Die andere Heimat - Chronik einer Sehnsucht (2013)

Die andere Heimat - Chronik einer Sehnsucht Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Die andere Heimat - Chronik einer Sehnsucht: Drama um ein Dorf im Hunsrück um 1843, in dem der Leidensdruck zu Träumen vom Auswandern führt. Neues Kapitel in der "Heimat"-Reihe von Edgar Reitz.

Ein Hunsrückdorf Mitte des 19. Jahrhunderts: die Menschen leiden unter großer Armut, Hunger und Willkürherrschaft. Eine Auswandererwelle nach Südamerika schwappt über das Land. Auch der Bauernjunge Jakob träumt von einer Zukunft in Brasilien gemeinsam mit der Tochter eines Edelsteinschleifers. Doch als sein Bruder Gustav aus dem preußischen Militärdienst heimkehrt, zersplittern seine Hoffnungen auf ein anderes Leben.

Drama um ein Dorf im Hunsrück um 1843, in dem der Leidensdruck zu Träumen vom Auswandern führt. Neues Kapitel in der “Heimat”-Reihe von Edgar Reitz, vom Regisseur angelegt als knapp vierstündiges, episches Fresko.

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    Hunsrück, 1842: Hungersnot, Armut und politische Unterdrückung der Herrschenden bringen immer mehr Einwohner des kleinen Dorfes Schabbach dazu, ins Ausland aufzubrechen, auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen, einem kleinen Stückchen Glück und einer neuen Heimat. Auch Jakob, der jüngste Sohn des Dorfschmieds, träumt von einer Reise in ferne Länder. Doch er fühlt sich seiner Familie gegenüber verpflichtet. Gustav wiederum, sein älterer Bruder, kehrt aus der Ferne zurück und fühlt sich zuhause verloren. Beide müssen sich der Frage stellen, was "Heimat" eigentlich bedeutet. Vor fast dreißig Jahren erzählte Edgar Reitz seine ersten Geschichten aus dem fiktiven Dorf Schabbach im Hünsrück. Nun kehrt er an diesen Ort zurück und berichtet erneut von der Familie Simon. Er erzählt von einer Zeit, in der Aufbruchstimmung herrschte, oftmals ausgelöst durch Not, Verzweiflung und Armut. Doch es geht auch um die ewig zeitlose Suche einer jungen Generation nach Zielen, es geht um Sehnsüchte, Hoffnungen und Pflichterfüllung. Durch die brillante Bildkomposition und die Schwarz-Weiß-Aufnahmen wird ein historisch authentisches Bild vermittelt, die Kamera leistet dabei Fantastisches und führt den Zuschauer mit Nah- und auch Panorama-Aufnahmen in einen Mikrokosmos, der stellvertretend für die damalige Zeit steht. Man begleitet Jakob, Gustav und alle anderen Dorfbewohner und lernt im Verlauf dieses so glänzend erzählten Familienepos dabei auch enorm viel über die Historie Deutschlands. Ein Lehrstück im Erzählen von Geschichten und Geschichte.

    Jurybegründung:

