Coming In (2014)

Coming In Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (4)
  1. Ø 5
Kritikerwertung (3)
  1. Ø 2

Filmhandlung und Hintergrund

Coming In: Komödie um einen schwulen Starfriseur, der sich in eine Kiezfriseuse verliebt.

Tom Herzner ist Berlins In-Coiffeur, der in Mitte einen noblen Haartempel betreibt. Soeben hat er ein erfolgreiches Männer-Shampoo auf den Markt gebracht, nun soll eine Linie für die weibliche Klientel folgen. Da der Liebling der Schwulenszene jedoch absolut keinen Zugang zur Frauenwelt besitzt, verdingt er sich undercover im Neuköllner Kiezsalon der ebenso gutherzigen wie selbstbewussten Heidi. Beeindruckt von ihr, stellt er bald fest, dass er dem “schwachen” Geschlecht vielleicht doch gar nicht so abgeneigt ist.

Ein schwuler Starfriseur verliebt sich ausgerechnet in eine Berliner Kiezfriseuse. Moderne, lichtdurchflutete Berlin-Komödie, die sich mit einem Augenzwinkern über sexuelle Stereotypen lustig macht.

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Kritiken und Bewertungen

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    Tom Herzner ist eine Größe in Berlin. Sein Herren-Friseursalon boomt, sein neues Herrenparfüm startet voll durch und die Schwulenbegegnung feiert ihn als ganz großen Vorreiter und Trendsetter. Aber ein Problem gibt es da noch: Bei Frauen kommt Herzner so gar nicht gut an. Kein Wunder: Von Frauen hat sich Tom bisher immer ferngehalten. Sein Manager und Partner findet, dass sich das ändern muss. Und so schleust sich Tom undercover in einem Neuköllner Friseurgeschäft ein. Seine Chefin dort ist Heidi. Heidi ist frech, nimmt kein Blatt vor den Mund und zeigt Tom, wie er mit Frauen umgehen muss. Doch je mehr Zeit Tom mit Heidi verbringt, desto mehr weiß er nicht nur, was Frauen wollen. Er weiß auch plötzlich nicht mehr, was er eigentlich will. Oder besser gesagt, wen. COMING IN von Marco Kreuzpaintner ist eine romantische Komödie rund um die ewige Suche nach Geschlechteridentitäten. Dabei wirbelt der Film die Welten der homo- und heterosexuellen Liebe gehörig durcheinander und stellt die wichtige Frage in den Raum, wie wichtig solche Zuordnungen eigentlich heutzutage noch sind bzw. sein müssen. Der gesamte Cast agiert mit Spielfreude, allen voran Kostja Ullmann als Friseur, dessen Gefühlswelt aus den Fugen gerät, und Aylin Tezel, die so herrlich charmant das Mädchen von nebenan spielt, mit dem goldenen Herzen auf der Zunge und dem verträumten Kopf in den Wolken Berlins. Auch die Nebendarsteller glänzen, vor allem August Zirner und Andre Jung als schwules Langzeitpärchen sind zum Niederknien gut. Wie jede funktionierende Komödie lebt auch COMING IN von einem stimmigen Timing und einem dynamischen Erzählfluss, die Gags sitzen, wobei der Humor oftmals eher leise daherkommt und eine romantische Note die Grundstimmung beherrscht. Die Musik, komponiert von Peter Plate, passt sich dieser Stimmung perfekt an, der Soundtrack garantiert Ohrwurm-Hits und Berlin ist in sommerlich schöne Bilder getaucht, die einfach gute Laune versprühen. Die perfekte Mischung aus Komik, Romantik und einer positiven Botschaft - COMING IN ist der perfekte Beweis dafür, dass tolle romantische Komödien in Deutschland möglich sind. Jurybegründung: Bunt und turbulent beginnt die Komödie von Marco Kreuzpaintner, die sich einer Frage annimmt, die sich schon viele Frauen gestellt haben. Der erfolgreiche, gutaussehende, begabte Tom Herzner (Kostja Ullmann), stadtbekannter Coiffeur in Berlin, soll nach seinem erfolgreich vermarkteten Herrenshampoo nun auch eins für Damen kreieren, sieht sich aber dazu nicht in der Lage, weil er als Homosexueller von Frauen wenig Ahnung hat, denn er hat sich bisher ja nur für Männer interessiert. So heuert er im Salon "bel hair" in Berlin-Neukölln an, wo die hübsche und selbstbewusste Heidi (Aylin Tezel) einen gut gehenden Salon betreibt. Heidi verliebt sich umgehend in Tom, um bald zu merken, dass ihre Erfolgsaussichten bei ihm eigentlich sehr gering sein dürften. Die "Romantic Comedy verkehrt" bietet nun einige unerwartete Wendungen auf. Die Widerstände der schwulen Community spielen dabei eine wichtige Rolle. Das Magazin "queer" - die Redaktion unter Leitung von August Zirner, der eine besonders vorzügliche "Tunte" abgibt - ist entsetzt über die sich anbahnende Wandlung Toms, der selbst nicht weiß, wie ihm geschieht. Doch die ebenso charmante wie attraktive Heidi fasziniert Tom mehr. Das schafft sie gekonnt und professionell, indem sie Tom eine Duftsubstanz vorführt, die ihn als sensiblen Parfümeur überzeugt. So gewinnt sie nach und nach seine Aufmerksamkeit und seine Gefühle, auch wenn sie immer wieder von Selbstzweifeln geplagt wird. Die hervorragend besetzte Komödie von Regisseur Marco Kreuzpaintner bricht mit einigen Regeln und gewinnt. Die ironische Brechung mancher Klischees wirkt befreiend und seine Schauspieler vollziehen sie mit großem Spaß. Alle Rollen sind hervorragend besetzt. Der Auftritt von Heidis Freund (Frederick Lau) als tumber Fußballfan verstärkt nochmals die elegante Erscheinung Toms. Die Fragen nach Identität und Selbstverständnis, nach Zugehörigkeit und Diskriminierung kommen leichtfüßig und elegant daher, dafür sorgen auch Ausstattung und Musik. Ein Film, der spielerisch und mit subtiler Komik sexuelle Identität in Frage stellt. Die Jury entschied sich für das Prädikat besonders wertvoll. Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Die romantische Komödie "Coming In" schwimmt, wie schon ihr Titel verrät, keck gegen den Strom. Sie folgt nämlich der Idee, dass ein schwules Coming Out nicht das letzte Wort sein muss. Beziehungsweise, dass sich auch ein homosexueller Mann in eine Frau verlieben kann. Der ebenfalls schwule Regisseur Marco Kreuzpaintner ("Krabat", "Sommersturm") sieht in dem Thema einen Versuch, das traditionelle Schubladendenken aufzubrechen. Die Komödie, ein Remake eines gleichnamigen Fernsehfilms aus dem Jahr 1997, wirft noch zwei weitere Gegensätze in den Topf: Tom Herzner repräsentiert das durchgestylte, elitäre Berlin, Heidi hingegen das Proletenmilieu, in dem man das Wort Nuance zwar kennt, aber ohne Ü ausspricht. In dem Moment, als Tom das zum ersten Mal auch macht, weiß er, dass er sich mitten in einer radikalen Persönlichkeitsveränderung befindet.

