Die Aufschneider (2006)

Die Aufschneider Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Die Aufschneider: Deftige Satire auf die Einsparung im Gesundheitswesen.

Die öffentlichen Gelder sind knapp – deshalb müssen die Behörden eine von zwei benachbarten Kliniken schließen. Nur zehn Tage haben die beiden Häuser Zeit, ein Gremium von sich zu überzeugen. Das bringt die Belegschaften des zukunftsorientierten Hi-Tech-Hospitals St. Georg des gestrengen Prof. Radwanski (Christoph Maria Herbst) und die hinfällige, aber gemütliche Eichwald-Klinik von Prof. Keller (Burghart Klaußner) in Zugzwang. Besonders eine liebenswerte Krankenschwester (Cosma Shiva Hagen) könnte die Misere abwenden.

Lachen bis der Arzt kommt in Zeiten wirtschaftlicher Rezession verspricht Carsten Strauchs Krankenhauskomödie, die auf seinem oscarnominierten Kurzfilm “Das Taschenorgan” basiert. Der OP-Termin zur Gesundheitsreform klingt an bei Loriot und Monty Python.

Eine von zwei benachbarten Kliniken muss geschlossen werden. Das bedeutet, dass ein harter Konkurrenzkampf zwischen St. Georg und Eichmann entbrennt. Während das Personal des einen Krankenhauses auf die üblichen betrügerischen Tricks setzt, lässt das Team des anderen Hospitals Mariachi-Bands bei der Krankengymnastik aufspielen. Bald ist jedes Mittel recht, sogar Industriespionage, Kidnapping und versuchter Mord.

Rationalisierung ist angesagt, Kosten und Personal gilt es zu sparen, in der High-Tech-Hochburg St. Georg wie auch in der ehrwürdigen Eichwald-Klinik. In unmittelbarer Nachbarschaft zueinander gelegen, finden die örtlichen Behörden, dass eines der beiden Hospitäler zu viel ist. Ganz demokratisch soll nun per Expertenkommission festgestellt werden, wer nach einer Frist von zehn Tagen die Pforten schließen muss. Was den Beginn einer von beiden Häusern mit fiesesten Mitteln geführten Schlammschlacht markiert.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Da döst der Chirurg während der Operation ein, verliert die Kontaktlinse, die sich dann hinter der Milz des Patienten findet. Da wird aus trotzigem Selbstbehauptungswillen ein Blinddarm operiert, nur um zu zeigen, dass man das kann. Da wird Konfetti in die offene Wunde eines OP-Patienten geblasen. Carsten Strauch will ganz offenbar heilige Kühe schlachten, die Halbgötter in Weiß, die uns das Fernsehen vorsetzt, vom Sockel stoßen. Wo es geht werden Tabus gepackt und durchgeschüttelt – und das ist durchaus sehr, sehr witzig, weil alles in trockenem Tonfall erzählt wird, weil auch die größte Albernheit ganz selbstverständlich genommen und ins Extrem getrieben wird.

    Das Rezept zur Veralberung bis ins Unappetitliche funktioniert gut, ja man schluckt selbst Kannibalismus, weil es sehr zum Lachen reizt. Freilich ist alles Farce, inklusive hanebüchener Story und Charakteren, die nur für die Gags da sind. Das macht das Witzgerüst stabil – allerdings auch manchmal allzu einfach, so dümpelt der Konkurrenzkampf der beiden Krankenhäuser im Hintergrund dahin, ohne zu einer Komplexität der Story oder zu einer Weiterentwicklung der Verwicklungen zu führen.

    Die Gegensätze von Modernität und Herzlichkeit, von Fortschritt, Effizienz und Wirtschaftlichkeit vs. Menschlichkeit, Inkompetenz und Blödheit werden nicht wirklich aufgelöst, sondern nur als Katalysator für Witz bemüht – nur manchmal blitzt es auf, wie die Ausschöpfung des Sparpotentials im Gesundheitswesen dazu führt, aus Menschen Medizinermaschinen zu machen, wie andererseits extremer Wohlfühlwahn zu einem Laissez-faire führt, bei dem die Patientin im Regen liegt.

