Das Haus auf Korsika (2011)

Originaltitel: Au cul du loup
Das Haus auf Korsika Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Das Haus auf Korsika: Drama um eine Frau, die durch ein unverhofftes Erbe, ein Häuschen auf Korsika, aus ihrem eingefahrenen Leben gerissen wird.

Eine 30Jährige erbt überraschend von ihrer geliebten Großmutter ein Haus auf Korsika. Statt es kurzerhand zu verkaufen, wie es ihr Vater bestimmt und ihr langjähriger Freund erwartet, macht sie sich spontan auf in den Süden, um das Erbe in Augenschein zu nehmen und findet ein ziemlich heruntergekommenes Gebäude in einer abgelegenen Berggegend. Aus dem Bauch heraus entscheidet sie sich, das Haus bewohnbar zu machen und weit weg vom belgischen Charleroi einen Neuanfang zu wagen und auf eigenen Füßen zu stehen.

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Kritikerrezensionen

  • Wer davon träumt, überraschend ein Haus auf einer Ferieninsel zu erben, hat wohl eher eine Traumimmobilie vor Augen, als einen uralten Unterschlupf aus Naturstein in einem verlassenen Bergdorf. Die belgische Kellnerin Christina (Christelle Cornil) hat letzteren von ihrer Oma vermacht bekommen. Weder ihr Freund, noch ihre Eltern haben Verständnis dafür, dass sie das Haus nicht so schnell wie möglich verkaufen will. Der belgische Regisseur und Drehbuchautor Pierre Duculot erzählt in seinem Langfilmdebüt, einem Drama der leisen Töne, wie eine junge Frau zu den Wurzeln ihrer Familie zurückkehrt und sich in das naturnahe Leben verliebt.

    Es ist die Umkehr der Landflucht ihrer Großeltern, die Christina in das wie ausgestorben wirkende korsische Dorf Mausoléo mit seinen zwölf Einwohnern führt. Die Nachkommen der Generation, die einst in die Städte emigrierte, haben es dort nicht alle zu Wohlstand und Glück gebracht. Christinas Vater ist in Charleroi arbeitslos, sie selbst kellnert nach ihrem Hochschulstudium in der Pizzeria des Vaters ihres Freundes. Eine echte Zukunftsperspektive sieht anders aus, und die Oma scheint gewusst zu haben, was ihrer Enkelin fehlt. Ihr Testament ist wie ein geheimer Wink an Christina, das Dorf zu entdecken, in welchem die Großmutter als junge Frau lebte und sich verliebte. Das unscheinbare Steinhaus könnte ihr auch zum Refugium werden, ihr ein neues Gefühl der Verwurzelung geben.

    Christina taucht in dem entlegenen Bergdorf in eine unbekannte, von der gewaltigen Natur bestimmte Welt ein. Sie badet im kalten Bach, steigt hinauf zu den Sommerweiden, wo sie von einem Temperatursturz überrascht wird. Sie hat kein Geld, um das löcherige Hausdach reparieren zu lassen und muss sich ein Moped zulegen, um zum Einkaufen zu fahren. Schon die Anreise per Anhalter den Berg hinauf geriet für Christina zur Mutprobe, denn die beiden Männer, die sie mitnahmen, waren ihr etwas unheimlich. Aber die junge Frau entdeckt in dieser rauen Fremde ihre Unternehmungslust und entwickelt Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Der Schäfer Pascal (François Vicentelli) unterstützt sie dabei als guter Nachbar und feiert mit ihr auf einem stimmungsvollen Dorffest.

    Streckenweise denkt man wie Christina, dass Pascal nur darauf wartet, mit ihr in eine glückliche Beziehung zu starten. Aber der Weg, den sie gehen muss, ist dann doch ein wenig steiniger – dort an der Grenze zur Wildnis ist erst einmal jeder auf sich allein gestellt. Im Mittelpunkt der Geschichte bleibt das Haus und seine mühsame Renovierung – ein Film für die Baumarkt-Kundschaft, der atmosphärisch reizvoll geraten ist. Die Genugtuung, die die schüchterne und unscheinbare Christina erfährt, bleibt meistens unter der Oberfläche, ist eine Antwort auf die sinnliche Wahrnehmung von Wind und Wetter, von alten Mauern und der Heimeligkeit, die sie verheißen.