    Ohne diesen albernen Einfall mit dem schwulen Mann, der sich in eine Frau verliebt, wäre die Komödie durchaus solider Mainstream. Denn aus dem Kontrast zwischen der eingebildeten Glamourwelt, in der sich der Promifriseur bewegt, und dem geerdeten, leicht kitschigen Working-Class-Ambiente bei Heidi kann der Film etliche witzige Funken schlagen. Was Tom an dieser jungen Frau so fasziniert, ist vor allem ihre Herzlichkeit – eine Eigenschaft, die er in seinem Salon und selbst in seiner schnöseligen Schwulenclique vermisst. Aber der Film scheint bei alldem seinen Charakteren nicht wirklich nahe kommen zu wollen, um sich nicht zu verkomplizieren.

    Lieber beschränkt sich die Inszenierung darauf, eine Reihe klischeehafter Nebenfiguren antanzen zu lassen, die für Stimmung sorgen sollen. Da gibt es den schrill gekleideten Schwulen (August Zirner), den unterbelichteten Fußballfan Didi (Frederick Lau) als Heidis Freund, und Heidis liebe Großeltern, die Tom mit einer neuen Frisur beglücken darf. Dazu erklingt eine oft ziemlich dick aufgetragene Musik, die amerikanische Popsongs imitiert. Insgesamt hinterlässt der Film trotz hübscher Momente einen oberflächlichen, und wegen dem umgekehrten Coming Out auch kuriosen Eindruck.

