiner Frau mit Misstrauen und bald unverhohlener Eifersucht reagiert.

    Trotz des düsteren Hintergrunds um die Unterdrückung zaghafter Emanzipationsversuche und Alkohol geschwängerter häuslicher Zwiste erzählt Jan Troell sein präzise entwickeltes Drama nie ohne Humor und poetische Momente. Den nuancenreichen Darstellerleistungen und seiner Inszenierungskunst ist es zu verdanken, dass etwa Familienoberhaupt Sigrid, verkörpert von Mikael Perbrandt aus der „Kommissar Beck“-Serie, zwischen Ausschweifungen und Versagensängsten nicht zum eindimensionalen Schlägertyp verkommt. Ebenso widmet Troell den drei Kindern (von insgesamt sieben) und ihrer Entwicklung über Jahre hinweg eine breite Aufmerksamkeit, was zur Charakterisierung sämtlicher Figuren und ihrer Biografie beiträgt. Der in einem Arbeitervorort von Malmö aufgewachsene Filmemacher kennt das Milieu aus eigener Erfahrung, weshalb er oft nur kurze Andeutungen benötigt, um soziale Konflikte und Hintergründe wie die langsame Industrialisierung glaubwürdig anklingen zu lassen. Allerdings kommt in Deutschland nicht die originale 130 Minuten-Fassung, sondern nur die gekürzte internationale Version zum Einsatz. Doch angesichts der bedächtigen Erzählweise mag diese Konzentration auf wichtige Stationen des Werdegangs vielleicht sogar von Vorteil sein. Jedenfalls wirkt das Ergebnis nie sprunghaft und gehetzt, wie es bei manchen Bearbeitungen für den Weltmarkt der Fall ist.

    Fazit: Meisterliche Epochenskizze um die künstlerische Karriere einer talentierten Hausfrau mit stimmiger Kameraarbeit und glaubwürdigen Darstellern.
  • Der schwedische Regiealtmeister Jan Troell setzt in seinem biographischen Emanzipationsdrama geschickt Privates mit Weltgeschichte in Kontext und beleuchtet, wie Film und Fotografie die Medienlandschaft verändert haben.

    Schweden zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Maria Larsson (Maria Heiskanen aus “Lichter der Vorstadt”) ist eine typische Frau ihrer Zeit. Ihrem Mann Sigfrid, genannte Sigge (Mikael Persbrandt, der Kollege von “Kommissar Beck”), schenkt sie sieben Kinder, duldet lange Jahre dessen Eskapaden und Saufexzesse. Eines Tages gewinnt sie bei einer Tombola eine Fotokamera. Obwohl sie mit ihr nichts anzufangen weiß, behält sie den Preis. Ein Entschluss, der ihr Leben verändert, als der Fotograf Pedersen (Jesper Christensen aus “Tage des Zorns”), Spitzname Piff Paff Puff, ihr die Funktion des Apparats beibringt, sie ermutigt, ihn doch auszuprobieren, und in ihr bald ein Naturtalent erkennt. Durch den Sucher sieht die Welt ganz anders aus, Marias Blick auf sich und die eigene Umgebung verändert sie nachhaltig.

    Der schwedische Regisseur Jan Troell, Jahrgang 1931, der zu Beginn der Siebzigerjahre mit den präzise beobachteten, sensiblen Einwandererepen “Emigranten” und “Das neue Land” für Furore sorgte, geht in seinem Alterswerk “Die ewigen Momente der Maria Larsson” nochmals zurück in die heimatliche Historie. Diesmal im kleineren, ja persönlichen Rahmen: Der Film fußt auf dem Roman seiner Frau Agneta Ulfsäter Troell (Drehbuch: Niklas Radström, Jan & Agneta Troell), die darin den biographischen Spuren ihrer Verwandten Maria Larsson folgt. Der Film wiederum wird als langer, verschachtelter Rückblick von deren Tochter Maja, gespielt von Callin Ohrvall, erzählt – als ebenso einfühlsame wie nachvollziehbare, wohltuend unspektakulär umgesetzte Emanzipationsgeschichte.

    Demzufolge spielt auch die Beziehung der Geschlechter zueinander eine wichtige Rolle. Wie sich das Verhältnis zwischen Maria und ihrem Mann langsam verändert, wie er sie mit anderen Augen zu sehen beginnt, als er ein Foto entdeckt, das sie ohne sein Wissen von den Kindern aufgenommen hat. Maria wiederum stellt plötzlich fest, dass sich auch andere Männer für sie interessieren, in diesem Fall der ältere Pedersen, der ihr ganz zaghaft den Hof macht. Dass man diesen, durchaus auch gesellschaftspolitischen, Veränderungen mit Interesse folgt, liegt an den vorzüglichen Darstellern, die ihre Figuren vielschichtig anlegen können, weil Troell Raum zur Entfaltung gewährt. So dämonisiert er etwa den gewalttätigen alkoholabhängigen Sigge nicht, sondern zeigt durchaus auch dessen positive Seiten auf.

    “Maria Larsson” ist Porträt einer großen Frau aus kleinen Verhältnissen, aber auch Geschichte vom Beginn einer neuen, die alte Weltordnung umstürzenden Epoche sowie Kommentar zur Rolle der damals jungen Medien Film und Fotografie. Entsprechend hat sich der Filmemacher, der gemeinsam mit Mischa Gavrjusjov auch die Kameraarbeit verantwortete, ästhetisch an den Bildern und der Bildsprache jener Tage orientiert. Er setzt auf klare, streng durchkomponierte Bilder, die in nostalgischen Sepiatönen gehalten sind, und baut zwischendurch Originalaufnahmen Larssons ein. Folgerichtig wird Sprache zurückhaltend eingesetzt, dient der Off-Kommentar primär dazu, Handlungszeiten und -ebenen miteinander zu verknüpfen. Jan Troell wird von Filmkennern gerne mit dessen Landsmann Ingmar Bergman verglichen – warum, das lässt sich hier gut nachvollziehen. geh.

Darsteller und Crew

News und Stories

  • Fakten und Hintergründe zum Film "Die ewigen Momente der Maria Larsson"

    Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

  • Arsenal: "Die ewigen Momente der Maria Larsson" auf DVD

    Arsenal Film wird am 29. Oktober 2010 das schwedische Drama “Die ewigen Momente der Maria Larsson” auf DVD veröffentlichen. Der Anfang des 20. Jahrhunderts spielende Filme erzählt die wahre Geschichte einer Frau aus einfachen Verhältnissen, die in der Lotterie eine Kamera gewinnt und daraufhin ihr Leben in die eigene Hand nimmt und beginnt, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Die DVD enthält deutsche und schwedische...

  • USA: Verleihung der "Golden Globe Awards 2009"

    Die Golden Globes 2009 werden heute, 11. Januar 2009, von der Vereinigung internationaler Filmjournalisten Hollywood Foreign Press Association – HFPA vergeben. Die feierliche Gala der 66th Annual Golden Globe Awards 2009 findet in Los Angeles, USA statt. Mit vier Golden Globes und vier Nominierungen räumt “Slumdog Millionär” überraschend die begehrte Auszeichnung in den Kategorien Bester Film, Beste Regie,  Bestes...

  • Globe-Nominierung für "Baader Meinhof"

    Das vielbeachtete RAF-Drama "Der Baader Meinhof Komplex" ist in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film für einen Golden Globe nominiert worden.

Kommentare