    Christinas Entscheidung, sich etwas Eigenes aufzubauen, führt nach anfänglichem Streit auch zum einem neuen Zusammenhalt in der Familie. Erzählstränge werden geknüpft und halb fertig stehengelassen, so wie sich die Hauptfigur umständlich orientieren muss. Das gibt der frischen Luft in der herben Natur immer wieder Gelegenheit, auch für emotionale Ernüchterung zu sorgen. Die Geschichte der Großmutter wird nur angedeutet, Christinas Zukunft bleibt eine Baustelle – und das Ende des Films kommt so jäh, dass man meint, nur einer längeren Einführung gefolgt zu sein.

    Fazit: Der Film für Häuslebauer, die sich zu Steinruinen in urigen Bergdörfern hingezogen fühlen: „Das Haus auf Korsika“ macht nach atmosphärisch reizvoller Eröffnung einen unfertigen Eindruck.
  • Selbstfindung einer 30Jährigen, die in der Einsamkeit der korsischen Bergwelt ihr Schicksal in die eigenen Hände nimmt.

    So richtig schön ist es nicht im belgischen Charleroi und schon mal gar nicht, wenn eine junge Frau wie Christina nach dem Studium keinen Job findet und in der Pizzeria ihres Fast-Schwiegervaters als Kellnerin ihre Brötchen verdient, angepasst und ohne Zukunft. Seit zehn Jahren ist sie wie ein altes Ehepaar mit Pascal zusammen. Wenn sie nackt aus der Dusche kommt, ist ihm das keinen Blick mehr wert. Die nicht gerade aufregende Beziehung könnte endlos so weitergehen, wenn ihr die Oma nicht unerwartet ein Haus auf Korsika vererbt hätte. Schnell verscherbeln, raten Freunde und Familie. Doch einem inneren Impuls folgend, macht sie sich auf in den Süden, um das Erbe in Augenschein zu nehmen und findet ein ziemlich heruntergekommenes Gebäude in einer abgelegenen Berggegend. Aus dem Bauch heraus entscheidet sie sich, das Haus bewohnbar zu machen und weit weg von der italienischen Kolonie in der grauen Bergarbeiterstadt einen Neuanfang zu wagen und auf eigenen Füßen zu stehen.

    Im Mittelpunkt des ersten Spielfilms von Pierre Ducolot, der selbst aus der Region um Charleroi stammt, stehen Generationenkonflikt, Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung. Sehr langsam startet die Suche nach der Geschichte der Großeltern und damit nach der eigenen Identität, die Sprödigkeit der Hauptfigur (Christelle Cornil) und ihre Unberechenbarkeit erschweren anfangs den Aufbau von Nähe. Aber wie sie dann ihr geordnetes Dasein wie eine alte Haut abwirft und plötzlich Gefühle zulässt, sich traut, ins kalte Wasser des Lebens springen, das rührt dann doch. Der frühere Lehrer, Journalist und Produzent von Spiel- und Dokumentarfilmen zeigt Korsika nicht als Postkartenidylle oder sonnige Touristeninsel mit fröhlicher Folklore, sondern als schroffe Bergwelt im Winter, wo in den entlegenen Dörfern nur noch ein paar Alte ausharren, die der neuen Nachbarin freundlich aber distanziert begegnen. Der schwierige und gleichzeitig befreiende Prozess der Selbstfindung schrammt manchmal knapp am Klischee entlang, wenn sich die Städterin nicht nur in die Landschaft, sondern auch in den äußerst attraktiven Schäfer verliebt, süße Lämmchen einfängt und große Augen bei der Käseherstellung macht. Aber da ein typisches Happy End ausbleibt, vergisst man diese Schnitzer angesichts großartiger Landschaftsaufnahmen und gelungener Personenzeichnung schnell. mk.

Darsteller und Crew

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