Die Boxerin (2005)

Die Boxerin Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (0)
  1. Ø 0
Kritikerwertung (1)
  1. Ø 4

Filmhandlung und Hintergrund

Die Boxerin: Das deutsche "Million Dollar Baby": Eine junge Außenseiterin in der ostdeutschen Provinz versucht, ihren Weg als Boxerin zu finden.

Die 19-jährige Joe (Katharina Wackernagel) aus Eberswalde hat keinen Bock, gängigen Girlie-Klischees zu entsprechen. Lieber braust sie auf ihrem Moped durch die Gegend, wenn sie nicht gerade mit Freundin Stella (Fanny Staffa) ein Bierchen zischt oder ihrem Chef die Klamotten vor die Füße wirft. Warum also nicht aus der Not eine Tugend machen und die Aggressionen im lokalen Boxclub in sozialverträgliche Bahnen lenken. Die männlichen Sportkameraden sind misstrauisch, aber Joe beißt sich durch.

Kein deutsches “Million Dollar Baby”, sondern eine lebensnahe Milieustudie erwartet den Kinogänger im dffb-Abschlussfilm von Catharina Deus.

Die fast erwachsene Joe, eine ruppige Außenseiterin, fristet ihr Dasein irgendwo in der ostdeutschen Einöde um Eberswalde. Der Vater ist tot, die Mutter ohne Perspektive, und sie selbst Stammgast auf dem Arbeitsamt. Einzigen Halt geben ihr ihr altes Moped, ihre flippige Freundin Stella und die verehrten Boxer-Devotionalien des toten Vaters. Eines Tages bedrängt sie den befreundeten Boxstall-Besitzer Igor, sie zu trainieren.

In der brandenburgischen Provinz der Nachwendezeit versucht die 17-jährige Johanna ihren Platz im Leben zu finden. Doch die rebellische Außenseiterin ist allein auf sich gestellt. Ihr Vater ist tot, die Mutter ohne Perspektive und sie selbst verliert wegen ihrer rotzigen Art einen Job nach dem anderen. Ein wenig Abwechslung bieten nur ihr altes Moped, Freundin Stella und die Erinnerungsstücke an ihren Vater, der Boxer war. Da beschließt Johanna, in die Fußstapfen des Vaters zu treten und bittet Boxstall-Besitzer Igor, sie zu trainieren.

Bilder

Auf DVD & Blu-ray (1)

Kritiken und Bewertungen

So werten die User (0)
5
 
0 Stimmen
4
 
0 Stimmen
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen
So werten die Kritiker (1 Stimmen)
5
 
0 Stimmen
4
 
1 Stimme
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen

Wie wertest Du? Klicke auf einen der Sterne:

Kritikerrezensionen

  • Um die Tristesse des Ostens nach der Wende zu bebildern, scheint sich die brandenburgische Landschaft für das Kino besonders zu eignen. Da ist diese weite Ebene, in der Joes einsames Elternhaus döst, von Gerümpel und Hühnern umgeben. Oder der Laden, eine Bruchbude mit der alten Aufschrift: „Lebensmittel Verkaufsstelle“.

    Die Metropolen-Avantgarde hat es von der Hauptstadt nicht weit in dieses Brachland, das wie geschaffen scheint für die Besiedelung durch Leinwandträume. „Die wirklich Verrückten bleiben zu Hause“, hat denn auch Mario erkannt, Joes Freund, der Autos zu Cabrios recycelt. In dieser Gegend also hat Regisseurin Catharina Deus einen Haufen abgelegtes Material gefunden und es neu kombiniert zu ihrem Spielfilmdebüt.

    Joe spielt eine Art „Million Dollar Baby“, verkörpert aber eher den wütenden, ohnmächtigen Ossi. Der zu geknickt und empfindsam ist, um sich der importierten Nimm-und-Weg-Mentalität anzupassen. Die Mutter weiß auch nicht, wo es hier noch Jobs gibt, vom Sex mit dem Lebensmittelhändler verspricht sie sich mehr Alimente. Doch selbst der sagt: „Meine ganze Familie ist depressiv“.

    Dies sind nicht die Figuren eines Sozialdramas oder einer Milieustudie, sondern Figuren, die wissen, dass sie Klischees verbraten. Und die wissen, dass sie Sprüche in den Mund nehmen, weil sie irgendwo gehört, gelesen und für cool befunden wurden. Das Drehbuch von Martina Klein experimentiert mit zahlreichen Funden: „Ich bin nicht dein seelischer Mülleimer“, sagt Joes Freundin Stella. Sie sagt auch: „Ich weiß sowieso, dass man Sex nicht überbewerten sollte, es ist doch nur eine von vielen Möglichkeiten, sich auszudrücken.“

    Katharina Wackernagel ist zu erwachsen für die Rolle der Joe, Fanny Staffa als Stella spielt ihren Smiley-Part so phänomenal abgehoben wie das Leinwand-Original Adam Sandler. Doch diese Stella hat ihre Funktion als Entwicklungshelferin für Joe, zieht sie zu einer Karaoke-Show, auf der sie die Bewunderung des smarten Mario erntet. Mit diesem Devid Striesow und seinem Kenner-Lächeln kommt Drive in die Geschichte, passen die Sprüche plötzlich. Das hässliche Entlein Joe nimmt auf einmal auch, was ihr gefällt, und lässt Federn, die ihr nicht mehr stehen.

    Joe und Mario beim Bettgespräch danach: „Wann heiraten wir?“ „Wenn es aufhört, zu regnen.“ „Ich bin eigentlich gegen die Ehe.“ „Du bringst mich aus der Fassung, Joe.“ Das funktioniert, das hat subversiven Charme. Eine so frisch zusammengebastelte Coming-of-Age-Geschichte hängt im Kaufhaus Kino noch nicht an der Stange.