    Mitte des 19. Jahrhunderts. Vor allem aus den ländlichen Regionen Deutschlands machen sich große Ströme von auswanderungswilligen Menschen auf den Weg in die verheißungsvollen Länder jenseits des Atlantischen Ozeans. In den Dörfern des Hunsrück spricht man vom Traumland Brasilien, wo die Sonne ewig scheinen und das Land so fruchtbar sein soll. Und der "Kaiser von Brasilien" soll alle Einwanderer herzlich willkommen heißen und für ihr Bestes sorgen. Man berichtet schon von ersten Familien, welche den Hunsrück verlassen haben. Im Kopf von Jakob Simon, dem Sohn des Schmieds, spukt auch der Wunsch, einmal nach Brasilien zu reisen. Dem fanatischen Leser von Büchern und Reiseberichten über ferne Länder hat es besonders die vielfältige Sprache der Indianer angetan. Dies nicht gerade zur Freude des Vaters. Aus der Sicht von Jakob erzählt DIE ANDERE HEIMAT beginnend im Jahre 1843 vom Leben in einem Hunsrückdorf und im Mittelpunkt vom bewegten Leben der Familie des Schmieds Simon. Es ist ein hartes Leben, geprägt von der großen Armut aller Bewohner des Dorfes - der Handwerker wie der Bauern. Das Klima über die Jahreszeiten ist rau, der Boden wenig ertragbar und die Abgaben an die Obrigkeit kommen noch dazu. Das Essen ist karg und einseitig, die medizinische Versorgung minimal. So sterben von den neun Kindern der Familie Simon schon sechs nach der Geburt oder in frühen Jahren. Und einer Diphterie-Epidemie fallen fast alle kleinen Kinder im Dorf zum Opfer, auch das Kind von Jakobs Bruder Gustav, der daraufhin entscheidet, sich der beginnenden großen Auswanderungswelle nach Brasilien anzuschließen. Und die, die bleiben? Sie führen ein Leben in der dörflichen Gemeinschaft über Generationen, Tür an Tür, natürlich unverschlossen. Es ist der Glaube, der sie aufrechthält, es ist die Hoffnung auf vielleicht doch bessere Zeiten und eine grenzenlose Opfer- und Schicksalsbereitschaft. Und es ist die Heimat!
    Durch eine phantastische Bildsprache (hier hat sich Gernot Roll übertroffen!) mit überragend schönen Panoramen der Hunsrücker Landschaft und einer packenden Nähe im Blick auf das Leben der Familie Simon wird der Zuschauer von Beginn an immer intensiver in den Film und das reiche Geschehen gesogen. Nie verliert der Film trotz seiner Länge an Spannung, ja er vermag diese dank eines ausgefeilten Drehbuches noch stetig zu steigern. Die Besetzung von Haupt- und Nebenrollen entspricht den vorgegebenen Charakteren aufs Beste und ihr Spiel ist unter der sicheren Führung von Edgar Reitz glaubhaft realistisch. Marita Breuer als Mutter der Familie Simon sowie Maximilian Scheidt als Gustav und Jan Schneider als Jakob, die zentrale Persönlichkeit des Films, ragen dabei heraus. Ein ausgefeiltes Szenenbild und die detailgenaue Ausstattung zaubern ein Hunsrückdorf, welches den Zuschauer in eine Zeitreise mehr als 150 Jahre zurück zu schicken vermag. Die Häuser im Dorf, die Straßen und Wege, die Schmiede, die Möbel, Fuhrwerke, die Wohnungseinrichtungen, die Kleider.... so mag es damals wirklich ausgesehen haben! Dass die Kamera eine besondere Unterstützung durch die perfekte und sicher nicht einfache Lichtarbeit in den dunklen Räumen und Gassen bekam, ist deutlich zu erkennen. Ein Film in schwarz-weiß: Nicht anders hätte diese Geschichte erzählt, hätte diese Dichte in der Bildsprache erzielt werden können. Ein wunderbarer dramaturgischer Einfall dabei die sparsam eingesetzte Farbe, meistens als Zeichen der Hoffnung, der Freude und der Liebe. Ein besonderes Lob verdient die immer stimmige musikalische Begleitung und letztlich die große Leistung der Montage. Trotz der Länge des Films mag man auf kein Bild, keine Szene verzichten! Wenn die Kamera vom langen Treck der Auswanderer des Dorfes nach oben zieht und sich am Horizont ein weiterer Treck anschließt, dann muss dieses Bild nicht den Vergleich mit Filmen der großen Western Hollywoods scheuen.
    Edgar Reitz ist mit DIE ANDERE HEIMAT ein großes episches Werk gelungen, das zeitlos in die Filmgeschichte eingehen wird.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Drama um ein Dorf im Hunsrück um 1843, in dem der Leidensdruck zu Träumen vom Auswandern führt. Neues Kapitel in der “Heimat”-Reihe.

    “Eine Reise in die Freiheit beginnt mit einem neuen Blick”, schreibt Bauernjunge Jakob in sein am 1. April 1842 begonnenes Tagebuch. Darin spiegelt sich die Welt der Vormärz-Zeit. Noch herrscht der Adel, kennzeichnen Verfolgung und Unterdrückung den Alltag, aber parallel entwickeln sich Liberalismus und Nationalismus, gerät der Obrigkeitsstaat in die Defensive. Die Vorboten der Revolution von 1848 sind zu spüren. In diesem brisanten Spannungsfeld bewegt sich Edgar Reitz’ emotional packendes monumentales Meisterwerk.

    Im Mittelpunkt der Saga steht das Schicksal der Brüder Simon. Der sensible Jakob ist seiner Zeit voraus, verschlingt gegen den Willen des Vaters jedes Buch, das ihm in die Finger fällt, und träumt vom Aufbruch nach Brasilien, von Flucht vor Hunger und Willkürherrschaft. Auch Jettchen, Tochter eines Edelsteinschleifers, findet Gefallen an seinen Gedanken von Freiheit in der Ferne. Als Jakobs tatkräftiger Bruder Gustav aus dem Militärdienst heimkehrt, zersplittern seine Hoffnungen auf ein anderes Leben.

    Das epische Fresko in atemberaubenden Schwarz-Weiß-Bildern fasziniert von der ersten bis zur 225. Minute, scheint kürzer als so mancher 90-Minüter. Akribisch und detailgetreu lässt Reitz eine von Krankheit und Kargheit geprägte vergangene Welt auferstehen, in der eine Generation, die Lesen und Schreiben lernt, beginnt aufzubegehren. Der Begriff historischer Film wird neu definiert – weg von nostalgischen Kulissen, Kostümen und Museumscharakter, hin zur Authentizität. So wurde das Filmdorf in ein existierendes Dorf gebaut, die Häuser mit historischen Fassaden, Fenstern, Türen und Dächern überbaut. Kameramann Gernot Roll leistet mit seiner unverwechselbaren Bildsprache im Cinemascope-Format ganze Arbeit, da funkeln die Staubkörnchen am Webstuhl im hereinfallenden Sonnenlicht, wirken die Planwagenkarawanen am Horizont wie Scherenschnitte, wird das Beschlagen von Pferden zur physischen Erfahrung. Magisch ist die Farbkolorierung, mal ein blinkendes Goldstück, die deutsche Fahne, Flachsblüten. Der Film verharrt nicht in der Vergangenheit, sondern zieht den Bogen zur Gegenwart mit ihren Migrationsbewegungen, religiösen Doktrinen, der Verlorenheit in einer Welt des Umbruchs, der Sehnsucht nach einem Platz, wo man hingehört. Manche nennen ihn Heimat. mk.

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