    Fazit: Die romantische Komödie "Coming In" baut auf dem unwahrscheinlichen Fall auf, dass sich ein schwuler Starfriseur in eine Kollegin aus der Unterschicht verliebt. Die gefällige Inszenierung beschränkt sich auf oberflächlich milde Unterhaltung.
  • Coming-out anders rum – ein Nobelcoiffeur verliebt sich in Marco Kreuzpaintners schwungvoller, lustvoll mit Klischees spielender RomCom in eine Kiezfriseuse.

    Ein Coming-out gab’s schon 2004 bei Marco Kreuzpaintners reflektierter Coming-of-Age-Komödie “Sommersturm”, nun variiert er bei “Coming in” das Thema. Erwachsener sind diesmal seine Protagonisten, etabliert und im Leben angekommen. Wesentlich schriller und leichter ist nun der Ton, wobei der Film jedoch nie zum puren Klamauk verkommt und die Figuren durchaus der Realität verpflichtet sind. Als klassische RomCom mit anderen Vorzeichen muss man diesen Gute-Laune-Spaß lesen, der um Liebe, Freiheit und Selbstfindung kreist und im (Szene-)Berlin trefflich verortet ist.

    Tom Herzner (Kostja Ullmann) ist der angesagte Coiffeur der Hauptstadt. Seinen Haartempel in Mitte – elektrisch Schneiden ist hier verpönt – frequentiert die Prominenz, dass keine Frauen Platz nehmen, dafür sorgt resolut Geschäftsführerin Berta (frostig gut: Katja Riemann) – notfalls mit dem Hinweis darauf, dass sie nur in diesem Männerhort arbeiten darf, weil ihre “Titten nicht echt sind”. Nach einem erfolgreich eingeführten Herrenshampoo soll eine Linie für die Damen folgen, ein Problem für Tom, dem Liebling der Schwulenszene, der mit dem schwachen Geschlecht so gar keine Erfahrung besitzt. So landet er zu Feldforschungszwecken im “Bel Hair”, dem Neuköllner Kiezsalon von Heidi (Aylin Tezel), die ihn gleich mal eine dicken Kuss auf die Lippen drückt, was ihn mehr als nur verdattert.

    Romeo und Julia, Heten und Homos, High Society und hemdsärmelige Prölls – vom heftigen Aufeinanderprall verschiedener (Werte-)Welten erzählt Kreuzpaintner mit gutem Auge für Charaktere und Lokalkolorit. Coming-out mal anders. Vorurteile und Rollenmuster werden hinterfragt, lustvoll wird mit Klischees und Stereotypen gespielt, dabei jedoch niemand der Lächerlichkeit preisgegeben. Tom muss sich seiner neuen Umgebung anpassen, mit Hape-Kerkeling-Perücke, T-Shirt, das ihn als Union-Berlin-Fan ausweist, und neuem Namen: Horst, “ausgerechnet Horst”. Die Freunde – darunter Lover Robert (Ken Duken), Chauffeur Bassam (Denis Moschitto) und Salvatore (extra-tuckig: August Zirner), Herausgeber eines schwulen Stadtmagazins, sind ob Toms “Verwirrung” entsetzt – “Frauen sind rechthaberisch, beherrschend und halten dir die Nase zu, wenn du schnarchst!” -, Heidis Umfeld kann mit den geschniegelten Tunten nichts anfangen.

    Doch Tom hat sein Herz längst verloren, was Berta sofort erkennt: “Was ist los mit dir? Du gehst so breitbeinig.” “I Kissed a Girl” singt Katy Perry auf dem sorgsam zusammengestellten Ohrwurm-Soundtrack, verführerisch glitzern Daniel Gottschalks Großstadtbilder, während Tom mit der gestylten Heidi auf dem Sozius durch die nächtlichen Straßen braust. Herz reimt sich ganz ungeniert auf Schmerz, Tränen fließen und vor dem Platzregen flüchtet sich das Paar in einen Fotoautomaten. Aus dem Schlitz fällt final der obligate Bildstreifen – “The End” steht drauf, “Happy” versteht sich. geh.

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