    Fazit: Armes Ossi-Mädchen lernt, sich durchzuboxen: Aus dem Recycling von Klischees ist ein ungewöhnlicher Film mit subversivem Charme entstanden.
  • Dass auch in Deutschland fernab des “Gottes Fußball” ein Sportthema im Kino funktionieren kann, beweist Catharina Deus rotziger dffb-Abschlussfilm “Die Boxerin” mit einer großartigen Katharina Wackernagel.

    “Wir sind nicht arm, wir haben nur kein Geld”, umreißt die fast erwachsene Johanna ihre finanzielle und emotionale Situation. Joe, wie die ruppige Außenseiterin im Armeeparka von allen nur androgyn genannt wird, vegetiert irgendwo in der ostdeutschen Einöde um Eberswalde. Der Vater ist tot, die Mutter ohne Perspektive, und sie selbst ist Stammgast auf dem Arbeitsamt, da der aufbrausende Trampel alle paar Monate die Arbeitsstelle verliert. Einzigen Halt geben ihr das alte Moped, mit dem Joe durch die Gegend tuckert, ihre flippige Freundin Stella und die verehrten Boxer-Devotionalien des toten Vaters. Eines Tages bedrängt sie erneut den befreundeten Boxstall-Besitzer Igor, sie zu trainieren. Doch ab da muss es Joe nicht nur gegen ihren eigenen Körper, sondern auch gegen die rabiaten Vorurteile der männlichen Sportkameraden und gegen die provinzielle Enge mitsamt erstem Liebesfrust aufnehmen.

    Wer hier ein Remake von Eastwoods “Million Dollar Baby” vermutet, liegt falsch. Während beim Altmeister aus Hollywood definitiv der Sport im Vordergrund steht und sich seine Hauptfigur nur durch ihn den gesellschaftlichen Aufstieg erkämpfen kann, so zeigt die dffb-Absolventin Catharina Deus, dass Sport lediglich einer von vielen Motoren sein kann für ein so genanntes erfülltes Leben. Körperertüchtigung kollidiert ständig mit den alltäglichen Unzulänglichkeiten, und um das zu untermauern, halten die jungen Menschen im Film fast in jeder Szene eine Zigarette oder eine Flasche Bier in der Hand. Mit schnodderigen Sprüchen (etwa: “Ich bin nicht verrückt, ich sehe nur so aus”), karg gehaltenen Landschaftsaufnahmen (Kamera: Birgit Möller) und einer ungekünstelten Nähe zu den Charakteren ist Deus’ ein kleines feines Provinzfilmchen gelungen, das trotz seiner 105 Minuten kurzweilig und in der Personenzeichnung frech, aber warmherzig daherkommt. Neben großartigen Nebenrollen glänzt vor allem Katharina Wackernagel, die ihre Wandlung vom hässlichen Entlein zur selbstbewussten Sportlerin fast dokumentarisch demonstriert. aw.

Darsteller und Crew

News und Stories

  • Nominierungen für den Adolf-Grimme-Preis 2008 stehen fest

    Die Entscheidungen sind gefallen – die Nominierungen für den 44. Adolf-Grimme-Preis stehen fest: Aus 653 eingereichten Vorschlägen haben drei Vorauswahl-Kommissionen in mehrwöchigen Sitzungen insgesamt 59 Nominierungen gefiltert. Bei den Fernsehfilmen, so die erste Bilanz vom Direktor des Grimme- Instituts, Uwe Kammann, habe es „viel Klasse in der Masse“ und eine „große Dichte an sehr guten bis herausragenden Filmen&ldquo...

  • ZDF zeigt den Fernsehfilm "Mein Mörder kommt zurück"

    “Mein Mörder kommt zurück” heißt der Fernsehfilm der Woche, den das ZDF am Montag, 8. Oktober 2007 um 20.15 Uhr, ausstrahlt. Katharina Wackernagel spielt  darin eine junge Frau im Zeugenschutzprogramm, deren neues Leben von der Vergangenheit eingeholt wird.Am späteren Abend, um 23.50 Uhr, muss sich Katharina Wackernagel in einer anderen Rolle behaupten: “Die Boxerin” heißt der Auftaktfilm der vierteiligen ZDF-Reihe...

  • Sony Pictures: Kauf-Neuheiten im Oktober 2006

    Sony Pictures hat für den Oktober insgesamt zehn aktuelle Kauf-Neuheiten angekündigt. Das Musical “Rent” wird dabei in einer regulären Edition sowie einer “Collectors Edition” veröffentlicht. Letztere wird aus zwei DVDs bestehen, nähere Informationen zum Bonusmaterial liegen jedoch derzeit noch nicht vor. Ab sofort bestellbar: Das Gesicht der Wahrheit (DVD) bei Amazon bestellen Melissa P. – Mit geschlossenen Augen...

  • Sony Pictures: Leih-Neuheiten im September 2006

    Sony Pictures hat ihr Leih-Programm für den September vorgestellt. Das Highlight “Underworld 2: Evolution” haben wir einzeln vorgestellt. Als weitere aktuelle Kinofilme erscheint die Musical-Komödie “The Producers” und das deutsche Sport-Drama “Die Boxerin”. Außerdem erscheinen der Thriller “Der Zodiac Killer”, der in Deutschland ohne Kinostart direkt auf DVD veröffentlicht wird, sowie die beiden Sequels “Die Jagd...

Kommentare