    So stößt der Film nicht auf den Grund seiner Möglichkeiten, das Drehbuch hinkt der geradeheraus ironisch-lakonischen Erzählung von depperten Ärzten hinterher – Carsten Strauch und Rainer Ewerrien als befreundete Ärzte, die in eine Menge Schwulitäten geraten, ohne es zu bemerkten, sind wunderbar, und Christoph Maria Herbst in einer Stromberg-Variation ist wie zumeist eine Bank. So ist die Operation zwar nicht ganz geglückt, aber Ärzte wie Patienten sind doch zufrieden.

    Fazit: Farce mit vielen Albernheiten, die auf verschiedenen Tabubrüchen beruhen – dank der trockenen Erzählweise sehr lustig.
  • Nicht um Angeber, sondern um Chirurgen geht’s in Carsten Strauchs galliger Krankenhaus-Satire, die streckenweise zur “Halbgötter in Weiß”-Klamotte gerät.

    Rationalisierung ist angesagt, Kosten und Personal sparen, im Leben wie im Kino. Ulla Schmidts Pläne zur Sanierung des Gesundheitswesens mögen Pate gestanden haben für diesen Spielfilm-Erstling um zwei Hospitäler, denen die Schließung droht. In unmittelbarer Nachbarschaft zueinander gelegen, entscheiden die örtlichen Behörden, dass eines der beiden Häuser zu viel ist. Ganz demokratisch soll per Expertenkommission festgestellt werden, wer nach einer Frist von zehn Tagen die Pforten schließen muss: die High-Tech-Hochburg St. Georg oder die etwas in die Jahre gekommene Eichwald-Klinik. Was den Beginn einer mit fiesesten Mitteln geführten Schlammschlacht markiert und “Lost in Transplantation”, sprich der (vorhersehbaren) Verwechslung von Bypass mit Blinddarm endet.

    Launig und vielschichtig legt Regisseur, Koautor und Darsteller Carsten Strauch die pechschwarze Satire an, macht schnell klar wo seine Sympathien liegen: Bei Professor Keller (Burghart Klaußner) und dessen Team, dem die dusseligen Doktoren Wesemann (Strauch) und Kunze (Rainer Ewerrien) nebst Schwester Göbel (Cosma Shiva Hagen) angehören. Mit Mariachi-Band, hauseigenem Animateur – Josef Ostendorf oszilliert zwischen Heinz Erhard und Reiner Calmund – und gemischtgeschlechtlichen Krankenzimmern kämpfen sie gegen die fiesen Technokraten um Professor Radwanski (Christoph Maria Herbst), die medizintechnisch eindeutig von Filmen wie “Coma” oder “Extreme Measures” beeinflusst sind – siehe Ausschnüffelung des Widersachers, Kidnapping und versuchtem Mord.

    Wer jetzt an den Sanitätsfahrer Brenner alias Josef Hader und die Wolf-Haas-Verfilmung “Komm, süßer Tod” denkt, liegt nicht ganz falsch. Wobei Spielfilm-Debütant Strauch nicht so hinterfotzig vorgeht wie sein österreichischer Kollege Wolfgang Murnberger. Er haut lieber frontal drauf. Setzt dem Arsch im Operationssaal im wortwörtlichen Sinn Ohren auf und brät die Spenderleber, um sie anschließend mit Kartoffeltaschen zu servieren. Slapstick statt Subtilität also, politisch unkorrekte, dauerrauchende Mediziner, Frauen, die nicht einparken können und nicht zu vergessen die obligate homoerotische Verwechslung. Von Kamerafrau Nina Werth im Look der 70er-Jahre Pauker-, Wolfgangsee- und Report-Filme gehalten, fehlt es der etwas uneinheitlichen Arbeit vor allem am richtigen (Comedy-)Timing, wofür jedoch der ironisierende Soundtrack mit Ohrwürmern wie “Teach Me Tiger” nebst grundsoliden Darstellerleistungen entschädigt.geh.

Darsteller und Crew

News und Stories

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